Comeback? Waldhof Mannheims Spielstil kommt Eintracht entgegen.

Hallo Löwen,

ich musste mich erstmal ein wenig sammeln. Nach den Fliegen-Wedler-Fußballspiele gegen Chemnitz und Münster hatten wir gegen Zwickau das Ding schon fast schon sicher. Fußball kann so brutal sein. Trotzdem, wir haben es noch in der eigenen Hand. Fakt ist aber auch, wir müssen uns spielerisch steigern, wenn wir gegen Waldhof Mannheim gewinnen wollen.

Mit Mannheim bekommen wir einen Gegner, der auf dem Papier eine starke Elf präsentieren kann (viele Top-Spieler laut dem Wyscout-Index). Sowohl defensiv als offensiv sind sie vielleicht einer der am besten balancierteste Drittligist. Die Mannheimer sind stark in der Defensive mit einen Torhüter Timo Königsmann, der genauso in einer Topverfassung ist wie Marcel Engelhardt. Die Defensivspieler sind besonders Kopfballstark. Nur 6 Gegentreffer haben die Mannheimer durch Kopfbälle kassiert (Ligadurchschnitt 8,7). Dazu sind die Mannheimer bei Standards sehr gefährlich. Sie haben 12 Tore durch Ecken erzielt, nur Halle ist da besser. Auch Weitschüsse, zuletzt eine Schwäche von Eintracht, können sie gut. 10 Treffer haben sie so schon erzielt.

Angriffspressing ist ein beliebtes Mittel der Mannheimer.

Mannheim will gerne den Ball haben. Sie spielen entweder mit einem 4-4-2 -System oder mit einem 4-2-3-1 -System. Sie machen das Spiel breit, spielen kurze Pässe und verlagern das Spiel oft von einer Seite zu der anderen. Im letzten gegnerischen Drittel geht es dann plötzlich schnell und die Positionen werden gewechselt und die Abwehr schwindelig gespielt. Mannheim hat die höchste „Passrate“ der Liga mit 14,5 Pässe pro Minute des Ballbesitzes. Dagegen haben sie die wenigsten langen Pässe in der Liga. Es soll schnell und kurz gehen, besonders im letzten Drittel.

Mannheim macht das Spiel breit und will oft den Ball haben.
Mannheim baut das Spiel oft langsam auf, aber schalten dann im letzten Drittel schnell um.

Vorteil BTSV?

Zuletzt spielte Mannheim nicht mehr so schnell nach vorne wie noch in den ersten Spielen. Das Spieltempo hat sich verlangsamt. Sie können ihr Umschaltspiel im letzten Drittel nicht mehr so durchziehen wie vorher. Hier können die anstrenge Wochen ein Vorteil für uns sein. Sie rotieren recht wenig und die Spieler beklagten auch Müdigkeit.

Das Spieltempo hat sich bei Mannheim verlangsamt.

Es gibt auch andere Schwächen der Mannheimer. Sie sind sehr Konteranfällig. Im Schnitt bekommen sie pro spiel 3.1 Konter gegen sich, von denen 43,5 % in einem Schuss enden – vergleichsweise viel zu den meisten in der Liga. Da Mannheim mit einer 4er-Kette hinten spielt und die Aussenverteidiger und die Sechser sich sehr oft offensiv einschalten, haben die Mannheimer nach Ballverluste oft in der Abwehr eine Unterzahl vorhanden.

Zuletzt spielte Eintracht etwas, was ich Predator-Fußball nannte. Vorne den Gegner mit Angriffspressing unter Druck stellen, dann tief verteidigen und auf Konter lauern. In den letzten Spielen hat sich der Gegner immer mehr darauf eingestellt und wir kamen nicht mehr zu vielen Konterchancen. Gegen Mannheim kann sich das ändern.

Eintracht sollte das Mittelfeld zu machen und den Ball da erobern, denn da sind sie anfällig. Wie gesagt, die Sechser und Aussenverteidiger rücken oft nach vorne und unterstützen somit den Angriff. Kommt es zum Ballverlust, ist Mannheim Konteranfällig und die Innenverteidiger oft auf sich allein gestellt. Eintracht könnte z. B. mit einem langen Ball das Mittelfeld schnell überbrücken und Mannheim somit Probleme bereiten.

Ein Konter von Münster im Spiel gegen Mannheim. Die Mannheimer verlieren dann Ball in der Vorwärtsbewegung und schon sind Fünf Spieler „gepackt“. Im Mannheimer Mittelfeld ist viel Platz da und Mannheim lässt Münster laufen und am Ende hat Münster sogar eine 2 oder 3 vs. 3 -Situation, die Mannheim allerdings klären kann.

Die Innenverteidiger scheinen auch nicht schnellsten zu sein. Zum Beispiel im Spiel gegen Grossaspach gab es eine Situation, wo nach einem Zweikampf im Mittelfeld, Aspach den Ball gewinnt und schnell umschalten kann. Der schnelle Angreifer gewinnt das Rennen gegen die Innenverteidiger. Auch Eintrachts Angriffspressing sollte uns in die Karten spielen. Die Mannheimer Verteidiger sind nicht immer am sichersten im Aufbauspiel. So kam es im Spiel gegen Grossaspach zu einem Ballverlust im Aufbauspiel, weil Aspach den Gegner mit Angriffspressing unter Druck setzte.

Aspach hatte Erfolg mit Angriffspressing.

All das, Konteranfälligkeit, Müdigkeit und Probleme mit Angriffspressing des Gegners spielt Eintracht gut in die Karten. Wenn Eintracht schnell das Mittelfeld überbrücken kann und die Abwehr unter Druck setzen kann, dann bekommt Mannheim mit Sicherheit Probleme. Es bleibt abzuwarten auf was für einen Matchplan Antwerpen setzen wird.

Auf geht´s Eintracht, kämpfen und siegen!

Mission Aufstieg: Gegnercheck und Marcel Engelhardt

Hallo Löwen,

die Eintracht macht es uns nicht leicht. Nach dem Restart haben wir eine gute Chance aufzusteigen, aber wir müssen uns als Mannschaft noch steigern. Trotzdem, mit Chemnitz, Zwickau, Mannheim und Meppen warten Gegner auf uns, die nicht besonders gut performen momentan. Eine Ausnahme gibt es aber: Meppen. Es ist die einzige Mannschaft, die momentan nach der Leistung her besser ist als unsere Eintracht.

Nach den erwarteten Punkten (xPts) her ist Meppen momentan der Stärkste im direkten Vergleich mit 10,1 erwartete Punkte. Eintracht hat sich 9,7 erwartete Punkte verdient. Am schwächsten läuft es beim Waldhof Mannheim mit nur 6,8 erwartete Punkte aus sieben Spielen. Die beste erwartete Tordifferenz (xGD) hat Meppen mit 1,11 xGD. Auch Eintracht hat knapp eine positive Bilanz. Weit im Minus sind die Teams aus Chemnitz, Zwickau und Mannheim.

Mello

Es wurde viel über Marcel Engelhardt nach den letzten Spielen diskutiert. Seine Form ist auch in den Statistiken bemerkbar. Er hat 33 Gegenschüsse bekommen und davon 30 gehalten. Er hat schon 4,73 erwartete Gegentore „gehalten“ und ist momentan einer der wertvollsten Spieler für die Eintracht. Besonders im Spiel gegen Münster hat er 2,54 erwartete Gegentore verhindert.

Marcel Engelhardt ist also in einer guten Verfassung. Allerdings sollte man bei seiner möglichen Vertragsverlängerung beachten, dass sich sowohl bei Torjägern als bei Torhütern, eine heiße Phase kaum in die nächste Saison transportieren lässt. Es ist also nicht zu erwarten, dass Mello auch in der nächsten Saison so überragend hält. Das soll aber nicht bedeuten, dass er seine Leistung nicht bringen würde. Nur so eine „hot streak“ wird es wohl nicht geben.

Predator-Fußball. Wie Eintracht aufsteigen will und kann!

Hallo Löwen!

Wunder gibt es immer wieder. Nach dem Restart spielt Eintracht mit einem klaren Plan und nach einer Spielidee, die erkennbar ist. Auch die Statistiken belegen diese Veränderungen im Spielstil der Braunschweiger Eintracht. Ich werde einige Schlüsselpunkte aufklären, wie Eintracht momentan spielt und wie sie zum Erfolg kommen möchte.

Zunächst müssen wir die wichtigsten Veränderungen nach dem Restart aufarbeiten. Vor dem Restart (und nach dem Spiel beim Viktoria Köln) haben wir geschrieben, dass Eintracht an seinem Pressing arbeiten müsste und versuchen sollte, den Gegner mehr herausfordern. Besonders die Laufleistung und das Zweikampfverhalten standen im Fokus der Kritik nach dem Spiel gegen Rostock.

Antwerpen ging aber in eine andere Richtung als ich es dachte. Seit dem Restart ist der Pressing-Intensität Wert PPDA gestiegen: von einem Saisonschnitt von 10,14 auf 11,62 (Ligadurschnitt 10,42). Das bedeutet, dass der Gegner mehr Pässe befreit spielen kann, als vorher. Auch die Herausforderungsintensität, die ich bemängelt habe, ist im Saisonschnitt von 6,1 auf 5,8 gesunken (Ligadurchschnitt 6,28)! Eintracht spielt also immer weniger aggressiver, und in der Verteidigung tiefer, als die anderen Ligamannschaften.

Dadurch haben sich aber viele andere Statistiken verbessert. Eintracht kommt immer mehr zu qualitativ guten Chancen. Der Gegner hat zwar oft einen höheren expected Goals (xG) -Wert als die Eintracht, aber die besten Chancen im Spiel gehören meistens unseren BTSV. Dagegen bleibt der Gegner in unserer Abwehr hängen. Die Schussdistanz von BTSV ist im Schnitt gesunken von 18,47 Meter auf 18,03 Meter. Dagegen muss der Gegner immer öfter aus der weite schießen. Eintracht kommt also, von der Distanz und von den Schusspositionen her, zu besseren Chancen als vor dem Restart. Da macht es auch nichts aus, dass Eintracht weniger schießt und der Gegner mehr. Die Effektivität ist unsere Stärke.

Eintracht hat auch immer weniger den Ball. Nach dem Spiel gegen Halle meinte Antwerpen sogar, sie hätten zu viel den Ball gehabt. Eintracht will den Gegner spielen lassen, mehr als vor dem Restart. Wie ein Predator will Eintracht den Gegner in bestimmte Pressingfallen locken oder den Ball in „tote Räume“ lenken. Bestimmte Pässe vom Gegner z. B. vom Torwart zum Außenverteidiger, gelten als Pressingsignale den Gegner anzulaufen und die Räume eng zu machen. Mit Umschaltfußball und gewachsenen Spieltempo (im Schnitt 15.22 Pässe pro Minute) soll die Defensive des Gegners dann angegriffen werden, wenn sie gerade unorganisert ist. Umschalten und Kontern sind unsere besten Waffen.

Schlüsselpunkt Angriffspressing

Ich musste erstmal lachen. Vor dem Spiel gegen Halle, sagte Antwerpen auf der Pressekonferenz, Eintracht hätte gegen Viktoria Köln erfolgreichen Angriffspressing gespielt und den Gegner hoch angegriffen. Nach der 1.Welle hätte sich Eintracht dann zurückgezogen und tief verteidigt. Angriffspressing war jetzt nicht das erste, was mir nach dem Spiel in Erinnerung geblieben ist. Dennoch greift Eintracht auch sehr hoch an, je nach dem Gegner und dem Matchplan.

Generell unterscheidet man drei Arten des Pressings. Angriffspressing, Mittelfeldpressing und Abwehrpressing. Von Angriffspressing spricht man, wenn man als Mannschaft die gegnerischen Innenverteidiger direkt anläuft und sie so zu Fehlern zwingt. Dies macht man meist nur bei technisch limitierten Innenverteidigern mit schlechtem Aufbauspiel. Diese Verteidiger kann man so zu langen ungefährlichen Bällen zwingen bzw. zu Bällen ins Seitenaus. So spielte Eintracht besonders gegen Köln.

Global Soccer Network analysiert Pressing zonenbezogen. GSN hat das Feld in sechs Zonen aufgeteilt. Zone 1 ist alles in unmittelbarer Nähe des eigenen Strafraums, Zone 6 alles in Strafraumnähe des Gegners. Beim Angriffspressing relevant die Zonen 6 und 5. Dort hat Braunschweig, basierend auf den Daten von GSN, tatsächlich am effizientesten gepresst, in den Zonen 3 und 4 (Mittelfeld) hat man es vernachlässigt. Das 2:1 entstand dadurch, dass Eintracht gut die Verteidiger und den Torwart unter Druck setzte und damit das Aufbauspiel von Viktoria Köln erfolgreich stören konnte. Es kam zu einem Fehler, wodurch Eintracht das 2:1 schießen konnte.

Schlüsselpunkt Umschaltfußball

Da jede Mannschaft unterschiedlich verteidigt, verändert Eintracht seinen Pressing je nach dem Gegner. Beim Mittelfeld und Abwehrpressing ist es wichtig, dass die Spieler nicht nur angelaufen werden, sondern dass man auch versucht, sie in „tote Räume“ zu lenken. Reines Anlaufen bringt meist nichts, wenn die restliche Mannschaft nicht richtig verschiebt.

Eintracht spielt momentan ein sehr gutes Umschaltspiel, wo die Räume eng gemacht werden und der Gegner im richtigen Moment attackiert werden soll. Als Pressingsignal, wann die Räume eng gemacht und die Spieler angelaufen werden sollen, dient zum Beispiel ein Pass an den Außenverteidiger, wie hier im Spiel gegen Großaspach zum 1:0:

Schlüsselpunkt „Parking the bus“ mit Konterfußball

Eintracht verteidigt über die ganze Saison hinweg sehr tief, aber erst richtig tief verteidigt sie nach dem Restart. Greift der Gegner an, presst Eintracht im Mittelfeld nur, wenn sie mit einer Gleichzahl/Überzahl umschalten kann, wie oben beschrieben. Nach der 1.Welle, wie Antwerpen es beschrieben hat, zieht Eintracht sich zurück, tief in die eigene Hälfte. Aus einer 3-Kette wird dann eine 5-Kette. Tief vor dem eigenen Strafraum wird verteidigt, auch bekannt als „Parking the bus“ -Taktik. Das eigene Positionsspiel wird dabei vernachlässig. Wichtig ist (nur) das verteidigen.

Eintracht spielte diese Taktik besonders Erfolgreich im Spiel gegen Ingolstadt. Dabei kommt es sogar oft vor, dass Eintracht zwar auf Konter lauert, aber nicht unbedingt die meisten Konter im Spiel hat. So hatte z. B. Ingolstadt mehr Konter als Eintracht, aber Eintrachts Konter waren mit 0,34 xG mehr gefährlicher. Eintrachts Konter sind auf jedenfall qualitativ gut und was, worauf der Gegner sich einstellen muss.

„Parking the bus“ -Taktik mit Konterangriffe im Spiel gegen Unterhaching. Hier gut zu erkennen wo Eintracht den Ball erobern wollte.
Die Passkarte im Spiel gegen Ingolstadt. Nur 18 % der Pässe wurden im gegnerischen Drittel gespielt.

Fazit

Ich habe einige Schlüsselpunkte aufgelistet, die meiner Meinung nach momentan sehr wichtig für die Eintracht sind. Ein großes Fragezeichen steht dahinter, wie Eintracht gegen tiefstehende Mannschaften eine spielerische Lösung findet. Kann man den Gegner auch da mit Predatorfussball in eine Falle locken, hat Eintracht gute Chancen um wirklich aufzusteigen. Wir können nur zu sehen und staunen. Die Ergebnisse sprechen momentan für uns.

It`s coming home!