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BTSV-Kaderanalyse: Der Klassenerhalt ist zum Greifen nah!

Mit einem großen Dankeschön an Global Soccer Network.

Hallo Löwen,

meine Überschrift sollte eigentlich lauten: „Die nackte Wahrheit tut weh“. Als ich die Zahlen von der Datenscouting- und ratingfirma Global Soccer Network bekommen habe, musste ich erstmal kräftig schlucken. Nach dem GSN-Index sind wir auf dem ersten Blick nicht zweitligatauglich. Die Neuzugänge bringen zwar viel Potential mit sich, sind aber laut Global Soccer Network aktuell zum größten Teil eher 3. Ligaspieler. Dazu kamen dann noch die vielen schlechten Testspiele und meine Sorgenfalten wurden grösser. Meine Vorfreude war erstmal dahin.

Doch Daten sind ja dafür da um weitergehende Schlüssel zu ziehen. Da der GSN-Indexwert nur eine Zahl ist, ist es gut wissen, was hinter dieser Ziffer steckt. Wichtig ist es zu wissen, dass der Index über 10 000 verschiedene Datenpunkte beinhaltet. 300 Scouts sammeln dazu auch noch Eindrücke vor Ort. In der Datenbank befinden sich über 340 000 Spieler. Im Kern ist der GSN-Index ein Spielerbewertungssystem, der in vier Säulen aufgeteilt werden kann:

  • Eigenschaften
  • Entwicklungspotential
  • Performance
  • Spiel / Leistungsniveau

Die Spieler sind so aufgeteilt, dass in der Übersicht immer die beste Position des Spielers angegeben ist. Das System berechnet aber auch den Index für andere Positionen. Z. B. Kammerbauer hat als RV einen Index von 50.49, als ZM einen Index von 45.44. Ab einem Indexwert von 45,00, wird ein Spieler eine Spielerkategorie höher befördert: von durchschnittlich 3.Liga zu durchschnittlich 2. Bundesliga/Bundesliga. In unserem Fall werde ich es einfach Zweitligatauglichkeit nennen.

Unser Kader ist ein guter Mix

Eintracht hat einen sehr Ausgeglichenen Kader, aber mit Schwachstellen. Die Stärken liegen jedenfalls darin, dass die Spieler sehr vielseitig eingesetzt werden können. So bekommt man das Beste aus nur einem System raus. Es ist ja kein Geheimnis, dass Daniel Meyer mit einem 3-4-1-2 -System spielen möchte. In diesem System kommt es auf einen guten Mix an. Viele Spieler bringen diese Vielseitigkeit mit sich. Somit kann DM als Trainer immer den passenden Spieler ins Team-Cocktail werfen.

Die Kaderübersicht von Global Soccer Network. Stand 4.9.2020

Was auch auffällt ist, dass wir viele Spieler haben, die das Potential haben Zweitligaspieler oder mehr zu werden (ab 45,00). So hat nur Jasmin Fejzic dieses Potential nicht mehr, durch sein Alter bedingt. Aber auch er ist aktuell nicht weit von der Kategorie „Average 2.Bundesliga/Bundesliga“ entfernt. Überhaupt sollte man die alte Karde, von denen viele Fans welche auch loshaben möchten, eigentlich loben. So haben Felix Burmeister, Benjamin Kessel und Nick Proschwitz nicht nur die Zweitligatauglichkeit, nein, außer Proschwitz haben die alten Hasen sich auch nach dem letzten GSN-Check im Oktober weiterentwickelt. Gleiches gilt für junge, aber schon etablierte Kräfte wie Niko Kijewski und Leon Bürger. Beide sind auf einem guten weg Bundesligaspieler zu werden. Sie können beide Stammspieler in der 2. Liga werden.

Ein bisschen auf die Euphoriebremse muss man bei Spielern wie Lasse Schlüter, Marcel Bär, Manuel Schwenk oder Leandro Putaro drücken. Der zuletzt genannte hat zwar einen Wert von 42,20 als Flügelspieler. Der Trainer will ihn aber dort nicht einsetzen. Sein eigentlicher Wert, als Stürmer, wo Meyer ihn gerne sehen möchte, liegt vermutlich deutlich niedriger. Putaro hat sich auch kaum weiterentwickelt seit Oktober. Das gleiche gilt für die anderen Spieler. Sie sind teilweise auch sehr weg entfernt von 2. Liga -Qualität.

Yari Otto, GSN-Index 39,78 auf dem rechten Flügel, soll als Stürmer eingesetzt werden und hat sich auch nicht so viel weiter entwickelt seit Oktober. Man sollte schon auf ihn besonders achten, dass er sich weiterentwickeln kann. Seinen Bruder Nick Otto abzugeben war vermutlich die richtige Entscheidung, denn er war im Oktober der schwächste Spieler im Kader und hätte sich vielleicht so nicht mehr weiterentwickelt. Und dann ist da natürlich noch Martin Kobylanski, der laut GSN ganz spezielle Eigenschaften mit sich bringt und für die 2.Liga geeignet ist. Koby, von der Rolle her Schattenstürmer, kann ein ganz wichtiger Teil des Angriffsspiel von Eintracht sein. Es wird spannend zu sehen, wie er sich in der 2. Liga entwickeln kann.

Die Neuzugänge zwischen Weltklasseformat und 3. Liga

Das schönste am GSN-Index ist, dass es Spieler hervorhebt, die sonst vielleicht nicht auffallen würden. Eintracht Braunschweig hat so einen Spieler: Mattias Heiland. Er hat in den Testspielen immer noch nicht gespielt, aber Eintracht hat mit seiner Verpflichtung in die erste Mannschaft bewiesen, dass sie doch einen gewissen Puls für talentierte Spieler haben. Laut GSN kann Heiland ein Spieler der Internationalen Klasse werden. Auch der alte neue Leihspieler Suleiman Abdullahi und Patrick Kammerbauer, beide 23, haben diese Klasse und sollten auch entsprechend gefördert werden. Was für viel Talente in unserem Kader!

Die Neuzugänge Fabio Kaufmann, Jannis Nikolaou, Iba May, Yassine Ben Balla, Njegos Kupusovic, Nico Klaß, Michael Schultz und Felix Dornebusch bringen nicht direkt Zweitligaqualität mit sich, haben aber viel Talent. Es ist zu erwarten, dass es bei einigen Spielern ein wenig dauern wird. Flop-Kandidaten sind für mich z. B. Kaufmann und Schultz, beide Top 3. Ligaspieler, aber mit einer kräftigen Überperformance in der letzten Saison. Es bleibt abzuwarten, wie gut hier wirklich gescouted wurde.

Anders als die anderen Neuzugänge bringen Dominik Wydra, Felix Kroos und Suleiman Abdullahi direkt Zweitligaqualität mich sich. Aller drei sind Schlüsselfiguren im System Meyer. Kroos ist bestimmt kein Heilbringer wie Lionel Messi, aber er bringt direkt wieder mehr Zweitligaqualität mit sich. Laut GSN ist er ein „ordentlicher Allrounder und absolut solide für die 2.Liga“. Die Datascoutingfirma kann sich vorstellen, dass er zentral oder zentral defensiv spielt und dass er ein Führungsspieler für die Löwen wird: „Sein momentaner GSN-Index liegt bei 51.67, gute Übersicht, gutes Passspiel“.

Auch Manni ist ein guter Transfer. „Er kennt Braunschweig und bringt die gewünschte Körperlichkeit mit. Wir sehen ihn mehr als zentralen Zielspieler, nicht unbedingt als Rechtsaußen. Dazu tempomäßig ein Upgrade zu Proschwitz. Generell mehr Bundesliga – als Zweitligaspieler“, schreibt GSN auf Twitter. Wydra dagegen ist für mich der Spielmacher in der Abwehr, ein Quarterback so zu sagen, mit einer guten Technik, ein gutes Auge und Zweikampf- und Kopfballqualitäten.

Abgänge

Den Transfer von Bernd Nehrig wurde von Global Soccer Network so richtig nicht verstanden, denn Nehrig hatte einen GSN-Index von 55,36 und damit war er mehr als zweitligatauglich. Durch seinen Abgang ist auch der Gesamtindexwert für den gesamten Kader von 43.02 auf 42,96 gesunken. Man sollte beachten, dass das Potenzial bei älteren Spielern natürlich abnimmt. Der Abgang von Orhan Ademi war weniger schmerzlich, denn mit einem GSN-Indexwert von 41,00 war er aktuell nicht zweitligatauglich. Dennoch verlieren wir auch sein Potential von 50,99.

Robin Becker und Steffen Nkansahs Abgänge sind, in gewisser Weise, auch schmerzlich, denn besonders Becker war einer unseren besten Spieler. Er hatte schon im Oktober einen GSN-Indexwert von 48,48. Bleibt zu hoffen, dass die Neuzugänge da langfristig die Qualität mit sich bringen, die wir durch die Abgänge von Becker und Nkansah (GSN-Index im Oktober 42,67) verloren haben.

Der Kader im Vergleich

Eintracht hat sechs direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Im Vergleich zu den anderen Vereinen ist Eintrachts Kader nur auf Platz 17. Die gute Nachricht für Eintracht lautet, dass die Konkurrenten wirklich nah beieinander sind. Alle Teams sind innerhalb vier Punkte. Das bedeutet, dass es im Abstiegskampf keinen Favoriten gibt, sondern dass Eintracht gute Chancen auf den Klassenerhalt hat, nach dem Kader jedenfalls.

Eintrachts Neuzugänge und Kader haben viel Potential. In diesen Punkt sieht es mit der Eintracht schon besser aus und sie kommen auf den 16. Platz mit einen Gesamtindexwert von 55,68. Es gibt viel Luft nach oben, im positiven Sinne, und Daniel Meyer kann aus dem Kader das formen, was er will. Wir erinnern uns, viele Neuzugänge waren seine Wunschspieler oder Spieler, die er fördern will. Seine Spielidee braucht bestimmte Spielertypen und einen guten Mix. Es bleibt also zu hoffen, dass die Mannschaft ihr potential bald erreicht und die Spieler sich schnell weiterentwickeln.

12. Bochum45,36+2,4
13. Sandhausen44,86+1,9
14. Fürth43,97+1,01
15. Regensburg43,79+0,83
16. Osnabrück43,03+0,07
17. Braunschweig42,96+-0
18. Würzburg41,64-1,32
Die GSN-Index Rankingtabelle. Sieben Teams eng beieinander.

Verstärkungen gesucht!

Eintracht hat sich, wie eben schon erwähnt, sehr vielseitig verstärk. Doch es gibt auch Schwachpunkte. Im Sturm hat, außer Abdullahi und Proschwitz, keiner aktuell Zweitligaformat. Und wie wir wissen, ist gerade Proschwitz sehr in der Kritik und auch am Abbauen. Es fehlt noch immer ein Wandstürmer, der z. B. neben Abdullahi eingesetzt werden könnte.

Weniger sorgen muss sich Eintracht im zentralen Mittelfeld machen, wo ich die Kaderplanung mit der Verpflichtung von Felix Kroos als abgeschlossen erklären kann. Das zentrale Mittelfeld ist auch ohne Kroos sehr stark aufgestellt. Nur Manuel Schwenk ist aktuell für die Position des Zehners zu schwach. Zu Not können auf dieser Position auch Leon Bürger oder Felix Kroos spielen, also ist es für mich kein Problem.

Wo sich Eintracht definitiv noch Verstärken könnte, ist die linke Seite, wenn sich da eine passende Lösung präsentieren sollte. Auf jeden Fall gibt es keinen guten 1 zu 1 -Ersatz für Kijewski. Auch auf der rechten Seite haben wir bisher keine idealen Lösungen gefunden, doch ich denke da können wir zu Not mehrere Spieler einsetzen, was wir auf der linken Seite nicht tun können. Denn nicht nur die Außenbahn, sondern auch die Verteidigung ist hier ein mögliches Problemfeld. Global Soccer Network meinte jedenfalls, wir sollten uns in der Innenverteidigung noch verstärken. Hier nehme ich aber an, dass mit der Verpflichtung von Kroos, der defensive Mittelfeldspieler Jannis Nikolaou in die Abwehrreihe rücken könnte.

Fazit

Am Ende sieht die Situation sehr gut aus für die Eintracht. Dennoch muss ich warnen, dass die größeren Gefahren in den fehlenden Strukturen und Systeme liegen. In vielen Bereichen sieht es mager aus. Z. B. zeigt eine fehlende Scoutingabteilung, dass der Verein nicht zweitligatauglich ist. Neue Spieler sucht man eher durch Netzwerke. Wie Global Soccer Network schon schrieb: „Neuanfang ist gut und richtig. Aber dann muss man auch zeitnah eine Philosophie entwickeln. Wie will ich spielen, welche Spielertypen brauche ich.“ Diese essentialen Sachen sind noch zu lösen bei der Eintracht. Wir Fans sollten, da wir eine Mehrheit im Verein haben, auch auf diese Veränderungen drängen und uns nicht von Verpflichtungen wie Felix Kroos blenden lassen. Denn am Ende sind es wieder wir, die es ausbügeln müssen, sollte alles schief gehen.