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Taktikanalyse: Kompakte, mutige Braunschweiger machen es Paderborn schwer

Ein Gastbeitrag von Jonas Schaar.

Einen Tag nach dem 125. Jubiläum sicherten sich die Löwen einen Punkt beim SC Paderborn 07. Dieser Punktgewinn ist alles andere als ein Zufall. Zwar lag die Elf von Trainer Meyer wieder sehr schnell 0:2 hinten, kämpfte sich aber zurück, ohne dabei hektisch zu werden. Wie schafften es die Löwen, sich nach dem 2:0-Rückstand noch einen Punkt zu sichern?

Aufstellungen

Mit Ziegele und Kaufmann begannen zwei neue Spieler und ersetzten Burmeister (verletzt) und Ben Balla (Bank). Trainer Daniel Meyer stellte um und begann in einem 4-2-3-1, wobei Ziegele als rechter Verteidiger agierte. Eintracht spielte allerdings nicht über das komplette Spiel im 4-2-3-1, gegen den Ball formierten sie sich eher in einem 4-4-2. Dabei rückte Kobylanski eine Reihe vor neben Proschwitz.


Die Heimmannschaft von Trainer Steffen Baumgart begann mit einem 4-2-3-1, wobei es hier im Laufe des Spiels zu vielen Positionswechseln kam.

Nur lange Bälle? Die Eintracht kann auch anders

Auch in diesem Spiel eröffneten die Brauschweiger das Spiel teilweise mit langen Bällen, wobei man erwähnen muss, dass dies nicht zwingend schlecht ist. In dieser Partie kamen die langen Bälle besser zur Geltung, da die Heimmannschaft relativ hoch anlief und sich so mehr Raum zwischen den letzten beiden Linien ergab. Proschwitz konnte so unbedrängter in die Kopfballduelle gehen und diese dann auch besser in den freien Raum ablegen.

Neben den langen Bällen bauten die Braunschweiger das Spiel auch situativ mit flachen Pässen auf. Dabei fanden die Löwen verschiedene Lösungsansätze, wovon einer im Folgenden geschildert wird. Diesen Ablauf fand man in mehreren Situationen im Braunschweiger Spielaufbau. Einer der beiden Innenverteidiger ist in Ballbesitz, der Passweg zu dem anderen Innenverteidiger wird allerdings zugestellt. Nun ließ sich einer der beiden Sechser fallen, wurde angespielt und ließ den Ball auf den anderen Innenverteidiger klatschen. Dieser konnte den Ball dann lang spielen, andribbeln oder den Ball auf den ballnahen Außenverteidiger spielen.

Diese Szene aus der 31. Spielminute zeigt den eben beschriebenen Ablauf im Aufbauspiel der Blau-Gelben. Nikolaou (4) ist in Ballbesitz und Führich (27) stellt den Passweg zu Wydra (6) zu. Nun löst sich Kroos (8) im Mittelfeld und wird von Nikolaou angespielt. Kroos wird von rechts von Terrazino (20) unter Druck gesetzt und spielt den Ball sofort zurück auf Wydra. So hat Wydra nun das Spielfeld vor sich und kann die Anschlussaktion sauber und mit wenig Druck durchführen. In dieser Szene entscheidet er sich das Spiel zu beruhigen und spielt den Ball zurück zu Nikolaou, welcher sich vorher in Richtung eigenes Tor fallen lassen hat. Dadurch wurde der Ex-Dresdener wieder anspielbar.

Dieser ruhige Spielaufbau war in diesem Spiel häufiger zu sehen. Dennoch gab es hierbei auch immer wieder Probleme. Insbesondere ungenaue Pässe schlichen sich immer wieder in den Spielaufbau und die Spielfortsetzung der Gäste ein. So auch vor dem 2:0-Führungstreffer von Führich. Wydra eroberte den Ball und spielte den Ball sehr schnell auf Ziegele, welcher noch nicht die Chance hatte sich optimal zum Ball zu positionieren. Dadurch konnte Okoroji den Ball im Gegenpressing erobern und den Angriff zum 2:0 einleiten.

Doppelte Flügelbesetzung

In Ballbesitz orientierten sich Marcel Bär und Fabio Kaufmann als Flügelspieler immer wieder etwas in Zentrum, sodass sie auf der Außenbahn von den Außenverteidigern hinterlaufen werden konnten. Besonders häufig passierte dies auf der rechten Seite und hatte auch einen großen Einfluss auf den Ausgleichstreffer von Proschwitz zum 2:2.

Diese Szene zeigt die Situation in der Kaufmann (7) die Flanke abgibt, bevor Proschwitz (33) den Ausgleich erzielt. Auffällig in der Szene war, dass sowohl Okoroji (36) und Ingelsson (31) sehr passiv bleiben. Dadurch kann Kaufmann im Endeffekt relativ frei flanken. Doch wie kommt es dazu?
Hier hat das Hinterlaufen von Ziegele (40) einen großen Einfluss auf die Situation. Ziegele befindet sich bereits vor Kaufmann und ist so theoretisch anspielbar. Aus diesem Grund kann Okoroji nicht auf Kaufmann draufgehen, da dieser sonst den Ball auf Ziegele spielen kann, welcher dann wiederum frei durch wäre. Wieso Ingelsson so passiv bleibt ist nicht ganz klar. Dennoch wird hier deutlich: Das Hinter- und Überlaufen von Ziegele schafft eine 2 vs 2-Situation und stellt die beiden Paderborner Verteidiger vor Entscheidungen. Dadurch können sie nicht Kaufmann nicht zu zweit attackieren und den Ball erobern.

Arbeit gegen den Ball: Spielfortsetzung für Paderborn gestaltet sich schwer


In der Arbeit gegen den Ball wichen die Braunschweiger oftmals von ihrer 4-2-3-1-Formation ab. Kobylanski orientierte sich neben Proschwitz und so entstand eine Art 4-4-2. In diesem 4-4-2 schob stets der ballnahe Stürmer etwas weiter nach vorne um den ballbesitzenden Verteidiger unter Druck zu setzen und der ballferne Stürmer ließ sich etwas fallen um das Anspiel ins Zentrum zu erschweren. Eintracht spielte meist ein Mittelfeldpressing, wobei sie allerdings auch situativ auch hoch anliefen.

Als Beispielszene dient eine Szene aus der 21. Spielminute. Correia (25) erhält den Ball von Hünemeier (2) und wird von Proschwitz (33) angelaufen. Dabei läuft Proschwitz so an, dass sich einer der beiden Sechser von Paderborn in seinem Deckungsschatten befindet und somit nicht anspielbar ist. In diesem Fall ist es Schallenberg (8), welcher aufgrund von Proschwitz´ Positionierung nicht anspielbar ist. Correia hat somit nur Hünemeier und Dörfler (16) als Anspielstation, entscheidet sich aber für den sicheren Weg und spielt den Ball wieder zurück zu Hünemeier.

Nachdem Hünemeier (2) den Ball erhält, schiebt Kobylanski (10) als ballnaher Stürmer vor. So löst der Braunschweiger Kapitän Druck auf Hünemeier aus. Durch sein Anlaufen stellt er gleichzeitig auch noch Vasiliadis (39) in seinen Deckungsschatten, weshalb ein Anspiel ins Zentrum für Hünemeier nicht möglich ist. Proschwitz (33) lässt sich etwas weiter fallen um den Passweg zu dem anderen Sechser, Schallenberg (8), zu schließen . Dieser hatte sich allerdings auf die linke Seite fallen lassen und war somit nicht mehr als Anspielstation gegeben.


Im Endeffekt bleiben Hünemeier nur zwei Optionen: Die Verlagerung auf Dörfler (16) weiterspielen oder den Ball zurück zu Correia (25) zu spielen. Er entscheidet sich dazu, den Ball auf Dörfler weiterzuspielen.

Bär (15) verhindert durch sein Anlaufen ein schnelles Weiterspielen entlang der Außenlinie auf Führich (27), zusätzlich rückt auch Schlüter (3) mit vor. Dies dient dazu, dass Schlüter Druck auf Führich ausüben kann, falls dieser doch angespielt wird. Außerdem stellt Bär Srbeny (18) in seinen Deckungsschatten, welcher sich vorher aus seiner zentralen Position gelöst hatte.
Kobylanski (10) schiebt ballorientiert mit und macht den Passweg zu Vasiliadis (39) zwar nicht zu, gestaltet ihn allerdings sehr riskant. Auf der rechten Seite schaffen die Braunschweiger so eine 5 vs 4 Überzahl, was die Spielfortsetzung für Paderborn stark erschwert. Im Endeffekt spielt Dörfler aufgrund mangelnder Anspielstationen den Ball zurück zu Hünemeier.

Szenen wie diese sah man im Laufe der Partie immer wieder. Die Prinzipien waren dabei stets die Gleichen. Zunächst das Zentrum der Paderborner durch gezieltes Anlaufen von Proschwitz und Kobylanski in den Deckungsschatten stellen und somit den Spielaufbau zu verschleppen. Kam der Ball auf die Außenverteidiger (oder den Spieler der auf die Position rotierte), machten die Braunschweiger das Spiel auf der Seite eng und verhinderten so meist eine schnelle Spielfortsetzung.
Aus diesem Grund spielten sich die Paderborner den Ball immer wieder in der Viererkette hin und her, konnten dabei aber kaum schnellen Raumgewinn erzielen. Dies führte im Endeffekt auch zu den knapp 60% Ballbesitz.


Abstimmungsprobleme im Angriffspressing

Das situative Angriffspressing funktionierte insbesondere in der ersten Halbzeit in zwei Szenen nicht optimal. Dabei war auch über die Außenmikrofone eine interessante Aussage eines Braunschweiger-Spielers zu hören.

In der vorliegenden Szene aus der Nachspielzeit der ersten Halbzeit stellten die Braunschweiger die Paderborner gut zu und verhinderten so eine schnelle Spielfortsetzung. Aus diesem Grund orientierten sich Hünemeier (2) und Correia (25) weiter nach hinten. Daraus resultierte ein Rückpass zu Zingerle (17). Diesen Rückpass sahen Kobylanski (10) und Proschwitz (33) als Pressingauslöser und liefen zu zweit den Torwart an. Zeitgleich lösten sich die beiden Paderborner Innenverteidiger nach außen. Vasiliadis (39) ließ sich etwas fallen, was Kammerbauer (39) zu einem leichten Rausrücken verleitete. Auch Kaufmann (7) rückt etwas vor. Zu den weiteren Spielern lässt sich aufgrund des TV-Bildes nicht mehr sagen.

Allerdings scheint dieses hohe Anlaufen der beiden Stürmer innerhalb der Mannschaft zu Missverständnissen geführt zu haben. Der Rest des Teams rückt nicht klar mit nach, was sehr viele Räume für Paderborn öffnet (Situationen im Ganzen schwer zu bewerten, da TV-Bilder nur Ballnähe zeigen). Insbesondere Correia (25) hat nach dem Anspiel von Zingerle (17) sehr viel Platz und wird weder von Kaufmann (7), noch von Kobylanski (10) aggressiv angelaufen.

Über die Außenmikrofone war zu hören, dass sich Kaufmann nach Abpfiff der ersten Halbzeit darüber beschwert, dass der Torwart mit zwei Leuten angelaufen wird. Dies zeigt, dass die Abläufe zwar immer besser werden, es aber situativ noch zu Missverständnissen kommt. Eine ähnliche Szene gab es im Laufe der ersten Halbzeit schonmal.

Ballgewinn? Spiel in die Tiefe

Für diesen Unterpunkt wird keine spezielle Szene gezeigt, dennoch war dieser Aspekt im Verlauf des Spiels immer wieder sehr auffällig.


Eroberten sich die Löwen den Ball, versuchten sie oftmals schnell umzuschalten und den Ball sofort in die Tiefe zu spielen. Meistens war Proschwitz in diesen Situationen der Zielspieler. So gut die Idee auch ist, in der Umsetzung gab es immer wieder Schwierigkeiten. Oftmals wirkten die Pässe in die Tiefe sehr hektisch, weshalb sie auch oft an Genauigkeit einbüßten. Diese Ungenauigkeiten verhinderten einige schnelle Umschaltsituationen, da diese Pässe dann nicht ankamen oder nur eine schwere Ballverarbeitung ermöglichten. Dennoch war die Idee hierbei klar erkennbar und es wurde nicht nur nach dem Motto „Hauptsache weg mit dem Ball“ gespielt.


Fazit


Abschließend lässt sich sagen, dass dieses Spiel sehr positiv zu bewerten ist. Insbesondere im Spiel mit Ball zeigte die Meyer-Elf eine Entwicklung und fand immer wieder Lösungen im eigenen Ballbesitz. Speziell das Hinterlaufen der Außenverteidiger brachte immer wieder Gefahr in der Offensive.
Der Schlüssel für den Punktgewinn war aber die starke Arbeit gegen den Ball, da die Paderborner so nur selten ins Tempo kamen. Die Heimmannschaft fand gegen das Braunschweiger Pressing zu wenig Lösungen und so konnte der BTSV sich einen verdienten Punkt sichern.
Morgen treffen die Löwen in den Jubiläumstrikot auf die SpVgg Greuther Fürth. Auf geht´s Löwen, kämpfen und siegen!

Taktikanalyse: Einfallslose Braunschweiger verlieren gegen starke Osnabrücker

Hallo Löwen,

Blau-Gelbe Datenwelt feiert mit euch 125 Jahre Eintracht Braunschweig!

Wir zelebrieren mit einer Taktikanalyse. Ein Gastbeitrag von Jonas Schaar. Viel Spaß!

Am Sonntag verlor Eintracht Braunschweig an der Hamburger Straße gegen den VfL Osnabrück mit 0:2. Erneut gingen die Gegner der Löwen früh in Führung. Im weiteren Verlauf der Partie verhinderte ein überragender Fejzic weitere Gegentreffer. Osnabrück-Keeper Kühn musste keinen Schuss parieren, da die Braunschweiger nicht einmal auf das Tor schossen. Wie kam es zu der Niederlage und was kann man Positives als Löwenfan aus dem Spiel mitnehmen?

Aufstellungen

Aufstellungen

Meyer blieb nach dem 2:1-Heimsieg über den FC Sankt Pauli dem 5-3-2-System treu. Personell veränderte sich die Startaufstellung auf zwei Position. Im Vergleich zur letzten Partie musste Meyer den sich in Quarantäne befindenden Danilo Wiebe ersetzen. Für ihn rotierte Ben-Balla in die Startelf, Ben-Balla übernahm die Position im Zentrum von Kammerbauer und Kammerbauer übernahm die Position als rechter Flügelverteidiger. Felix Burmeister ersetzte als rechter Halbverteidiger den verletzten Benjamin Kessel.

Die Auswechslungen während der Partie sorgten für weitere Positionswechsel. Abdullahi ersetzte Bär in der Halbzeit positionsgetreu. Kaufmann ersetzte in der 66. Minute Ben Balla, Kaufmann agierte nach seiner Einwechslung als rechter Flügelverteidiger. Für ihn rückte Kammerbauer ins zentrale Mittelfeld. In der 74. Minute ersetzte May Kammerbauer und Schwenk kam für Proschwitz in das Team. Schwenk orientierte sich auf die Kobylanski-Position und Kobylanski agierte als zweiter Stürmer.

Marco Grote schickte seine Mannschaft in einem 4-1-2-1-2-Syste in das Spiel, wobei es im Mittelfeld zu vielen variablen Positionswechseln kam.  

Fehlende Alternative zu den lange Bällen im Braunschweiger Spiel

Wie schon im vergangenen Heimspiel versuchten die Braunschweiger das Spiel mit langen Bällen zu eröffnen. Auch dieses Mal war Proschwitz der Zielspieler, welcher von Bär hinterlaufen wurde und den Ball auf diesen verlängern sollte. Kobylanski ließ sich in diesen Situationen etwas fallen, damit Proschwitz die Möglichkeit hat den Ball klatschen zu lassen. In diese Situationen kamen die Braunschweiger in der Partie kaum, was ein großes Problem der Braunschweiger offenbarte.

Klappt die Variante hoher Ball auf Proschwitz und eine Anschlussaktion nicht, so fällt den Braunschweigern aktuell sehr wenig ein. Dies hängt auch damit zusammen, dass der ballführende Spieler kaum Anspielstationen in Ballnähe hat, weshalb der lange Ball die einzige Möglichkeit ist die Situation zu lösen.

In dieser Szene spielt Schlüter (3) den Ball von der linken Seite ins Zentrum auf Kobylanski (10). Dieser verlagert das Spiel auf die rechte Seite zu Kammerbauer (39), welcher von Blacha (23) angelaufen wird. Diese Verlagerung vom Zentrum auf die rechte Seite sah man bereits in der vergangenen Woche gegen den FC Sankt Pauli. So entstand beispielsweise auch der 2:1-Siegtreffer durch Kaufmann.

Im vergangenen Spiel wurde zweimal versucht, nach dieser Verlagerung auf den startendenden Stürmer zu spielen. Bär (15) ist in dieser Szene bereits tief positioniert und zieht somit Wolze (19) mit in diesen Raum. Dadurch ist ein schnelles Weiterleiten in die Tiefe in den Lauf des Stürmers nicht möglich, da dieser Raum bereits besetzt ist.

Kammerbauer hat als ballbesitzender Spieler keine Anspielstation in Ballnähe, womit er Druck auf die Osnabrücker Kette ausüben könnte. Somit bleibt im Endeffekt nur der Rückpass auf Burmeister (19), welcher den Ball dann wieder versuchte lang nach vorne zu spielen.

In dieser Szene ist gut zu sehen, wie stark die Elf von Daniel Meyer von den langen Bällen abhängig ist. Durch die schnelle Verlagerung von der linken Seite über Kobylanski auf Kammerbauer, muss Osnabrück erstmal hinterherschieben. So entsteht situativ in dem markierten Raum eine 2 vs 2-Situation.

Mithilfe eines zentralen Mittelfeldspielers, der mitschiebt, ließe sich eine Überzahlsituation herstellen. Kammerbauer könnte sich beispielsweise über einen Doppelpass mit dem einrückenden Kroos (18) befreien. So wäre Blacha überspielt und Braunschweig könnte Druck auf die Kette ausüben.

Da eine solche Aktion aber gar nicht ermöglicht wird, bleibt nur der Rückpass auf Burmeister, welcher keinen Druck auf die Osnabrücker ausübt.

Pressing als Lichtblick im Spiel der Löwen

Die Gäste versuchten das Spiel beim Abstoß immer wieder über tiefe Innenverteidiger und relativ tiefe Außenverteidiger zu eröffnen. Allerdings stellte Braunschweig Osnabrück bereits weit in deren Hälfte zu. Daraus resultierte, dass sich oftmals einer der Mittelfeldspieler zwischen die Innenverteidiger fallen ließ. So entstand dann eine 3 vs 2-Überzahl für Osnabrück gegen Proschwitz und Bär. In der 1. Halbzeit schoben die beiden Braunschweiger Stürmer bis an den gegnerischen Strafraum vor, in der 2. Halbzeit ließen sich die Braunschweiger etwas weiter fallen. Erst in der Schlussphase schob der Braunschweiger Block wieder weiter nach vorne. Das Pressing der Löwen ist nicht immer perfekt, in vielen Situationen schaffen sie aber guten Zugriff und kommen zu frühen Balleroberungen.

So auch in der 35. Spielminute. Kühn (22) eröffnet das Spiel flach auf Beermann (33). Dieser wird im Bogen von Proschwitz (33) angelaufen und spielt den Ball weiter auf Ajdini (7). Schlüter (3) startete seinen Lauf bereits beim kurzen Abspiel auf Beermann, so konnte er beim Weiterspiel auf Ajdini sofort Druck auf diesen ausüben. Kobylanski (10) macht die Anspielstation im Zentrum zu. Reis (6) verlässt seine Position und orientiert sich auf den rechten Flügel und versucht so eine Anspielstation entlang der Außenlinie zu schaffen. Ben Balla (28) verfolgt diesen und kann ihn bei der Ballannahme entscheidend stören und den Ball erobern.

Diese Szene zeigt, welches Potential das hohe Anlaufen der Löwen birgt, wenn es sauber (alle ballnahen Anspielstationen schließen) und mutig durchgeführt wird.

Auf der anderen Seite gibt es dann wiederum Situationen, wo die Braunschweiger hoch anlaufen, dann aber in Ballnähe eine Anspielstation offenlassen. Eine solche Situation ereignete sich in der 80. Minute.

Kühn (22) eröffnet das Spiel auf Trapp (18). Dieser wird im Bogen von Abdullahi (20) angelaufen und spielt den Ball auf Wolze (19) weiter. Dieser hat nach der Ballannahme zunächst einmal Zeit um sich zu orientieren, da Abdullahi keinen Druck auf ihn ausüben kann und Kaufmanns (7) Distanz zu Wolze sehr groß ist. Aufgrund dieser Distanz kann auch Kaufmann keinen Druck auf Wolze ausüben. Natürlich ist hierbei zu beachten, dass es sich um die 80. Spielminute handelt, dennoch sollte das Anlaufen konsequent durchgeführt werden (alle hoch oder tief fallen lassen). So ist nämlich der Weg von Abdullahi de facto unnötig.

Ähnliche Situationen gab es auch in der 1. Halbzeit, wo in Ballnähe eine Anspielstation offengelassen wurde und die Gäste so das Braunschweiger Pressing überspielen konnten.

Braunschweiger Probleme mit der Rückraumdeckung

Bereits in der 3. Spielminute musste Fejzic (16) das erste Mal hinter sich greifen. Auslöser war ein Einwurf, welchen Wolze (19) in den Rücken von Kammerbauer (39) auf Ihorst (27) warf. Da Kammerbauer überspielt war, rückte Burmeister (19) raus und orientierte sich zu Ihorst (27). Der Osnabrücker setzte sich durch und kam bis zur Grundlinie durch. Wydra (6), Nikolaou (4) und Schlüter (3) verschoben alle ballorientiert in Richtung Ihorst.

Parallel dazu bot sich Amenyido (14) ballnah an, welcher von Kroos (18) gedeckt wurde. Blacha (23) stieß aus dem zentralen Mittelfeld bis in die Sturmspitze vor. Doch wieso ist genau dieser Lauf Blachas so wichtig?

Ben Balla war Blacha zugeteilt. Blacha startet seinen Lauf genau in die Lücke zwischen Schlüter und Nikolaou. Anstatt, dass einer der beiden Verteidiger (Nikolaou & Schlüter) den einlaufenden Stürmer übernimmt, folgt Ben Balla dem Osnabrücker Mittelfeldspieler weiter.

Die flache Flanke von Ihorst wird von Wydra abgefälscht, weshalb sie erst in den Rückraum geht. Dieser Faktor ist natürlich unglücklich, dennoch muss auch in einer solchen Situation der Rückraum abgesichert werden. Da sich aber alle Braunschweiger Defensivspieler in Richtung Tor orientieren, ist der Rückraum komplett ungedeckt und Kerk kann zum 0:1 einschießen.

Ob es in dieser Situation ein Problem in der Abstimmung der Braunschweiger Defensive gab, ist aus der Distanz schwer zu beurteilen. Vorstellbar ist es aufgrund des Ausgangs der Situation dennoch. Übergibt Ben Balla Blacha nämlich an einen der beiden Verteidiger, kann sich Ben Balla absetzen und den Rückraum decken. Andererseits kann Ben Balla auch mit dem einlaufenden Stürmer mitgehen, dafür müsste sich allerdings Schlüter in den Rückraum begeben. Dies würde das Risiko mit sich bringen, dass der zweite Pfosten offen wäre, was aber zumindest bezogen auf diese Situation kein Problem wäre, da am zweiten Pfosten kein Osnabrücker nachrückte.

Das zweite Gegentor resultierte aus großer Passivität, da die Osnabrücker kurz vor dem Strafraum sich mit einem einfachen Doppelpass gegen drei Braunschweiger durchsetzen konnten. Dieser Doppelpass ermöglichte Multhaup eine relativ freie Schussbahn.

Das Problem der fehlenden Rückraumdeckung eröffnete sich auch rund sechs Minuten später bei einer Ecke der Lila-Weißen. Amenyido und Kerk stellten sich zur Ausführung der Ecke. Um bei einer kurz ausgeführten Ecke Druck auf Kerk und Amenyido ausüben zu können, orientierte sich Bär in Richtung der Eckfahne. Kobylanski versperrte den flachen Passweg in den Rückraum und hatte durch seine Positionierung auch die Möglichkeit bei einer kurzen Ausführung Druck auszuüben. Zusammen mit Bär hätte so bei einer kurzen Ausführung eine 2 vs 2-Situation hergestellt werden können.

Im Zentrum spielte Braunschweig eine Mischung aus Raum- und Manndeckung. Kerk spielte den Ball hoch auf die Strafraumkante auf Wolze (19), welcher von außerhalb des Strafraums startete. Dadurch, dass Ihorst (27) und Beermann (33) Ben Balla und Wydra blockten, kann Wolze im Rückraum frei abschließen. Aus Braunschweiger Sicht setzte Wolze den Ball glücklicherweise neben das Tor.

Ist die Kritik an Kobylanski berechtigt?

In den sozialen Medien wurde nach der Partie unter anderem Kapitän Martin Kobylanski hart von Seiten der Fans kritisiert. Es ist nicht abzustreiten, dass er in diesem Spiel, ähnlich auch schon wie im letzten Spiel sehr unauffällig war. Warum schafft er es aktuell nicht sich mit seinen Stärken in das Spiel einzubringen?

Problematisch ist hierbei auf jeden Fall die aktuelle Spielweise. Die Spieleröffnung erfolgt zumeist hoch auf Proschwitz und somit über Kobylanski hinweg. Insbesondere in der Partie gegen die Lila-Weißen kam es zu sehr wenig Ablagen auf den Kapitän der Löwen.

Kobylanski war in der Partie immer wieder bemüht, sich aktiv am Spiel zu beteiligen und hat sich teilweise sehr weit fallen gelassen und agierte teilweise zwischen den denfensiven Mittelfeldspielern und den Verteidigern. Von dort versuchte er sich aktiv am Spielaufbau zu beteiligen, fehlte logischerweise dann aber in den entscheidenden Zonen, wo er normalerweise zu finden ist.

Aktuell schaffen es die Braunschweiger nicht, Kobylanskis Stärken in das System zu integrieren. Als Spielgestalter kommt er so kaum zur Geltung.

Die Kritik an Kobylanski ist somit größtenteils unberechtigt, da er aufgrund des Spielsystems nur begrenzt handlungsfähig ist. Über seine Kommunikation lässt sich aufgrund der Fernsehbilder nichts sagen.

Fazit

Diese Partie verloren die Löwen hochverdient. Die Gäste waren über 90 Minuten die klar bessere Mannschaft und spielten sich zahlreiche Torchancen raus. Braunschweig zeigte sich erneut offensiv ziemlich ungefährlich und verließ sich in dem Spiel einmal mehr auf lange Bälle. Spielerisch lässt sich im Vergleich zwischen dem Heimsieg gegen FC Sankt Pauli und der Niederlage kaum eine Entwicklung erkennen.

Dennoch ist jetzt keine Schwarzmalerei angesagt. Die Pressingabläufe sehen teilweise sehr ordentlich aus und resultieren in hohen Ballgewinnen. Nun müssen die Löwen Lösungen finden, wie sie diese Ballgewinne in etwas Zählbares umwandeln. Wünschenswert wäre hierbei, dass nicht der erste Weg in Richtung Proschwitz gesucht wird, sondern auch eventuell der Faktor Kobylanski wieder mehr in das Spiel kommt.

Bereits am Mittwoch geht es weiter gegen den SC Paderborn 07. Die Blau-Weißen sind seit mittlerweile drei Spielen ohne Punktgewinn. Auf geht´s Löwen, kämpfen und siegen!

Eintracht – Ein Realitätscheck kurz vor Weihnachten

Hallo Löwen,

Wenn wir mal ignorieren, dass Eintracht in dieser Saison fast in jedem Spiel in den ersten Minuten ein Gegentor bekommt, auch wenn wir im Tor endlich einen Keeper haben, der in einer guten Verfassung ist, dann müssen wir das Spiel von einer ganz anderen Perspektive betrachten. Denn Eintracht fehlt es an Kraft. Nicht nur in der Defensive, nein, auch im Spielaufbau und in der Offensive gibt es deutliche Probleme. Dabei häufen sich die Fehler und treten besonders gegen bestimmte Mannschaften auf.

Probleme mit hoch pressenden Mannschaften

Eintracht hat, wie keine andere Mannschaft in der Liga, sich hinten reindrücken lassen. Im Schnitt bekommt Eintrachts Abwehr sehr viel Druck von gegnerischen Mannschaften entgegengesetzt. In der Pressing-Statistik PPDA (Passes Allowed Per Defensive Action against) sehen wir, dass Eintracht am meisten in der Liga angelaufen/ früh unter Druck gesetzt wird. Eintrachts Passspiel war im Spiel gegen Osnabrück nur 1/5  auf lange Bälle ausgelegt und ansonsten sind die Löwen in der 2. Liga Rekordmeister in Sachen lange Bälle.

Generell zeigt die Eintracht Schwächen gegen hoch pressende Gegner. Da hilft es nicht gerade, wenn man daran denken muss, dass jetzt Pressingmonster Paderborn auf uns wartet. Mit 7,24 PPDA und einer Herausforderungsintensität (Duelle, Tackling und Ballabfangen pro Minute des gegnerischen Ballbesitzes) von 7,5 sind sie Spitzenreiter in der 2. Liga. Eintracht muss schnell herausfinden wie sie sich mit einem hochpressenden Gegner freispielen können. Die Gegner haben schon längst bemerkt, dass Eintracht damit Probleme hat. So stieg der Herausforderungsintensität-Saisonwert der Osnabrücker von 5,8 auf 6,0, nur weil sie gegen uns spielten.

Keiner andere Mannschaft muss so ein hohes Pressing überspielen wie Eintracht (Wyscout)

Probleme im Passspiel und in der Laufbereitschaft

Daniel Meyer lässt wieder im 3-4-1-2 -System spielen. Dabei frage ich mich, hat er überhaupt die Spieler dafür? Ein Spieler wie Martin Kobylanski soll seinen Teil für die Mannschaftsleistung beitragen. Es kann aber nicht sein, dass er unser Laufbereitschaftester Spieler auf dem Feld ist. Mit der schlechtesten Laufleistung in der ganzen Liga (16 Km weniger als der 17. dieser Statistik, Sandhausen) hat die Mannschaft ein großes Problem. Noch grösser wird dieses Problem, wenn ein Kobylanski am meisten im Spiel laufen muss, 10,66 km.

Passkombinationen im Spiel gg. Osnabrück (Wyscout)

Besonders im System mit nur zwei Aussenbahnspieler sind Grundprinzipien im Aufbauspiel, wie Täuschungen, Raumerkennung oder Winkelspiel sehr wichtig, aber kaum vorhanden. Für mich ist die Sache klar: Wir brauchen eine Systemveränderung, wo besonders Kobylanski mehr Freiräume hat*. Im Vergleich zu der letzten Saison erhält er nur 16,67 Pässe pro Spiel und erobert nur 2,26 Bälle pro Spiel. In der letzten Saison waren es noch 21,1 erhaltene Pässe pro Spiel und 3,78 Balleroberungen auf 90 Minuten. Daniel Meyer muss einen Weg finden, Kobylanski besser ins Spiel zu bringen. Wenn schon lange Bälle, dann muss das Mittelfeld nachrücken und auf die zweiten Bälle gehen.

Was tun?

Eintracht muss den Ball mehr laufen lassen. Eine Passrate (Pässe pro Minute des Ballbesitzes) von 11,8 ist auch der schlechteste Wert in der Liga. Mit anderen Passstatistiken oder Aufbaustatistiken will ich erst gar nicht anfangen. Außer lange Bälle hat Eintracht keine Stärken im Aufbauspiel. Das sieht man auch im Endergebnis. Die schlechteste Offensive mit nur 9,68 expected Goals (xG) und die zweit wenigsten angekommene Pässe im gegnerischen Strafraum (Deep completions 4,56/90min).

Daniel Meyer muss sich auch überlegen, ob seine Leader-Achse Wydra – Kroos – Koby wirklich funktioniert. Christian Flüthmann sagte in seinem Vortrag auf dem Fußball-Online-Kongress, dass er im Herbst 2018 zusammen mit Andre Schubert festgestellt hat, dass Eintracht keine richtige Mischung aus Persönlichkeiten im Kader hatte. Auch das gilt es zu analysieren, wenn es um die Wintertransfers geht.

Eintracht muss sich jedenfalls spielerisch steigern und mehr für Überraschungen sorgen. So ist es einfach viel zu einfach für den Gegner.

*Jonas Schaar wird darüber noch ausführlicher in seiner #EBSOSN -Spielanalyse, die zu einem späterem Zeitpunkt erscheint, berichten.