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Die Löwen entscheiden das Kellerduell für sich

Ein Gastbeitrag von Jonas Schaar, U14-Jugendtrainer, Autor für Thefalsefullback (Daten von Jussi-Pekka Rode).

Am Samstag trat der FC St. Pauli im Löwentempel an. Erneut gerieten die Blau-Gelben sehr früh in Rückstand, drehten in der 2. Halbzeit das Spiel dann aber zu ihren Gunsten. Ein weitestgehend ereignisloses Spiel beschert der Elf von Trainer Daniel Meyer wichtige drei Punkte im Kampf um den Klassenerhalt.

Aufstellungen

Daniel Meyer stellte im Vergleich zu der Auswärtspartie beim SV Darmstadt 98 wieder auf eine Fünferkette um. Für Schultz (nicht im Kader) und Schwenk (Bank) rotierten Kobylanski und Schlüter in das Team. Wydra spielte wieder im Zentrum der Dreierkette, Nikolaou spielte als linker Halbverteidiger, Kessel besetzte die rechte Seite der Dreierkette. Als Flügelverteidiger agierten Wiebe (rechts) und Schlüter (links). Das Dreiermittelfeld bestehend aus Kroos, Kobylanski und Kammerbauer agierte selten auf einer Höhe. Insbesondere im Spiel mit Ball positionierte sich Kobylanski deutlich höher und Kroos ließ sich deutlich fallen. Die Doppelspitze bildeten Proschwitz und Bär.

Auf der Gegenseite entschied sich Timo Schultz für ein 4-2-3-1. Diese Formation wurde meist bis auf wenige Rotationen auch so gehalten.

Hohe Bälle als Mittel der Wahl

Im eigenen Ballbesitz schoben beide Flügelverteidiger hoch, diese wurden ballnah von den Paulianern aber gut zugestellt, sodass es selten möglich war das Spiel direkt auf die Flügelverteidiger zu eröffnen. Aus diesem Grund versuchten die Löwen immer wieder den Ball in der Verteidigung laufen zu lassen und Braun-Weißen so etwas auseinanderzuziehen. Daraus resultierend öffnete sich meist eine Seite, welche dann mit einem hohen Diagonallball aus der Verteilung bespielt wurde. Insbesondere in der ersten Halbzeit waren solche Situationen oftmals von Kessel auf Schlüter zu beobachten. Ziegele, welcher die Position Kessels nach seiner Verletzung übernahm, spielte diese Diagonolbälle seltener.

Alternativ spielten die Braunschweiger über den gesamten Verlauf des Spiels hohe Bälle aus der Verteidigung auf Proschwitz und Bär (23 % der Pässe waren lange Bälle). Von dort gab es zwei Varianten der Spielfortsetzung.

Der Ball sollte hinter die Paulianer Viererkette verlängert werden, da einer der Verteidiger bereits im Luftduell gebunden ist und somit Raum frei wird, welcher dann vom zweiten Stürmer belaufen werden kann. So entstand auch der 1:1-Ausgleichstreffer durch Marcel Bär, als Proschwitz einen langen Ball per Kopf verlängerte. Ziereis verlor das Luftduell gegen Proschwitz, war somit aus der Kette gezogen und Raum für Bär ergab sich. Diesen nutzte der gebürtige Gifhorner bekanntermaßen erfolgreich.

Wurde der Ball nicht verlängert, so versuchten die beiden Stürmer den Ball auf Kobylanski klatschen zu lassen, sodass dieser mit Blickrichtung zum Tor den Angriff gestalten kann. Zu diesen Situationen kam es allerdings viel zu selten, da die Luftduelle entweder verloren (nur 35 % gewonnene Luftduelle) wurden oder die Ablagen auf Kobylanski ungenau gespielt wurden.

Spielerische Lösungsansätze der Löwen in Grundzügen zu erkennen

Die bereits beschriebene Spieleröffnung über Diagonalbälle oder hohe Bälle auf die Stürmer war die meistgesehene Variante das Spiel zu gestalten. In einer solch schweren Situation werden immer wieder lange Bälle gewählt, da dies ein geringes Risiko mit sich bringt und auch sehr gut auf den „zweiten Ball“ gegangen werden kann. Zusätzlich bringen diese hohen Bälle einen schnellen Raumgewinn.

Auf der anderen Seite wird der Ballbesitz durch die hohen Bälle oftmals auch schnell wieder hergeschenkt. Allerdings zeigten die Löwen situativ, dass sie den Angriff auf flach aufbauen können, was zu kontrollierter Gefahr führte. Hierfür wird der 2:1-Führungstreffer durch Fabio Kaufmann näher betrachtet und eine ähnliche Situation, welche es vorher gab, welche allerdings nicht erfolgreich zu Ende gespielt wurde.

In dieser Szene spielt Kammerbauer den Ball nach einer Balleroberung aus dem Zentrum auf die rechte Seite. Dadurch, dass die Gäste sehr weit aufrückten muss Buballa aus der Kette rausrücken um Druck auf Wiebe auszuüben. Bär startet nun in den entstehenden Raum hinter dem rausrückenden Buballa, allerdings verpasst Wiebe den Moment des Abspiels (roter Passweg zeigt den potenziellen Passweg). Mit diesem Pass wäre Buballa aus der Aktion gewesen und Lawrence hätte das Zentrum verlässen müssen, um Druck auf Bär auszuüben.

Einige Minuten später ergab sich eine ähnliche Szene, dieses Mal verlagerte Kobylanski das Spiel aus dem Zentrum auf die rechte Seite. Dort spielte Wiebe den Ball sofort tief auf Kaufmann, sodass dieser frei durch war. Der Rest ist klasse vollendet von dem Ex-Würzburger und brachte die Okerstädter auf die Siegerstraße.

Braunschweigs Spiel gegen den Ball – Deutliche Steigerung nach dem Ausgleich

Grundsätzlich ließen sich die Braunschweiger etwas fallen und versuchten die Gäste ab ca. 10 m vor der Mittellinie zu attackieren. Gegen den Ball positionierte sich Kobylanski an Zalazar, Kammerbauer schob etwas vor zu Benatelli, Kroos spielte hinter den beiden und orientierte sich zu Kyereh.

Situativ liefen die Braunschweiger in der 1. Halbzeit hoch an, wobei ein Pass auf den Ohlsson als Pressingauslöser galt. Dann orientierten sich Kammerbauer und Kobylanski enger an die Sechser der Gäste, die Stürmer schoben geschlossen mit auf die ballnahe linke Seite, Schlüter übte Druck auf den ballführenden Ohlsson aus und Nikolaou macht Lankford entlang der Linie zu.

Insbesondere nach dem Ausgleichstreffer durch Bär liefen die Löwen öfter höher an und setzten die Gäste zunehmend unter Druck. Hierbei passte die Zuteilung in der 2. Halbzeit auch besser als in der 1. Halbzeit, wo gelegentlich ballnahe Anspielstationen offengelassen wurden. Diese wurden in der 2. Halbzeit besser zugestellt, weshalb es für die Gäste sehr schwer war, das Spiel flach und kontrolliert zu eröffnen.

Mutigeres Gegenpressing nach dem Ausgleich

Die hohe Spieleröffnung hatte viele zweite Bälle zur Folge. Diese gingen in der 1. Halbzeit noch oftmals an den FC St. Pauli. Der Ausgleichstreffer schien die Jungs von der Hamburger Straße zu beflügeln, was sich auch in den Ballrückeroberungen widerspiegelte. So gelang es der Heimmannschaft mehr Zugriff zu bekommen durch mutigere Zweikampfführung. Als exemplarisches Beispiel wird hier eine Szene aus der 77. Minute angeführt, welche ein erfolgreiches Gegenpressing zeigt.

Der FC St. Pauli gewinnt das Luftduell, der Ball gelangt zu Zalazar, welcher zur Außenlinie blickt. Somit bleibt nur die Passoption Buballa offen, welchen er dann auch anspielt.

Diesen Pass spielt der junge Sechser allerdings sehr ungenau, sodass Buballa zur Außenlinie gedrängt wird. Wiebe läuft Buballa an, Ziegele schiebt hoch und macht Dittgen entlang der Linie zu. Kammerbauer bewacht zu dem Zeitpunkt noch das Zentrum zu, sodass weder auf Dittgen (im Deckungsschatten von Wiebe), noch auf Daschner (im Deckungsschatten von Kammerbauer) eröffnen kann.

Als Buballa nun versucht ins Zentrum zu dribbeln rückt Kammerbauer mit auf Buballa und schafft so eine 2 vs 1-Situation. So können die beiden den Ex-Aalener weiter in Richtung Außenlinie drängen und den langen Ball abblocken. Zwar resultiert kein direkter Ballgewinn, dafür wird aber der Angriff der Gäste im Keim erstickt und nach der Aktion merkte man, welch positive Wirkung eine solche Szene auf die Mannschaft hat.

Die Entstehung des 0:1

Das Gegentor aus der 2. Minute resultierte dieses Mal nicht aus einem individuellen Fehler, sondern wurde durch eine grandiose Einzelleistung Dittgens und einem taktischen Fehler der Löwen ermöglicht.

Nach einer Balleroberung durch Ziereis am Strafraum der Gäste versuchen Kobylanski und Bär diesen direkt unter Druck zu setzen, Kammerbauer und Kroos schieben auf die beiden Sechser von St. Pauli. Schlüter stellt Paulis Rechtsverteidiger zu und Proschwitz steht bei Lawrence (3). Soweit so gut, alle ballnahen Anspielstationen sind zugestellt. Das große Problem zeigt sich dann aber beim Blick auf die Grafik. In dem markierten Raum stehen mit Kyereh und Lawrence zwei pfeilschnelle Hamburger. Ziereis schafft es sich mit einem hohen Ball auf Kyereh aus dem Druck der Braunschweiger zu befreien.

Mit diesem Pass überspielte der Kapitän der Hamburger sechs Braunschweiger. Durch Dittgens Tempovorteil gegenüber Wiebe, schafft es St. Pauli bereits in der 2. Minuten auszusondern und eine 4 vs 3-Situation zu schaffen. Sehr starke Aktion der Gäste, wobei durch das hohe Anlaufen von Kammerbauer, Kroos und Kobylanski der Raum für Kyereh sehr groß war. Glücklicherweise schafften es die Gäste aus Braunschweiger Sicht nicht in mehr solcher Situationen.

Was boten die Gäste in Braunschweig an?

Das Spiel lieferte den Gästen einen Start nach Maß, eine mutige Umschaltsituation kombiniert mit einer klasse Einzelaktion von Dittgen bescherten den Hamburgern eine frühe Führung. Danach schafften es die Gäste allerdings nicht aus dieser Führung Profit zu schlagen.

Gegen den Ball verteidigten sie die viele hohen Bälle größtenteils gut weg, da sie die Zielspieler doppelten. Letztlich schafften sie dies aber nicht über die volle Länge, sodass der Ausgleichstreffer aus einer schlechten Zuordnung bei einem langen Ball resultierte.

Mit Ball zeigten die Braun-Weißen viel zu selten ihr vorhandenes Potenzial, welches sich beispielsweise beim Erzielen des Führungstreffer zeigte. Viel zu sehr konzentrierte man sich auf die langen Bälle, welche von den Braunschweigern gut verteidigt wurden. Letztendlich führten die fehlende Kreativität und der Fehler in der Defensive zu der Niederlage, welche zumindest aus Sicht der Braun-Weißen zu vermeiden gewesen wäre.

Fazit

Es war wahrlich kein schönes Fußballspiel, positiv zu bewerten ist aber, dass sich die Löwen erneut nach einem Rückstand zurückgekämpft haben. Des weiteren glänzte Fejzic kurz vor Schluss mit zwei Paraden und hielt den Sieg somit fest (0,62 gehaltene erwartete Tore bei 1,62 xCG).

Die spielerische Anlage war heute sehr verbesserungswürdig, auch heute gab es wieder zahlreiche technische Fehler, welche im Vergleich zum vergangenen Wochenende aber glücklicherweise nicht zu Toren führten.

Aufgrund einer schwachen Leistung der Paulianer reichte den Blau-Gelben die begrenzte spielerische Anlage um sich im Kellerduell durchzusetzen. Dies wird in den kommenden Wochen aufgrund der stärkeren Gegner allerdings nochmal schwieriger.

Mehr spielerische Lösungen, weniger lange Bälle, so dürften viele denken. Daniel Meyer betonte aber bereits, dass in den kommenden Wochen mehr spielerische Lösungen gefunden werden müssen.

Also Löwenfans, Freude über den Sieg ja, allerdings warten Osnabrück und Paderborn schon und das sind andere Kaliber!