Ein Gastbeitrag von Lennart Wenk.

Moin, ihr Löwen und Löwinnen! Heute widmen wir uns dem absoluten Transferkracher der letzten Woche, Felix Kroos. Mit ihm hätte wohl kein Eintracht-Anhänger gerechnet. Dementsprechend groß sind die Erwartungen an den 80-fachen Bundesligaspieler. Doch was genau charakterisiert den Spielstil des 29 Jährigen? Dieser und vielen weiteren Fragen gehen wir jetzt auf den Grund.

Antifußballer Kroos?

Eines fällt beim Betrachten der umfassenden Datenwerten aus der letzten Saison sofort ins Auge. Ein wirklicher Dribbler ist Kroos keineswegs. Zu durchschnittlich 0,22 Dribblings pro Spiel setzte der Ex-Berliner an. Natürlich sollte betrachtet werden, dass er bei einem Aufsteiger unter Vertrag stand und somit eher die Defensivriege stabil halten sollte, anstatt mit individueller Kreativität nach vorne zu pirschen. Trotz alle dem befindet sich Kroos im ligaweiten Vergleich sehr weit hinten. Zumal von diesem dürftigen Wert ebenfalls wenige Dribblings erfolgreich endeten. Doch wer Kroos schlicht und einfach als Antifußballer deklariert, geht einfach zu pauschal mit dem Spielertyp um. Schließlich wurde Kroos in seinen insgesamt 15 Bundesliga-Einsätzen der letzten Saison zu Häufe als Einwechselspieler in das Spiel gebracht. Dieser sichert beim Aufsteiger eher das Ergebnis, als in umfassende Dribblings zu gehen.

Ganz wie der Bruder: der passstarke Felix Kroos

Die meisten verbinden mit dem Namen „Kroos“ wohl eine Vielzahl an sicheren Pässen, ein ruhiger Spielaufbau und Ruhe am Ball. Das mag jedoch eher am Stellenwert von Toni Kroos, der selbst bei einem Verein wie Real Madrid immer noch heraussticht, liegen. Felix Kroos ist dagegen keine typische „Passmaschine“. Zumindest, wenn es um die Durchschnittsanzahl an Pässen geht. Dort liegt Felix Kroos nämlich im Mittelfeld aller Bundesligaspieler. Interessanter wird es, wenn man auf die Passgenauigkeit schaut. Dort stehen satte 85 % zu Buche. Zwar schneidet sein älterer Bruder noch deutlich besser ab, wobei dieser ohnehin in einer anderen Dimension Fußball spielt. Daher ist diese Passgenauigkeit beachtlich. Besonders, wenn man bedenkt, dass die angesprochene Prozentzahl in der Bundesliga zu Stande kommt. In der zweiten Liga ist ihm da wohl noch einiges mehr zuzutrauen. So kann Felix Kroos genau die Genauigkeit im Aufbau hierbei führen, die die Eintracht in Liga 3 ab und an vermissen ließ.

Sehr viele Defensivduelle, ausbaubarer Ertrag

Dass Felix Kroos für viele einer der letzten Fußballromantiker im alltäglichen Haifischbecken des Fußballs ist, liegt bei weitem nicht nur an seiner Social-Media-Präsenz. Auch auf dem Platz legt er jede Menge Fleiß und Kampfgeist an den Tag. So liegt er bei der durchschnittlichen Anzahl der Defensivduelle auf einem ligaweiten 18.Platz. Durchschnittlich 9,23 Mal pro Spiel geht der Mittelfeldallrounder in ein Defensivduell. Beachtlich außerdem, dass er viele dieser Duelle fair führt, da er in der abgelaufenen Saison nur eine einzige gelbe Karte kassierte. Trotz dieser hohen Intensität gibt es einen Kritikpunkt, und zwar die Erfolgsquote.

Diese liegt bei Kroos gerade einmal bei 44 % und zeigt eindeutig, dass hier noch Nachholbedarf besteht. Pikant erscheinen einem ebenfalls die Quote der Ballverluste im eigenen Drittel, welche bei durchschnittlich 2,63 Mal pro 90 Minuten liegt, wobei kein Verlust zu einem Gegentor führte. Trotzdem sollte der gebürtige Greifswalder häufiger den sicheren Pass zum Mitspieler suchen und bevorzugen. Das kann er, wie wir mittlerweile gesehen haben.

Wo wir schon ausführlich die Kategorie „Zweikampf“ betrachten, zusätzlich fällt auf, dass Kroos überraschend wenige Offensivduelle bestreitet. Dies hat jedoch einen ganz simplen Grund. So wurde er in der Saison 2019/20 nie vor dem zentralen Mittelfeld eingesetzt. Ganz im Gegenteil, oftmals musste er als defensiver Mittelfeldspieler herhalten.

Kroos als Dosenöffner zum Konterspiel?

Balleroberung Kroos, schnelle Weiterleitung auf die rechte Seite, Zuspiel in die Mitte, Tor! So oder so ähnlich könnte ein mögliches Konterspiel in der kommenden Saison aussehen. Ausreichendes Potenzial hierfür, hat Eintracht allemal. Schnelle Außenbahnspieler und bullige Stürmer gibt es bei Eintracht nun zu genüge. Und bald auch einen effektiven Balleroberer ? Zumindest hat Felix Kroos diese Rolle bei seinem letzten Arbeitgeber aufblitzen lassen. Rund sieben Bälle erobert Kroos innerhalb von 90 Minuten. Damit liegt er im Liga-Ranking im oberen Mittelfeld. Ein Blick auf das genaue Schaubild zeigt, dass viele Bälle zwischen Mittelkreis und Sechzehnmeterraum gewonnen werden konnten.

Besonders stark ist Kroos in der Kategorie Ballgewinne nach Gegenpressing. Nach diesem Prinzip werden knapp 4 Bälle pro Spiel erobert. Dieser starke Wert hängt wohl auch mit dem angesprochenen Fleiß zusammen, den Kroos vor allem in der Vergangenheit stets an den Tag legte. Hinter Felix Kroos befindet sich im Ranking übrigens ein gewisser Leon Goretzka. Mit der Verpflichtung von Kroos tut sich Daniel Meyer also auch eine Chance auf. Ein effektives Gegenpressing kann gefahren werden. Die daraus entstehenden Kontersituationen können schnell ausgespielt und letztendlich erfolgreich verwertet werden.

Vergleich mit Toni Kroos

Bei einem solchen fußballerischen Ausnahmekönner als Bruder war auch in mir die Versuchung zu groß, beide Kroos-Brüder ein wenig miteinander zu vergleichen. Beginnen wir beim sicherlich interessantesten und schmackhaftesten Wert.

Eine spektakuläre Erfolgsquote von 92,83 % bei Pässen steht für Toni Kroos zu Buche. Damit liegt er knappe zwei Prozent hinter dem Bundesliga-Bestwert. In der eigenen Hälfte kommt der ältere beider Brüder sogar auf 95,46 % Erfolgsquote. Bei Felix Kroos stehen rund 85 % auf der Haben-Seite. Hier kommt Felix also etwas an seinen Bruder heran. Dies allerdings bei einer geringeren Passdichte innerhalb von 90 Minuten auf Seiten des Ex-Unioners.

Eine Gemeinsamkeit haben beide Brüder in jedem Fall in Puncto Dribbling. So sieht man das Brüderpaar im Spiel sehr wenig dribbeln. Sowohl Toni als auch Felix Kroos meiden Dribblings, weshalb man im seltensten Fall über fünf Dribblings im Spiel hinauskommt.

Allgemein fällt auf, dass beide Brüder durchaus Gemeinsamkeiten in ihren Spielstilen besitzen. In seinen Paradedisziplinen, wie bei den Ballgewinnen oder den Passwerten, kommt Felix Kroos seinem Bruder oft auch recht nah. Trotzdem muss man klar sagen, dass Toni Kroos bei weitem der bessere Allrounder der beiden ist, da er neben seinen bekannten Stärken im Pass- und Zweikampfspiel auch eine hohe Torgefährlichkeit besitzt. Sogar bei Flanken sorgt Toni Kroos öfter als man denkt für Überraschungen.

Ist Felix Kroos ein potenzieller Kobylanski-Ersatz (eigene Meinung)?

Legen wir die Karten also einmal auf den Tisch. Martin Kobylanski ist aufgrund seiner derzeitigen Gala-Form öfter, als es den BTSV-Anhängern lieb ist, im Fokus anderer Vereine. Kann nun ein Felix Kroos, die immense Lücke, die ein möglicher Abgang in die Offensive bringen würde, schließen?

Meiner Meinung nach trifft das klar nicht zu. So wurde Felix Kroos in der vergangenen Saison beispielsweise nicht ein einziges Mal im offensiven Mittelfeld eingesetzt. Stets stand er dahinter auf der achter Position (zentrales Mittelfeld), beziehungsweise manchmal sogar auf der sechs (defensives Mittelfeld). Die fehlende Spielpraxis auf dieser Position wäre ein wichtiger Aspekt, warum Felix Kroos die Lücke nicht sofort schließen könnte.

Doch ich sehe einen weiteren, noch wichtigeren Grund. Die Offensivwerte von Felix Kroos sehen allesamt ziemlich bescheiden aus. So erzielte er in der vergangenen Saison nicht nur keinen Saisontreffer, zusätzlich liegt sein xG-Wert (erwartete Tore) bei mageren 0,29. Des Weiteren bestritt der Greifswalder die wenigsten Offensivduelle aller Mittelfeldspieler der Zentrale, der Außenbahn und der Defensive. 0,84 an der Zahl waren es pro 90 Minuten. Wenig verwunderlich, dass hierbei keine weiteren Torvorlagen bei rauskommen konnten.

Felix Kroos ist eher ein Spieler, der gut hinter Kobylanski agieren könnte. Die Anlagen dazu hat er alle Mal. Beispielsweise weist er einen hohen Wert an Steilpässen auf, mit denen er unsere schnellen Außenspieler in Szene setzen kann.

Vertreten kann er Kobylanski zudem bei den Freistößen, da er bei Union, vor allem zu Zweitligazeiten, den ein oder anderen Freistoß, samt toller Schusstechnik, direkt verwandelte. So auch beim Debüt von BTSV-Coach Daniel Meyer an der Seitenlinie von Erzgebirge Aue. Dort schnappte sich Kroos in der 87.Minute bei einem Freistoß aus ungefähr 30 Metern Torentfernung den Ball. Eigentlich ist das eine typische Position von Martin Kobylanski. Den Ball legte er so platziert in den linken Winkel, dass der Kicker später titelte „Ein Freistoß, bei dem kein Blatt dazwischen passt“. Das war allerdings bisher der letzte Freistoß-Treffer im Pflichtspielbetrieb. Trotzdem denke ich, dass Kobylanski und Kroos sich bei Freistößen gut unterstützen können.

Besser als Kroos hätte wohl Ben Zolinski als Kobylanski-Alternative fungiert. Dieser hat jedoch nun beim Ligakonkurenten aus Aue unterschrieben.

Fazit

Am Ende lässt sich definitiv sagen, dass Eintracht mit Felix Kroos jemanden verpflichtet hat, der nicht nur klare Visionen hat, sondern auch entsprechende Anlagen mitbringt, die der Eintracht schon bald helfen kann. Schafft es Kroos, seine Stärken von der Alten Försterei an die Hamburger Straße zu verlagern, so kann Kroos im Mittelfeld eine zentrale Rolle aufnehmen. Bleibt er fit, ist er ein wichtiger Faktor im Kampf um den Klassenerhalt. Und wer weiß schon, ob Toni Kroos nicht auch irgendwann der Ruf des Braunschweiger Löwen packt.

Quelle: Wyscout.com.

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