Das 0:0 der Eintracht beim Club in Nürnberg erntete allerorten das Prädikat unansehnlich oder auch schlimmer. Kann man diese Unansehnlichkeit auch statistisch erfassen? – Ein Gastbeitrag von Florian Zenger.

Braunschweig und der FCN spiegelten den Aufbauansatz des Gegners, indem sie beide überdurchschnittlich viel auf lange Bälle setzten. Nürnberg (20,9%) und die Eintracht (18,2%) lagen damit einerseits über oder in der Nähe des eigenen Saisondurchschnitt (15,4% bzw. 20,4%) und andererseits auch weit über den Ligadurchschnitt von 13,5%. Allein der Wert deutet die Charakteristik und auch das Problem des Spiels an: Es war einfach viel Gebolze.

Bild: Robin Burek

Dabei war der Ansatz natürlich verständlich: Langer Ball auf Schäffler bzw. Proschwitz, Ablage auf Møller Dæhli/Dovedan/Borkowski bzw. Ji/Kroos/Kaufmann und dann Spielaufbau im letzten Drittel. Allein im letzten Drittel fehlte dann beiden Mannschaften die Idee: Insgesamt nur sieben Schlüsselpässe, also Pässe, die zu Abschlüssen führten, hatten beide Mannschaften zusammen aus dem Spiel. In neunzig Minuten fanden beide gemeinsam nur einen einzigen Abschluss aufs Tor (Dovedan, 40.).

Quelle: Wyscout

Beide Mannschaften hatten in dieser Saison sowieso schon Probleme, den Ball in Tornähe an den Mann zu bringen – Braunschweig ist Letzter in dieser Wertung mit 4,4 „deep completions“, der FCN 14. mit im Schnitt 5,7 im Radius von 20 Metern um das Tor angekommenen Pässen. Das war an diesem Nachmittag nicht anders. Nürnberg kam auf fünf solcher Zuspiele, Braunschweig auf vier. Die Zuspiele in den Strafraum kamen nur zu 30% (Nürnberg) bzw. 26% (Braunschweig) an, so dass insgesamt nur sieben (FCN) bzw. acht (Eintracht) Ballbesitzphasen im gegnerischen Strafraum endeten.

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Dazu kommen auch noch andere überdurchschnittlich schwache Werte: Beim FCN waren es 3 von 14 Flanken, die das Ziel fanden, bei der Eintracht 3 von 16. Für die Eintracht war das immer noch unterdurchschnittlich, weil sie normalerweise 27% der Flanken anbringt – immer noch zweitschlechtester Wert ligaweit, für den FCN sogar weit von den normalen 37% entfernt. Gepaart mit extrem vielen Fehlpässen, die natürlich zum Teil der hohen Zahl an langen Bällen geschuldet sind, führt das zu einem Spiel, das eben kaum die ästhetischen Ansprüche erfüllen kann.

Quelle: Wyscout

All das mündet in expected Goals Werten von 0,43 (FCN) und 0,69 (BTSV), die unterstreichen wie wenig gefährlich beide Mannschaften waren.

Was kann man der Eintracht mitgeben?

  • An der Flankengenauigkeit arbeiten: Die wenigen Szenen, in denen die Hereingaben von Außen ankamen, waren allesamt gefährlich. Gerade wenn Ji ins Kopfballduell gegen einrückende Rechtsverteidiger wie am Sonntag Valentini kommt, kann er Größe und Kopfballstärke – er gewinnt zwei von drei Kopfballduellen – zu seinem Vorteil ausnutzen.
  • Mehr Geduld und Genauigkeit im Aufbau: Auffällig ist, dass Braunschweig ungewöhnlich viele Ballbesitzphasen zwischen zehn und zwanzig Sekunden Länge zu verzeichnen hatte. Schaut man sich dann die Passwerte an, sieht man: 61 % angekommene Vorwärtspässe, 60% angekommene Pässe für Raumgewinn, 56 % angekommene Pässe ins letzte Drittel – alles keine guten Werte für ein strukturiertes Offensivspiel. Nimmt man beides zusammen, dann findet man eben einerseits die langen Bälle natürlich wieder, aber auch kombiniert mit der Verweildauer am Ball, Anzeichen für eine gewisse Ungeduld im Aufbau. Die abzulegen könnte dem Offensivspiel der Eintracht gut tun.
  • Gegen Gegner mit kopfballstarken Innenverteidigern mehr variieren. Beim FCN stand mit Margreitter einer der besten Zweitligaspieler im Defensivkopfball auf dem Platz. Dass Proschwitz hier kaum zu Ablagen kommt, war zu erwarten gewesen, auch wenn er sich in der Luft behaupten konnte. Hier wäre etwas mehr Variabilität gefragt gewesen, gerade weil Margreitter im Bodenduell Temponachteile hat. Größere Flexibilität in der Angriffsstrategie würde hier helfen.

Florian Zenger ist im echten Leben Lehrer für Englisch, Sozialkunde und Geschichte und hat da mit Zahlen und Daten nicht viel zu tun. Im Fußballleben aber schon. Er schreibt normalerweise für Clubfans United und hat da auch aus Sicht des FCN das Spiel beleuchtet. Außerdem ist er Teil des FCN-Podcasts „Ka Depp“ von nordbayern.de und veröffentlicht dort – sowie in Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung – jede Woche eine Gegnervorschau unter dem Namen „Zengers Taktiktafel“.

Quelle: wyscout

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