Moin ihr Löwen,

heute schauen wir uns mal das Braunschweiger Aufbauspiel (organisierte Offensive) genauer an. Mit einer Passquote von 79,7 % liegt die Eintracht im Mittelfeld der Liga. Dagegen sind wir mit nur 46,2 % Ballbesitz einer der Mannschaften, die den Ball gerne erstmal dem Gegner überlässt und auf eine Umschaltsituation wartet. Nun werfen wir einen Blick auf genau die Momente, in denen Eintracht den Ball hat und das Spiel aufbauen kann oder „muss“.

Bild: Robin Burek

Die Phase des Spielaufbaus (organisierte Offensive)

Grundsätzlich muss man in der Aufbauphase drei verschiedene Abschnitte unterscheiden: Spielaufbau, Spielfortsetzung und Angriffsabschluss/Spiel im letzten Drittel, je nachdem wie hoch eine Abwehrlinie steht. Ob der Gegner hoch oder tief steht, ist entscheidend dafür, wie Eintracht den Spielaufbau gestaltet. Grundsätzlich kann man bei unserem Team unter Michael Schiele eine „Konservative“ 4-2-3-1-Formation beobachten. Das bedeutet, dass es wenig unkonventionelle oder kreative Verschiebungen gibt.

Spielt der Gegner kein aggressives Angriffspressing, benutzt man im Aufbau aus der Defensive eine pendelnde Viererkette, in der sich der ballferne Außenverteidiger nach vorne schiebt. Kommt der Innenverteidiger auf seiner Seite in Ballbesitz, zieht sich der nun ballnahe Außenverteidiger zurück und bietet sich als Anspielstation an. Diese Bewegung gibt dem nun ballfernen Außenverteidiger die Möglichkeit vorzurücken. So lässt sich auch das Spiel verlagern, wenn optimal gespielt wird.

Eine pendelnde Viererkette

Auch die Doppelsechs setzt sich jetzt in Bewegung. Während der ballferne Sechser nach vorne rückt, zieht sich der ballnahe Sechser zurück, um eine Anspielstation zu bieten. Doch mehr ins Detail gehen wir gleich noch. Schauen wir uns nun das Aufbauspiel der Braunschweiger genauer an.

Torwartspiel mit dem Ball

Jasmin Fejzic ist nicht bekannt für seine Künste mit dem Ball. Dennoch hat er mit 70 % eine ordentliche Langpassquote und mit 98,6% eine exzellente Kurzpassquote in Pflichtspielen. Bei Torwart-Abstößen, die es in dieser Saison im Schnitt 7,79 Mal pro Spiel gibt, spielt Eintracht im Schnitt 4,7 kurz und 3,09 lang. Ob man dieser Wyscout-Statistik aber voll und ganz trauen kann, ist nicht abschließend zu klären, da die TV-Bilder sehr oft den Torwart-Abstoß nicht zeigen.

Sollte der Gegner sehr hoch stehen bei einem Torwart-Abstoß, versucht die Eintracht das Spiel meistens mit einem Kurzpassspiel aufzubauen. Die zwei Innenverteidiger postieren sich direkt neben dem Torwart, die Außenverteidiger dagegen etwas höher und diagonal. Einer der Sechser bietet sich in der Mitte an, damit er anspielbar ist, wenn der Innenverteidiger den Ball bekommt. Gelegentlich benutzt Eintracht beim hohen Pressing des Gegners auch einen lange Abstoß-Variante.

Kurzer Abstoß – Gegner im Angriffspressing

Beim direkten Anlaufen des Gegners spielt Jasi oft den langen Ball direkt nach vorne oder sucht die Außenspieler. Hier kommt es zu den meisten Fehlpässen. Trotzdem ist unser Keeper mit 46 erfolgreichen Distanz-Pässen der beste Langpassspieler im Team. Mit 39,23 m kommt er auch auf die längste durchschnittliche Passlänge bei der Eintracht.

Aufbauspiel Innenverteidiger

Haben die Innenverteidiger Brian Behrendt oder Michael Schultz den Ball, so können wir bei ihnen verschiedene Muster beobachten, wie sie mit dem Ball umgehen. Beide sind Rechtsfüßer. Schultz ist dabei der IV, der mit seinen Pässen die wenigsten Risiken eingeht. In seinen 599 Minuten in der 3. Liga spielte Schultz den Ball meistens eher kurz. Mit 184 erfolgreichen von 199 kurzen und mittleren Pässen ist er der zweitbeste im Team. Einen Ball in die Tiefe sucht er nur selten. In der 3. Liga spielte er im Aufbau 48 Pässe, von denen 39 ankamen.

Aufbau der IVs (Quelle: Wyscout)

Da beobachten wir bei seinem Nebenmann Behrendt ein anderes Vorgehen. Im Vergleich sucht er öfter die Tiefe und scheut sich auch nicht, mal einen risikoreichen Pass zu spielen. Mit einer Langpassquote von 59 % und eine Progressivpassquote von 80 % ist Behrendt einer der besten „Tiefspieler“ im Team. Im Schnitt spielt er die zweitmeisten progressiven Pässe nach vorne: 11,25 pro 90 Minuten. In der 3. Liga kommt er im Aufbau auf 64 Pässe, von denen 48 ankamen. Behrendt ist auch der Innenverteidiger, der bei uns die meisten Bälle in das letzte Drittel spielt.

Beide Innenverteidiger sind vom Typ her keine mitspielenden IV. Somit hat Eintracht hier im Aufbau nicht immer die besten Karten in Sachen Kreativität. Bei schnellen Balleroberungen (Umschalten) oder beim Anlaufen des Gegners werden oft unsaubere Pässe gespielt. Einen Gegenspieler dribbelt man nur selten an. Wenn es aber jemand tut, ist es normalerweise Behrendt, der auch die meisten Vorstöße (progressive Läufe) von den beiden macht. Im Schnitt suchen seine Mitspieler ihn 26,84 Mal pro Spiel, bei Schultz liegt dieser Wert bei 20,82.

Aufbauspiel Außenverteidiger

Die beiden Außenverteidiger Niko Kijewski und Danilo Wiebe haben im Aufbauspiel der Braunschweiger eine wichtige Rolle. Die pendelnde Viererkette, wie oben beschrieben, ist von den beiden abhängig. Dabei schiebt sich einer der beiden im Wechsel nach vorne und ist damit in der Spielfortsetzung anspielbar. Im Aufbau haben beide eine eher schlechte Passquote von 66 % bzw. 68 %. Das liegt daran, dass unsere AV sehr oft bewusst die Tiefe im Spiel suchen. Die meisten Pässe sind direkt an die Offensivspieler adressiert, oft auf der Außenbahn entlang oder in die Halbräume hinein. Zusammen spielen die beiden im Schnitt 17 erfolgreiche progressive Pässe nach vorne pro Spiel, wobei Kijewski diese Pässe etwas öfter und präziser spielt als Wiebe.

Aufbauspiel der Außenverteidiger (Wyscout)

Beide laufen selten mit dem Ball in die Tiefe. Wenn es dazu kommt, ist es meist eher Wiebe. Er versucht sich auch häufiger an Steilpässen, doch meistens fehlt ihm dabei die Präzision. Allerdings gehört diese Analyse eher zum Teil Fortsetzungsspiel, dem wir uns ein anderes mal widmen werden.

Aufbauspiel defensives Mittelfeld

Unsere beiden Sechser Jannis Nikolaou und Robin Krauße sind beide im Aufbauspiel sehr unterschiedlich, auch wegen der Rollenverteilung. Nikolaou spielt mehr lange Bälle und progressive Pässe als Krauße, wobei unser Robin diese sehr viel präziser spielt als Jannis. Dafür spielt Krauße mehr kurze Pässe direkt an seinen Nebenmann. Beide haben im Aufbau eine ordentliche Passquote zwischen 78 % und 80 %. Nur Krauße greift ab und an auf das Dribbling zum Spielaufbau zurück. Er macht auch mehr progressive Läufe.

Unsere Sechser im Aufbauspiel (Wyscout)

Da die beiden sehr oft im Spiel angespielt werden – im Schnitt sind es zusammen über 43 Mal pro Spiel – sind sie der Motor im Mittelfeld und eng miteinander verbunden. In den durchschnittlichen Positionsauswertungen stehen sie meistens auf „einem Fleck“. Sie tauschen ihre Rollen regelmäßig, wechseln die Positionen, beteiligen sich aktiv am Aufbauspiel und bieten Anspielstationen für ihre Mitspieler.

Hier ein gutes Beispiel vom Muster im Aufbauspiel. Erkennbar sind das Pendeln des ballfernen Außenverteidigers, der Positionswechsel von Nikolaou und Krauße sowie die Bewegungen von den beiden beim Passspiel.
Die Sechser auf einen „Fleck“ im Passspiel gegen 1860 (Wyscout).

Der Rest der Mannschaft im Aufbauspiel

Wir haben jetzt den Torwart, die Innenverteidiger, Außenverteidiger und Sechser im Aufbauspiel analysiert. Doch was ist mit dem Rest der Mannschaft? Das ist ehrlich gesagt nicht immer ganz leicht auf den TV-Bildern zu erkennen. Klar ist, dass die Außenstürmer Enrique Peña Zauner und Maurice Multhaup sehr oft die Positionen wechseln. Außerdem sind die beiden zentralen Offensivspieler anspielbar und auch dort finden Positionswechsel statt. Besonders die Außenverteidiger spielen oft im Aufbauspiel die Offensivspieler an und sind damit ein wichtiger Bestandteil im Fortsetzungsspiel. Doch auch die Innenverteidiger und Jasmin Fejzic suchen immer wieder direkt die Offensivkräfte im Aufbauspiel.

Die Außenverteidiger neigen dazu die Außenstürmer anzuspielen, während die zentrale Defensive eher die zentralen Spieler sucht. Hier könnte man etwas häufiger auch mal die Seiten wechseln und somit das Spiel verlagern. Doch dazu werden wir in einem folgenden Beitrag ausführlicher zu Sprechen kommen. Klar ist, dass die Eintracht oft versucht, das Spieltempo auszunutzen, die schnellen Außenstürmer zu schicken, mit einem Doppelpass die Offensivspieler ins Spiel zu bringen oder die zweiten Bälle im letzten Drittel zu gewinnen, um umzuschalten.

Fazit

Das Aufbauspiel der Braunschweiger ist meistens schnell und auch nicht ohne Risiko. Hier fehlt teilweise die Präzision und Pressingresistenz, um das direkte Anlaufen des Gegners besser zu überspielen. Die Mannschaft ist eingespielt und wirkt in diesem Bereich ziemlich sicher. Wir sollten uns aber ruhig auch mal in 1-vs-1-Dribbelaktionen trauen und das Spiel vermehrt verlagern.

Quellen: Wyscout, sechzger.de.

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