Der Hamburger SV reiste nach dem 5:0 Heimsieg gegen Osnabrück mit reichlich Selbstvertrauen im Gepäck an die Hamburger Straße. Zur Überraschung aller führten die Löwen nach 42 Minuten mit 2:0. Am Ende verließ die Meyer-Elf den Platz mit einem 2:4 in der Tasche. Allerdings spielten nicht nur die individuellen Fehler bei der Entstehung der Gegentore eine große Rolle.

Aufstellungen

Die Aufstellungen

Daniel Meyer musste im Vergleich zur letzten Partie auf die gesperrten Wydra und Schwenk verzichten. Zusätzlich nahm Kobylanski auf der Bank Platz. Die drei Akteure wurden von Diakhité, Ben Balla und Bär ersetzt. Gleichzeitig stellte Meyer auf ein 4-2-3-1 um. Dieses System spielten die Löwen bereits in dieser Saison, unter anderem auch in Paderborn.

Auf der Gegenseite gab es weder personelle noch taktische Wechsel. Daniel Thioune vertraute auf die gleiche Startelf wie beim 5:0-Sieg gegen Osnabrück und schickte sie zunächst in einem 4-3-3 auf das Spielfeld. Im Verlauf der Partie wich der HSV von dem klassischen 4-3-3 ab um das Zentrum der Braunschweiger zu überladen.

Braunschweig macht die Flügel dicht

Felix Kroos schob im Spiel mit Ball situativ vor und so bildete sich ein 4-4-2. Dabei lief Proschwitz aber stets als erster Spieler an und Kroos achtete auf die Anspielstation im Zentrum. Allgemein agierte Braunschweig in einem Mittelfeldpressing. Die Umstellung auf das 4-2-3-1 bzw. situativ 4-4-2 bedeutete eine doppelte Besetzung der Flügelzonen. Dadurch wurde es dem HSV in der 1. Halbzeit alleine durch die neue Raumbesetzung erschwert über die Flügel in gefährliche Torschusssituationen zu kommen.

Deshalb versuchte der HSV die Flügel immer wieder zu überladen. Dafür ließ sich der ballnahe zentrale Mittelfeldspieler auf den Flügel fallen und schaffte so zumindest in der Theorie eine 3 vs 2 Überzahl. Allerdings schaffte es der BTSV diese Situationen regelmäßig zu entschärfen.

Ben Balla folgt Dudziak

Ein Beispiel hierfür ist eine Szene aus der 5. Spielminute. Behrendt (30) positioniert sich bei dem linken Mittelfeldspieler Kittel (10) und Kaufmann (7) ist an Hamburgs Linksverteidiger Leibold (21) gebunden. Diese Mann-zu-Mann-Zuordnung sorgt zunächst einmal für ein Problem im Hamburger Spiel, da der Raum auf dem Flügel sehr eng ist. Dadurch, dass Behrendt Kittel folgt und sich dieser leicht fallen lässt, öffnet sich der Raum im Rücken von Behrendt. In diesen startet nun Dudziak (8). So ergibt sich für Leibold theoretisch die Möglichkeit Dudziak lang einzusetzen, allerdings wird dieser von Ben Balla (28) verfolgt und somit ist dieser Vorteil egalisiert.

Szenen wie diese gab es im Laufe der 1. Halbzeit immer wieder. Allerdings kamen sie nicht nur auf der linken Seite vor, sondern auch auf der rechten Seite. Dort kippte Kinsombi dann aus dem Zentrum auf die Außenbahn und Kammerbauer orientierte sich mit auf den Flügel. So schafften es die Braunschweiger weitestgehend die Hamburger Angriffsbemühungen über die Flügel im Keim zu ersticken.

Hamburg mit unterschiedlichen Lösungsansätzen

Dies blieb allerdings nicht der einzige Versuch der Hamburger gegen die Braunschweiger Defensive anzukommen. Da die Braunschweiger wie bereits beschrieben auf dem Flügel sehr kompakt agierten und es so dem HSV sehr schwer machten, änderten die Hamburger bereits in der ersten Halbzeit ihre Herangehensweise in der Offensive.

Zu Beginn der Partie befanden sich die Flügelspieler der Hamburger breit positioniert an der Außenlinie, später rückten sowohl Jatta als auch Kittel ein und schafften so eine stärkere Zentrumsbesetzung. Die Flügel blieben allerdings nicht ungedeckt, dort schoben die Außenverteidiger in den frei werdenden Raum. Insbesondere Sonny Kittel interpretierte seine Rolle sehr frei und agierte nicht auf einer speziellen Seite, sondern ließ sich immer wieder fallen und agierte um Terodde und Jatta herum.

Dieses Bild änderte sich nach der Halbzeit noch einmal stärker. In der Halbzeit wechselte Daniel Thioune Vagnoman und Jatta aus, dafür kamen Hunt und Onana in die Partie. Von dort an agierte Jeremy Dudziak auf dem rechten Flügel, wobei er ständig ins Zentrum einrückte und so Überzahl in diesem Bereich schaffte.

Dudziak orientiert sich ins Zentrum

Auch in dieser Szene aus der 49. Minute ließ sich Dudziak (8) von dem rechten Flügel ins Zentrum fallen und schaffte so das Zentrum den rechten Halbraum zu besetzen. Nimmt man das Aufrücken des Hamburger Rechtsverteidigers Heyer (3) mit dazu, so lässt sich sagen, dass der HSV sogar auf der ganzen rechten Seite Überzahl schaffte (markierter roter Raum). Szenen wie diese waren in der zweiten Halbzeit immer wieder vorzufinden.

Individuelle Fehler als einzige Ursache der Gegentreffer?

Individuelle Fehler sind nach dem Spiel ein großer Teil der öffentlichen Diskussion gewesen, wobei dies auch vollkommen richtig ist. Allerdings waren sowohl vor dem 2:3 als auch dem 2:4 ähnliche Fehlerbilder zu erkennen. In beiden Situationen resultiert die Abschlussaktion der Hamburger aus einem Fehler im Aufbauspiel.

Fehler im Aufbauspiel vor dem 2:3

Vor der Einleitung des Führungstreffers der Hamburger ereignete sich die dargestellte Situation im Aufbauspiel. Nikolaou (4) wird seitlich von Dudziak (8) unter Druck gesetzt. Der Ex-Dresdener versucht Kammerbauer (39) vor sich anzuspielen, diesen Pass antizipiert Kinsombi (6) allerdings und fängt diesen ab. Anschließend kriegt Braunschweig trotz numerischer Überzahl in Ballnähe keinen Zugriff und Kinsombi kann außen durchbrechen. Danach folgt die Verlagerung auf Kittel, welcher den Ball für den späteren Torschützen Hunt auflegt.

Natürlich sieht Fejzic bei dem Abschluss sehr unglücklich aus, allerdings ist es auch wichtig zu beachten, wie es überhaupt zu dieser Abschlusssituation kommen konnte. Ähnliches gilt für das 2:4. Dort versuchten die Braunschweiger das Spiel flach über Schlüter zu eröffnen, dieser hatte keine adäquaten Anspielstationen und wurde zusätzlich von Heyer hoch angelaufen. Daraus resultierend geriet der Braunschweiger Linksverteidiger unter Druck und schießt den Hamburger beim Versuch eines Befreiungsschlages an. So kann Heyer von der rechten Seite in den Strafraum eindringen und den Ball in den logischerweise vollkommen entblößten Rückraum legen (da alle Spieler in der Erwartung eines langen Balles aufrückten). Dort erzielte Kinsombi seinen zweiten Treffer des Tages zum 2:4.

Fazit

Erneut zeigten die Braunschweiger, dass sie gegen starke Gegner standhalten können. Dies wurde durch die zweite Halbzeit allerdings zerstört, da hier zu viele individuelle Fehler die gute Defensivleistung zunichte machten. Dabei zeigten diese individuellen Fehler die gravierenden Probleme im eigenen Spielaufbau auf. Somit bleibt weiterhin zu hoffen, dass die Defensive Stabilität bleibt, die individuellen Fehler minimiert werden und es im Spiel mit Ball Fortschritte gibt. Diese Fortschritte werden nicht zwingend in den nächsten zwei Spielen messbar sein, da auch hier wieder zwei starke Teams auf die Löwen warten. Dennoch können auch hier kleine Schritte gemacht werden.

Nun geht es heute Abend gegen den 1. FC Heidenheim, welcher auswärts zuletzt nicht gut aussah. Auf geht’s Eintracht kämpfen und siegen!

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