Hallo Löwen!

Wunder gibt es immer wieder. Nach dem Restart spielt Eintracht mit einem klaren Plan und nach einer Spielidee, die erkennbar ist. Auch die Statistiken belegen diese Veränderungen im Spielstil der Braunschweiger Eintracht. Ich werde einige Schlüsselpunkte aufklären, wie Eintracht momentan spielt und wie sie zum Erfolg kommen möchte.

Zunächst müssen wir die wichtigsten Veränderungen nach dem Restart aufarbeiten. Vor dem Restart (und nach dem Spiel beim Viktoria Köln) haben wir geschrieben, dass Eintracht an seinem Pressing arbeiten müsste und versuchen sollte, den Gegner mehr herausfordern. Besonders die Laufleistung und das Zweikampfverhalten standen im Fokus der Kritik nach dem Spiel gegen Rostock.

Antwerpen ging aber in eine andere Richtung als ich es dachte. Seit dem Restart ist der Pressing-Intensität Wert PPDA gestiegen: von einem Saisonschnitt von 10,14 auf 11,62 (Ligadurschnitt 10,42). Das bedeutet, dass der Gegner mehr Pässe befreit spielen kann, als vorher. Auch die Herausforderungsintensität, die ich bemängelt habe, ist im Saisonschnitt von 6,1 auf 5,8 gesunken (Ligadurchschnitt 6,28)! Eintracht spielt also immer weniger aggressiver, und in der Verteidigung tiefer, als die anderen Ligamannschaften.

Dadurch haben sich aber viele andere Statistiken verbessert. Eintracht kommt immer mehr zu qualitativ guten Chancen. Der Gegner hat zwar oft einen höheren expected Goals (xG) -Wert als die Eintracht, aber die besten Chancen im Spiel gehören meistens unseren BTSV. Dagegen bleibt der Gegner in unserer Abwehr hängen. Die Schussdistanz von BTSV ist im Schnitt gesunken von 18,47 Meter auf 18,03 Meter. Dagegen muss der Gegner immer öfter aus der weite schießen. Eintracht kommt also, von der Distanz und von den Schusspositionen her, zu besseren Chancen als vor dem Restart. Da macht es auch nichts aus, dass Eintracht weniger schießt und der Gegner mehr. Die Effektivität ist unsere Stärke.

Eintracht hat auch immer weniger den Ball. Nach dem Spiel gegen Halle meinte Antwerpen sogar, sie hätten zu viel den Ball gehabt. Eintracht will den Gegner spielen lassen, mehr als vor dem Restart. Wie ein Predator will Eintracht den Gegner in bestimmte Pressingfallen locken oder den Ball in „tote Räume“ lenken. Bestimmte Pässe vom Gegner z. B. vom Torwart zum Außenverteidiger, gelten als Pressingsignale den Gegner anzulaufen und die Räume eng zu machen. Mit Umschaltfußball und gewachsenen Spieltempo (im Schnitt 15.22 Pässe pro Minute) soll die Defensive des Gegners dann angegriffen werden, wenn sie gerade unorganisert ist. Umschalten und Kontern sind unsere besten Waffen.

Schlüsselpunkt Angriffspressing

Ich musste erstmal lachen. Vor dem Spiel gegen Halle, sagte Antwerpen auf der Pressekonferenz, Eintracht hätte gegen Viktoria Köln erfolgreichen Angriffspressing gespielt und den Gegner hoch angegriffen. Nach der 1.Welle hätte sich Eintracht dann zurückgezogen und tief verteidigt. Angriffspressing war jetzt nicht das erste, was mir nach dem Spiel in Erinnerung geblieben ist. Dennoch greift Eintracht auch sehr hoch an, je nach dem Gegner und dem Matchplan.

Generell unterscheidet man drei Arten des Pressings. Angriffspressing, Mittelfeldpressing und Abwehrpressing. Von Angriffspressing spricht man, wenn man als Mannschaft die gegnerischen Innenverteidiger direkt anläuft und sie so zu Fehlern zwingt. Dies macht man meist nur bei technisch limitierten Innenverteidigern mit schlechtem Aufbauspiel. Diese Verteidiger kann man so zu langen ungefährlichen Bällen zwingen bzw. zu Bällen ins Seitenaus. So spielte Eintracht besonders gegen Köln.

Global Soccer Network analysiert Pressing zonenbezogen. GSN hat das Feld in sechs Zonen aufgeteilt. Zone 1 ist alles in unmittelbarer Nähe des eigenen Strafraums, Zone 6 alles in Strafraumnähe des Gegners. Beim Angriffspressing relevant die Zonen 6 und 5. Dort hat Braunschweig, basierend auf den Daten von GSN, tatsächlich am effizientesten gepresst, in den Zonen 3 und 4 (Mittelfeld) hat man es vernachlässigt. Das 2:1 entstand dadurch, dass Eintracht gut die Verteidiger und den Torwart unter Druck setzte und damit das Aufbauspiel von Viktoria Köln erfolgreich stören konnte. Es kam zu einem Fehler, wodurch Eintracht das 2:1 schießen konnte.

Schlüsselpunkt Umschaltfußball

Da jede Mannschaft unterschiedlich verteidigt, verändert Eintracht seinen Pressing je nach dem Gegner. Beim Mittelfeld und Abwehrpressing ist es wichtig, dass die Spieler nicht nur angelaufen werden, sondern dass man auch versucht, sie in „tote Räume“ zu lenken. Reines Anlaufen bringt meist nichts, wenn die restliche Mannschaft nicht richtig verschiebt.

Eintracht spielt momentan ein sehr gutes Umschaltspiel, wo die Räume eng gemacht werden und der Gegner im richtigen Moment attackiert werden soll. Als Pressingsignal, wann die Räume eng gemacht und die Spieler angelaufen werden sollen, dient zum Beispiel ein Pass an den Außenverteidiger, wie hier im Spiel gegen Großaspach zum 1:0:

Schlüsselpunkt „Parking the bus“ mit Konterfußball

Eintracht verteidigt über die ganze Saison hinweg sehr tief, aber erst richtig tief verteidigt sie nach dem Restart. Greift der Gegner an, presst Eintracht im Mittelfeld nur, wenn sie mit einer Gleichzahl/Überzahl umschalten kann, wie oben beschrieben. Nach der 1.Welle, wie Antwerpen es beschrieben hat, zieht Eintracht sich zurück, tief in die eigene Hälfte. Aus einer 3-Kette wird dann eine 5-Kette. Tief vor dem eigenen Strafraum wird verteidigt, auch bekannt als „Parking the bus“ -Taktik. Das eigene Positionsspiel wird dabei vernachlässig. Wichtig ist (nur) das verteidigen.

Eintracht spielte diese Taktik besonders Erfolgreich im Spiel gegen Ingolstadt. Dabei kommt es sogar oft vor, dass Eintracht zwar auf Konter lauert, aber nicht unbedingt die meisten Konter im Spiel hat. So hatte z. B. Ingolstadt mehr Konter als Eintracht, aber Eintrachts Konter waren mit 0,34 xG mehr gefährlicher. Eintrachts Konter sind auf jedenfall qualitativ gut und was, worauf der Gegner sich einstellen muss.

„Parking the bus“ -Taktik mit Konterangriffe im Spiel gegen Unterhaching. Hier gut zu erkennen wo Eintracht den Ball erobern wollte.
Die Passkarte im Spiel gegen Ingolstadt. Nur 18 % der Pässe wurden im gegnerischen Drittel gespielt.

Fazit

Ich habe einige Schlüsselpunkte aufgelistet, die meiner Meinung nach momentan sehr wichtig für die Eintracht sind. Ein großes Fragezeichen steht dahinter, wie Eintracht gegen tiefstehende Mannschaften eine spielerische Lösung findet. Kann man den Gegner auch da mit Predatorfussball in eine Falle locken, hat Eintracht gute Chancen um wirklich aufzusteigen. Wir können nur zu sehen und staunen. Die Ergebnisse sprechen momentan für uns.

It`s coming home!

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