Taktikanalyse: Starke Kieler zerlegen Löwen in der 1. Halbzeit

Am vergangenen Samstag trafen die Löwen auf Holstein Kiel. Vor der Partie rangierten die Störche auf dem dritten Tabellenplatz und die Gäste aus Braunschweig befanden sich auf dem 15. Tabellenplatz. Zuletzt zeigte sich bei der Mannschaft von Daniel Meyer ein gewisser Aufwärtstrend, welcher in dem 1:0-Heimsieg gegen den 1. FC Heidenheim mündete. Kiel konnte die Partie mit 3:1 für sich entscheiden und erzielte dabei alle drei Treffer in der 1. Halbzeit. Die folgende Analyse befasst sich vor allem mit den Strukturen im Ballbesitz, welche den Löwen Problemen bereitete.

Aufstellungen

Aufstellungen

Im Vergleich zur letzten Partie wechselte Daniel Meyer nur auf einer Position. Lasse Schlüter kehrte zurück in die Startelf, dafür rotierte Nico Klaß auf die Bank. Erneut begannen die Löwen in einem 4-2-3-1. Dabei tauschten die beiden Sechser Wydra und Ben Balla immer wieder die Seiten. Bereits zur Halbzeit tauschte Meyer doppelt. Ji und Wiebe ersetzten Bär und Nikolaou. Wiebe agierte als Rechtsverteidiger und Behrendt fortan als Innenverteidiger. Im Laufe der Partie ersetzte Otto Kaufmann, Kobylanski kam für Kroos ins Spiel und Proschwitz wurde für Abdullahi ausgewechselt. Dies waren alles positionsgetreue Wechsel.

Auf der Gegenseite vertraute Ole Werner ähnliche Startelf wie im vorherigen Spiel gegen den SC Paderborn. Neumann und Serra ersetzten Dehm und Mühling. Auf dem Spielfeld formierte sich die Mannschaft in einem 4-3-3, wobei Meffert sich hinter Hauptmann und Lee positionierte.

  • Bei Hauptmann ist ein kleiner Fehler unterlaufen, seine Rückennummer ist die 36!

Manndeckung im Mittelfeld führt zu Problemen

Problemdarstellung der Mann-zu-Mann-Zuteilung

Im Mittelfeld agierten die Braunschweiger zu Beginn der 1. Halbzeit in einer starken Mann-zu-Mann-Zuordnung. Dabei orientierte sich Kroos im Spiel gegen den Ball bei Meffert, Ben Balla bei Hauptmann und Wydra bei Lee. Tauschten Wydra und Ben Balla die Seiten, wurde logischerweise der andere Spieler einfach übernommen. Diese Manndeckung im Mittelfeld sorgt im Optimalfall dazu, dass man die kreative Schaltzentrale aus dem Spiel nimmt, da sie kaum Platz haben zu agieren. Dies funktionierte teilweise, auf der anderen Seite entstanden durch die enge Manndeckung große Probleme.

Hauptmann zieht Ben Balla weg

Ben Balla und Wydra folgten ihren Spielern insbesondere zu Beginn auf Schritt und Tritt. Dies führte zu einigen Problemen. Das größte Problem wird anhand der gezeigten Szene geschildert. Hauptmann (39) stieß immer wieder aus seiner Mittelfeldposition im Halbraum vor in den Raum zwischen Behrendt (30) und Diakhité. Aufgrund der Manndeckung folgte Ben Balla (28) seinem Gegenspieler in diesen Raum. Dadurch ergab sich logischerweise ein Raum im Mittelfeld.

So kann Komenda (3) in dieser Situation das Spiel flach auf Reese (11) eröffnen. Der frei gewordene Raum im Mittelfeld wird nun von Serra (23) besetzt, welcher sich fallen lässt. Dadurch hat Reese zumindest in der Theorie eine gute Anspielstation im Zentrum und Serra könnte das Spiel aus einer aussichtsreichen Position fortsetzen. In dieser Situation rückt Diakhité nicht mit aus der Viererkette, weshalb Serra bei einem Anspiel sehr viel Platz gehabt hätte. Diese Szene dient dazu um die Bewegungen der Kieler genauer aufzuzeigen. Gefährlicher wurde es in der folgenden Szene.

Serra lässt sich fallen, Diakhité folgt

Das beschriebene Muster war immer wieder im Spiel der Gastgeber zu sehen. Hauptmann startetet immer wieder in die Tiefe und Serra ließ sich gegenläufig fallen. Allerdings folgte Diakhité dem Stürmer auch situativ.

Serra kommt kurz, Diakhité ist zu spät dran

Die gezeigte Szene stammt aus der 30. Minute und ist im Endeffekt die Szene, welche zu der Ecke vor dem 3:0 führt. Komenda (3) hat kurz vor der Mittellinie den Ball und wird von Kaufmann (7) von außen angelaufen. Kaufmann versuchte Komenda immer wieder nach innen zu lenken und den Passweg zum Außenverteidiger abzuschneiden. Serra (23) lässt sich erneut weit ins Mittelfeld fallen, Diakhité folgt leicht verzögert. Schon während des Passes auf Serra startet Hauptmann (39) erneut einen Lauf in die Tiefe und zieht Ben Balla (28) mit weg. Serra wird durch das zögerliche Rausrücken von Diakhité nicht entscheidend bei der Ballannahme gestört und kann nun den Ball problemfrei durch den roten Raum spielen, welcher von Hauptmann freigezogen wurde. Kirkeskov (2), welcher vorher bereits seinen Lauf gestartet hatte, erhält den Ball und kommt ohne großen Gegnerdruck (Behrendt (30) bei Reese (11), Ben Balla (28) bei Hauptmann (39)) zur Flanke. Diese Flanke wird zur Ecke geklärt, welche dann im 3:0 endete.

Ji und Kaufmann als kleine Lichtblicke

Im eigenen Ballbesitz gelang den Braunschweigern nicht viel. Es wurde zwar situativ versucht das Spiel kontrolliert aufzubauen, Kiel schaffte es aber immer wieder die Räume zuzustellen und Braunschweig so zu langen Bällen zu zwingen. In der ersten Halbzeit gelang es den Braunschweigern gelegentlich hohe Ballgewinne zu generieren. Diese wurden dann aber zu inkonsequent zu Ende gespielt, wie viele andere Situationen auch.

Als Lichtblicke lassen sich zwei Einzelspieler herausstellen, welche zwar keine Superleistung zeigten, aber immer wieder starke Ansätze zeigten. Kaufmann stellte Kirkeskov in der ersten Halbzeit immer wieder vor Probleme, gefährliche Situationen resultierten daraus aber nicht. Dong-Won Ji kam nach der Halbzeit für Bär und zeigte eine gute Leistung. Er schaffte immer wieder Anspielstationen und zeigte in Ansätzen Stärken im Dribbling. In der 63. Minute bereitete er dann sogar den Treffer zum 3:1 per Flanke vor.

Fazit

Das Spiel in Kiel war definitiv kein guter Auftritt der Braunschweiger. Insbesondere die anstehende Pokalpartie (8:7 Sieg nach Elfmeterschießen gegen Darmstadt) der Kieler sorgte dafür, dass die Gastgeber es nach der Halbzeit etwas ruhiger angingen. Sowohl mit als auch gegen den Ball hatten die Braunschweiger Probleme gegen die Störche zu bestehen. Gerade in der Halbzeit bereiteten vor allem die Bewegungmuster von Hauptmann und Serra in der 1. Halbzeit große Probleme. Erschwerend dazu kamen fehlerhafte Verhalten in der Viererkette vor dem 2:0 und eine Deckung vor dem 3:0, welche nicht eng genug war. Somit zeigten die Kieler zwar ihre Stärken, welche aber insbesondere bei den Toren von dem defensiven Fehlverhalten der Braunschweiger unterstützt wurden.

Am Samstag steht nun das Derby an! Im Vergleich zur Partie in Kiel bedarf es einer großen Leistungssteigerung, was aber kein Geheimnis ist. Es heißt an die Leistungen aus den Partien gegen Hamburg und Heidenheim anzuknüpfen und die nächste Stadt mit H im Eintracht-Stadion vor Probleme zu stellen. Auf geht’s Eintracht kämpfen und siegen! Wir wollen den Derbysieg!

Taktikanalyse: Löwen überzeugen gegen schwache Heidenheimer

Am Dienstag trafen die Löwen auf den 1. FC Heidenheim. Der Trend der Leistungen zeigte in den letzten Partien deutlich nach oben, gegen den 1. FC Heidenheim glückte dann der Sieg. Am Ende verließen die Löwen den Platz mit einem 1:0 in der Tasche. Dabei überzeugte die Meyer-Elf in vielen Bereichen und belohnte sich für die bereits gegangene Entwicklung.

Aufstellungen

Aufstellungen

Im Vergleich zum Spiel gegen den Hamburger SV veränderte Daniel Meyer seine Mannschaft auf zwei Positionen. Wydra kehrte von seiner Gelb-Rot-Sperre zurück und ersetzte Kammerbauer im zentralen defensiven Mittelfeld. Auf der linken Seite ersetzte Klaß Schlüter in der Viererkette. Im Laufe der 1. Halbzeit tauschten Ben Balla und Wydra die Seiten. Auch gegen den 1. FC Heidenheim stellte Meyer seine Elf erneut in einem 4-2-3-1 auf.

Der 1. FC Heidenheim agierte in einem 5-3-2, wobei sich Geipl im Mittelfeld immer wieder fallen ließ. Nach der Halbzeit stellte Trainer Frank Schmidt um, worauf später genauer eingegangen wird.

Braunschweigs Verbesserungen im Spiel mit Ball

Mutigerer flacher Spielaufbau

Im Aufbau agierten die Löwen in diesem Spiel variabel. Neben den langen Bällen bauten die Löwen das Spiel immer wieder mit flachen Bällen auf. Dabei positionierten sich die Innenverteidiger zumeist tiefer. Das Ziel des Spielaufbaus und der Spielfortsetzung waren am Ende die Flügel, worüber die meisten Angriffe liefen.

Flacher Spielaufbau

In der vorliegenden Szene erhält Behrendt (30) von Fejzic (16) nach einem Rückpass. Der Braunschweiger Rechtsverteidiger spielt den Ball entlang der Linie auf Kaufmann (7), welcher von Theuerkauf (30) markiert wird. Während des Passes löst sich Wydra (6) von seinem Gegenspieler und schafft so eine Klatschoption für Kaufmann.

Nachdem dieser den Ball erhält, spielt er den Ball tief auf Proschwitz (33). Auch Kroos (18) schafft erneut eine Klatschoption für Proschwitz und wird angespielt. Nachdem Kroos den Ball erhält, steht er genauso wie Wydra in der vorherigen Aktion mit Blickrichtung zum Spielfeld und kann den Angriff weiter gestalten.

Aktionen wie diese gab es in diesem Spiel häufig. Braunschweig versuchte den Ball immer wieder tief zu spielen und anschließend eine Klatschoption zu schaffen. Dies bietet den Vorteil, dass der ballerhaltende Spieler nach dem Klatschpass das Spielfeld vor sich hat und den Angriff gezielt fortsetzen kann.

Lange bereitet gut vorbereitet

Neben den flachen Spieleröffnungen spielte die Meyer-Elf auch wieder lange Bälle. Auch in diesem Bereich waren große Fortschritte zu erkennen. Bei den langen Bällen agierte Proschwitz als Zielspieler und von dort gab es dann zwei Optionen. Entweder wurde der Ball klatschen gelassen, wobei sich dabei zumeist Kroos anbot.

Flügelspieler starten in den Raum hinter Proschwitz

Die zweite Variante ist das Weiterleiten auf die Flügelspieler. Bär (15) und Kaufmann (7) rückten bei langen Bällen ins Zentrum und starteten in die Tiefe. So ermöglichten Bär und Kaufmann eine Anspielstation für Proschwitz, falls dieser den Ball mit dem Kopf verlängerte. So schafften es die Braunschweiger in diesem Spiel gut, die Folgeaktion an die langen Bälle vorzubereiten. Sowohl für den Fall der Sicherung des eigenen Ballbesitzes, als auch für den Druck auf den zweiten Ball positionierten sich die Braunschweiger gut.

Verbesserung der Standardsituationen

Ein weiterer Fortschritt im Spiel der Braunschweiger waren die Standardsituationen. Felix Kroos brachte einen direkten Freistoß sehr gefährlich auf das Tor, wobei dies eher ein individuelles Thema ist. Allerdings waren auch im Bereich der Ecken große Fortschritte zu erkennen. In den vergangenen Partien waren bereits Ansätze von einstudierten Eckballvarianten zu erkennen, da sich die Braunschweiger bei den Ecken regelmäßig gleich positionierten. Bei diesen Ecken kamen die Bälle allerdings nicht gut in die Mitte.

In dem vergangenen Spiel schafften es die Braunschweiger die Ecken gefährlich in die Mitte zu bringen und zum Abschluss zu kommen. Als Highlight ist hier die Großchance von Diakhité aus der 1. Halbzeit zu nennen. Ob die Situation so einstudiert war, lässt sich von außen nicht abschließend bewerten. Fakt ist, die Löwen strahlten in dieser Partie deutlich mehr Gefahr nach Standardsituationen aus und verbesserten sich auch in diesem Teilbereich im Vergleich zu den vorherigen Partien.

Eintracht und die wechselnden Pressinghöhen

Hohes Anlaufen stellt Heidenheim vor Probleme

Die Braunschweiger Pressinghöhe veränderte sich im Laufe der Partie. Zu Beginn der Halbzeiten agierten die Braunschweiger in einem Angriffspressing und stellten die Gäste damit vor große Probleme. Braunschweig ließ die Heidenheimer den Ball zwar in der Verteidigung zirkulieren, die anschließende Lösungfindung fiel den Gästen allerdings schwer. Die Räume hinter der ersten Pressinglinie waren dabei nicht gut besetzt, sodass sich die Gäste immer wieder mit langen Bällen befreien mussten.

Hohes Anlaufen von Braunschweig

Heidenheim baute das Spiel in der ersten Halbzeit über eine Dreierkette auf, wobei sich zwei Innenverteidiger fallen ließen und sich der andere Innenverteidiger breit positionierte. Die Außenverteidiger schoben beide hoch. Aus der Dreiermittelfeldreihe kippte Geipl ab.

In dieser Aktion spielte Müller (1) den Ball nach dem Abstoß flach auf Mainka (6). Dieser wurde von Proschwitz (33) im Bogen angelaufen, sodass dieser den Ball auf Hüsing (5) spielen musste. Ben Balla (28) schob auf den den tiefer positionierten Geipl (8), parallel stellte Kroos (18) den Passweg ins Mittelfeld zu. Busch (2) schob entlang der Mittellinie hoch und wurde von Klaß (14) gedeckt. So hatte Hüsing keine direkte Anspielstation, da keiner der weiteren Mittelfeldspieler kurz kam. Am Ende musste der Verteidiger den Ball lang schlagen.

Späteres Anlaufen stabilisiert Heidenheim

Im Laufe der 1. Halbzeit zogen sich die Braunschweiger zunehmend zurück, dadurch konnten die Heidenheimer das Spiel ruhiger aufbauen und die erste Aufbaureihe auch höher schieben. So kam das Mittelfeld besser zur Geltung, da die Entfernung zum gegnerischen Tor bei Erhalt des Balles kleiner war. So konnte Heidenheim immer wieder in Strafraumnähe gelangen, zu vielen gefährlichen Torchancen kam es nach einer anfänglichen Druckphase allerdings nicht.

Heidenheim nach der Halbzeit in einem 4-1-2-1-2

Nach der Halbzeit wechselte Frank Schmidt doppelt und wechselte in dem Zug auf eine Viererkette und eine Raute im Mittelfeld. So schafften es die Heidenheimer das Zentrum stärker zu besetzen. Zwar hatten die Braunschweiger immer wieder Probleme das Mittelfeld unter Kontrolle zu kriegen, allerdings schafften es die Heidenheimer zu selten dies aufzunutzen. Die Gäste zirkulierten den Ball oft durch die Viererkette, dies geschah oftmals langsam und der Übergang in das vordere Drittel fiel sehr schwer. Am Ende schafften es die Heidenheimer nach vorne zu drücken, richtig gefährlich wurde es dabei aber zu selten.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass sich die Braunschweiger aufgrund ihrer Leistung den Sieg verdient haben. Im Spiel mit Ball gab es sowohl im flachen Spielaufbau, als auch bei den langen Bällen große Fortschritte. Diese hatten sich in den letzten Partien bereits angedeutet. Dabei waren die Steil-Klatsch-Bälle besonders auffällig. Insbesondere die Klatschbälle auf Kroos waren hierbei besonders gefährlich, da dieser so seine gestalterischen Qualitäten gut in das Spiel einbringen.

Auch in der Defensive überzeugten die Löwen erneut und spielten erneut zu Null. In der Defensive unterliefen den Gastgebern auch weniger individuelle Fehler. Dies war insbesondere nach der Partie gegen Hamburg ein wichtiger Schritt.

Der positive Trend geht also weiter und wurde nun auch endlich mit drei Punkten belohnt! Morgen wartet mit Kiel der nächste harte Brocken. Auf geht’s Eintracht kämpfen und siegen!

Taktikanalyse: Es waren nicht nur die individuellen Fehler…

Der Hamburger SV reiste nach dem 5:0 Heimsieg gegen Osnabrück mit reichlich Selbstvertrauen im Gepäck an die Hamburger Straße. Zur Überraschung aller führten die Löwen nach 42 Minuten mit 2:0. Am Ende verließ die Meyer-Elf den Platz mit einem 2:4 in der Tasche. Allerdings spielten nicht nur die individuellen Fehler bei der Entstehung der Gegentore eine große Rolle.

Aufstellungen

Die Aufstellungen

Daniel Meyer musste im Vergleich zur letzten Partie auf die gesperrten Wydra und Schwenk verzichten. Zusätzlich nahm Kobylanski auf der Bank Platz. Die drei Akteure wurden von Diakhité, Ben Balla und Bär ersetzt. Gleichzeitig stellte Meyer auf ein 4-2-3-1 um. Dieses System spielten die Löwen bereits in dieser Saison, unter anderem auch in Paderborn.

Auf der Gegenseite gab es weder personelle noch taktische Wechsel. Daniel Thioune vertraute auf die gleiche Startelf wie beim 5:0-Sieg gegen Osnabrück und schickte sie zunächst in einem 4-3-3 auf das Spielfeld. Im Verlauf der Partie wich der HSV von dem klassischen 4-3-3 ab um das Zentrum der Braunschweiger zu überladen.

Braunschweig macht die Flügel dicht

Felix Kroos schob im Spiel mit Ball situativ vor und so bildete sich ein 4-4-2. Dabei lief Proschwitz aber stets als erster Spieler an und Kroos achtete auf die Anspielstation im Zentrum. Allgemein agierte Braunschweig in einem Mittelfeldpressing. Die Umstellung auf das 4-2-3-1 bzw. situativ 4-4-2 bedeutete eine doppelte Besetzung der Flügelzonen. Dadurch wurde es dem HSV in der 1. Halbzeit alleine durch die neue Raumbesetzung erschwert über die Flügel in gefährliche Torschusssituationen zu kommen.

Deshalb versuchte der HSV die Flügel immer wieder zu überladen. Dafür ließ sich der ballnahe zentrale Mittelfeldspieler auf den Flügel fallen und schaffte so zumindest in der Theorie eine 3 vs 2 Überzahl. Allerdings schaffte es der BTSV diese Situationen regelmäßig zu entschärfen.

Ben Balla folgt Dudziak

Ein Beispiel hierfür ist eine Szene aus der 5. Spielminute. Behrendt (30) positioniert sich bei dem linken Mittelfeldspieler Kittel (10) und Kaufmann (7) ist an Hamburgs Linksverteidiger Leibold (21) gebunden. Diese Mann-zu-Mann-Zuordnung sorgt zunächst einmal für ein Problem im Hamburger Spiel, da der Raum auf dem Flügel sehr eng ist. Dadurch, dass Behrendt Kittel folgt und sich dieser leicht fallen lässt, öffnet sich der Raum im Rücken von Behrendt. In diesen startet nun Dudziak (8). So ergibt sich für Leibold theoretisch die Möglichkeit Dudziak lang einzusetzen, allerdings wird dieser von Ben Balla (28) verfolgt und somit ist dieser Vorteil egalisiert.

Szenen wie diese gab es im Laufe der 1. Halbzeit immer wieder. Allerdings kamen sie nicht nur auf der linken Seite vor, sondern auch auf der rechten Seite. Dort kippte Kinsombi dann aus dem Zentrum auf die Außenbahn und Kammerbauer orientierte sich mit auf den Flügel. So schafften es die Braunschweiger weitestgehend die Hamburger Angriffsbemühungen über die Flügel im Keim zu ersticken.

Hamburg mit unterschiedlichen Lösungsansätzen

Dies blieb allerdings nicht der einzige Versuch der Hamburger gegen die Braunschweiger Defensive anzukommen. Da die Braunschweiger wie bereits beschrieben auf dem Flügel sehr kompakt agierten und es so dem HSV sehr schwer machten, änderten die Hamburger bereits in der ersten Halbzeit ihre Herangehensweise in der Offensive.

Zu Beginn der Partie befanden sich die Flügelspieler der Hamburger breit positioniert an der Außenlinie, später rückten sowohl Jatta als auch Kittel ein und schafften so eine stärkere Zentrumsbesetzung. Die Flügel blieben allerdings nicht ungedeckt, dort schoben die Außenverteidiger in den frei werdenden Raum. Insbesondere Sonny Kittel interpretierte seine Rolle sehr frei und agierte nicht auf einer speziellen Seite, sondern ließ sich immer wieder fallen und agierte um Terodde und Jatta herum.

Dieses Bild änderte sich nach der Halbzeit noch einmal stärker. In der Halbzeit wechselte Daniel Thioune Vagnoman und Jatta aus, dafür kamen Hunt und Onana in die Partie. Von dort an agierte Jeremy Dudziak auf dem rechten Flügel, wobei er ständig ins Zentrum einrückte und so Überzahl in diesem Bereich schaffte.

Dudziak orientiert sich ins Zentrum

Auch in dieser Szene aus der 49. Minute ließ sich Dudziak (8) von dem rechten Flügel ins Zentrum fallen und schaffte so das Zentrum den rechten Halbraum zu besetzen. Nimmt man das Aufrücken des Hamburger Rechtsverteidigers Heyer (3) mit dazu, so lässt sich sagen, dass der HSV sogar auf der ganzen rechten Seite Überzahl schaffte (markierter roter Raum). Szenen wie diese waren in der zweiten Halbzeit immer wieder vorzufinden.

Individuelle Fehler als einzige Ursache der Gegentreffer?

Individuelle Fehler sind nach dem Spiel ein großer Teil der öffentlichen Diskussion gewesen, wobei dies auch vollkommen richtig ist. Allerdings waren sowohl vor dem 2:3 als auch dem 2:4 ähnliche Fehlerbilder zu erkennen. In beiden Situationen resultiert die Abschlussaktion der Hamburger aus einem Fehler im Aufbauspiel.

Fehler im Aufbauspiel vor dem 2:3

Vor der Einleitung des Führungstreffers der Hamburger ereignete sich die dargestellte Situation im Aufbauspiel. Nikolaou (4) wird seitlich von Dudziak (8) unter Druck gesetzt. Der Ex-Dresdener versucht Kammerbauer (39) vor sich anzuspielen, diesen Pass antizipiert Kinsombi (6) allerdings und fängt diesen ab. Anschließend kriegt Braunschweig trotz numerischer Überzahl in Ballnähe keinen Zugriff und Kinsombi kann außen durchbrechen. Danach folgt die Verlagerung auf Kittel, welcher den Ball für den späteren Torschützen Hunt auflegt.

Natürlich sieht Fejzic bei dem Abschluss sehr unglücklich aus, allerdings ist es auch wichtig zu beachten, wie es überhaupt zu dieser Abschlusssituation kommen konnte. Ähnliches gilt für das 2:4. Dort versuchten die Braunschweiger das Spiel flach über Schlüter zu eröffnen, dieser hatte keine adäquaten Anspielstationen und wurde zusätzlich von Heyer hoch angelaufen. Daraus resultierend geriet der Braunschweiger Linksverteidiger unter Druck und schießt den Hamburger beim Versuch eines Befreiungsschlages an. So kann Heyer von der rechten Seite in den Strafraum eindringen und den Ball in den logischerweise vollkommen entblößten Rückraum legen (da alle Spieler in der Erwartung eines langen Balles aufrückten). Dort erzielte Kinsombi seinen zweiten Treffer des Tages zum 2:4.

Fazit

Erneut zeigten die Braunschweiger, dass sie gegen starke Gegner standhalten können. Dies wurde durch die zweite Halbzeit allerdings zerstört, da hier zu viele individuelle Fehler die gute Defensivleistung zunichte machten. Dabei zeigten diese individuellen Fehler die gravierenden Probleme im eigenen Spielaufbau auf. Somit bleibt weiterhin zu hoffen, dass die Defensive Stabilität bleibt, die individuellen Fehler minimiert werden und es im Spiel mit Ball Fortschritte gibt. Diese Fortschritte werden nicht zwingend in den nächsten zwei Spielen messbar sein, da auch hier wieder zwei starke Teams auf die Löwen warten. Dennoch können auch hier kleine Schritte gemacht werden.

Nun geht es heute Abend gegen den 1. FC Heidenheim, welcher auswärts zuletzt nicht gut aussah. Auf geht’s Eintracht kämpfen und siegen!