Von Jussi-Pekka Rode und Lennart Wenk

Hallo Löwen,

Am kommenden Samstag geht es endlich wieder los. Nach einer langen und zwangsläufigen Pause, dürfen wir Fans, die Eintracht endlich wieder live sehen, wenn auch nicht in unserer gewohnten Umgebung, dem Tempel. Doch wo liegen die Stellschrauben vor dem Restart? Wie kann man diese verbessern, um desolate Auftritte, wie den in Rostock, in Vergessenheit zu bringen ? Auf diese und weitere Fragen liefern unsere Statistiken Antworten.

Eintracht hängt hinter der Konkurrenz her

Angriff ist die beste Verteidigung, soll es im Fußball heißen Fussball heissen. Leider hat es Eintracht bisher an beides gefehlt. Sowohl nach dem erwarteten Toren mit 38,47 xG, als mit den erwarteten Gegentoren 42,13 xGA, ist Eintracht schlechter als der Liga-Durchschnitt mit 39,03 xG/xGA. Auch nach der „wahren Tabelle“ in erwartete Punkte (xPts) gemessen liegt Eintracht hinterher. Am meisten gibt uns der Angriff zu bedenken, obwohl wir auch sehen, wie wir in der Defensive unsere Probleme haben, besonders seit Antwerpen am Steuer sitzt.

In Punkto Flankenhäufigkeit liegt der BTSV knapp unter dem Durchschnitt. Pro Spiel stehen knapp 15 Bälle zu Buche, die hoch in den Strafraum geschlagen werden. Vergleichbare Werte weisen hier Chemnitz und Duisburg auf. Eigenartig, da es vor allem mit Orhan Ademi und Nick Proschwitz, Spieler gibt, die minimal unter beziehungsweise deutlich über 1.90 m messen und wir in dieser Saison schon 11 Kopfballtore erzielen konnten. Auch in der Vergangenheit haben diese, vom Typ eher bulligen Stürmer, gezeigt, dass sie hohe Bälle durch Zweikampfstärke halten können. Ein Paradebeispiel dafür bietet der FSV Zwickau. Dieser besitzt mit Ronny König eben genau diesen Spielertyp. Vermutlich deshalb haben die Westsachsen die mit Abstand höchste Flankendichte. Knapp 20 Bälle werden pro Spiel hoch in den Strafraum geschlagen.

Dringende Handlungspflicht gibt es für die Blau-Gelben nach flachen Bällen in den Strafraum. Dort ist man nicht nur bedeutend schwächer als bei hohen Bällen, sondern stellt zusätzlich das Schlusslicht der Liga. Nur 5,5 flache Hereingaben kommen innerhalb von 90 Minuten erfolgreich beim Mitspieler an. Dies lässt erahnen, dass der Spielstil der Löwen sehr vorhersehbar ist. Die technisch versierten Amateure des FC Bayern führen derweil mit 10 flachen Hereingaben das Ranking an. Sie überzeugen bekanntlich mit schnellen und überfallartigen Kombinationen. Für Eintracht kann geschlussfolgert werden, dass das Spiel zu statisch von Statten geht.

Schauen wir uns zur Abwechslung die Dribblingsituationen der Eintracht an. Wie oft geht die Offensivmannschaft also im laufenden Angriff in das 1 gegen 1-Spiel? Unsere Braunschweiger Eintracht spielt in 90 Minuten 23mal das direkte Dribbling. Damit kann man sich zwar vor Jena, Ingolstadt oder Uerdingen schieben, trotzdem bleibt dieser Wert unter dem Durchschnitt. Und das obwohl gerade Spieler wie Neuzugang Merville Biankadi oder Martin Kobylanski prädestiniert dafür sind, das 1 gegen 1 zu suchen. Vorne liegen in dieser Statistik abermals die Kicker von Bayerns zweiter Mannschaft, welche in 90 Minuten 35mal das direkte Duell suchen.

Auch wenn es um die Strafraumberührungen geht, hat die Eintracht das Nachsehen. 14,5mal erspielen sich die Löwen im Strafraum den nötigen Platz. Dieser Wert liegt unter dem Durchschnitt aller Drittligamannschaften. Pikant: Hier schaffen es Mannschaften wie Ingolstadt oder auch Schlusslicht Jena, die Spieler von Marco Antwerpen zu überbieten. Strafraumberührungen sind essenziell für den Torerfolg. Man kann nicht nur aus der zweiten Reihe seine Treffer erzielen, daher gibt es hier eindeutigen Nachholbedarf. Vielleicht können gesteigerte Dribblingwerte zu einer Besserung beitragen.

Gegen Köln mit einem 4-3-1-2 -System?

Eintracht hat ihr Spielsystem in dieser Saison noch wirklich gefunden. Unter Marco Antwerpen spielte Eintracht zuletzt viele Formationen, z. B mit einem 4-3-3 oder 4-1-4-1 -System. Am Anfang der Saison war es meistens noch ein 4-2-3-1 -System. Die Grundformation ist im Fußball deswegen wichtig, weil man damit als Mannschaft versuchen kann, die wichtigsten Zonen in einem Fußballspiel so zu besetzen, damit man gegenüber dem Gegner eine Überzahl erzeugen kann. Mit dem Trainerwechsel und verschiedene Verletzungen gab es immer wieder ungewollte Veränderungen in der Grundstruktur. Zuletzt gegen Uerdingen und Rostock mit einem 4-3-1-2 -System (oder auch 4-4-2 Raute).

Will BTSV so weiterspielen wie in den letzten zwei Spielen, dann sollten sie ein paar Dinge beachten. Das 4-3-1-2 (4-4-2 Raute) -System hat den Vorteil, dass man damit das Zentrum dicht machen kann. Das ermöglicht starke Kombinationen für die Eintracht. Die beiden Innenverteidiger bilden mit dem Sechser ein Dreieck, womit man gut und ruhig ein Spiel aufbauen kann. Zusammen mit den Außenverteidigern formen sie eine W-Formation. Diese Aufstellung eignet sich für einen ruhiges Aufbauspiel mit Möglichkeiten zu einem langen Ball. Im letzten Drittel soll es dann schnell gehen, am besten so, dass die Stürmer und Außenbahnspieler für die nötige Weite sorgen. Defensiv ermöglich es eine kompakte Mitte, die die gegnerische Mannschaft auf die weniger gefährlichen Außenbahnen lenkt.

Gegen Viktoria Köln kann dieses System Vorteile mit sich bringen. Die Kölner agierten in dieser Saison zu 72% mit einem 4-2-3-1 -System. Das System hat viele Vorteile. Die zwei Sechser können sich sowohl in die Offensive als auch in die Defensive einschalten, wenn sie möchten. Ein Nachteil ist in der Offensive auf sich alleine gestellte Neuner. Viktoria Köln wird vermutlich an dieses System festhalten wollen, denn nach der Corona-Pause brauch man Sicherheit: es brachte ihnen ja Erfolg in den letzten drei Spielen. Allerdings gewannen die Kölner diese Spiele mehr durch Glück als Können und in der „wahren Tabelle“ (xPts) sind sie sogar letzter. Sie können zwar auch ein 4-3-1-2 System z. B. spielen, aber es ist trotzdem zu erwarten, dass sie mit einem 4-2-3-1 System auflaufen werden.

Wenn Eintracht wieder mit einem 4-3-1-2 -System spielen sollte und Viktoria Köln mit einem 4-2-3-1 -System spielt, dann haben die Löwen eine gute Chance zum Heimerfolg. Sie sind nicht nur die bessere Mannschaft, nein, auch die Taktik könnte ihnen helfen. Im Heimspiel gegen Bayern II spielten sie genau so und FCB mit einem 4-3-1-2 -System. Die Passkarten verraten uns, dass Köln in dem Mittelfeld gedrängt wurde und nicht für genug Breite und Tiefe sorgen konnte. So hätte auch Eintracht gute Chancen drei Punkte zu bekommen. Die drei offensive Spieler sorgen für Gefahr in der Tiefe, was auch die Sechser zurück zwingt. Im Mittelfeld gibt es eine 3 vs. 3 -Situation. Den Neuner kann man sehr leicht aus dem Spiel nehmen. Spielt Eintracht mutig, aber ruhig nach vorne, könnte sich das Bayern-Spiel für Viktoria Köln wiederholen. Damals gewann FCB mit 2:4 (0,65 – 1,91 xG).

Mehr laufen als der Gegner

Der Nachteil eines 4-3-1-2 -System ist, es erfordert besonders ein hohes Laufpensum, um außen gut zu doppeln, da die Außenbahnen nur mit den Außenverteidigern besetzt sind. Der Gegner kann leicht die den Ball in seinen eigenen Reihen laufen lassen und im Ballbesitz bleiben. Besonders die Laufleistung macht hierbei sorgen, weil Eintracht zuletzt damit Probleme hatte. Auch eine Spielverlagerung des Gegners kann leicht die Defensive in Schwierigkeiten bringen, weil in der Zweiten Reihe nur Drei Mittelfeldspieler sind und damit der Gegner leicht uns zu 1 vs. 1 Situationen zwingen kann. Für uns bleibt aber die fehlende Laufleistung das größte Problem bei diesem System und bin deswegen gespannt ob Antwerpen eine andere Systemvariante auswählt. Im letzten Spiel gegen Rostock wurde Eintracht zurück gedrängt, da Eintracht eine Unterzahl im Mittelfeld hatte und Rostock die Flügel gut besetzen konnte. Mit drei offensive Spieler sorgten sie ständig für Gefahr in der Tiefe.

Ein Problem war auch die Einsatzbereitschaft von den Spielern. „Nicht präsent in den Zweikämpfen, phasenweise gar widerstandslos“, schriebt der Kicker über BTSV nach dem letzten Spiel und der 3:0 Niederlage gegen Hansa Rostock. In der Tat, kommt es in dieser Saison häufiger vor, dass die Löwen nicht wirklich beißen und kratzen. Wir haben für den Ligavergleich den Pressing-Intensität -Wert PPDA mir angesehen. Zusammen mit dem Challenge intensity -Wert gibt es uns einem Einblick, wie BTSV im Ligavergleich verteidigt.

Oben sehen wir, dass BTSV, vom Spielstil her, Teams ähnelte, die eine niedrige Pressing-Intensität und eine niedrige Herausforderungsintensität haben. Sie lassen also den Gegner mehr kommen und pressen nicht sehr hoch und fordern den Gegner damit auch weniger. Es ist vielleicht nicht ein Problem, wenn die Verteidigung Kompakt steht, aber laut den xGA -Werten kann es ein Problem sein. Eintracht hat in dieser Saison 38 Gegentreffer kassiert und neun davon von außerhalb des Strafraumes (Ligaschnitt 5,4). Es könnte ein Indiz dafür sein, dass Eintracht zwar Kompakt steht, aber nicht gut genug in die Zweikämpfe geht.

Fazit

Eintracht hat noch viel Arbeit vor sich, wenn sie oben mitmischen möchte. Allerdings haben sie gegen Köln eine gute Chance auf einen Sieg. Und danach ist noch vieles möglich. Die Tabelle ist eng und der Kader groß. Wenn Eintracht auch besonders in der Einsatzbereitschaft nachlegen kann und in der Offensive mehr Gefahr ausstrahlt z. B. durch Flanken, können die Löwen sich noch Hoffnung auf einen Aufstieg machen. Am Samstag sind wir schon klüger.

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