Moin ihr Löwen,

was haben die beiden Ligaspiele und das Pokalspiel gegen Hamburg gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Die Löwen zeigten gegen Hamburg eine durchaus gute Offensiv-Leistung. Etwas, was wir als Fans im Liga-Alltag vermisst haben. Dennoch gibt es erschreckend viele Problem-Bereiche, die in allen drei Spielen sichtbar waren, ergebnis- und gegnerunabhängig.

Bild: Robin Burek.

Fangen wir ganz oben in der Eintracht-DNA-Hierarchie an. Die Löwen kämpften und wehrten sich augenscheinlich gut im Pokalfight gegen den HSV. Schaut man jedoch auf die einzelnen Zweikämpfe, verliert Eintracht in allen drei Pflichtspielen mehr Zweikämpfe als der Gegner. Nur zwischen 42 und 44 % liegt hier der Zweikampfwert der Löwen. Die meisten Zweikämpfe werden in der Offensive verloren. Gewinnt der Gegner in der Regel über 40 % seiner Offensivduelle gegen die Löwen, haben wir die 40 % Marke in den Pflichtspielen noch nicht geknackt. Umgekehrt in der Defensive gewinnt der Gegner mehr als 60 % seiner Zweikämpfe, bei uns sind es logischerweise unter 60 %.

Wir sind aktuell die zweikampfschwächste Mannschaft der Liga. Das kann sich schnell ändern, doch besondere Aufmerksamkeit verdient dieser Bereich alle mal. Geschäftsführer Sport, Peter Vollmann, bezeichnete die 3. Liga mal als „eine Zweikampf-Liga“. Dafür, dass die Liga ja so zweikampfbetont sein soll, fällt schon sehr stark auf, dass nicht vorwiegend zweikampfstärkere Spieler verpflichtet werden.

Zweikampfschwächere Spieler sind z.B. Kobylanski, Henning, Ihorst, Schlüter, Kijewski, Otto und May. Obwohl ich bei Kijewski eine Steigerung erwarte, sobald er wieder durch Spielpraxis seine Sicherheit wiederfindet. Was auch auffällt, sind die vermeintlich offensiveren Spieler wie Henning und Ihorst, die in der Zweikampfstatistik wirklich nicht gut abschneiden. Besonders Ihorst macht mir hier sorgen, denn aktuell gewinnt er im Schnitt nur jeden vierten Zweikampf.

Der in Ingolstadt heiß gehandelte Jannis Nikolaou kann seinen Mythos als zweikampfstarker Spieler in dieser Saison noch nicht rechtfertigen. Er hat bisher nur 50 % seiner Zweikämpfe gewonnen. Besonders anfällig ist er bei Kopfballduellen. Das gilt übrigens auch für die ganze Braunschweiger Mannschaft. Lufthoheit? Fehlanzeige.

Es fehlt auch an Kreativität

Wäre die fehlende Zweikampfstärke die einzig größere Schwäche, würde ich mir weniger Sorgen machen. Doch es fehlt neben Härte auch an Kreativität. Eintracht spielte bisher in den drei Spielen zwei intelligente Pässe, der Gegner 11. In den drei Spielen spielten wir nur vier Schlüsselpässe. Die Eintracht versucht es meistens mit einfachen progressiv Pässen in die Nähe des gegnerischen Strafraum zu kommen. Im Pokalspiel klappte dies teilweise vor allem durch das Umschalten und einer tiefstehende Abwehrreiche, die dieses Umschaltspiel möglich machte. Hat man jedoch einen tiefstehenden Gegner vor sich, wird man schnell Probleme bekommen, denn man kann den gegnerischen Abwehrriegel ohne intelligente Pässe nicht knacken.

Bild: Robin Burek.

„In der 3. Liga ist die Atmosphäre nicht wie in der Bundesliga. Da spielt die Bratwurst noch eine große Rolle und vor allem der Fußball selbst auch.“

Peter Vollmann

Im Kreativspiel gibt es wenig Lichtblicke, so mager ist hier die Anzahl der Versuche, geschweige denn des Erfolgs. Man sollte jedoch überlegen, wie man Kobylanski und Wiebe besser ins Spiel bringen kann. Besonders Wiebe geht mir hier als Rechtsverteidiger unter. Er war immerhin unser kreativster Mann in der letzten Saison. Ich finde, man sollte ihn auf der Sechs spielen lassen. Damit stehen ihm mehr Passoptionen als an der Seitenlinie zur Verfügung und er kann damit seine Kreativität voll entfalten.

Das Einzige, was mich hier hoffnungsfroh stimmt, ist, dass die Eintracht es gegen den HSV geschafft hat, sich auch mal vorne festzubeißen und vor allem durch Standardsituation genügend Ballkontakte im gegnerischen Strafraum bekommen hat um auch für Gefahr zu sorgen. Dennoch muss man sich in diesem Bereich gewaltig steigern, will man auch einem tiefstehenden Gegner die Stirn bieten.

Wie geht’s weiter?

Eintracht muss vor allem im Aufbauspiel besser werden, aber wie ich beweisen konnte, brauchen wir auch mehr Zweikampfsicherheit. In der aktuellen Form wäre es für mich kein Verlust, Nikolaou abzugeben. Doch leider vertraue ich auch den Verantwortlichen nicht einen adäquaten Ersatz zu finden. Somit kann man nur hoffen, dass Nikolaou seine Zweikampfstärke wieder findet, oder sogar seine Kreativität.

Pokal hin oder her, wird Eintracht seine Zweikampfstärke und Kreativität nicht finden, wird die Punkteausbeute auch in den nächsten Spielen mager bleiben. Dass Michael Schiele aber seine Mannschaft zu mehr Kreativität beflügeln und Zweikampfstärke erzeugen kann, zeigte er schon in Würzburg. Hoffen wir, dass er es auch bald in Braunschweig schafft.

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