Hallo Löwen,

Wenn wir mal ignorieren, dass Eintracht in dieser Saison fast in jedem Spiel in den ersten Minuten ein Gegentor bekommt, auch wenn wir im Tor endlich einen Keeper haben, der in einer guten Verfassung ist, dann müssen wir das Spiel von einer ganz anderen Perspektive betrachten. Denn Eintracht fehlt es an Kraft. Nicht nur in der Defensive, nein, auch im Spielaufbau und in der Offensive gibt es deutliche Probleme. Dabei häufen sich die Fehler und treten besonders gegen bestimmte Mannschaften auf.

Probleme mit hoch pressenden Mannschaften

Eintracht hat, wie keine andere Mannschaft in der Liga, sich hinten reindrücken lassen. Im Schnitt bekommt Eintrachts Abwehr sehr viel Druck von gegnerischen Mannschaften entgegengesetzt. In der Pressing-Statistik PPDA (Passes Allowed Per Defensive Action against) sehen wir, dass Eintracht am meisten in der Liga angelaufen/ früh unter Druck gesetzt wird. Eintrachts Passspiel war im Spiel gegen Osnabrück nur 1/5  auf lange Bälle ausgelegt und ansonsten sind die Löwen in der 2. Liga Rekordmeister in Sachen lange Bälle.

Generell zeigt die Eintracht Schwächen gegen hoch pressende Gegner. Da hilft es nicht gerade, wenn man daran denken muss, dass jetzt Pressingmonster Paderborn auf uns wartet. Mit 7,24 PPDA und einer Herausforderungsintensität (Duelle, Tackling und Ballabfangen pro Minute des gegnerischen Ballbesitzes) von 7,5 sind sie Spitzenreiter in der 2. Liga. Eintracht muss schnell herausfinden wie sie sich mit einem hochpressenden Gegner freispielen können. Die Gegner haben schon längst bemerkt, dass Eintracht damit Probleme hat. So stieg der Herausforderungsintensität-Saisonwert der Osnabrücker von 5,8 auf 6,0, nur weil sie gegen uns spielten.

Keiner andere Mannschaft muss so ein hohes Pressing überspielen wie Eintracht (Wyscout)

Probleme im Passspiel und in der Laufbereitschaft

Daniel Meyer lässt wieder im 3-4-1-2 -System spielen. Dabei frage ich mich, hat er überhaupt die Spieler dafür? Ein Spieler wie Martin Kobylanski soll seinen Teil für die Mannschaftsleistung beitragen. Es kann aber nicht sein, dass er unser Laufbereitschaftester Spieler auf dem Feld ist. Mit der schlechtesten Laufleistung in der ganzen Liga (16 Km weniger als der 17. dieser Statistik, Sandhausen) hat die Mannschaft ein großes Problem. Noch grösser wird dieses Problem, wenn ein Kobylanski am meisten im Spiel laufen muss, 10,66 km.

Passkombinationen im Spiel gg. Osnabrück (Wyscout)

Besonders im System mit nur zwei Aussenbahnspieler sind Grundprinzipien im Aufbauspiel, wie Täuschungen, Raumerkennung oder Winkelspiel sehr wichtig, aber kaum vorhanden. Für mich ist die Sache klar: Wir brauchen eine Systemveränderung, wo besonders Kobylanski mehr Freiräume hat*. Im Vergleich zu der letzten Saison erhält er nur 16,67 Pässe pro Spiel und erobert nur 2,26 Bälle pro Spiel. In der letzten Saison waren es noch 21,1 erhaltene Pässe pro Spiel und 3,78 Balleroberungen auf 90 Minuten. Daniel Meyer muss einen Weg finden, Kobylanski besser ins Spiel zu bringen. Wenn schon lange Bälle, dann muss das Mittelfeld nachrücken und auf die zweiten Bälle gehen.

Was tun?

Eintracht muss den Ball mehr laufen lassen. Eine Passrate (Pässe pro Minute des Ballbesitzes) von 11,8 ist auch der schlechteste Wert in der Liga. Mit anderen Passstatistiken oder Aufbaustatistiken will ich erst gar nicht anfangen. Außer lange Bälle hat Eintracht keine Stärken im Aufbauspiel. Das sieht man auch im Endergebnis. Die schlechteste Offensive mit nur 9,68 expected Goals (xG) und die zweit wenigsten angekommene Pässe im gegnerischen Strafraum (Deep completions 4,56/90min).

Daniel Meyer muss sich auch überlegen, ob seine Leader-Achse Wydra – Kroos – Koby wirklich funktioniert. Christian Flüthmann sagte in seinem Vortrag auf dem Fußball-Online-Kongress, dass er im Herbst 2018 zusammen mit Andre Schubert festgestellt hat, dass Eintracht keine richtige Mischung aus Persönlichkeiten im Kader hatte. Auch das gilt es zu analysieren, wenn es um die Wintertransfers geht.

Eintracht muss sich jedenfalls spielerisch steigern und mehr für Überraschungen sorgen. So ist es einfach viel zu einfach für den Gegner.

*Jonas Schaar wird darüber noch ausführlicher in seiner #EBSOSN -Spielanalyse, die zu einem späterem Zeitpunkt erscheint, berichten.

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