Hallo Löwen,

ich musste es ja mal versuchen. Ich habe den Videoanalysten gespielt und alle Ecken der Braunschweiger Eintracht von dieser Saison 2019/20 mir nochmal angesehen und dabei viele interessante Sachen entdeckt. Ich muss sagen, ich habe was etwas erwartet. Mehr Varianten vielleicht und definitiv mehr Gefahr. Leider musste ich feststellen, dass Eintracht mit seinen Eckbällen nur wenig Kopfschmerzen für den Gegner verursacht.

Drei Treffer nach Eckbällen

Eintracht spielt im Schnitt 4,96 Eckstöße pro Spiel. Davon enden 27,6 % mit einem Schuss. Die Löwen haben 3-mal von einer Ecke getroffen (4-mal, wenn ich Feigenspans Treffer gegen Chemnitz mitzählen würde). Das hört sich nicht besonders gefährlich an und bald sehen wir auch warum es so ist. (Wyscout.com.)

Dazu muss ich euch erstmal zeigen, wie Eintracht meistens ihre Ecken ausführt. Mit Antwerpen als Trainer benutzte Eintracht verschiedene Spieler bei Eckbällen. Zum Beispiel waren Spieler wie Kijewski, Putaro, Schwenk, Kammerbauer oder sogar Yari otto bei Eckbällen aktiv. Die meisten Ecken werden aber von Martin Kobylanski ausgeführt. Das war besonders mit Flüthmann als Trainer der Fall, aber mittlerweile kommt es auch immer häufiger unter Antwerpen vor. Kobylanski führt ca. 2/3 von Ecken aus.

Wenn Eintracht den Ball an der Eckfahne hat, dann passieren normalerweise zwei Sachen. Von der linken Seite aus spielt Kobylanski den Ball in den Strafraum so rein, dass der Ball sich vom Tor wegdreht. Von der rechten Seite aus spielt Kobylanski den Ball in den Strafraum dagegen so rein, dass der Ball sich zu dem Tor hindreht. Weil aber die Bälle meistens gefährlicher sind (statistisch gesehen), wenn sie sich vom Tor wegdrehen, wählt Eintracht manchmal auf der rechten Seite einen anderen Spieler mit einem starken linken Fuß. Damit kann er den Ball so spielen, dass der Ball sich vom Tor wegdreht. Es bleibt auch die kurze Variante, aber dazu komme ich später noch.

Die linke Ecke spielt Kobylanski so, dass der Ball sich vom Tor wegdreht, Bei der rechten Ecke dreht sich der Ball zum Tor hin.

Ecken unter Flüthmann

Sehen wir uns mal die Ecken unter Flüthmann als Trainer genauer an. Ich habe alle ersten Ballberührungen nach einer Ecke abgezeichnet. Bei den Ecken von rechts kann man deutlich sehen, dass Eintracht oft versucht hat den Ball entweder ins Zentrum zu spielen, oder sie haben die kurze Variante gespielt. Von der linken Seite aus sind die Bälle mehr in den Fünfmeterraum gelandet. Das liegt daran, dass Kobylanski, wie vorhin erklärt, den Ball von der Seite präziser flanken konnte – der Ball drehte sich vom Tor weg. Präzision bringt aber keine Variation mit sich und somit konnte der Gegner sich leicht darauf einstellen und die Bälle gut verteidigen. Der einzige Treffer gelang am 2.Spieltag gegen 1860 München aus einer kurzen Variante.


Die roten Kreise bedeuten eine erste Ballberührung vom Gegner, die blauen Kreise eine erste Ballberührung von Eintracht. Ein blaues Dreieck bedeutet einen direkten Schuss für Eintracht.

Eckbälle unter Antwerpen

Wie vorhin schon angesprochen, standen unter Antwerpen vermehrt auch andere Spieler als Kobylanski an der Eckfahne. Immer mehr flankt Eintracht die Bälle so in den Strafraum rein, dass sie in den Fünfmeterraum landen. Leider ist es auch so, dass immer seltener Eintracht die kurze Variante suchte. Dazu kommt, dass die Bälle meistens leicht vom Gegner geklärt wurden. Überhaupt scheint Eintracht Probleme zu haben, den Ball erstmal auf den eigenen Spieler zu spielen. Mit Antwerpen als Trainer traf BTSV 2-mal nach einer Ecke das Tor: Gegen Magdeburg am 20.Spieltag und gegen Jena am 22.Spieltag.

Zonenanalyse und ein Fazit

Sehen wir uns mal die Ecken (unter Antwerpen) nochmal genauer an. Wir teilen das gefährlichste Gebiet im Strafraum in sechs Zonen auf. Bei den Ecken von rechts aus sehen wir genau, dass Eintracht besonders zwei Zonen im Fünfmeterraum anzielt. Vier weitere Zonen bleiben meistens ungenutzt. Bei den Ecken von links benutzt Eintracht meistens nur eine Zone: die kurze Ecke im Fünfmeterraum. Viel Raum bleibt also ungenutzt: nur der Fünfmeterraum wird aktiv benutzt. Der Raum neben dem Elfmeterpunkt bleibt meistens ungenutzt. Dazu kommt der Fakt, dass kurze Ecken weniger eine Rolle spielen wie noch mit Flüthmann als Trainer.

Eintracht spielt seine Ecken somit sehr fantasielos. Es wäre schlau mehr Varianten einzubauen. Die kurzen Ecken waren eine gute Option und BTSV sollte sie auch öfter benutzen. Eine Möglichkeit wäre den Gegner, bei einer besonders Mannorientiere Verteidigung, aus dem Fünfmeterraum raus zu locken, wie hier es unten im Bild England bei der WM 2018 gegen Schweden getan hat. Jedenfalls wäre es wichtig den Gegner mehr zu überraschen als bisher. In der jetzigen Form sind die Ecken zu einfach für den Gegner. Und am Ende können wir alle wieder im Liveticker lesen: „Die Ecke bringt nichts ein“.

England – Schweden. WM Viertelfinale 2018. Eine Eckballvariante genannt „Lovetrain“, weil die Spieler einen Tunnel bildeten. Der 5-meterraum ist frei.

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