Kann man diese Unansehnlichkeit auch statistisch erfassen?

Das 0:0 der Eintracht beim Club in Nürnberg erntete allerorten das Prädikat unansehnlich oder auch schlimmer. Kann man diese Unansehnlichkeit auch statistisch erfassen? – Ein Gastbeitrag von Florian Zenger.

Braunschweig und der FCN spiegelten den Aufbauansatz des Gegners, indem sie beide überdurchschnittlich viel auf lange Bälle setzten. Nürnberg (20,9%) und die Eintracht (18,2%) lagen damit einerseits über oder in der Nähe des eigenen Saisondurchschnitt (15,4% bzw. 20,4%) und andererseits auch weit über den Ligadurchschnitt von 13,5%. Allein der Wert deutet die Charakteristik und auch das Problem des Spiels an: Es war einfach viel Gebolze.

Bild: Robin Burek

Dabei war der Ansatz natürlich verständlich: Langer Ball auf Schäffler bzw. Proschwitz, Ablage auf Møller Dæhli/Dovedan/Borkowski bzw. Ji/Kroos/Kaufmann und dann Spielaufbau im letzten Drittel. Allein im letzten Drittel fehlte dann beiden Mannschaften die Idee: Insgesamt nur sieben Schlüsselpässe, also Pässe, die zu Abschlüssen führten, hatten beide Mannschaften zusammen aus dem Spiel. In neunzig Minuten fanden beide gemeinsam nur einen einzigen Abschluss aufs Tor (Dovedan, 40.).

Quelle: Wyscout

Beide Mannschaften hatten in dieser Saison sowieso schon Probleme, den Ball in Tornähe an den Mann zu bringen – Braunschweig ist Letzter in dieser Wertung mit 4,4 „deep completions“, der FCN 14. mit im Schnitt 5,7 im Radius von 20 Metern um das Tor angekommenen Pässen. Das war an diesem Nachmittag nicht anders. Nürnberg kam auf fünf solcher Zuspiele, Braunschweig auf vier. Die Zuspiele in den Strafraum kamen nur zu 30% (Nürnberg) bzw. 26% (Braunschweig) an, so dass insgesamt nur sieben (FCN) bzw. acht (Eintracht) Ballbesitzphasen im gegnerischen Strafraum endeten.

Quelle: Wyscout

Dazu kommen auch noch andere überdurchschnittlich schwache Werte: Beim FCN waren es 3 von 14 Flanken, die das Ziel fanden, bei der Eintracht 3 von 16. Für die Eintracht war das immer noch unterdurchschnittlich, weil sie normalerweise 27% der Flanken anbringt – immer noch zweitschlechtester Wert ligaweit, für den FCN sogar weit von den normalen 37% entfernt. Gepaart mit extrem vielen Fehlpässen, die natürlich zum Teil der hohen Zahl an langen Bällen geschuldet sind, führt das zu einem Spiel, das eben kaum die ästhetischen Ansprüche erfüllen kann.

Quelle: Wyscout

All das mündet in expected Goals Werten von 0,43 (FCN) und 0,69 (BTSV), die unterstreichen wie wenig gefährlich beide Mannschaften waren.

Was kann man der Eintracht mitgeben?

  • An der Flankengenauigkeit arbeiten: Die wenigen Szenen, in denen die Hereingaben von Außen ankamen, waren allesamt gefährlich. Gerade wenn Ji ins Kopfballduell gegen einrückende Rechtsverteidiger wie am Sonntag Valentini kommt, kann er Größe und Kopfballstärke – er gewinnt zwei von drei Kopfballduellen – zu seinem Vorteil ausnutzen.
  • Mehr Geduld und Genauigkeit im Aufbau: Auffällig ist, dass Braunschweig ungewöhnlich viele Ballbesitzphasen zwischen zehn und zwanzig Sekunden Länge zu verzeichnen hatte. Schaut man sich dann die Passwerte an, sieht man: 61 % angekommene Vorwärtspässe, 60% angekommene Pässe für Raumgewinn, 56 % angekommene Pässe ins letzte Drittel – alles keine guten Werte für ein strukturiertes Offensivspiel. Nimmt man beides zusammen, dann findet man eben einerseits die langen Bälle natürlich wieder, aber auch kombiniert mit der Verweildauer am Ball, Anzeichen für eine gewisse Ungeduld im Aufbau. Die abzulegen könnte dem Offensivspiel der Eintracht gut tun.
  • Gegen Gegner mit kopfballstarken Innenverteidigern mehr variieren. Beim FCN stand mit Margreitter einer der besten Zweitligaspieler im Defensivkopfball auf dem Platz. Dass Proschwitz hier kaum zu Ablagen kommt, war zu erwarten gewesen, auch wenn er sich in der Luft behaupten konnte. Hier wäre etwas mehr Variabilität gefragt gewesen, gerade weil Margreitter im Bodenduell Temponachteile hat. Größere Flexibilität in der Angriffsstrategie würde hier helfen.

Florian Zenger ist im echten Leben Lehrer für Englisch, Sozialkunde und Geschichte und hat da mit Zahlen und Daten nicht viel zu tun. Im Fußballleben aber schon. Er schreibt normalerweise für Clubfans United und hat da auch aus Sicht des FCN das Spiel beleuchtet. Außerdem ist er Teil des FCN-Podcasts „Ka Depp“ von nordbayern.de und veröffentlicht dort – sowie in Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung – jede Woche eine Gegnervorschau unter dem Namen „Zengers Taktiktafel“.

Quelle: wyscout

Problemposition Linksverteidiger: Wer ist die ideale Lösung?

Ein Beitrag von Lennart Wenk.

Moin, ihr Löwen!

Der überaus wichtige Sieg gegen Jahn Regensburg hat eine Debatte, die sich schon länger in sämtlichen Foren hält, vorübergehend unter den Tisch gekehrt. Darin geht es um die Besetzung der Linksverteidiger-Position bei der Eintracht. Mittlerweile hat man den Anschein, dass diese Position zu einer Art „Sorgenkind-Position“ geworden ist. Wir wollen heute Fakten schaffen und stellen euch Nico Klaß intensiv vor. Darauf folgt der heißersehnte Vergleich zu unserem Backup Linksverteidiger, Lasse Schlüter.

Viel Spaß damit!

Die Ausgangslage

Nico Klaß hatte bei der Eintracht von vornherein einen schweren Stand. Zu groß sahen einige Fans den Sprung von der Regionalliga in die zweithöchste Spielklasse Deutschlands. Anfangs sollten einige damit Recht haben. Klaß wurde immer wieder zum Unruhefaktor und war durchaus fehleranfällig. Dabei muss man ihn jedoch zu Gute halten, dass er im seltensten Fall auf seiner eigentlichen Stammposition in der Innenverteidigung eingesetzt wurde. Stattdessen musste er auf der ungewohnten Linksverteidigerposition aushelfen als sich Niko Kijewski schwer verletzte. Somit wurde die Hürde von der Regionalliga zur zweiten Liga automatisch höher.

Bild: Robin Burek

Grundsolide in der Defensive, jedoch anfällig in Puncto Ballverluste

Dass Klaß ausgebildeter Innenverteidiger ist, sah man bei seinen Einsätzen als Linksverteidiger oft. Er bestreitet im eigenen Drittel durchschnittlich rund acht Defensivduelle innerhalb von 90 Minuten. Dabei lässt seine Erfolgsrate mit 61 % zu Wünschen übrig, ist aber aufgrund der aktuellen Tabellenposition definitiv noch im überdurchschnittlichen Rahmen. Man sieht also durchaus, dass er eine defensive Grundausbildung mit hohem Potenzial hat.

Quelle: Wyscout

Aufpassen muss Nico Klaß dennoch bei den Ballverlusten. Klaß verliert den Ball innerhalb von 90 Minuten durchschnittlich rund zehnmal. Dies „beschert“ ihn im Ranking einen Platz im oberen Mittelfeld. Besonders gefährlich sind Ballverluste im letzten Drittel des Spiels. Der gebürtige Duisburger verliert 2,3 Zweikämpfe pro Spiel im eigenen Drittel, davon werden 0,84 Ballverluste als gefährlich eingestuft. Damit liegt er im ligainternen Ranking relativ weit vorne. Einen seiner Ballverluste verbuchte er sogar direkt im eigenen Strafraum. Dieser führte im Hinspiel gegen Jahn Regensburg daraufhin direkt zum katastrophalen Gegentor. Die zweite Liga verzeiht eben einfach keine Fehler.

Wirkt sich Eintrachts Pressingschwäche auch bei Nico Klaß aus?

Eines der größten spielerischen Probleme liegt bei der Eintracht derzeit im Bericht des Pressingsspiels. Viel zu oft wird der Gegner zu spät oder nur halbherzig attackiert, wodurch dieser nach Belieben sein Spiel aufziehen kann. Beispiele für diesen Ablauf gibt es zu Genüge. Das aktuellste wäre die 3:0 Niederlage gegen den Aufstiegsaspiranten, Holstein Kiel. Wie steht es hierbei jedoch um Nico Klaß ? Ist er Teil des Problems oder eher ein Lösungsansatz ?

Quelle: Wyscout

Die Ballgewinne, die als Indikator für ein gutes Pressing gelten, liegen bei Nico Klaß mit rund sechs Ballgewinnen pro Spiel im unteren Mittelfeld. Im ligaweiten Vergleich liegt er auf dem 60.Platz. Da wir uns jedoch dem Thema Pressing widmen, interessiert einem besonders, wie viele Bälle durch ein gezieltes Gegenpressing gewonnen werden. Hier liegt Klaß bei einem Wert von rund zwei Ballgewinnen unter Pressingeinfluss. In diesem Bereich verschlechtert sich sein Rang in der Tabelle um den ein oder anderen Platz. Um die Anfangsfrage zu beantworten, muss man also sagen, dass Nico Klaß nicht durch gutes Pressingspiel glänzt, sondern eher Teil des Mannschaftsübergreifenden Problems ist. Für ein gutes Pressing bedarf es allerdings nicht nur einen Spieler, sondern die ganze Abwehrkette, die im blau-gelben Fall schnell eine Schippe drauf legen sollte.

Aufbauspiel: Langer Hafer oder gut durchdachtes Kurzpassspiel ?

Von einem Schlüsselthema gehen wir zum nächsten dieser Güteklasse über, dem Aufbauspiel. Um eine logische Schlussfolgerung zu betreiben, müsste man normalerweise von einem etatmäßigen Innenverteidiger denken, dass das Offensivspiel auf einer Außenverteidigerposition eher weniger zur Stärke von Nico Klaß gehört. Dieser Gedanke ist zwar etwas pauschal und doch trifft er in gewisser Weise zu.

Quelle: Wyscout

Zunächst fällt auf, dass Nico Klaß im Allgemeinen mit 30 Pässen pro Spiel verhältnismäßig wenige Pässe schlägt. Etwas verwunderlich, wenn man bedenkt, dass der Außenverteidiger doch nicht unwesentlich zum Spielaufbau beiträgt. Ein großes Manko ist hierbei die Passgenauigkeit, die sich mit 64 % schwer schönreden lässt. Auch im ligainternen Vergleich sieht er denkbar alt aus. Um schnell zur Anfangsfrage zurückzukehren, lässt sich feststellen, dass die meisten Pässe vom Klaß eine Länge von 20-30m betragen. Auch lange Pässe jenseits der 40 Meter sind festzustellen. Diese sind jedoch wie die kurzen Pässe nicht überrepräsentiert. Nico Klaß betreibt also ein ausgewogenes Passspiel, das sich weder als „langer Hafer“ noch als Kurzpassspiel einordnen lässt. Pikant ist zudem, dass Nico Klaß nach jedem Sprint, den er angesetzt hat, den Ball verloren hat.

Schauen wir nun ganz gezielt auf das Aufbauspiel. Hierfür sehen wir uns die xGChain- und xGBuildup Werte an. xGChain bezeichnet hierbei den Beitrag zu einem gelungenen Angriff. Ist Nico Klaß an einer zum Schuss führenden Aktion beteiligt, so bekommt er den Beitrag im xGChain-Wert vermerkt. Die Werte liegen auf einer Skala zwischen 0 und 1,16. Klaß kommt hier auf einen Wert von 0,27, den man als eher schwächer einordnen kann.

Der xGBuildup-Wert richtet sich hingegen rein auf den Spielaufbau. Hierbei werden die erwarteten Tore und erwarteten Vorlagen herausgefiltert, sodass nur der tiefgehende Spielaufbau bewertet wird. Hier liegt die Werteskala zwischen 0 und 1. Der 23 jährige Klaß kommt jedoch auch hier nur auf einen Wert von 0,1. Das ist recht dürftig für einen Außenverteidiger. Wir erkennen, dass Klaß im Offensivspiel Probleme hat, beziehungsweise es nicht vernünftig ankurbeln kann. Das mag wohl, wie anfangs vermutet, an seiner Hauptausbildung in der Innenverteidigung liegen.

Nico Klaß vs. Lasse Schlüter

Kommen wir nun zum direkten Vergleich. Wer von unseren beiden Linksverteidigern ist der komplettere? Wer würde besser zu unserer jetzigen Situation passen?

Quelle: Soccerment

Starten wir mit einem Vergleich der Passwerte. Hier sehen wir, dass Nico Klaß in der eigenen Hälfte öfter und erfolgreicher den Ball abspielt. In der anderen Hälfte spielt Lasse Schlüter mehr Pässe, was die These der offensiveren Spielweise bei Schlüter stützt. Allerdings lässt die Erfolgsquote des von Energie Cottbus gekommenen Linksverteidigers zu Wünschen übrig. Nico Klaß hat die besseren Passwerte, was jedoch auch damit zusammenhängen kann, dass er weniger risikoreiche Pässe spielt. Der Unterschied ist in jedem Fall nicht allzu groß. Den auch im Kreisligafußball bekannten „langen Hafer“, sehen wir im Übrigen öfters bei Lasse Schlüter. Freuen kann man sich darüber aber nicht, da die Erfolgsquote mit nur gut 47 % kein Zweitliga-Niveau besitzt. Das würde heißen, dass bei Schlüter nur gut jeder zweite lange Ball ankommt. Wenigstens kann Klaß die Erfolgsquote um 50 % erhöhen. Anlass zur Freude bietet das nicht. Beide Außenverteidiger müssen dringend daran arbeiten. Letztlich führen auch die missglückten langen Bälle dazu, dass der Spielaufbau als ein Hauptproblem angesehen wird.

Körperlich nur marginale Unterschiede

Nach diesen ernüchternden Werten wagen wir kurz den Blick auf den Physis-Index. Hier lässt sich feststellen, dass beide eine verblüffend ähnliche Statur haben. Beide messen rund 1,85 m und bringen 75 beziehungsweise 80 Kilo auf die Waage. Sie dürften also in Kopfballduellen gleiche Voraussetzungen haben. Umso bemerkenswerter, dass Nico Klaß deutlich mehr in Luftduelle geht und diese im Durchschnitt auch erfolgreicher gestaltet. Der Zuschauer hat davon nicht zuletzt beim Spiel gegen Jahn Regensburg einen Eindruck bekommen. Dennoch lässt sich sagen, dass die Unterschiede in diesem Bereich eher marginal sind.

Die Defensivarbeit beider Spieler

Quelle: Soccerment

Nun gilt es, auf die Stärken eines Nico Klaß zu schauen. Blicken wir auf die Defensivarbeit beider Spieler. Direkt ins Auge fällt, dass Klaß mehr Zweikämpfe führt als Lasse Schlüter. Noch dazu ist die Erfolgsquote beim 23 jährigen deutlich höher als bei seinem 28 jährigen Kontrahenten. Insgesamt steht bei Klaß eine Erfolgsquote von 87,5% zu Buche. Lasse Schlüter kann da nicht mithalten. Er kommt auf nur 72 %. Ähnlich sehen die Unterschiede auch beim Abfangen der Bälle oder beim Klären der gefährlichen Situationen aus. Nico Klaß liegt trotz seines eigentlichen Status als Perspektivspieler über den Werten des erfahreneren Lasse Schlüter. Dieser hat zwar schon gut 600 Minuten mehr in dieser Saison gespielt und so möglicherweise mehr schwächere Spiele der gesamten Mannschaft miterlebt. Allerdings sind die Unterschiede zu groß um hier von einem Toleranzbereich zu sprechen. Der einzige Bereich, in dem Lasse Schlüter seine Nase vorn hat, sind die berühmt berüchtigten Ballrückgewinnungen, die aus blau-gelber Sicht bekanntlich schon länger eine Baustelle sind. In der Endabrechnung stuft das weltweit anerkannte Analyse-Tool Soccerment den Index in der Defensive bei Lasse Schlüter auf 23 ein. Im Index werden nun alle defensiven Qualitäten zusammen gerechnet. Nico Klaß kommt hierbei mit einem Wert von 38 deutlich besser weg. Es bleibt also festzuhalten, dass Klaß in der Defensive um einiges stärker einzuschätzen ist als Lasse Schlüter.

Die offensiven Akzente beider Spieler

Quelle: Soccerment

Schauen wir dann einmal in einen potenziellen Aufgabenbereich, den Schlüter nach den Wahrnehmungen der letzten Spiele dominieren sollte, dem Dribbling. Man muss es Lasse Schlüter nämlich lassen, dass es ihm nicht an Kreativität und dem Willen, das Offensivspiel anzukurbeln mangelt. Hierbei stellen Dribblings einen wichtigen Bereich für gute Offensivakzente dar. Anhand der Daten lässt sich feststellen, dass Lasse Schlüter, viel häufiger zum Dribbling ansetzt als Nico Klaß. Daher ist der gebürtigen Hamburger anhand der absoluten Zahlen auch leicht erfolgreicher. Die Kehrseite der Medaille ist andererseits, dass Schlüter Dribblings öfters verliert. Somit ist auch die prozentuale Erfolgsquote bei Nico Klaß etwas höher. Diese liegt im übrigen bei 66,7 % und ist allein deswegen charmant. Im Dribblingindex liegt Schlüter trotzdem in Front. Man muss es ihn abermals lassen, dass er definitiv mehr Mut hat, das Dribbling zu wagen. Die Akzente, das Offensivspiel aufzuziehen sind schlichtweg sichtbarer. Hier sollte sich Klaß ein wenig mehr zutrauen.

Weiter geht es im Angriffsbereich. Hier sei direkt zu Anfang gesagt, dass beide Spieler ein noch ausbaufähiges Angriffsspiel besitzen. Mehr Ballberührungen im gegnerischen Strafraum besitzt Nico Klaß. Wirklich hoch ich der Wert mit 1,35 Berührungen innerhalb der 90 Minuten jedoch nicht. Mehr Schüsse im Allgemeinen hat einmal mehr Nico Klaß. Der Unterschied zwischen den beiden Kontrahenten ist jedoch eher marginal. Auffallend ist dagegen in diesem Kontext, dass Schlüter bei einem Schusswert von 0,41 mit Glück einmal pro Spiel auf das Tor schießt. In dem Gesamtindex sind beide Spieler im Angriffsspiel auf derselben Höhe.

Zum Angriffsspiel und allen voran in die Qualitäten eines guten Außenverteidigers gehören auch die Torvorbereitungen und kreierten Chancen. Hier hat Lasse Schlüter einen Vorteil. Er kreiert, wenn auch mit einem Wert von 0,57 pro Spiel, nicht sehr viele Chancen, liegt hier aber immer noch vor Nico Klaß. Der Beitrag zu den Chancen ist bei Lasse Schlüter mit 1,7 % deutlich höher als bei Nico Klaß. Im Offensivspiel schient Schlüter also, zumindest auf diesem Gebiet, ein besserer Ansprechpartner zu sein. Das spiegelt sich letztendlich auch in den zwei Vorlagen wider, die Schlüter in dieser Saison für sich verbuchen konnte.

Die „Spider Chart“ kürt den Sieger des Duells

Die sogenannte Spider Chart liefert einen Gesamtüberblick über die Qualitäten beider Spieler. Zudem werden die Qualitäten gegeneinander aufgerechnet, wodurch dann ein Sieger unseres Duells ermittelt werden kann. Der komplettere Linksverteidiger gewinnt.

Quelle: Soccerment

Tatsächlich lässt die Spider Chart aufblitzen, dass beide Spieler bezogen auf ihre Stärken und Schwächen nah beieinander liegen. Besonders fällt auf, dass beide ihre große Parallelen in Puncto Physis haben. Als gelernter Innenverteidiger bringt Nico Klaß mehr defensives Know-how mit auf den Platz. Im Bereich Dribbling und Attacking (Offensivspiel) liegt hingegen Lasse Schlüter leicht vorne. Das System errechnet final anhand der bisherigen Saisonspiele, dass Nico Klaß in der Endabrechnung minimal gegenüber Lasse Schlüter voraus ist. Betrachtet man auf Grundlage dieses Urteils die Einsatzzeiten beider Spieler, ist das dann doch eine ziemliche Überraschung. Mehr zu meiner persönlichen Meinung erfahrt ihr im gleich folgenden Fazit. Bevor wir dazu kommen, klatschen wir einmal imaginär für Nico Klaß, der das Duell mit knappen Vorsprung für sich entscheiden konnte.

Lennarts Fazit

Unser Partnerpodcast, Gegengerade, hat sich unter der Woche, in Bezug auf das folgende 6-Punktespiel gegen den 1.FC Nürnberg, für Lasse Schlüter ausgesprochen. Die Begründung war, dass Schlüter die nötige offensive Strahlkraft für das Spiel mitbringt. Dem kann ich zwar situativ  zustimmen, trotzdem denke ich, dass Klaß noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist. Unser Perspektivspieler hat Aussetzer wie im Hinspiel gegen Jahn Regensburg, die ihm, wie die Braunschweiger Zeitung diese Woche berichtete, auch sehr zugesetzt haben. Dennoch ist er, trotz seiner Rolle als Perspektivspieler, der komplettere Linksverteidiger. Zudem ist Nico Klaß noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Er bringt viel Potenzial mit. Zumal er aus der Regionalliga West zur Eintracht gestoßen ist, und deshalb sich einmal mehr mit der Klasse der zweiten Liga akklimatisieren muss. Natürlich hat Nico Klaß Attribute, die auch im Ligavergleich als schwach angesiedelt werden. Deswegen musste man beim Vergleich zwischen Schlüter und Klaß manchmal schon den etwas harten, aber bekannten Vergleich zwischen Not und Elend ziehen. Wenn man jedoch defensive Stabilität als wichtigstes Rezept gegen den Abstieg in den Raum stellt, muss man mit Nico Klaß statt mit Lasse Schlüter planen. Daher bekommt Klaß für mich den Vorzug gegenüber Lasse Schlüter. Neben der erwarteten Leistungssteigerung sehe ich trotz alle dem eine wichtige Aufgabe, die Nico Klaß erfüllen muss. Er muss auch gedanklich abgeklärter werden und sich etwas mehr zu trauen. Das mag für einen 23 jährigen Newcomer schwer sein, ist aber bitter nötig. Hinzu kommt, dass Fehler wie im Hinspiel gegen Regensburg, im Klassenkampf nicht passieren dürfen. Letztendlich gibt es bei beiden Verteidigern Stärken und Schwächen, weshalb es schwierig ist, sich auf jemanden festzulegen. Umso wichtiger ist es mir, dass wir hiermit etwas Licht ins Dunkle gebracht haben.

Quellen: Wyscout, Soccerment

Lang und weit auf Proschi bringt Sicherheit!

Eintracht sucht immer wieder den langen Ball. Warum?

Hallo Löwen!

Das Team von Daniel Meyer konnte am Freitag einen wichtigen Sieg landen. Doch wenn wir ganz ehrlich sind, ist die Situation immer noch sehr brenzlig. Eine Niederlage und das ganze Kartenhaus fällt zusammen. Doch auf eines ist laut Meyer verlass: Es gibt endlich eine stabile Mittelachse. Laut Braunschweiger Zeitung bilden „Torhüter Fejzic, die Innenverteidiger Brian Behrendt und Oumar Diakhite, Jannis Nikolaou, Dominik Wydra und Felix Kroos im Mittelfeld sowie Nick Proschwitz im Sturm“ in den kommenden Wochen den Rahmen.

Ein Kernelement dabei sind immer wieder langen Bälle auf Nick Proschwitz. Der Angreifer ist meistens dabei, wenn es heißt lang und weit bringt Sicherheit. In vielen Situation wird ein langer Ball gespielt, auch wenn es nicht unbedingt nötig ist. In einer Drucksituation die Pille bis nach Wolfenbüttel wegschlagen, geht in Ordnung. Aber immer wieder ohne Not den Ball auf Proschwitz zu schlagen kommt einem schon merkwürdig vor. Es ist etwas, was uns die ganze Saison über begleitet.

Vorbild Fejzic

Sehen wir uns mal diese Achse genauer an: Im Tor steht jetzt Jasi, doch am Anfang der Saison war es ausgerechnet Felix Dornebusch, der auch immer wieder den langen Ball suchte, sollte er doch eigentlich für seine fußballerischen Künste den Vortritt vor Jasi Fejzic bekommen haben. Im Schnitt spielte Dornebusch 10,97-mal pro 90min den langen Ball nach vorne und hatte dabei eine Passquote von 65,9 %. Fejzic spielt in dieser Saison fast genauso oft den langen Ball: 9,97-mal pro 90min mit einer Passquote von 78,8 %. Gegen Regensburg spielte er 16 lange Bälle, wovon 15 angekommen sind.

Jasis lange Pässe gg, Regensburg (Wyscout)

Im Punkto Torwart und lange Bälle, kann Eintracht momentan beruhigt sein. Laut der 2. Liga-Rankingliste spielt Fejzic am 8. meisten den Ball als Torwart nach vorne mit der zweitbesten Passquote. Die meisten langen Bälle spielt Bochums Riemann mit sagenhafte 25,08 lange Bälle pro 90 Minuten und die beste Passquote in langen Bällen hat Himmelmann von St. Pauli mit 81,05 %.

Problem: Langpassquote

Apropos Bochum, man muss anerkennen, dass Bochum die meisten Bälle in der Liga spielt und nicht Eintracht. Bei Bochum sind es 63,98 lange Bälle pro Spiel, bei Eintracht 60,6. Das Problem dieser langen Bälle beim BTSV ist, dass sie nur schlecht ankommen. Eintracht ist hier in der Liga nur auf dem 12. Platz mit einer Langpassquote 56,8 %. Bochum spielt nicht nur die meisten langen Bälle, sie kommen auch mit einer Passquote von 61,1 % an.

Das liegt vor allem daran, dass die sogenannte Mittelachse (mit den Außenverteidigern zusammen), außer Jasi Fejzic, in langen Pässen eher schlecht ist. Nur Dominic Wydra und Jannis Nikolaou, die auch viele lange Bälle spielen, haben eine höhere Langpassquote als 60 %. Besonders auffällig in dieser Statistik ist Brian Behrendt, der oft den langen Ball spielt, aber dennoch nicht sehr erfolgreich damit ist. Bei Behrendt ist es eigentlich besonders überraschend, denn laut einer Statistik von Global Soccer Network ist er der pressingresistentester Spieler in der Abwehr der Braunschweiger Eintracht. Doch anscheinend spielt er immer schon den langen Ball. Zum Beispiel hatte er in der Saison 2018/19 eine Langpassquote von 56,1 % bei 9,71 lange Bälle pro 90 Minuten.

Quelle Wyscout.

Nicht viel anders sieht es bei Wydra aus, der auch schon mit Aue unter Meyer 2018/19 viele lange Bälle spielte, allerdings mit einer besseren Quote von 68,9 % bei 9,79 lange Pässe pro 90min. Bei Jannis Nikolaou merkt man allerdings, dass er jetzt in dieser Saison mehr lange Pässe spielt als in den Saisons davor. Mit Dynamo Dresden spielte er in der letzten Saison 6,89 lange Pässe pro 90 Minuten mit einer Passquote von 61,7 %.

Braunschweig-Regensburg. Immer wieder lange Bälle und oft auf Proschwitz. (Quelle: Wyscout)

Am Ende kommt es nicht nur darauf an, wie die Langpassquote der Spieler aussieht, sondern auch, wie die Bälle verarbeitet werden. Hier kommt Proschwitz ganz zentral ins Spiel. Oft wird weniger überraschend genau er gesucht. Mit einer seiner Größe von 192 cm ist er immer in der Luft gefährlich. Er hat 44,2 % seiner Kopfballduelle gewonnen bei 15,69 Kopfballduelle pro 90 Minuten. Kein anderer Spieler in der 2. Liga ist so oft in einem Kopfballduell verwickelt wie Proschi. Nur mit seiner Erfolgsquote könnte er besser sein.

Drei sind besser als zwei

Dennoch denke ich, dass Eintracht mit dieser Taktik besser aufgehoben ist als noch am Anfang der Saison. Als wir das letzte Mal gegen den 1. FC Nürnberg spielten, haben wir noch in einer 3-4-1-2 -Formation agiert. Auch hier wurde oft auf Nick Proschwitz der lange Ball gespielt, doch in dieser Formation gab es viel Schwächen. Oft gingen die Bälle verloren und Eintracht konnte sich aus diesen Situationen keine Vorteile verschaffen. Das lag daran, dass die Bälle oft nicht direkt weitergeleitet werden konnten und das Mittelfeld nicht schnell genug nachrückte.

Seit Daniel Meyer meistens in einer 4-2-3-1 -Formation agieren lässt, versucht Eintracht hier die Schnelligkeit der Außenangreifer auszunutzen. Anders als in dem 3-4-1-2 -System spielten z. B gegen Regensburg auf den offensiven Außenpositionen zwei schnelle Spieler: Fabio Kaufmann rechts und Dong-Won Ji links, der mit 32,15 km/h in diesem Spiel auch unser schnellster Spieler war. Nun werden die langen Bälle direkt an die schnellen Außenspieler weitergeleitet. Außerdem hat Ji eine Eins A Ballbehandlung, die uns hilft den Ball auch kontrolliert weiter zu spielen.

So entsteht z. B in der 21. Minute die Chance für Fabio Kaufmann das 1:0 zu machen: Ein langer Ball von Jasmin Fejzic, der bewusst nicht Anspielstation Diakhite wählt, landet bei Proschwitz der den Ball direkt an Ji weiterleitet. In diesem Moment ist Fabio Kaufmann schon am Start und wird seinem Manndecker entlaufen.

21. Minute Eintracht – Regensburg. Statt die Option den Ball kurz auf Diakhite zu spielen, der den Ball nach vorne auf Nikolaou spielen könnte, wählt Jasi die lange Option.

Hier hatte Proschwitz im Grunde mehrere Optionen den Ball abspielen zu lassen – genauer gesagt drei. Auch Felix Kroos war in der Mitte anspielbar, jedoch hinter einem Gegenspieler. Mit dem 3-4-1-2 -System waren die Anspielstationen meistens auf zwei Spieler begrenzt. Dies war am Ende sehr ineffizient, weil die zweite Welle oft zu spät kam.

21. Minute. Braunschweig – Regensburg. Ein langer Ball von Jasi erreicht Proschi. Der spielt den Ball direkt auf Ji, der dagegen den Ball direkt an den schnellen Kaufmann weiterleitet. Die Abwehr der Regensburger wirkt hier ein bisschen unsicher.

Fazit

Eintrachts lange Bälle werden wir auch in den nächsten Spielen „genießen“ können. Ein bisschen Trost können wir darin finden, dass wir sowohl Defensiv stabiler stehen und dass die Bälle vermutlich besser verarbeitet werden, als noch im 3-4-1-2 -System. Am Ende müssen wir uns jedoch auch in diesem Bereich weiterhin steigern. Laut Peter Vollmann brauchen wir noch mindestens 15 Punkte in 12 Spielen.

Auf geht`s!

Quellen: Wyscout.com; Braunschweiger Zeitung; Bundesliga.com