Moin ihr Löwen,

es gibt viel zu analysieren zu den letzten Spielen. War der Sieg in Halle aus Datensicht noch etwas glücklich, konnten die Löwen gegen den FSV Zwickau endlich auch mal spielerisch und aus Sicht der Daten überzeugen. Viele kreative Pässe, ein gutes Zweikampfverhalten und taktisch clever. Man konnte nicht nur beim Einsatz eine Steigerung beobachten, sondern vor allem in den spielerischen Lösungen sehen. Das macht mir Mut!

Ein wenig haben mir die Jungs gestern nämlich die Story versaut. Die Datenanalyse von CreateFootball war vor dem Spiel eindeutig: Schlechte Positionierung bei Abschlusssituationen, die wenigsten Chancen kreiert, ungenaues Passspiel im Aufbau, wenig Kreativität im Offensivdrittel und damit kaum Pässe, die viele Gegner aus dem Spiel nehmen, und vor allem fehlende Qualität im Zweikampfverhalten.

So konnten wir gegen Zwickau eine deutliche Leistungssteigerung insbesondere bei den spielerischen Lösungen beobachten. Allerdings gibt es hier noch Luft nach oben. Auch Michael Schiele kritisierte nach dem Spiel, dass manche Situationen noch „zu schlampig“ zu Ende gespielt wurden. Ich habe nichts dagegen, wenn Offensivspieler auch mal ihr Glück versuchen. Doch es ist genau das: ein Glücksspiel. Hier wäre in der einen oder anderen Situation das Abspielen auf den freien Mann die bessere Variante.

Bild: Robin Burek

Verletzungspech

Souverän 2:0 gewonnen – umso bittererer ist, dass sich wieder Schlüsselspieler verletzt haben. Das Ergebnis und die Entwicklung werden somit ein wenig zunichtegemacht und man weiß als Fan nicht, wie wir nächste Woche spielen oder ob wir uns gar zurückentwickeln. Wir haben die Saison mit einem dünnen Kader begonnen, jetzt droht er noch dünner zu werden. Es wird bald schwer, Ersatzspieler zu finden. Obendrein muss man wohl auch taktische Veränderungen erwarten, weil man die Stammelf nicht mehr zusammen bekommt.

Klar, man kann jetzt vieles aufs Pech zurückführen. Dass sein Gegenspieler Michael Schultz im Zweikampf die Nase bricht, muss man als Unglück bezeichnen. Doch zum Beispiel ist die Sache bei der Verletzung von Benjamin Girth schon wesentlich komplizierter. Er war zunächst angeschlagen, trainierte dann wieder mit und bei einer zu hohen Belastung verletzte er sich scheinbar noch schlimmer. Das darf nicht passieren.

Wir wissen nur zu gut, dass zum Beispiel Schmerzmittel im Profifußball regelmäßig missbraucht werden. Auch wissen wir von dem Druck, die Spieler rechtzeitig fit zu bekommen. Bei einem kleinen Kader wie bei der Eintracht ist dieser Druck besonders groß. So werden schnell menschliche Fehler gemacht. Auch die 3. Liga spielt eine Rolle. Laut des VBG-Sportreports sind die Verletzungsraten in der 2. Liga höher als in der 1. Liga. Man geht davon aus, dass dies am höheren kämpferischen Element der Liga liegen könnte.

Ich denke, da die 3. Liga noch viel kämpferischer ist als die 2. Liga, kann man durchaus davon ausgehen, dass auch hier die Verletzungsrate einer Mannschaft eher hoch liegen dürfte. Überhaupt, über 80 % der Spieler verletzten sich mindestens einmal in der Saison. Deswegen war es wichtig auch noch auf dem Transfermarkt nachzulegen, wie wir es heute am Sonntag auch gemacht haben. Vielleicht können weitere Zugänge noch folgen. Hier sollte man in dieser Liga besonders darauf achten, dass Spieler geholt werden, die hart im Nehmen sind und keine allzu große Verletzungshistorie hinter sich haben.

Fehlende Alternative?

Es ist offensichtlich, dass uns die Stürmer ausgehen. Neben Girth und Sebastian Müller haben wir Nick Proschwitz abgegeben – und jetzt wird vermutlich auch Luc Ihorst länger fehlen. Und wenn sie wieder voll trainieren können, sind sie erstmal nicht mehr auf dem Stand, auf dem sie ausgefallen sind. Das beste Beispiel ist Martin Kobylanski, der verletzt oder krankheitsbedingt länger ausgefallen ist. Laut Schiele hat er immer noch „Fitnessprobleme“.

Sollte dazu noch Bryan Henning länger ausfallen, könnte uns auch dies weitere Probleme bereiten. Daher gehe ich davon aus, dass wir taktisch wieder etwas verändern werden. Schon vorher mussten wir wegen des Stürmermangels von einem zweier Sturm abweichen und auf eine 4-2-3-1-Formation umstellen (gegen den Ball ein 4-4-2).

Die Aufstellung gg. Zwickau laut Wyscout. In Wirklichkeit war es eine 4-2-3-1 -Formation, aber gegen den Ball ein 4-4-2.

Ich habe mich mal mit der Scouting- und Ratingfirma Global Soccer Network über die einzelnen Spieler unterhalten. Sollten Henning, Ihorst und Schultz ausfallen, oder muss man mal einen Spieler schonen, gibt es noch die Möglichkeit, Danilo Wiebe im defensiven Mittelfeld spielen zu lassen und dafür Nikolaou als Innenverteidiger einzusetzen. Auch Wiebe kann notfalls als IV spielen. Luis Görlich wäre dann eine gute Alternative auf der Rechtsverteidigerposition.

Auch Jomaine Consbruch wartet noch auf seine Chance. Laut GSN ist er am stärksten im defensiven Mittelfeld und nach dem GSN-Index ein Top-Spieler der 3. Liga. Er hat ein gutes Tempo und Zweikampfverhalten, dazu eine gute defensive Entscheidungsfindung. Seine Schwächen liegen im Passspiel und im Spiel gegen den Ball. Ich persönlich würde zudem auch Felix Stumpe gern mal auf dem Platz sehen.

Und vielleicht wäre ja IV-Probespieler Abdoulaye Ousmane eine Lösung. Er hat seine Stärken im Tempo und in längeren Distanzen. Auch stark ist er im Defensivspiel insbesondere in den Bereichen Entscheidungsfindung und Antizipation sowie im 1 vs. 1 -Spiel. Seine Schwächen hat er im Passspiel, Kopfballspiel und beim ersten Kontakt.

Eine interessante Personalie bleibt die Stürmerposition. Hier hat jetzt Yari Otto seine Chance, die er unbedingt nutzen muss. Gegen Zwickau machte er kein schlechtes Spiel, doch er muss definitiv noch an seiner Torgefährlichkeit und seinem Zweikampfverhalten arbeiten. Seine Passquote mit 94 % lässt sich aber sehen.

Kann aber auch sein, dass sich Otto wieder erstmal hinten anstellen muss. Denn wie die Eintracht am Sonntag mitteilte, stößt Stürmer Lion Lauberbach zu den Löwen. Der Linksfuß ist auch Linksaußen einsetzbar. Wie er uns in Sachen „Lufthoheit verbessern soll“, wie Peter Vollmann es ausdrückte, ist mir erstmal ein Rätsel, denn er kann nur 26 % gewonnene Kopfballduelle aus der Saison 2020/21 vorweisen.

Fazit

Es geht voran! Bleibt nur zu hoffen, dass die Ausfälle nicht zu dramatisch sind. Die Alternativen auf der Bank haben fast alle ein eher schwächeres Passspiel und Probleme im Zweikampfverhalten. Somit gehe ich davon aus, dass hier Eintrachts Achillesferse liegt.

Quellen:

Wyscout

Eintracht.com

GSN

CreateFootball

VBG

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