Update: 18:26, 24.5.21

Hallo Löwen,

die Wunden sitzen nach dem Abstieg in die 3. Liga tief. Das Projekt „Klassenerhalt“ ist grandios gescheitert. Die Niederlage zeigte nochmal, dass im Fußball eines nur schwer erreichbar ist: Sicherheit. Eintracht hat in den letzten Jahren gerade um diese knappe Ressource im Fußball verzweifelt gekämpft und ist damit oft gescheitert. Die Taktik der Verantwortlichen alles auf eine Karte zu setzen, scheiterte jetzt deutlich. Wir sind uns hier einig, dass sich das nicht mehr wiederholen darf. Eintracht muss endlich aufhören, mit den Geldern von Fans und Sponsoren hoch zu pokern und anfangen nachhaltig zu arbeiten.

Der nächste Umbruch steht somit vor der Tür.  Es wäre hierbei fatal, wenn die Eintracht noch immer im Notfallmodus bliebe. Jetzt ist es wichtig, Weichen zu stellen, statt über neue Namen zu diskutieren. Ein vernünftiges und nachhaltiges Vereinskonzept zu kreieren, ist jetzt wichtiger denn je. Wir halten fest, in den letzten Jahren hatten wir keine erkennbare Vereins- und Spielphilosophie, keine nachhaltige Transferpolitik und somit auch keinen nachhaltigen sportlicher Erfolg. Das muss sich ändern.

Nur zusammen sind wir Eintracht. Bild: Robin Burek

Dabei scheint die Vereinsführung seit dem Abstieg 2018 und nach dem Ende der Lieberknecht-Ära nicht so recht zu wissen, was für einen Fußball die Eintracht aus Braunschweig verkörpern sollte oder wie man die Fans begeistert und für sich gewinnt. Während der Pandemie offenbarte man erhebliche Schwächen in der Kommunikation und verlor damit viele Sympathien. Wir kennen einige Eintracht-Fans, die vorerst keine Dauerkarte oder Fanshop-Waren kaufen wollen, sollte nicht sofort mit dem Neuanfang begonnen werden. Grund sind nicht die schlechten Ergebnisse allein, sondern vor allem wie man den Verein führt und wie man mit den Geldern der Fans und Sponsoren umgeht – ineffektiv, ineffizient und risikohaft.

„Die Arbeit mit gelernten Scouts kann nicht von heute auf morgen umgestellt werden. Die braucht einen Aufbau und eine echte, wirtschaftliche Grundlage. Diese Grundlage können wir uns nur holen, wenn wir in der zweiten Liga bleiben.“

Peter vollmann auf dem Fan-talk 10.3.2021

Neue Grundlagen

Wir haben uns schon im Winter ein paar Vorschläge überlegt, die jetzt aktueller sind als je zuvor. Jeder im Aufsichtsrat der Braunschweiger Eintracht sollte sich diese Vorschläge durchlesen.
Erstmal ist es nach unserer Ansicht wichtig, nochmal wiederholt, eine Vereinskultur und Philosophie zu schaffen. Nun was bedeutet das? Es gilt die Frage zu beantworten, wofür steht Eintracht Braunschweig als Gesamtverein? Welche Werte will man eventuell vermitteln? Ist man ein Arbeiterverein? Ist der BTSV ein Verein mit Spielern nur aus der Region bzw. Norddeutschland? Ein Verein, der bewusst anders ist, offen für Innovationen, ohne dabei den Bezug zur Tradition zu verlieren? Diese Fragen und noch einige mehr, gilt es zu beantworten.

Im Kern sollte unser leidenschaftlicher Fußball stehen.

Wir waren bisher von einer Eintracht-DNA-Spielphilosophie überzeugt, die wir gerne von Nachwuchs bis Profis und Damen-Mannschaften als Grundlage sehen würden. „Arbeit und Kampf“ bilden unsere Spielgrundlage, „Raubtier-Fußball“ und ein Stück „Zauber-Fußball“ machen den Rest aus. Jedenfalls sollte dies vorher klar sein, bevor man den nächsten Trainer einstellt. Der Verein sollte bestimmen, welche Art Fußball gespielt werden soll, nicht der Trainer! Wobei der Trainer aber natürlich auch menschlich und charakterlich passen muss. Und weil wir Daten so lieben, weisen wir natürlich darauf hin, dass sich anhand von Daten die Qualität der Trainer und ihre Spielweisen bewerten lassen können. Spielweise und Spielphilosophie können miteinander abgeglichen und somit der Deckungsgrad berechnet werden.

Bewusstes Schaffen von Wettbewerbsvorteilen nicht monetärer Art ist die nächste Grundlage, sei es durch intensives Scouting von Nischenmärkten, effizienteres Nutzen von Standards, kreative Spielsysteme und Formationen usw. Dies ist eine Grundvoraussetzung, um in der 3. Liga erfolgreich zu sein. Bei der Spielersuche sollte man sich unabhängig von bestimmten Personengruppen, wie zum Beispiel Spielerberatern, machen.

Was wir vorschlagen, ist die Scoutinggrundlage auf den Kopf zu stellen und mit einem „Trichter“-Modell (unten im Bild: Scouting Funnel) nach Spielern und Talenten zu scouten. In dieser sogenannten algorithmischen Methode benutzt man Daten als Grundlage. Die Verantwortlichen sollten dann Spielerprofile vorgeben, die für die jeweilige Spielweise gesucht werden. So kann man zum Beispiel in einer Datenbank von fast 500.000 Spielern nach bestimmten Spielerprofilen seine Top 25 -Liste generieren. Diese Liste kann man dann genauer scouten, beobachten und, wenn man so möchte, seine Fachkenntnisse abrufen. Dies muss so detailliert wie möglich passieren, um im Nachgang etwaige Fehler auf dem Transfermarkt so gering wie möglich zu halten – im Idealfall in Absprache mit einer Partnerfirma im Bereich Scouting und Datenanalyse.

Screenshot: Soccerment

Hiermit kann man auch einen Schattenkader generieren, der als Basis für die nächsten Verpflichtungen steht. Durch vorausschauendes und permanentes Scouting zu jedem Zeitpunkt, wäre man vorbereitet, wenn ein Spieler den Verein verlassen möchte oder wenn sich die beste Option für einen anderen Club entscheidet.

Eine Eintracht-Kultur mit Fokus auf der Jugendarbeit

Neben den etwaigen Neuzugängen müssen wir auch zwingend den eigenen Kader und die Nachwuchsmannschaften analysieren und auf passende Spielertypen scannen. Deswegen müssen wir aber auch unbedingt mehr in die Nachwuchsarbeit investieren. Die U23, U19, U17-Mannschaften müssen zwingend mit gleicher Eintracht-DNA-Spielphilosophie arbeiten und spielen wie die Profis. So, wie es z.B. Ajax Amsterdam seit jeher vorlebt (Stichwort Total Voetbal). Auch das Personal sollte an die Spielphilosophie angepasst sein. Enge Verzahnung von Jugend und Profis ist die Grundvoraussetzung, damit auch die besten Jugendspieler regelmäßig im Training der Profis teilnehmen können. Hier wäre ein gemeinsames Trainingslager mit den Profis im Sommer ein guter Anfang, soweit es coronabedingt möglich ist.

Man sollte auch gezielt eine „Eintracht-Kultur“ aufbauen. Eintracht könnte zum Beispiel andere Sportarten und Mannschaften in die Arbeit mit Daten, oder ähnlichen Werkzeugen, einbinden. Man kann in andere Mannschaften oder sogar anderen Sportarten neue Analysemethoden testen und ein Netzwerk von freiwilligen HelferInnen aufbauen. Der Verein sollte sich digital, und nach der Pandemie, auch physisch für freiwillige HelferInnen öffnen. Jeder der Eintracht helfen möchte, sollte auch eine Möglichkeit erhalten, dies zu machen. Dabei sollte man neben den sozialen und Fan-Projekten auch sportliche Projekte zusammen mit der Mitgliederbasis aufbauen. In der 3. Liga wird das überlebenswichtig sein, denn finanzielle Ressourcen sind knapp.

Bild: Robin Burek

Fazit

Wir sollten bald nach vorne schauen und dabei auch über den Tellerrand blicken. Harte Arbeit erwartet uns und deswegen brauchen wir eine klar kommunizierte Eintracht-Philosophie mit verschiedenen sportlichen Projekten. Ein effizientes und effektives Nutzen der Datenanalyse wäre ein guter Anfang.


3 Kommentare

  1. Großartig! Hast du beim Verein schon mal nachgefragt, ob sie deine Hilfe in Anspruch nehmen wollen? BGG Axel

  2. Alles richtig, nur sehe ich im Verein niemanden, der für diese Denkweise offen wäre. Geschweige denn, etwas in dieser Richtung verändern möchte. Ich hoffe, mich zu irren. BgG Detlef

  3. 1. Eine ganz wichtige Rolle spielt hier der Präsident. Die letzten P waren hinsichtlich Club-Philosophie und Wertevermittlung unscheinbar und nicht voll committet (Übergangspräsidenten). 2. Jetzt geht es aber zuerst einmal um das sportliche Überleben. Ein neues Trainerteam muss an die Basics: geordneter Spielaufbau, Passgenauigkeit, Abwehr von Standards, Kreativität im Mittelfeld. 3. Eintracht kann wieder stark werden durch eine Mission: Wir sind alle Braunschweiger Jungs.

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