Zukunftsgestalter CREATEFOOTBALL: „BTSV ist ein Paradebeispiel für Vereine, die ihre gesamte Philosophie von den handelnden Personen abhängig machen“

Moin Mats und Quirin, auch genannt CREATEFOOTBALL, schön das ihr da seid! 🙂 Stellt euch und eure Projekt kurz vor: Was macht CREATEFOOTBALL und wie sieht euer Alltag aus?

Moin Jussi, erstmal danke für die Einladung! Wir beschäftigen uns bei CREATEFOOTBALL hauptsächlich mit den Themen Datenscouting und Kaderplanung im nationalen wie internationalen Fußball. Wir haben einen Podcast „CREATEFOOTBALL – Der internationale Fußballpodcast“, einen Blog und einen Instagramauftritt, wo wir unsere Community mit Insights versorgen.

Dabei steht bei uns immer die Objektivität im Fokus, um Teams, Spieler und Performances neutral und fundiert zu bewerten. Unser Ansatz besteht darin, den Fußball gestalten zu wollen und deswegen arbeiten wir bereits mit einigen Klubs, Berateragenturen und Medien zusammen.

Welcher Unterschied besteht zwischen CREATEFOOTBALL und anderen Datenanbietern wie z.B. InStat und welche Rolle spielt ihr eurer Meinung nach im modernen Fußball?

Wir differenzieren uns in erster Linie darin, dass wir kein Datendienstleister sind. Wir erheben die Daten nicht selbst, sondern interpretieren sie! Mit uns bekommen Vereine kein Tool hingestellt sondern datenbasierte Lösungsvorschläge, die professionell von uns erarbeitet wurden. Hinzu kommt, dass wir auf sämtliche Algorithmen verzichten und nur mit Rohdaten operieren, d.h. wir wissen ganz genau worin Stärken und Schwächen eines Spielers begründet liegen und müssen nicht mutmaßen.

Sollte ich, wenn ich Daniel Meyer wäre, euch anrufen? 🙂 Und wenn ja, warum?

Eintracht Braunschweig hat nach transfermarkt.de den zweitgeringsten Kaderwert der 2. Bundesliga. Das bedeutet, nach finanziellen Maßstäben steigt der Verein ab. Ihr müsst daher cleverer agieren als einige Mitkonkurrenten, um euch dadurch einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Bisher ist leider kein Konzept in der Kaderplanung erkennbar. Peter Vollmann hat sich euch gegenüber bereits geäußert, dass er Daten nur als Zusatzinformation sieht. Aus unserer Sicht ist das der falsche Ansatz. Daten sollten gerade für Klubs mit begrenzten Mitteln der erste Filter sein, da man so den Pool der potenziell interessanten Akteure massiv einengt. Was Daniel Meyer anbelangt, kann er sich gern bei uns melden. Wenn wir mit Vereinen kooperieren, ist unser erster Schritt immer eine umfassende Kaderanalyse, die die Ist-Situation abbildet. Deckt sich die Spielidee des Trainers mit der erbrachten Performance? Welche Spielertypen fehlen dem Trainer, um seine Spielphilosophie bestmöglich umzusetzen? Das sind Fragen mit denen wir uns datenbasiert auseinandersetzen, die die Grundlage für unsere weitere Arbeit darstellen.

Wie ist eure Wahrnehmung oder Einschätzung davon, wie ihr den Fussball weiterentwickeln wollt?

Wir sind der Überzeugung, dass Fußball gestaltet werden sollte. Deswegen haben wir auch den Namen CREATEFOOTBALL gewählt. Vereine sollten eine klare Vorstellung davon haben, welche Transferpolitik sie verfolgen, wie sie Fußball spielen wollen und wohin der Verein innerhalb der nächsten Jahre entwickelt werden soll. Und nach dieser Vorstellung sollten sie ihr Personal auswählen. Dabei unterstützen wir mit unserer Expertise.

Das Thema Datenscouting war gerade ein heißes Thema in Braunschweig und der Verein hat sich sogar zu diesem Thema mit einem Interview mit dem Geschäftsführer Sport, Peter Vollmann, zu Wort gemeldet. Habt ihr diese Diskussion verfolgt und wie sieht ihr die Sache?

Seit Peter Vollmann zu seinem Posten als Sportdirektor der Braunschweiger Eintracht kam, verfolgen wir diese Personalie. Ich kann mich noch genau an seine Antrittsrede erinnern, wo Vollmann darauf hinwies, dass der erste Kontakt mit Braunschweig erst 48 Stunden vor der Unterschrift zustande kam. Allgemein gesprochen ist es ein Paradebeispiel für Vereine, die ihre gesamte Philosophie von den handelnden Personen abhängig machen. Wenn so eine immens wichtige Personalie wie der Sportdirektorposten binnen 48 Stunden entschieden wird, dann kann sich jeder überlegen, wie langfristig andere Bereiche des Vereins geplant sind… Generell sehen wir Braunschweigs Weg sehr kritisch, ohne die Finanzen zu kennen. Die Fluktuation ist hoch, unter Vollmann haben nun bereits drei Trainer gearbeitet – in anderthalb Jahren. Es kamen 24 neue Spieler, während 21 den Verein verließen.

Hinzu kommt, dass aus Kostengründen die Scoutingabteilung abgeschafft wurde! Ein Novum im deutschen Fußball, bietet aber umso mehr Chancen, sich durch präzises Datenscouting auf die Spieler zu konzentrieren, die einem wirklich weiterhelfen. Hier wird aus unserer Sicht ein großes Potenzial verkannt, das den Verlust von Scouts deutlich abfedern würde. So allerdings sind der Subjektivität keine Grenzen gesetzt.

Auf der Homepage sprecht ihr von „neuen Wegen“ im Fussball. Warum sollte ein 125 Jahre alter Traditionsverein wie Eintracht Braunschweig einen neuen Weg gehen und wie könnte dieser konkret aussehen?

Es gibt das Sprichwort „Stillstand ist Rückschritt“. Und wenn man sich die vergangenen Jahre anschaut, dann ist die TSG Hoffenheim mehrfach in den Europacup eingezogen und RB Leipzig binnen kürzester Zeit ins Halbfinale der Champions League vorgestoßen. Der HSV, VfB Stuttgart, der 1. FC Köln und zig weitere ehemalige Bundesligisten fanden bzw. finden sich hingegen in der 2. Liga wieder. Schalke etwa ist auf dem besten Weg dorthin. Warum ist das so? Weil die Prozesse innerhalb der Vereine äußerst ineffizient sind. Es braucht die Zustimmung mehrerer Gremien und somit Monate um Änderungen umzusetzen. Das müssen Traditionsvereine verstehen und begreifen, welch große Chance darin liegt, die sportliche Ausrichtung unabhängig von handelnden Personen zu gestalten.

Was sind für euch die modernsten Vereine im Bereich Datenanalyse und was kann ein Verein wie BTSV von diesen Beispielen lernen?

In erster Linie sind es die Teams von Matthew Benham, dem Eigentümer vom FC Brentford (England, 2. Liga) und dem FC Midtjylland (Dänemark, 1. Liga). Beide erzielen seit Jahren ein Transferplus und schaffen es ein ums andere Mal Abgänge von Leistungsträgern zu kompensieren. Die gesamte sportliche Führung hat sich dem Thema Datenscouting verschrieben und setzt konsequent auf statistische Modelle zur Evaluierung von potenziellen Neuzugängen. Darüber hinaus wird dort auch die Persönlichkeit der Spieler stark miteinbezogen. Weitere Pioniere sind der FC Liverpool, AZ Alkmaar, Brighton & Hove und das RB-Imperium.

Es gibt viele Trainer und Scouts (und eben auch Geschäftsführer Sport), die viel Wert auf Live-Beobachtungen oder das Videomaterial legen. Wie sieht ihr das Thema?

Wichtig, jedoch wird auch hier sehr kostenintensiv und ineffizient vorgegangen. Stellen wir uns mal vor, wir suchen einen neuen Rechtsverteidiger. Was ist sinnvoller? Jeden Rechtsverteidiger, der bezahlbar ist, auf Video zu sichten? Quer durch Europa zu touren, um mal einen vermeintlichen Treffer zu landen, weil ein RV das Spiel seines Lebens spielt? Wohl kaum. Es lohnt sich, vorab ein Positionsprofil zu erstellen, um generell festzuhalten, wonach man sucht und anschließend durch Datenscouting eine Liste von Spielern zu bekommen, die anhand der Daten potenzielle Verstärkungen darstellen. Jetzt wissen wir, welche Spieler von Relevanz sind und können diese Auswahl durch Video- und Livescouting näher betrachten.

Peter Vollmann hat öfter angedeutet, als Verantwortlicher für Spielerverpflichtungen wird man nur so von Angeboten von Beratern zugeschüttet. Was kann ein Verein wie Eintracht tun um den Überblick nicht zu verlieren?

Den Kader selbst gestalten: Wo liegen die Schwachstellen bzw. Potentiale des Kaders? Auf welcher Position besteht Bedarf? Welche Stärken muss der gesuchte Spieler mitbringen? Passen angebotene Spieler in dieses Raster, dann spricht ja nichts dagegen, sie in Betracht zu ziehen. Aber sich selbst darüber im Klaren zu sein, nach welchem Spielertyp man eigentlich fahndet, ist das A und O.

Wenn ihr einen Blick auf die bisherige Zweitligasaison werft, wie schneidet die Eintracht ab?

Die Leistungen lassen stark zu wünschen übrig. Nach expected points ist man Tabellenletzter, was ein alarmierender Fakt ist. Die Performance der Eintracht ist extrem schwach – in diversen Kategorien ist die Eintracht das Ligaschlusslicht. In dieser Grafik sieht man den Vergleich zwischen der Eintracht mit dem Ligadurchschnitt. In allen vier Kategorien Ligatiefstwert! Dass man derzeit auf einem Nicht-Abstiegsplatz steht, ist vor allem auf Matchglück zurückzuführen. Neben den dargestellten Kategorien sind auch die wenigen angekommenen Schlüsselpässe, sowie Schwächen im Torabschluss und Kopfballduellen offensichtlich. Zudem lässt die Flankengenauigkeit Potenziale offen… Das zeigt sich insbesondere darin, dass nur 15% der Eckbälle mit einem Abschluss gekrönt sind. Auch die Konter sind sehr ineffizient mit nur 11%. Es gibt leider wirklich wenig, was Hoffnung macht, die Eintracht sollte tunlichst den Kader und Spielweise anpassen, um nicht abzusteigen!

In den Medien war zuletzt von einem Braunschweiger Interesse an einem neuen Innenverteidiger und einem linken Flügelspieler zu lesen. Inzwischen wurde mit Brian Behrendt ein Neuzugang verkündet. Ist er eine Verstärkung?

Braunschweig hat auf vielen Positionen Bedarf. Mangels Finanzkraft wird dies nicht binnen eines Transferfensters zu beheben sein. Am dringendsten dürften in der Tat diese beiden Positionen sein. Wir würden eine Systemumstellung auf ein 4-2-3-1 präferieren, um mehr Offensivkraft zu entwickeln. Hinzu kommt, dass sich Innenverteidiger Robin Ziegele mit seinen Stats – 35% Kopfballquote, 70% angekommenen Pässen und 56% gewonnene Defensivzweikämpfen – als nicht zweitligatauglich erweist. Ein kopfballstarker Innenverteidiger tut der Eintracht gut, da auch Nikolaou (58%) und Wydra (55%) keine Kopfballungeheuer sind. Zudem könnte der Neuzugang mehr Gefahr bei Eckbällen entfachen. Mit Brian Behrendt bekommt die Eintracht eine Verstärkung im Vergleich zum vorhandenen Personal, jedoch hat dieser aufgrund seines Außenmeniskus- und Kreuzbandrisses nahezu die gesamte vergangene Saison aussetzen müssen. Wie es um seine Leistungsfähigkeit steht, kann daher nur gemutmaßt werden.

Die Daten von Behrendt beziehen sich daher auf alle Spiele seit 2018, die er in Ligaspielen erbracht hat. In einem System mit zwei Innenverteidigern dürfte er – sofern er einen adäquaten Fitnesszustand aufweist – Wydra verdrängen.

Auf der linken Außenbahn muss ein Inside Forward kommen, der gern ins Dribbling geht, den Abschluss sucht und ein stetiger Unruheherd durch viele Aktionen darstellt. Dies könnte ein junger Akteur sein, zumal die Eintracht-Startelf relativ alt ist (27.8 Jahre im letzten Ligaspiel).

Dazu passend haben wir einige Kandidaten aus insgesamt 22 europäischen Ligen herausgefiltert:

Stefano Vecchia (25, Sirius, 1. Liga Schweden) ist dabei unser Topfavorit, den Peter Vollmann auf dem Zettel haben sollte. Er schießt 3.59-mal pro Spiel aufs Tor, geht 7.2-mal ins Dribbling hat dabei eine Erfolgsrate von guten 66 Prozent. Der Kontrakt des Schweden ist zudem im Winter ausgelaufen, er wäre wohl ablösefrei zu haben – bzw. war, wenn man frühzeitig reagiert hätte.

Alle aufgeführten Spieler dürften absolut erschwinglich sein und gelten als No-Names, die wahrscheinlich kaum jemand auf dem Schirm hat. Wenn man einen Perspektivtransfer tätigen will, sollte man die Namen Noah Weißhaupt (SC Freiburg) und Jascha Brandt (Werder Bremen) miteinbeziehen. Sie könnten perspektivisch der Eintracht helfen, sofern sie ihr Leistungsniveau an das höhere Spielniveau anpassen können.

Wo kann man sich mehr zum Thema Datenscouting anlesen oder anschauen?

Es gibt einige interessante Werke. „Die Fußballmatrix“ von Christoph Biermann fand ich sehr inspirierend. Wer lieber Filme schaut, sollte sich „Moneyball“ und Teile der Sunderland-Dokumentation (beide bei Netflix verfügbar) anschauen und die vorherrschenden Scoutingprozesse einmal kritisch hinterfragen…

Vielen Dank für das Gespräch!

Taktikanalyse: Fürther besiegen schwache Braunschweiger in der 2. Halbzeit

Ein Beitrag von Jonas Schaar.


Zu Beginn ergab sich ein ähnliches Bild wie beim Auswärtsspiel in Paderborn. Braunschweig stand kompakt und Fürth fand kaum Lösungen gegen den Braunschweiger Block. In der zweiten Hälfte schafften es die Braunschweiger immer wieder das Pressing der Braunschweiger zu durchbrechen und erzielten im zweiten Durchgang drei Tore. Wie schaffte es die Spielvereinigung sich gegen die Löwen in der 2. Halbzeit zu behaupten?

Aufstellungen

Trainer Daniel Meyer blieb dem 4-2-3-1-System aus der Partie gegen den SC Paderborn treu. Allerdings gab es einige personelle Wechsel. Martin Kobylanski und Lasse Schlüter nahmen zunächst auf der Bank Platz, Marcel Bär fehlte aufgrund der Gelb-Roten-Karte aus dem Paderborn-Spiel gesperrt. Danilo Wiebe ersetzte Schlüter auf der linken Seite. Yari Otto agierte anstelle von Kobylanski im zentralen offensiven Mittelfeld und Manuel Schwenk ersetzte Bär auf der linken Seite. In der 2. Halbzeit stellte Daniel Meyer nach der Einwechslung von Abdullahi, Schlüter und Kobylanski auf ein 5-3-2 um.

Die SpVgg Greuther Fürth startete in einem 5-2-1-2. Bemerkenswert dabei war der Altersschnitt in der Innenverteidigung, welcher lediglich 20,7 Jahre betrug.

Fürth in der 1. Halbzeit mit wenigen Lösungen

In der ersten Halbzeit gelang es den Löwen die spielstarken Gäste wenig zum Zug kommen zu lassen. Gegen den Ball formierten sich die Braunschweiger situativ immer wieder in einem 4-4-2. Die Braunschweiger attackierten die Fürther ca. 5-10 Meter vor der Mittellinie. Dabei versuchten Otto und Proschwitz immer wieder, die beiden Sechser der Fürther in ihren Deckungsschatten zu nehmen. Soweit war die Formierung gegen den Ball vergleichbar mit der Spielweise im letzten Spiel gegen den SC Paderborn. Insbesondere in der 1. Halbzeit taten sich die Fürther damit auch schwer.

Um sich aus dem Deckungsschatten von Otto und Proschwitz zu befreien, ließen sich die beiden Sechser der Spielvereinigung immer wieder vor die erste Pressinglinie der Braunschweiger fallen. So auch in dieser Situation.

Stach (24) und Seguin (33) befinden sich zusammen mit den drei Innenverteidigern im Spielaufbau vor Proschwitz und Otto. Die Außenverteidiger Raum (22) und Asta (2) schoben beide entlang der Außenlinie hoch, wie es im Laufe des Spiels immer wieder zu sehen war. Diese wurden allerdings in der 1. Halbzeit, wie auch in dieser Szene, stets von Schwenk (22) und Kaufmann (7) zugestellt. Die tiefen Anspielstationen Nielsen (16), Ernst (15) und Green (37) wurden in der 1. Halbzeit von der Meyer-Elf sehr konzentriert zugestellt (in dieser Szene durch Kroos (18) und Kammerbauer (39)).

Somit sorgte die Braunschweiger Positionierung kombiniert mit dem situativen Fallenlassen eines Fürther Sechsers dafür, dass den Gästen wenig Möglichkeiten blieben das Spiel gegen die kompakten Braunschweiger aufzubauen. Zusätzlich fehlte den Fürthern in der 1. Halbzeit die Variabilität im Spiel mit Ball um den Braunschweiger Block zu knacken. Zwar versuchten die Fürther insbesondere in der ersten Viertelstunde das Spiel immer wieder schnell aufzubauen, dies resultierte aber in vielen Fehlpässen.

Gegenläufige Bewegungen als Schlüssel zum Fürther Erfolg

Immer wieder orientierten sich Nielsen und Ernst auf die letzte Linie der Braunschweiger um von dort dann kurzzukommen. Dadurch wurde teilweise ein Verteidiger der Braunschweiger rausgezogen und in diesen Raum startete dann der hochgeschobene Außenverteidiger. Eine solche Situation galt auch als Ausgangssituation des Fürther 0:1-Fürhungstreffers.

Jaeckel (23) hat in dieser Szene auf Höhe der Mittellinie und wird von der Seite von Otto (17) angelaufen. Nielsen (16) befindet sich zunächst auf Höhe der Braunschweiger Viererkette. Von dort kommt der Norweger nun aber in den Raum zwischen Kammerbauer (39) und Schwenk (22) und schafft eine Anspielstation. Da Nielsen aus der Tiefe kurz kommt, ist er für Kammerbauer und Schwenk kaum zu verteidigen und Wiebe (23) muss mit aus der Kette rücken. Dadurch entsteht hinter Nielsen und Wiebe ein Raum, in welchen der hochgeschobene Außenverteidiger Asta (2) startet. Nielsen leitet den Ball mit dem ersten Kontakt weiter und somit hat Asta viel Platz auf der rechten Seite.

So kann der Außenverteidiger in Richtung Tor dribbeln. Von der Ecke setzt Asta dann einen Schuss ab, welcher von Wydra in den Rückraum geblockt wird.

Der Ball sprang von Wydras Fuß in den Rückraum zu Ernst (15), welcher Zeit hatte den Ball zu verarbeiten, da der Rückraum erneut ziemlich frei war. Kroos (18) bewegte sich zunächst noch in Richtung Tor, weshalb er nicht rechtzeitig in das Geschehen eingreifen konnte. So legte sich Ernst den Ball zurecht und schloss überzeugt ab, 0:1 Fürth.

Im Endeffekt ist dieser Treffer aufgrund der fehlenden Rückraumbesetzung sehr ungünstig, allerdings ist es in der Entstehung stark von den Gästen gespielt. Die gegenläufige Bewegung Stürmer und Außenverteidiger, welche die Fürther bereits in Halbzeit 1 immer wieder erfolglos probierten, funktionierte hier einwandfrei und schaffte sehr viel Platz für Asta. In dieser Ausführung ist eine solche Szene nur schwer zu verteidigen, da Wiebe vor der Wahl steht den Stürmer laufen zu lassen und so ein Aufdrehen zu riskieren oder wie in der Szene den Raum zu öffnen und dafür den Stürmer zu stören.

Braunschweigs mutloses Spiel mit Ball

So konzentriert das Spiel gegen den Ball in der ersten Halbzeit auch war, so viel ließ das Spiel mit Ball über die kompletten 90 Minuten zu Wünschen übrig. Jegliche guten Ansätze aus dem Spiel gegen Paderborn waren nicht wiederzuerkennen, stattdessen hieß es einmal mehr „lang auf Proschwitz“. Man muss sagen, dass führt es im Angriffspressing auch immer wieder gut machte und sehr viel Zugriff in Ballnähe schaffte. Dennoch hatte man nicht wirklich das Gefühl, dass die Heimmannschaft spielerisch Lösungen finden möchte. Zwar wurden die Abstöße gelegentlich auf einen der beiden der tief positionierten Innenverteidiger ausgeführt, von dort wurde der Ball dann aber lang in Richtung Proschwitz geschlagen. Durch das 4-2-3-1 und die Positionierung der Flügelspieler ergaben sich hierbei aber neue Probleme.

In dieser Szene aus der 1. Halbzeit erhält Ziegele (40) den Ball nach einem Einwurf zurück und wird von Raum (22) und Ernst (15) gut zugestellt, sodass im Endeffekt der lange Ball eine logische Konsequenz ist. Allerdings ist die Vorbereitung auf diesen langen Ball nicht gegeben und eine Anschlussaktion somit kaum möglich.

In dem 5-3-2 war es oftmals so, dass der Ball lang auf Proschwitz geschlagen wurde, Kobylanski sich absetzte und der zweite Stürmer neben Proschwitz in die Tiefe startete. Somit hatte der großgewachsene Stürmer stets drei Optionen der Spielfortsetzung (Spiel in die Tiefe, Ball ablegen, Ball festmachen).

In dieser Szene versucht der ballnahe Flügelspieler Kaufmann (7) eine Anspielstation in Ballnähe zu schaffen. Aus diesem Grund fehlt der Ex-Würzburger bei dem langen Ball auf Proschwitz (33) als Spieler, der in die Tiefe starten kann. Otto (17) und Kaufmann bewegen sich während der Flugphase des Balles in Richtung von Proschwitz und bieten so zwei Optionen an, den Ball klatschen zu lassen. Allerdings fehlt die Option, den Ball zu verlängern. Dies führt dazu, dass die ohnehin leicht auszurechnenden langen Bälle für den Gegner noch simpler zu verteidigen sind. In dieser Szene gewinnt Barry das Kopfballduell und klärte den Ball ins Aus.

Szenen wie diese gab es im Verlauf dieser Partie. Der Ball wurde nach wenigen Stationen in der Defensivreihe lang auf Proschwitz geschlagen, dem fehlten dann allerdings die nötigen Anspielstationen um das Spiel fortzusetzen.

Fazit


Das Spiel startete sehr gut für den BTSV, da man die spielstarken Fürther in der 1. Halbzeit sehr gut unter Kontrolle hatte. Allerdings brach das erneut schwache Spiel mit Ball den Braunschweigern gleich doppelt das Genick. Zunächst einmal wurden kaum Torchancen herausgespielt und so den stark herausgespielten Führungstreffer der Fürther zu egalisieren oder vorher sogar selber in Führung zu gehen. Die gefährlichste Torchance resultierte aus einem schnellen Umschalten nach einer gegnerischen Ecke.

Zusätzlich resultierte der Gegentreffer zum 0:2 aus einer schwachen Flanke aus dem Halbfeld, welche den Weg nicht einmal in den Strafraum fand. Dort hatten sich aber bereits drei Löwen hinbewegt, sodass der Zugriff auf den zweiten Ball fehlte und man eiskalt ausgekontert wurde. Damit war das Spiel quasi gelaufen.


Natürlich darf man auch nicht den nicht gegebenen Elfmeter aus der 2. Spielminute vergessen, allerdings gehört der Schiedsrichter zu einer Dynamik, welche man nicht beeinflussen kann (Kammerbauer hätte für die Schwalbe übrigens auch Gelb-Rot sehen müssen). Am Schiedsrichter lag es heute also nicht, vielmehr müssen eigene Lösungen gefunden werden um den Gegner zu bezwingen.

Abschließend lässt sich sagen, dass dieses Mal die Anfangsphase gut überstanden wurde und ein gutes Grundgerüst gebaut wurde. Dieses wurde im weiteren Verlauf allerdings nicht ausgenutzt, stattdessen verfiel man in alte Muster.


Am Dienstag reist der BVB in den Löwentempel. Aktuell besteht wenig Hoffnung, aber mal schauen was so kommt. Wer kümmert sich schon mal um das Flutlicht? Spaß beiseite, auf geht´s Löwen, kämpfen und siegen