Ein Beitrag von Jonas Schaar.


Zu Beginn ergab sich ein ähnliches Bild wie beim Auswärtsspiel in Paderborn. Braunschweig stand kompakt und Fürth fand kaum Lösungen gegen den Braunschweiger Block. In der zweiten Hälfte schafften es die Braunschweiger immer wieder das Pressing der Braunschweiger zu durchbrechen und erzielten im zweiten Durchgang drei Tore. Wie schaffte es die Spielvereinigung sich gegen die Löwen in der 2. Halbzeit zu behaupten?

Aufstellungen

Trainer Daniel Meyer blieb dem 4-2-3-1-System aus der Partie gegen den SC Paderborn treu. Allerdings gab es einige personelle Wechsel. Martin Kobylanski und Lasse Schlüter nahmen zunächst auf der Bank Platz, Marcel Bär fehlte aufgrund der Gelb-Roten-Karte aus dem Paderborn-Spiel gesperrt. Danilo Wiebe ersetzte Schlüter auf der linken Seite. Yari Otto agierte anstelle von Kobylanski im zentralen offensiven Mittelfeld und Manuel Schwenk ersetzte Bär auf der linken Seite. In der 2. Halbzeit stellte Daniel Meyer nach der Einwechslung von Abdullahi, Schlüter und Kobylanski auf ein 5-3-2 um.

Die SpVgg Greuther Fürth startete in einem 5-2-1-2. Bemerkenswert dabei war der Altersschnitt in der Innenverteidigung, welcher lediglich 20,7 Jahre betrug.

Fürth in der 1. Halbzeit mit wenigen Lösungen

In der ersten Halbzeit gelang es den Löwen die spielstarken Gäste wenig zum Zug kommen zu lassen. Gegen den Ball formierten sich die Braunschweiger situativ immer wieder in einem 4-4-2. Die Braunschweiger attackierten die Fürther ca. 5-10 Meter vor der Mittellinie. Dabei versuchten Otto und Proschwitz immer wieder, die beiden Sechser der Fürther in ihren Deckungsschatten zu nehmen. Soweit war die Formierung gegen den Ball vergleichbar mit der Spielweise im letzten Spiel gegen den SC Paderborn. Insbesondere in der 1. Halbzeit taten sich die Fürther damit auch schwer.

Um sich aus dem Deckungsschatten von Otto und Proschwitz zu befreien, ließen sich die beiden Sechser der Spielvereinigung immer wieder vor die erste Pressinglinie der Braunschweiger fallen. So auch in dieser Situation.

Stach (24) und Seguin (33) befinden sich zusammen mit den drei Innenverteidigern im Spielaufbau vor Proschwitz und Otto. Die Außenverteidiger Raum (22) und Asta (2) schoben beide entlang der Außenlinie hoch, wie es im Laufe des Spiels immer wieder zu sehen war. Diese wurden allerdings in der 1. Halbzeit, wie auch in dieser Szene, stets von Schwenk (22) und Kaufmann (7) zugestellt. Die tiefen Anspielstationen Nielsen (16), Ernst (15) und Green (37) wurden in der 1. Halbzeit von der Meyer-Elf sehr konzentriert zugestellt (in dieser Szene durch Kroos (18) und Kammerbauer (39)).

Somit sorgte die Braunschweiger Positionierung kombiniert mit dem situativen Fallenlassen eines Fürther Sechsers dafür, dass den Gästen wenig Möglichkeiten blieben das Spiel gegen die kompakten Braunschweiger aufzubauen. Zusätzlich fehlte den Fürthern in der 1. Halbzeit die Variabilität im Spiel mit Ball um den Braunschweiger Block zu knacken. Zwar versuchten die Fürther insbesondere in der ersten Viertelstunde das Spiel immer wieder schnell aufzubauen, dies resultierte aber in vielen Fehlpässen.

Gegenläufige Bewegungen als Schlüssel zum Fürther Erfolg

Immer wieder orientierten sich Nielsen und Ernst auf die letzte Linie der Braunschweiger um von dort dann kurzzukommen. Dadurch wurde teilweise ein Verteidiger der Braunschweiger rausgezogen und in diesen Raum startete dann der hochgeschobene Außenverteidiger. Eine solche Situation galt auch als Ausgangssituation des Fürther 0:1-Fürhungstreffers.

Jaeckel (23) hat in dieser Szene auf Höhe der Mittellinie und wird von der Seite von Otto (17) angelaufen. Nielsen (16) befindet sich zunächst auf Höhe der Braunschweiger Viererkette. Von dort kommt der Norweger nun aber in den Raum zwischen Kammerbauer (39) und Schwenk (22) und schafft eine Anspielstation. Da Nielsen aus der Tiefe kurz kommt, ist er für Kammerbauer und Schwenk kaum zu verteidigen und Wiebe (23) muss mit aus der Kette rücken. Dadurch entsteht hinter Nielsen und Wiebe ein Raum, in welchen der hochgeschobene Außenverteidiger Asta (2) startet. Nielsen leitet den Ball mit dem ersten Kontakt weiter und somit hat Asta viel Platz auf der rechten Seite.

So kann der Außenverteidiger in Richtung Tor dribbeln. Von der Ecke setzt Asta dann einen Schuss ab, welcher von Wydra in den Rückraum geblockt wird.

Der Ball sprang von Wydras Fuß in den Rückraum zu Ernst (15), welcher Zeit hatte den Ball zu verarbeiten, da der Rückraum erneut ziemlich frei war. Kroos (18) bewegte sich zunächst noch in Richtung Tor, weshalb er nicht rechtzeitig in das Geschehen eingreifen konnte. So legte sich Ernst den Ball zurecht und schloss überzeugt ab, 0:1 Fürth.

Im Endeffekt ist dieser Treffer aufgrund der fehlenden Rückraumbesetzung sehr ungünstig, allerdings ist es in der Entstehung stark von den Gästen gespielt. Die gegenläufige Bewegung Stürmer und Außenverteidiger, welche die Fürther bereits in Halbzeit 1 immer wieder erfolglos probierten, funktionierte hier einwandfrei und schaffte sehr viel Platz für Asta. In dieser Ausführung ist eine solche Szene nur schwer zu verteidigen, da Wiebe vor der Wahl steht den Stürmer laufen zu lassen und so ein Aufdrehen zu riskieren oder wie in der Szene den Raum zu öffnen und dafür den Stürmer zu stören.

Braunschweigs mutloses Spiel mit Ball

So konzentriert das Spiel gegen den Ball in der ersten Halbzeit auch war, so viel ließ das Spiel mit Ball über die kompletten 90 Minuten zu Wünschen übrig. Jegliche guten Ansätze aus dem Spiel gegen Paderborn waren nicht wiederzuerkennen, stattdessen hieß es einmal mehr „lang auf Proschwitz“. Man muss sagen, dass führt es im Angriffspressing auch immer wieder gut machte und sehr viel Zugriff in Ballnähe schaffte. Dennoch hatte man nicht wirklich das Gefühl, dass die Heimmannschaft spielerisch Lösungen finden möchte. Zwar wurden die Abstöße gelegentlich auf einen der beiden der tief positionierten Innenverteidiger ausgeführt, von dort wurde der Ball dann aber lang in Richtung Proschwitz geschlagen. Durch das 4-2-3-1 und die Positionierung der Flügelspieler ergaben sich hierbei aber neue Probleme.

In dieser Szene aus der 1. Halbzeit erhält Ziegele (40) den Ball nach einem Einwurf zurück und wird von Raum (22) und Ernst (15) gut zugestellt, sodass im Endeffekt der lange Ball eine logische Konsequenz ist. Allerdings ist die Vorbereitung auf diesen langen Ball nicht gegeben und eine Anschlussaktion somit kaum möglich.

In dem 5-3-2 war es oftmals so, dass der Ball lang auf Proschwitz geschlagen wurde, Kobylanski sich absetzte und der zweite Stürmer neben Proschwitz in die Tiefe startete. Somit hatte der großgewachsene Stürmer stets drei Optionen der Spielfortsetzung (Spiel in die Tiefe, Ball ablegen, Ball festmachen).

In dieser Szene versucht der ballnahe Flügelspieler Kaufmann (7) eine Anspielstation in Ballnähe zu schaffen. Aus diesem Grund fehlt der Ex-Würzburger bei dem langen Ball auf Proschwitz (33) als Spieler, der in die Tiefe starten kann. Otto (17) und Kaufmann bewegen sich während der Flugphase des Balles in Richtung von Proschwitz und bieten so zwei Optionen an, den Ball klatschen zu lassen. Allerdings fehlt die Option, den Ball zu verlängern. Dies führt dazu, dass die ohnehin leicht auszurechnenden langen Bälle für den Gegner noch simpler zu verteidigen sind. In dieser Szene gewinnt Barry das Kopfballduell und klärte den Ball ins Aus.

Szenen wie diese gab es im Verlauf dieser Partie. Der Ball wurde nach wenigen Stationen in der Defensivreihe lang auf Proschwitz geschlagen, dem fehlten dann allerdings die nötigen Anspielstationen um das Spiel fortzusetzen.

Fazit


Das Spiel startete sehr gut für den BTSV, da man die spielstarken Fürther in der 1. Halbzeit sehr gut unter Kontrolle hatte. Allerdings brach das erneut schwache Spiel mit Ball den Braunschweigern gleich doppelt das Genick. Zunächst einmal wurden kaum Torchancen herausgespielt und so den stark herausgespielten Führungstreffer der Fürther zu egalisieren oder vorher sogar selber in Führung zu gehen. Die gefährlichste Torchance resultierte aus einem schnellen Umschalten nach einer gegnerischen Ecke.

Zusätzlich resultierte der Gegentreffer zum 0:2 aus einer schwachen Flanke aus dem Halbfeld, welche den Weg nicht einmal in den Strafraum fand. Dort hatten sich aber bereits drei Löwen hinbewegt, sodass der Zugriff auf den zweiten Ball fehlte und man eiskalt ausgekontert wurde. Damit war das Spiel quasi gelaufen.


Natürlich darf man auch nicht den nicht gegebenen Elfmeter aus der 2. Spielminute vergessen, allerdings gehört der Schiedsrichter zu einer Dynamik, welche man nicht beeinflussen kann (Kammerbauer hätte für die Schwalbe übrigens auch Gelb-Rot sehen müssen). Am Schiedsrichter lag es heute also nicht, vielmehr müssen eigene Lösungen gefunden werden um den Gegner zu bezwingen.

Abschließend lässt sich sagen, dass dieses Mal die Anfangsphase gut überstanden wurde und ein gutes Grundgerüst gebaut wurde. Dieses wurde im weiteren Verlauf allerdings nicht ausgenutzt, stattdessen verfiel man in alte Muster.


Am Dienstag reist der BVB in den Löwentempel. Aktuell besteht wenig Hoffnung, aber mal schauen was so kommt. Wer kümmert sich schon mal um das Flutlicht? Spaß beiseite, auf geht´s Löwen, kämpfen und siegen

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