Ein Gastbeitrag von Jonas Schaar.

Einen Tag nach dem 125. Jubiläum sicherten sich die Löwen einen Punkt beim SC Paderborn 07. Dieser Punktgewinn ist alles andere als ein Zufall. Zwar lag die Elf von Trainer Meyer wieder sehr schnell 0:2 hinten, kämpfte sich aber zurück, ohne dabei hektisch zu werden. Wie schafften es die Löwen, sich nach dem 2:0-Rückstand noch einen Punkt zu sichern?

Aufstellungen

Mit Ziegele und Kaufmann begannen zwei neue Spieler und ersetzten Burmeister (verletzt) und Ben Balla (Bank). Trainer Daniel Meyer stellte um und begann in einem 4-2-3-1, wobei Ziegele als rechter Verteidiger agierte. Eintracht spielte allerdings nicht über das komplette Spiel im 4-2-3-1, gegen den Ball formierten sie sich eher in einem 4-4-2. Dabei rückte Kobylanski eine Reihe vor neben Proschwitz.


Die Heimmannschaft von Trainer Steffen Baumgart begann mit einem 4-2-3-1, wobei es hier im Laufe des Spiels zu vielen Positionswechseln kam.

Nur lange Bälle? Die Eintracht kann auch anders

Auch in diesem Spiel eröffneten die Brauschweiger das Spiel teilweise mit langen Bällen, wobei man erwähnen muss, dass dies nicht zwingend schlecht ist. In dieser Partie kamen die langen Bälle besser zur Geltung, da die Heimmannschaft relativ hoch anlief und sich so mehr Raum zwischen den letzten beiden Linien ergab. Proschwitz konnte so unbedrängter in die Kopfballduelle gehen und diese dann auch besser in den freien Raum ablegen.

Neben den langen Bällen bauten die Braunschweiger das Spiel auch situativ mit flachen Pässen auf. Dabei fanden die Löwen verschiedene Lösungsansätze, wovon einer im Folgenden geschildert wird. Diesen Ablauf fand man in mehreren Situationen im Braunschweiger Spielaufbau. Einer der beiden Innenverteidiger ist in Ballbesitz, der Passweg zu dem anderen Innenverteidiger wird allerdings zugestellt. Nun ließ sich einer der beiden Sechser fallen, wurde angespielt und ließ den Ball auf den anderen Innenverteidiger klatschen. Dieser konnte den Ball dann lang spielen, andribbeln oder den Ball auf den ballnahen Außenverteidiger spielen.

Diese Szene aus der 31. Spielminute zeigt den eben beschriebenen Ablauf im Aufbauspiel der Blau-Gelben. Nikolaou (4) ist in Ballbesitz und Führich (27) stellt den Passweg zu Wydra (6) zu. Nun löst sich Kroos (8) im Mittelfeld und wird von Nikolaou angespielt. Kroos wird von rechts von Terrazino (20) unter Druck gesetzt und spielt den Ball sofort zurück auf Wydra. So hat Wydra nun das Spielfeld vor sich und kann die Anschlussaktion sauber und mit wenig Druck durchführen. In dieser Szene entscheidet er sich das Spiel zu beruhigen und spielt den Ball zurück zu Nikolaou, welcher sich vorher in Richtung eigenes Tor fallen lassen hat. Dadurch wurde der Ex-Dresdener wieder anspielbar.

Dieser ruhige Spielaufbau war in diesem Spiel häufiger zu sehen. Dennoch gab es hierbei auch immer wieder Probleme. Insbesondere ungenaue Pässe schlichen sich immer wieder in den Spielaufbau und die Spielfortsetzung der Gäste ein. So auch vor dem 2:0-Führungstreffer von Führich. Wydra eroberte den Ball und spielte den Ball sehr schnell auf Ziegele, welcher noch nicht die Chance hatte sich optimal zum Ball zu positionieren. Dadurch konnte Okoroji den Ball im Gegenpressing erobern und den Angriff zum 2:0 einleiten.

Doppelte Flügelbesetzung

In Ballbesitz orientierten sich Marcel Bär und Fabio Kaufmann als Flügelspieler immer wieder etwas in Zentrum, sodass sie auf der Außenbahn von den Außenverteidigern hinterlaufen werden konnten. Besonders häufig passierte dies auf der rechten Seite und hatte auch einen großen Einfluss auf den Ausgleichstreffer von Proschwitz zum 2:2.

Diese Szene zeigt die Situation in der Kaufmann (7) die Flanke abgibt, bevor Proschwitz (33) den Ausgleich erzielt. Auffällig in der Szene war, dass sowohl Okoroji (36) und Ingelsson (31) sehr passiv bleiben. Dadurch kann Kaufmann im Endeffekt relativ frei flanken. Doch wie kommt es dazu?
Hier hat das Hinterlaufen von Ziegele (40) einen großen Einfluss auf die Situation. Ziegele befindet sich bereits vor Kaufmann und ist so theoretisch anspielbar. Aus diesem Grund kann Okoroji nicht auf Kaufmann draufgehen, da dieser sonst den Ball auf Ziegele spielen kann, welcher dann wiederum frei durch wäre. Wieso Ingelsson so passiv bleibt ist nicht ganz klar. Dennoch wird hier deutlich: Das Hinter- und Überlaufen von Ziegele schafft eine 2 vs 2-Situation und stellt die beiden Paderborner Verteidiger vor Entscheidungen. Dadurch können sie nicht Kaufmann nicht zu zweit attackieren und den Ball erobern.

Arbeit gegen den Ball: Spielfortsetzung für Paderborn gestaltet sich schwer


In der Arbeit gegen den Ball wichen die Braunschweiger oftmals von ihrer 4-2-3-1-Formation ab. Kobylanski orientierte sich neben Proschwitz und so entstand eine Art 4-4-2. In diesem 4-4-2 schob stets der ballnahe Stürmer etwas weiter nach vorne um den ballbesitzenden Verteidiger unter Druck zu setzen und der ballferne Stürmer ließ sich etwas fallen um das Anspiel ins Zentrum zu erschweren. Eintracht spielte meist ein Mittelfeldpressing, wobei sie allerdings auch situativ auch hoch anliefen.

Als Beispielszene dient eine Szene aus der 21. Spielminute. Correia (25) erhält den Ball von Hünemeier (2) und wird von Proschwitz (33) angelaufen. Dabei läuft Proschwitz so an, dass sich einer der beiden Sechser von Paderborn in seinem Deckungsschatten befindet und somit nicht anspielbar ist. In diesem Fall ist es Schallenberg (8), welcher aufgrund von Proschwitz´ Positionierung nicht anspielbar ist. Correia hat somit nur Hünemeier und Dörfler (16) als Anspielstation, entscheidet sich aber für den sicheren Weg und spielt den Ball wieder zurück zu Hünemeier.

Nachdem Hünemeier (2) den Ball erhält, schiebt Kobylanski (10) als ballnaher Stürmer vor. So löst der Braunschweiger Kapitän Druck auf Hünemeier aus. Durch sein Anlaufen stellt er gleichzeitig auch noch Vasiliadis (39) in seinen Deckungsschatten, weshalb ein Anspiel ins Zentrum für Hünemeier nicht möglich ist. Proschwitz (33) lässt sich etwas weiter fallen um den Passweg zu dem anderen Sechser, Schallenberg (8), zu schließen . Dieser hatte sich allerdings auf die linke Seite fallen lassen und war somit nicht mehr als Anspielstation gegeben.


Im Endeffekt bleiben Hünemeier nur zwei Optionen: Die Verlagerung auf Dörfler (16) weiterspielen oder den Ball zurück zu Correia (25) zu spielen. Er entscheidet sich dazu, den Ball auf Dörfler weiterzuspielen.

Bär (15) verhindert durch sein Anlaufen ein schnelles Weiterspielen entlang der Außenlinie auf Führich (27), zusätzlich rückt auch Schlüter (3) mit vor. Dies dient dazu, dass Schlüter Druck auf Führich ausüben kann, falls dieser doch angespielt wird. Außerdem stellt Bär Srbeny (18) in seinen Deckungsschatten, welcher sich vorher aus seiner zentralen Position gelöst hatte.
Kobylanski (10) schiebt ballorientiert mit und macht den Passweg zu Vasiliadis (39) zwar nicht zu, gestaltet ihn allerdings sehr riskant. Auf der rechten Seite schaffen die Braunschweiger so eine 5 vs 4 Überzahl, was die Spielfortsetzung für Paderborn stark erschwert. Im Endeffekt spielt Dörfler aufgrund mangelnder Anspielstationen den Ball zurück zu Hünemeier.

Szenen wie diese sah man im Laufe der Partie immer wieder. Die Prinzipien waren dabei stets die Gleichen. Zunächst das Zentrum der Paderborner durch gezieltes Anlaufen von Proschwitz und Kobylanski in den Deckungsschatten stellen und somit den Spielaufbau zu verschleppen. Kam der Ball auf die Außenverteidiger (oder den Spieler der auf die Position rotierte), machten die Braunschweiger das Spiel auf der Seite eng und verhinderten so meist eine schnelle Spielfortsetzung.
Aus diesem Grund spielten sich die Paderborner den Ball immer wieder in der Viererkette hin und her, konnten dabei aber kaum schnellen Raumgewinn erzielen. Dies führte im Endeffekt auch zu den knapp 60% Ballbesitz.


Abstimmungsprobleme im Angriffspressing

Das situative Angriffspressing funktionierte insbesondere in der ersten Halbzeit in zwei Szenen nicht optimal. Dabei war auch über die Außenmikrofone eine interessante Aussage eines Braunschweiger-Spielers zu hören.

In der vorliegenden Szene aus der Nachspielzeit der ersten Halbzeit stellten die Braunschweiger die Paderborner gut zu und verhinderten so eine schnelle Spielfortsetzung. Aus diesem Grund orientierten sich Hünemeier (2) und Correia (25) weiter nach hinten. Daraus resultierte ein Rückpass zu Zingerle (17). Diesen Rückpass sahen Kobylanski (10) und Proschwitz (33) als Pressingauslöser und liefen zu zweit den Torwart an. Zeitgleich lösten sich die beiden Paderborner Innenverteidiger nach außen. Vasiliadis (39) ließ sich etwas fallen, was Kammerbauer (39) zu einem leichten Rausrücken verleitete. Auch Kaufmann (7) rückt etwas vor. Zu den weiteren Spielern lässt sich aufgrund des TV-Bildes nicht mehr sagen.

Allerdings scheint dieses hohe Anlaufen der beiden Stürmer innerhalb der Mannschaft zu Missverständnissen geführt zu haben. Der Rest des Teams rückt nicht klar mit nach, was sehr viele Räume für Paderborn öffnet (Situationen im Ganzen schwer zu bewerten, da TV-Bilder nur Ballnähe zeigen). Insbesondere Correia (25) hat nach dem Anspiel von Zingerle (17) sehr viel Platz und wird weder von Kaufmann (7), noch von Kobylanski (10) aggressiv angelaufen.

Über die Außenmikrofone war zu hören, dass sich Kaufmann nach Abpfiff der ersten Halbzeit darüber beschwert, dass der Torwart mit zwei Leuten angelaufen wird. Dies zeigt, dass die Abläufe zwar immer besser werden, es aber situativ noch zu Missverständnissen kommt. Eine ähnliche Szene gab es im Laufe der ersten Halbzeit schonmal.

Ballgewinn? Spiel in die Tiefe

Für diesen Unterpunkt wird keine spezielle Szene gezeigt, dennoch war dieser Aspekt im Verlauf des Spiels immer wieder sehr auffällig.


Eroberten sich die Löwen den Ball, versuchten sie oftmals schnell umzuschalten und den Ball sofort in die Tiefe zu spielen. Meistens war Proschwitz in diesen Situationen der Zielspieler. So gut die Idee auch ist, in der Umsetzung gab es immer wieder Schwierigkeiten. Oftmals wirkten die Pässe in die Tiefe sehr hektisch, weshalb sie auch oft an Genauigkeit einbüßten. Diese Ungenauigkeiten verhinderten einige schnelle Umschaltsituationen, da diese Pässe dann nicht ankamen oder nur eine schwere Ballverarbeitung ermöglichten. Dennoch war die Idee hierbei klar erkennbar und es wurde nicht nur nach dem Motto „Hauptsache weg mit dem Ball“ gespielt.


Fazit


Abschließend lässt sich sagen, dass dieses Spiel sehr positiv zu bewerten ist. Insbesondere im Spiel mit Ball zeigte die Meyer-Elf eine Entwicklung und fand immer wieder Lösungen im eigenen Ballbesitz. Speziell das Hinterlaufen der Außenverteidiger brachte immer wieder Gefahr in der Offensive.
Der Schlüssel für den Punktgewinn war aber die starke Arbeit gegen den Ball, da die Paderborner so nur selten ins Tempo kamen. Die Heimmannschaft fand gegen das Braunschweiger Pressing zu wenig Lösungen und so konnte der BTSV sich einen verdienten Punkt sichern.
Morgen treffen die Löwen in den Jubiläumstrikot auf die SpVgg Greuther Fürth. Auf geht´s Löwen, kämpfen und siegen!

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