Warum es die Bees geschafft haben, innerhalb von elf Jahren von der dritten englischen Liga in die Premier League zu fliegen

„Über den Tellerrand geschaut“

In unserer neuen Serie „Über den Tellerrand geschaut“ geht es um Vereine in Europa, die als Underdog äußerst bemerkenswerte Erfolge erzielen und dafür neue Wege gehen.

Den Anfang macht der FC Brentford.

Einführung

Sommer 2007 – der FC Brentford steigt wieder einmal in die Second Division ab, also in die dritte beziehungsweise vierte Liga in England.

Sommer 2021 – der FC Brentford schafft den Aufstieg in die Premier League und dies wenig überraschend, ein Jahr zuvor war man noch in letzter Sekunde in den Play-Offs gescheitert. Gegen den FC Arsenal (Gesamtmarktwert des Kaders 548 Millionen Euro) gelingt Mitte August in der Premier League ein 2:0-Sieg, gegen den FC Liverpool (Gesamtmarktwert knapp 880 Millionen Euro) Ende September ein viel beachtetes Drei zu Drei.

Eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte, die aber relativ wenig mit Zufall und Glück zu tun hat, sondern sehr viel mit einer neuen Sichtweise, innovativen und kreativen Ideen, einem neuen Konzept und einer klaren Strategie.

Zu Stadt und Verein

Brentford  liegt im äußeren Westen Greater Londons, es leben dort knapp 15 000 Einwohner. Ein „Big-City-Club“ ist der FC Brentford demnach nicht gerade, er ist eher vergleichbar mit Unterhaching oder Altglienicke als mit Union oder 1860.

Brentford  FC wurde am 9. Oktober 1889 gegründet, die Biene wurde eher durch ein Missverständnis zum Wappentier. Die Vereinsfarben sind rot, weiß und schwarz. 1935 stieg der Verein das erste Mal in die erste englische Liga auf, damals First Division genannt.  Nach dem Abstieg 1947 aus der höchsten Spielklasse fand sich Brentford zwischen den Fünfziger und Neunziger Jahren meist in der dritten und vierten Liga wieder. Bis 2007 kam man nicht über die League One hinaus. Der FC Brentford ist zwar ein Traditionsverein, aber ein Traditionsverein ohne Erfolgs- und Titel-Tradition.

2007 bis 2009 spielte man in der Second Division, dann bis 2014 in der League One (jeweils dritte Liga, das Liga-System wurde zu der Zeit in England umstrukturiert), 2014 stieg man in die Championship auf, dieses Jahr schließlich in die Premier League.

Die aktuelle Situation des Vereins

Um so bemerkenswerter bei dieser zwar langen, jedoch relativ „dünnen“ Historie und den sehr bescheidenen Voraussetzungen ist der große Erfolg der letzten gut zehn Jahre.

Die wichtigste Grundlage dafür ist, dass sich die Verantwortlichen von Anfang an absolut im Klaren darüber gewesen sind, dass man nicht den gleichen Erfolg erzielen kann, wenn man die Vorgehensweise der großen Vereine einfach kopieren würde, sondern dass man als Underdog andere Wege gehen muss, dass man finanzielle und strukturelle Nachteile nur mit neuen Ideen ausgleichen kann.

Kurz gesagt ist es eine perfekte David-gegen-Goliath-Geschichte. Malcolm Gladwell hat eine Reihe solcher Geschichten in seinem Buch „David und Goliath. Die Kunst, Übermächtige zu bezwingen“ unter die Lupe genommen. Der FC Brentford erzählt seine eigene:

Tranfermarkt.de zufolge beträgt der aktuelle Marktwert des Teams 166 Millionen, damit hat man in der Premier League für die Saison 2021/2022 nur den drittschwächsten Kader zur Verfügung. In der Tabelle jedoch befindet man sich im Moment (Anfang/Mitte Oktober) auf dem siebten Platz (7. Spieltag).

Trainer und Co-Trainer sind Dänen (seit 2018 Thomas Frank, vorher bei Bröndby und Dänemarks U-Nationalmannschaften tätig, und Brian Riemer), Sportdirektor ist mit Rasmus Ankersen ebenfalls eine Däne.

Aktuell stehen unter anderem ein Deutscher (Janelt), ein Norweger, ein Finne, ein Schwede und sieben Dänen unter Vertrag, was ebenfalls kein Zufall ist –  dazu später mehr.

Seit 2020 spielen die Bees im neuen Brentford Community Stadium (Fassungsvermögen 18.250 Zuschauer). Den altehrwürdigen Griffin Park, in dessen unmittelbarer Umgebung es an jeder Straßenecke einen Pub gibt, hat man dafür verlassen.

In den sechs Jahren der Zugehörigkeit zur Championship konnte der FC Brentford ein Tranferplus von fast 116 Millionen Euro erwirtschaften, war also nicht nur sportlich, sondern auch finanziell sehr erfolgreich beziehungsweise konnte das sportliche Vorankommen finanzieren mit einer äußerst klugen Transferpolitik. Spieler mit viel Potential, die bis dahin von anderen Vereinen übersehen worden sind, über datenbasiertes Scouting zu finden, sie auszubilden, um sie dann für viel Geld zu verkaufen ist ein wesentlicher Bestandteil der neuen DNA des Vereins.

Für die erste Saison in der Premier League ist man allerdings zum ersten Mal mit 37 Millionen Transferinvestitionen ins Minus gegangen und konnte dafür von dem Polster profitieren, welches man sich die vergangenen Jahre erarbeitet hat.

Die Protagonisten – Matthew Benham und Rasmus Ankersen

Die Väter des Erfolges sind Matthew Benham als Eigentümer und Rasmus Ankersen als Sportdirektor.

Matthew Benham hat Physik in Oxford studiert, arbeitete dann für die Bank of America zuletzt im Vorstand, entwickelte erst mathematische Modelle für die Berechnung von Aktienkursen und schließlich von Fußballspielen. Mit seiner Firma Smart Odds wurde er über Fußball-Wetten, die auf diesen Modellen basieren, zum Multi-Millionär.

Als Naturwissenschaftler ist er über die Jahre zu einer Art neuen Fußballwissenschaftler geworden, dem es immer besser gelingt, den Zufall so weit wie möglich zu minimieren.

Zusammen mit Rasmus Ankersen hat er viele „ewige“ Weisheiten des Fußballs über Bord geworfen und viele heilige Kühe geschlachtet. Innovationen kommen meist von außen. „Thinking outside the box“ fällt leichter, wenn man sich nicht in der Box befindet. Ein Insider hätte dafür nicht den Mut aufgebracht. Benham ist ein absoluter Außenseiter. 2012 übernahm er seinen Jugendverein als Eigentümer.

Rasmus Ankersen, geboren 1982 in Herning, Dänemark, musste seine Fußball-Karriere beim FC Midtylland nach seinem ersten Profi-Spiel wegen einer Knieverletzung beenden. Nach ersten Jahren im Trainerteam seines Vereins bereiste er die Welt und verfasste auf Basis seiner Erfahrungen einige sehr erfolgreiche Bücher wie „Hunger in Paradise“ und „The Goldmine Effect“, in dem er beispielsweise entschlüsselt,warum die meisten erfolgreichen Sprinter der Welt aus einem Verein in Kingston, Jamaika (z.B. Usain Bolt) oder die allermeisten erfolgreichen Langstreckenläufer der Welt aus einem Dorf in Kenia stammen. Fast immer ist ein einziger Trainer, der ebenfalls als „Outsider“ zu seinem jeweiligen Sport gekommen ist, einer der entscheidendsten Faktoren.

Andere wichtige Erkenntnisse sind beispielsweise der „Outcome Bias“ (der Irrtum, Entscheidungen ausschließlich nach Ergebnissen zu bewerten, während man das Zustandekommen ignoriert),  „Was Du siehst, ist nicht immer, was Du bekommst“, „Überschätze nie Zertifikate, unterschätze nie den Charakter“, „Großes Talent bedeutet nicht zwangsläufig das richtige Talent“,  „Unterscheide immer Potential und Performance“ oder „Die wichtigste Grundlage für Erfolg ist die richtige Denkweise.“

Die absolut faszinierende Pointe an seiner Geschichte ist, dass er erst vor ein paar Jahren eher zufällig erfahren hat, dass ausgerechnet sein kleiner Heimatort ein riesiges Reservoir für erfolgreiche Eishockey-Spieler geworden ist. Fast die Hälfte der dänischen Nationalmannschaft kommt aus Herning, vor allem aber haben es in den letzten neun Jahren fünf Spieler, die in Herning geboren sind, in die NHL geschafft haben. In der Wissenschaft nennt man dieses Phänomen inzwischen Birthplace Effect.

Auch als Redner ist Ankersen ein gefragter Mann.

Nachdem er Matthew Benham kennengelernt hatte, wurde er Sportdirektor beim FC Brentford und beim FC Midtylland.

Das Erfolgsmodell – datenbasiertes Scouting

Die Analyse der eigenen Möglichkeiten ergab wie gesagt, dass man mit herkömmlichen Methoden und weniger Geld nicht erfolgreich sein kann.

Es ist also nochmals zu betonen: „Wenn David Goliath besiegen will, kann man das nicht mit den gleichen Waffen tun“, so Rasmus Ankersen, gegenüber der englischen Seite Talksport.

Daher entwickelte man auf Basis von Benhams Wett-Modellen ein Scouting-Modell und sucht vornehmlich in Ligen mit einem deutlich geringeren Gehaltsniveau nach neuen Spielern.

Dafür versucht man, quasi global Mannschaften und Spieler vergleichbar zu machen, um Spieler zu finden, die sich auf einem etwas höherem Niveau zu finden, die aber auf Grund der „unwichtigeren“ Liga einen deutlich geringeren Marktwert und dementsprechend niedrigere Gehaltsvorstellungen haben. Dass man dafür vor allem in Skandinavien scoutet, ist kein Zufall, schon wegen Ankersens Herkunft. Darüber hinaus ist man der Auffassung, dass Spieler aus diesen Ländern generell anpassungsfähiger und disziplinierter sind.

Daten sind ein großer Teil des Rekrutierungsprozesses“, erklärt Ankersen bei Bleacher Report. „Es gibt keinen Spieler, den ich jemals in Brentford rekrutiert habe, ohne dass Daten zu Wort gekommen wären, aber auch keinen Spieler, der ohne die traditionelle Methode rekrutiert worden wäre.“  „Man sucht Spieler, die Potenzial haben und analysiert den Kontext: Warum haben sie ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft?“

Ein weiteres wesentliches Element für das Scouting ist die Entwicklung von Key Performance Indikatoren (KPI) wie zum Beispiel „gefährliche Pässe“, mit denen man nicht nur Spieler und Trainer bewertet, sondern auch Profile für Positionen erstellt, was das Scouting wesentlich effizienter macht.

Außer in Skandinavien scoutet der FC  Brentford aber beispielsweise auch in der zweiten französischen Liga und sowie in den unteren Ligen Englands. Ein Beispiel ist Ollie Watkins, ein fünfundzwanzigjähriger Mittelstürmer, den man 2017 für 7,2 Millionen von Exeter verpflichtete, um ihn 2020 für 32 Millionen an Aston Villa zu transferieren. Seit diesem Jahr ist er englischer Nationalspieler.

Ein andere Entdeckung ist Vitaly Janelt, ein zweikampfstarker und sehr ballsicherer linksfüßiger Sechser, den man 2020 für 600 000 vom VfL Bochum verpflichtete. Inzwischen ist er Stammspieler in der PremierLeague, U21-Europameister und steht im Notizbuch von Hansi Flick, sein Marktwert liegt mittlerweile bei sieben Millionen.

Mit Oliver Heil (als Spieler früher bei Mainz 05 II und Darmstadt 98) ist einer der vier Scouts ein Deutscher. Vorher hat er als Analyst für den FC Midtylland gearbeitet.

Benham und Ankersen haben für den Fußball – ähnlich wie vorher Billy Beane (Mister Moneyball) für den Baseball – Pionierarbeit geleistet, was das datenbasierte Scouting betrifft und damit eine neue Sichtweise auf den Fußball entwickelt, eine wissenschaftlich-ökonomische, die ungleich rationaler und objektiver ist und zumindest auf den ersten Blick weniger traditionell und emotional wirkt.

Das generelle Ziel dabei ist es, den Zufall, der im Fußball im Vergleich zu vielen anderen Mannschaftssportarten eine größere Rolle spielt, so weit es geht zu minimieren.

Ihre Maxime „Die Tabelle lügt immer, der subjektive Eindruck häufig, die Zahlen jedoch nie“ klingt erst einmal sehr provokativ, trifft aber offensichtlich zu und ist die Grundlage ihres beeindruckenden Erfolges.

Zahlen alleine reichen Ankersen jedoch nicht, unter anderem durchforstet man für das Scouting die Foren von Vereinen nach Informationen über interessante Spieler, um so ein breiteres Bild zu bekommen.

Der Blick über den Tellerrand ist ihnen darüber hinaus für ihre Arbeit sehr wichtig, sie orientieren sich an anderen Sportarten und an ökonomischen Kreisläufen und Parametern und holen sich dort vielfältige Impulse und Anregungen. Auf diese Weise soll die Professionalisierung auf allen Ebenen vorangetrieben werden.

Die „Uhr-Struktur“

Ein ganz wesentlicher Faktor ist zudem die neue Vereinsstruktur, die Ankersen mit einer Uhr vergleicht:

Der Cheftrainer sei sozusagen der Sekundenzeiger, also für die tägliche Strategie verantwortlich, die Direktoren des Fußballs – Ankersen und Phil Giles – seien der Minutenzeiger, also verantwortlich für die mittelfristige Strategie, konzentriert auf Transfers und Kaderplanung, und der Vorstand einschließlich Benham der Stundenzeiger, verantwortlich für langfristige Strategie und Ziele. Es gibt also nicht mehr –  wie sonst in England – einen Manager, der alleine für alles verantwortlich ist.

Die häufigen Trainerwechsel in den letzten Jahren zeugen zum einen davon, dass nicht jeder Trainer mit dieser Struktur für längere Zeit zurechtkommt. Die Erfolge zeigen jedoch zum anderen, dass selbst eine größere Fluktuation auf dieser Position nicht zwangsläufig negativ sein muss. Thomas Frank, der Aufstiegstrainer, ist im Übrigen schon seit 2018 im Amt. Von seinen ersten zehn Spielen gingen acht verloren, mit ihm hat man demnach von Beginn an Geduld gehabt. Sein Gesamtschnitt beträgt inzwischen 1,72 Punkte/Spiel.

Universelle Entwicklung der Spieler

Ein anderes sehr wichtiges Element ist die Entwicklung und Verbesserung der Spieler in allen Bereichen und auf allen Ebenen.

Ankersen erläutert dies in einem Interview folgendermaßen: „Unser Modell der Spielerentwicklung ist genauso wichtig wie die Rekrutierung. Die jungen Spieler, die wir mitbringen, sind sehr selten das fertige Paket (…) und wir geben eine Menge Ressourcen und Geld aus, um diese Spieler zu entwickeln, sobald sie das Gebäude betreten.“ Für diese Entwicklung hat man extra einen Koordinator für Talentförderung unter Vertrag.

Außerdem beschäftigt der FC Brentford unter anderem einen Neurobiologen und eine beachtliche medizinische Abteilung, um Verletzungen auf ein absolutes Mindestmaß zu begrenzen.

Andere wichtige Bereiche sind Ernährung und Schlaf, seit 2016 arbeitet der Verein mit einer Schlafexpertin zusammen. Man will auf diese Weise dafür sorgen, dass die Spieler permanent das Maximum an Energie investieren können, um ihr Potential möglichst vollständig auf den Platz bringen zu können.

Brentford braucht daher mehr als jede andere Verein junge, hungrige Spieler, die sich weiterentwickeln wollen, denn sie sind permanent gefragt, professionell, verantwortungsbewusst und eigenständig all das umzusetzen, was der Verein ihnen an Möglichkeiten zur Verfügung stellt.

Wie sieht das ganze nun auf dem Platz aus? Vitaly Janelt lobt in einem Interview auf Transfermarkt.de den großen Teamspirit und den attraktiven ballorientierten Spielstil seiner Mannschaft. Der Sieg gegen Arsenal und das 3:3 gegen den FC Liverpool passen da gut ins Bild.

Keine Nachwuchs-Akademie mehr, dafür eine B-Mannschaft

Eine extrem radikale Konsequenz aus der Analyse der sehr begrenzten eigenen Möglichkeiten, die der FC Brentford als Kleinstadt-Verein in der Londoner Peripherie zur Verfügung hat, ist die Abschaffung der Jugendarbeit. Nachdem immer wieder die besten Nachwuchsspieler aus der eigenen Akademie von den übermächtigen Konkurrenten weggefischt worden sind, hat der Verein sein NLZ geschlossen.

Stattdessen „gründete“ man eine B-Mannschaft und hat so das herkömmliche Modell quasi umgedreht: Nun verpflichtet man interessante U19-Spieler von großen Vereinen, die den Sprung in deren Profi-Kader nicht geschafft haben.

Exemplarisch für dieses Modell steht Chris Mepham, der bei Chelsea ausgebildet worden ist, erst in Brentfords B-Mannschaft und dann in der ersten Mannschaft zum Einsatz kam. 2019 ging er für 13,60 Millionen zum AFC Bournemouth.

Besonders wichtig ist dabei Ankersens Aussagen zufolge, dass die Spieler der B-Mannschaft so nah wie möglich am Profi-Team sind, damit die Spieler der ersten Mannschaft für sie greifbare Vorbilder darstellen.

Die Reaktion der Fans

Für die Fans des FC Brentford ist es nie einfach, Spieler, die sie in ihre Herzen geschlossen haben, schnell wieder gehen sehen zu müssen, gegen das neue Wappen und das neue Stadion rebelliert die Fan-Seele ebenfalls.

Andererseits kann man hier erkennen, dass der häufige Weggang von Schlüsselspielern und Identifikationsfiguren kein großes Problem sein muss – wenn durch ein klares Konzept die Trefferquote beim Scouting so hoch ist wie bei Brentford.

Der enorme Erfolg ihres Vereins sorgt insgesamt dafür, dass die Zweifel nicht überhandnehmen.

So wissenschaftlich und ökonomisch Benhams und Ankersens neue Sicht-, Denk- und Handlungsweisen auch sein mögen, sie konzentrieren sich ausschließlich auf alle Belange um die neunzig Minuten auf dem Platz herum, damit die Spieler gemeinsam ihr Potential so häufig & so vollständig wie möglich abrufen können. 

Die Wahrscheinlichkeit für Tore, Siege und Aufstiege, also für all das, was uns emotional explodieren lässt als Fans, haben Benham und Ankersen auf diese Weise für ihren kleinen Londoner Vorstadtverein extrem erhöht, um sich nun mit Liverpool, Chelsea, Manchester City und co. zu messen.

Zusammenfassung

Insgesamt ähnelt der FC Brentford einem E-Bike, das unter lauter Drahteseln fährt (beziehungsweise gefahren ist in der Championship, die Ausnahme war dort vor allem Marcelo Bielsas Leeds United), das jedes Jahr seinen alten Motor teuer verkauft und jedes Mal mit einem neuen und preiswerten, der dann nach allen Regeln der Kunst getunt wird, einen weiteren Schritt nach oben macht.

Dieses E-Bike muss nun aber in der Premier League – um im Bild zu bleiben – mit Motorrädern konkurrieren und kann dafür immerhin mit sehr üppigen Fernsehgeldern (zum Vergleich: Der FC Bayern bekam für die letzte Saison etwas mehr als 90 Millionen Euro aus dem nationalen Topf, der letztjährige Tabellenletzte der Premier League 101 Millionen Euro) weiter aufgerüstet und modernisiert werden. Ob das auf Dauer funktioniert, wird interessant sein zu beobachten.

Unabhängig davon haben Benham und Ankersen das Spiel so verändert, wie Malcolm Gladwell es beschreibt: Sie spielen es als David nach ihren Regeln und Gesetzmäßigkeiten, sie haben die Nachteile ihres Vereins in Vorteile verwandelt.

So merkwürdig ihr Vorgehen vor fünfzehn Jahren den meisten vorgekommen ist und vielen vielleicht noch heute vorkommt, so sehr gibt ihnen der große Erfolg recht.

Schlussfolgerungen für Eintracht

Komplett kopieren kann man dieses Konzept wohl kaum – das muss auch nicht sein, beziehungsweise darf es zum Teil nicht, zumindest was eine mögliche Auflösung des NLZ angeht.

Als Vorbild und Inspiration kann der FC Brentford allerdings sehr gut dienen, gerade was das Mindset des Underdogs, das Denken außerhalb von althergebrachten Konventionen, die „Uhr-Struktur“, das datenbasierte Scouting inklusive KPI und das permanente Bestreben, seine Spieler in allen Belangen zu verbessern, betrifft.

Ein Multi-Millionär im Hintergrund wäre dafür sehr hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Wenn es seitens der Verantwortlichen bei Eintracht heißt: „Wir haben kein Geld, also können wir uns keine Philosophie leisten“, dann ist das grundfalsch. Man müsste es umdrehen und selbstbewusst verkünden: „Wenig Geld zu haben, gehört zu unserer Philosophie, dafür sind wir viel einfallsreicher.“ Es kommt nur auf die Einfälle an ….

                                                                                                                                        Jens

In der nächsten Folge wird Brentfords dänischer Cousin FC Midtjylland unter die Lupe genommen.

LITERATUR UND QUELLEN:

Rasmus Ankersen: The Goldmine Effect (2012) Hunger in Paradise (2016)
Malcolm Gladwell: Die Überflieger (2010), David und Goliath. Die Kunst, Übermächtige zu besiegen (2013)

Brentford

FC Brentford

Transfermarkt – Verein

Transfermarkt – Moneyball

Goal.com

Cavanisfriseur.de

11Freunde.de

Talksport.com

Beesunited.org.uk

Bleacherreport

Trainingsguru

Offthepitch

Ran.de

„A Pub on every Corner“, eine Doku von Copa90

Rasmus Ankersen: „The Goldmine Effect 1″

The Goldmine Effect 2

The Goldmine Effect 3

Rasmus Ankersen: „Hunger in Paradise“

Rasmus Ankersen: Vortrag in Manchester

Malcolm Gladwell: David vs. Goliath

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