Hallo Löwen,

Die Saison 2020/21 geht weiter, nur eine Liga tiefer. Die mentale Belastung aus der letzten Saison hat die Sommerpause überlebt und beißt sich nun in der neuen Mannschaft fest. Neuanfang, Stallgeruch, Eintracht-DNA, alles nur leere Flaschen wie die Spieler auf dem Platz. Die Freude endlich wieder mal vor dem Heimpublikum zu spielen wurde zum Alptraum. Man hatte mehr Angst Fehler zu machen, als Freude etwas gut zu machen. Die Spieler haben noch sehr viel Ballast auf den Schultern. Und wenn man mal überlegt, wie die Spieler in der letzten Saison angegangen worden sind, ist das sogar vertretbar.

Bild: Robin Burek.

Vor dem Spiel bei einem Interview auf Magenta-Sport, war Geschäftsführer Peter Vollmann sichtlich mitgenommen, als er über die Bedrohungen und Angst befragt wurde: „Es war unangenehm. Wenn man sich irgendwo in Gefahr fühlt, ist das eine äußerst schwierige Situation. Ich habe mehr oder weniger Angst verspürt, man nimmt einen ungutes Gefühl mit, wenn man aus der Haustür geht.“

Bei jeder Kritik an Peter Vollmann (auch von mir), sowas darf nicht sein. Deswegen ist es auch wenig verwunderlich, dass die Erwartungshaltung und Realität gerade in Braunschweig aktuell sehr weit auseinander liegen. Man tut sich schwer auf das Sportliche zu konzentrieren oder es nur sportlich zu betrachten und analysieren. Die Spieler und Funktionäre sind halt auch nur Menschen.

Die Daten sind ja eigentlich deutlich: Zwei Spiele, nur ein Punkt mit Null zu Vier Toren. Nach den erwarteten Toren sind es auch klare Verhältnisse: 0,76 xG – 3,95 xGA, 0,7 xPts. Der Gegner war zweimal klar besser. Wir spielen keine intelligenten Pässe und keine wirklichen Chancen heraus. Und auch mit einer Viererkette läuft es nicht besser in der Abwehr. Die Ursachen liegen diesmal nicht auf dem Platz, obwohl man auch die taktische Ausrichtung und Mannschaftsaufstellung von Michael Schiele bestimmt kritisieren kann und muss.

Es sind aber vor allem die Probleme im Umfeld, die bestimmt nicht spurlos an den Fußballern vorbei gehen. So war es bestimmt nicht hilfreich mit der gesamten Mannschaft der kompletten Mitglieder-Versammlung beizuwohnen, nur damit sie sich etliche Stunden anhören konnten, was die Mannschaft und Funktionäre in der letzten Saison so alles miterleben mussten und wie viel Zwietracht momentan im Verein eigentlich ist.

Doch sportlich gesehen: Hat man sich bei den Eintracht-Verantwortlichen genug auf diese mentalen Hindernisse und Fallstricke eingestellt? Hat man sie ernst genommen? Oder meinte man, dass man mit Stallgeruch und Zuschauern im Tempel schon wieder alles automatisch gut werden wird?

Das Publikum kann ich nämlich auch verstehen. Seit Jahren Durchhalteparolen, ein Verein, der immer mehr heruntergewirtschaftet wird und wo die Verantwortlichen erst nicht mehr wissen, wie man ein moderner Fussballprofiklub bleiben kann, wenn man eigentlich keiner mehr ist. Uns wurde ein Neustart versprochen: Eine stabilere Eintracht mit mehr Spielwitz nach vorne. Statt einem wirklichen Neustart will man die Fehler von 2018 vermeiden und macht nur halbe Veränderungen. Denn rein sportlich betrachtet sollte man einen neuen Sportdirektor holen. Doch hier hat man die Angst, die Fehler von 2018 zu wiederholen und somit blockiert man sich selbst.

Statt Energie frei zu setzen wird der Druck jetzt wieder größer. Doch Erfolg kommt nur mit Leichtigkeit und diese, wie man bei Viktoria Berlin beobachten konnte, lässt sich nur hart erarbeiten. Deswegen müssen wir uns als Fans und Mannschaft schnell auch im sportlichen Bereich wieder finden. Vor allem muss Eintracht auch verstehen, dass die Fans gebeutelt und aktuell sehr verzweifelt sind – dass sie oftmals leider das falsche Ventil nutzen. Und dass der in der Luft schwebende Unmut eigentlich nichts mit der aktuellen Mannschaft zu tun hat, aber die Mannschaft die Macht besitzt diesen Unmut gänzlich verstummen zulassen.

Ich möchte mich hier auch in der Zukunft auf die sportliche Seite konzentrieren und euch mit Daten und Analysen zuhämmern. Doch dafür müssen wir erstmal so spielen, dass es wieder nur um das sportliche geht.

In diesem Sinne, Eintracht ist alles.

1 Kommentar

  1. Es ist gut geschrieben das muss ich mal sagen.aber wir Fans kriegen Jahr für Jahr zu hören wir müssen Geduld haben. Man kann es schon nicht mehr hören.und ich muss ganz ehrlich sagen es ist die Zeit gekommen und das schon lange Herr Vollmann ist in mein Augen in Braunschweig gescheitert und sollte von alleine gehen.mit freundlichen Gruß

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