Eintracht sucht immer wieder den langen Ball. Warum?

Hallo Löwen!

Das Team von Daniel Meyer konnte am Freitag einen wichtigen Sieg landen. Doch wenn wir ganz ehrlich sind, ist die Situation immer noch sehr brenzlig. Eine Niederlage und das ganze Kartenhaus fällt zusammen. Doch auf eines ist laut Meyer verlass: Es gibt endlich eine stabile Mittelachse. Laut Braunschweiger Zeitung bilden „Torhüter Fejzic, die Innenverteidiger Brian Behrendt und Oumar Diakhite, Jannis Nikolaou, Dominik Wydra und Felix Kroos im Mittelfeld sowie Nick Proschwitz im Sturm“ in den kommenden Wochen den Rahmen.

Ein Kernelement dabei sind immer wieder langen Bälle auf Nick Proschwitz. Der Angreifer ist meistens dabei, wenn es heißt lang und weit bringt Sicherheit. In vielen Situation wird ein langer Ball gespielt, auch wenn es nicht unbedingt nötig ist. In einer Drucksituation die Pille bis nach Wolfenbüttel wegschlagen, geht in Ordnung. Aber immer wieder ohne Not den Ball auf Proschwitz zu schlagen kommt einem schon merkwürdig vor. Es ist etwas, was uns die ganze Saison über begleitet.

Vorbild Fejzic

Sehen wir uns mal diese Achse genauer an: Im Tor steht jetzt Jasi, doch am Anfang der Saison war es ausgerechnet Felix Dornebusch, der auch immer wieder den langen Ball suchte, sollte er doch eigentlich für seine fußballerischen Künste den Vortritt vor Jasi Fejzic bekommen haben. Im Schnitt spielte Dornebusch 10,97-mal pro 90min den langen Ball nach vorne und hatte dabei eine Passquote von 65,9 %. Fejzic spielt in dieser Saison fast genauso oft den langen Ball: 9,97-mal pro 90min mit einer Passquote von 78,8 %. Gegen Regensburg spielte er 16 lange Bälle, wovon 15 angekommen sind.

Jasis lange Pässe gg, Regensburg (Wyscout)

Im Punkto Torwart und lange Bälle, kann Eintracht momentan beruhigt sein. Laut der 2. Liga-Rankingliste spielt Fejzic am 8. meisten den Ball als Torwart nach vorne mit der zweitbesten Passquote. Die meisten langen Bälle spielt Bochums Riemann mit sagenhafte 25,08 lange Bälle pro 90 Minuten und die beste Passquote in langen Bällen hat Himmelmann von St. Pauli mit 81,05 %.

Problem: Langpassquote

Apropos Bochum, man muss anerkennen, dass Bochum die meisten Bälle in der Liga spielt und nicht Eintracht. Bei Bochum sind es 63,98 lange Bälle pro Spiel, bei Eintracht 60,6. Das Problem dieser langen Bälle beim BTSV ist, dass sie nur schlecht ankommen. Eintracht ist hier in der Liga nur auf dem 12. Platz mit einer Langpassquote 56,8 %. Bochum spielt nicht nur die meisten langen Bälle, sie kommen auch mit einer Passquote von 61,1 % an.

Das liegt vor allem daran, dass die sogenannte Mittelachse (mit den Außenverteidigern zusammen), außer Jasi Fejzic, in langen Pässen eher schlecht ist. Nur Dominic Wydra und Jannis Nikolaou, die auch viele lange Bälle spielen, haben eine höhere Langpassquote als 60 %. Besonders auffällig in dieser Statistik ist Brian Behrendt, der oft den langen Ball spielt, aber dennoch nicht sehr erfolgreich damit ist. Bei Behrendt ist es eigentlich besonders überraschend, denn laut einer Statistik von Global Soccer Network ist er der pressingresistentester Spieler in der Abwehr der Braunschweiger Eintracht. Doch anscheinend spielt er immer schon den langen Ball. Zum Beispiel hatte er in der Saison 2018/19 eine Langpassquote von 56,1 % bei 9,71 lange Bälle pro 90 Minuten.

Quelle Wyscout.

Nicht viel anders sieht es bei Wydra aus, der auch schon mit Aue unter Meyer 2018/19 viele lange Bälle spielte, allerdings mit einer besseren Quote von 68,9 % bei 9,79 lange Pässe pro 90min. Bei Jannis Nikolaou merkt man allerdings, dass er jetzt in dieser Saison mehr lange Pässe spielt als in den Saisons davor. Mit Dynamo Dresden spielte er in der letzten Saison 6,89 lange Pässe pro 90 Minuten mit einer Passquote von 61,7 %.

Braunschweig-Regensburg. Immer wieder lange Bälle und oft auf Proschwitz. (Quelle: Wyscout)

Am Ende kommt es nicht nur darauf an, wie die Langpassquote der Spieler aussieht, sondern auch, wie die Bälle verarbeitet werden. Hier kommt Proschwitz ganz zentral ins Spiel. Oft wird weniger überraschend genau er gesucht. Mit einer seiner Größe von 192 cm ist er immer in der Luft gefährlich. Er hat 44,2 % seiner Kopfballduelle gewonnen bei 15,69 Kopfballduelle pro 90 Minuten. Kein anderer Spieler in der 2. Liga ist so oft in einem Kopfballduell verwickelt wie Proschi. Nur mit seiner Erfolgsquote könnte er besser sein.

Drei sind besser als zwei

Dennoch denke ich, dass Eintracht mit dieser Taktik besser aufgehoben ist als noch am Anfang der Saison. Als wir das letzte Mal gegen den 1. FC Nürnberg spielten, haben wir noch in einer 3-4-1-2 -Formation agiert. Auch hier wurde oft auf Nick Proschwitz der lange Ball gespielt, doch in dieser Formation gab es viel Schwächen. Oft gingen die Bälle verloren und Eintracht konnte sich aus diesen Situationen keine Vorteile verschaffen. Das lag daran, dass die Bälle oft nicht direkt weitergeleitet werden konnten und das Mittelfeld nicht schnell genug nachrückte.

Seit Daniel Meyer meistens in einer 4-2-3-1 -Formation agieren lässt, versucht Eintracht hier die Schnelligkeit der Außenangreifer auszunutzen. Anders als in dem 3-4-1-2 -System spielten z. B gegen Regensburg auf den offensiven Außenpositionen zwei schnelle Spieler: Fabio Kaufmann rechts und Dong-Won Ji links, der mit 32,15 km/h in diesem Spiel auch unser schnellster Spieler war. Nun werden die langen Bälle direkt an die schnellen Außenspieler weitergeleitet. Außerdem hat Ji eine Eins A Ballbehandlung, die uns hilft den Ball auch kontrolliert weiter zu spielen.

So entsteht z. B in der 21. Minute die Chance für Fabio Kaufmann das 1:0 zu machen: Ein langer Ball von Jasmin Fejzic, der bewusst nicht Anspielstation Diakhite wählt, landet bei Proschwitz der den Ball direkt an Ji weiterleitet. In diesem Moment ist Fabio Kaufmann schon am Start und wird seinem Manndecker entlaufen.

21. Minute Eintracht – Regensburg. Statt die Option den Ball kurz auf Diakhite zu spielen, der den Ball nach vorne auf Nikolaou spielen könnte, wählt Jasi die lange Option.

Hier hatte Proschwitz im Grunde mehrere Optionen den Ball abspielen zu lassen – genauer gesagt drei. Auch Felix Kroos war in der Mitte anspielbar, jedoch hinter einem Gegenspieler. Mit dem 3-4-1-2 -System waren die Anspielstationen meistens auf zwei Spieler begrenzt. Dies war am Ende sehr ineffizient, weil die zweite Welle oft zu spät kam.

21. Minute. Braunschweig – Regensburg. Ein langer Ball von Jasi erreicht Proschi. Der spielt den Ball direkt auf Ji, der dagegen den Ball direkt an den schnellen Kaufmann weiterleitet. Die Abwehr der Regensburger wirkt hier ein bisschen unsicher.

Fazit

Eintrachts lange Bälle werden wir auch in den nächsten Spielen „genießen“ können. Ein bisschen Trost können wir darin finden, dass wir sowohl Defensiv stabiler stehen und dass die Bälle vermutlich besser verarbeitet werden, als noch im 3-4-1-2 -System. Am Ende müssen wir uns jedoch auch in diesem Bereich weiterhin steigern. Laut Peter Vollmann brauchen wir noch mindestens 15 Punkte in 12 Spielen.

Auf geht`s!

Quellen: Wyscout.com; Braunschweiger Zeitung; Bundesliga.com

1 Kommentar

  1. Klare, nachvollziehbare und hilfreiche Analyse. Jetzt gilt’s, Fehler zu vermeiden und effizient wie gegen Jahn zu bleiben!

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