NFV-Pokalanalyse: Team-Missmanagement gegen Hildesheim

Moin Löwen!

Gegen den VfV Borussia 06 aus Hildesheim gab es im NFV-Pokal eine schmerzhafte Niederlage. Es ist für eine Mannschaft nie schön, gegen einen unterklassigen Gegner zu verlieren – im Grunde ist es fast peinlich. Doch diese Niederlage könnte darüber hinaus auch noch teuer werden. Die Chancen, sich für den DFB-Pokal zu qualifizieren, sind dramatisch gesunken und man ist vom Erfolg in der Liga abhängig. Sollten wir die Qualifikation nicht schaffen, geht uns viel Geld verloren.

Die Gründe für die Niederlage wurden in den Social-Media-Kanälen schnell aufgespürt: Mangelnder Einsatz, die Schiedsrichterleistung oder schlicht die Qualität der Spieler sollen beispielsweise Schuld gewesen sein. Doch zumindest der letzte Punkt lässt sich anhand der Daten ausschließen. Global Soccer Network hat uns mit einer Darstellung der optimalen Spielerrollen und der aktuellen Kaderstärke ein paar interessante Infos geliefert. Und daraus ergibt sich für mich: Die Startelf von gestern entsprach auf dem Papier der Qualität eines oberen Drittligakaders, der die Hildesheimer eigentlich hätte wegputzen müssen.

Bild: Robin Burek

Tiefstehender Gegner

Für mich liegen die Gründe für das Pokal-Aus noch etwas tiefer. So könnte nicht die Qualität der Mannschaft der entscheidende Punkt gewesen sein, sondern wie man sie aufgestellt hat.

Eintracht hat unter Michael Schiele eine klare Spielidee. Er setzt gezielt auf die Umschaltmomente. Mit im Schnitt 45 % weisen wir eine der niedrigsten Ballbesitzquoten der Liga auf. Bisher hatten wir mit unseren Gegnern sehr viel Glück. Es waren meist Teams, die eher auf Ballbesitzfußball setzten und so konnten wir unsere Stärken beim Umschalten ausnutzen.

Doch Hildesheim spielte anders. Wie Eintracht auf ihrer Homepage berichtete, fehlte den Löwen zeitweise die offensive Kreativität: „Sie fanden keine Lösungen gegen die tiefstehenden Hildesheimer.“ Ich weise schon länger darauf hin, dass wir aus meiner Sicht zu wenig kreative Spieler im Kader haben. So fehlt uns zum Beispiel ein spielender Innenverteidiger. Das bereitet uns gerade gegen tiefstehende Gegner Probleme, da wir unsere Schnelligkeit nicht optimal ausspielen können.

Keine optimale Startformation

Wir haben auch Schwierigkeiten, optimale Positionen und Rollen für die Spieler zu finden. Dies machte das Spiel gegen Hildesheim deutlich. Eintracht begann mit einem 3-4-2-1-System. Nach dem frühen Gegentreffer wechselte Schiele dann etwas später auf ein 4-2-3-1-System. Doch das ist in diesem Fall irrelevant, denn es ändert nichts an der Tatsache, dass so oder so etliche Spieler nicht auf ihrer optimalen Position spielen können und – viel schlimmer noch – die zu ihnen passenden Spielerrollen (laut GSN) ignoriert werden.

Die Startelf gg. Hildesheim.

So spielte hinten auf der IV-Position zum Anfang Iba May, der eigentlich von seiner Rolle her ein tief liegender Spielmacher im defensiven Mittelfeld sein sollte. Nach dem Systemwechsel besetzte er dann zum Glück diese Position. Das zentrale Mittelfeld war wohl noch am optimalsten besetzt, denn zu jeder Zeit gab es dort sowohl einen Ballerobernden Mittelfeldspieler als auch einen Spielmacher. Das kann gern weiterhin so bleiben.

Im Offensivbereich hatten wir eine sehr wilde Mischung aus einem Schattenstürmer, einen Segundo Volante und einen Raumdeuter. Das sind alle sehr spezielle Spielerrollen und diese sollten somit auch optimal eingesetzt werden. Martin Kobylanski, unser Schattenstürmer, spielte auf der geeigneten Position, aber nicht mit der optimalen taktischen Mischung: die Rollen seiner Nebenspieler passten nicht zu seiner.

Yari Otto war auf der Stürmerposition eine totale Fehlbesetzung, wenn es um seine optimale Rolle auf dem Platz geht. Als Raumdeuter sollte er Rechtsaußen spielen und bestenfalls Mitspieler haben, die ihm Freiheiten ermöglichen. Eine recht freie Rolle übernimmt auch Kobylanski als Schattenstürmer. Aus meiner Sicht sind die beiden in dieser Konstellation keine optimale Besetzung, denn beide Rollen brauchen Freiheiten auf dem Platz.

Auch unser neuer Publikumsliebling Bryan Henning ist als Segundo Volante im offensiven Mittelfeld nicht ideal eingesetzt, sondern sollte eigentlich im defensiven Mittelfeld spielen. Dort kann er die Segundo-Volante-Rolle, die aus einer Mischung von einem Ballgewinnenden Mittelfeldspieler und einem Box-to-Box-Spieler besteht, gerecht werden. Er spielt aber nun schon eine Weile in einer offensiveren Rolle. Besonders im Spiel gegen eine tiefstehende Mannschaft kann er seine Stärken hier nicht perfekt einbringen – denn er ist von Natur aus eher ein Arbeiter, der von seiner Schnelligkeit lebt und kein klassischer Spielmacher.

Optimale Aufstellung?

Nun, was hätte Michael Schiele anders machen können? Ich denke, man hätte Koby in die Spitze schieben (immer noch nicht ganz optimal) und Yari Otto auf der Rechtsaußenposition spielen lassen können. Auf dieser Seite hätte dann auch Görlich als inverser Flügelverteidiger nach Innen ziehen können, um Yari den Raum zu geben, um spät in den Strafraum einzudringen. May hätte von Anfang an im Mittelfeld spielen müssen. Eine interessante Mischung wäre Krauße-May-Henning im defensiven/zentralen Mittelfeld gewesen, doch dann würde da immer noch Consbruch fehlen.

Am Ende komme ich nicht ganz darüber hinweg, dass man von Anfang an auf diese mir unverständliche Mischung gesetzt hat. Man hätte Consbruch oder May auf der Bank lassen können, um dafür einen Spieler einzusetzen, der in seiner optimalen Rolle spielt. Doch es ist leider auch wahr, dass unser Kader aktuell besonders im offensiven Bereich noch zu dünn besetzt ist, um alle immer in ihrer bestmöglichen Rolle spielen zu lassen. Hoffen wir, dass Schiele hier im Winter ein paar neue Optionen bekommt.

Fazit

Unsere Eintracht wird wohl weiterhin Probleme bekommen, wenn sie tiefstehende Gegner bespielen muss. Doch man sollte gezielter darauf achten, möglichst die optimale Startelf auf das Feld zu schicken und versuchen, die natürlichen Spielerrollen und Positionen bei der Aufstellung stärker zu berücksichtigen.

KADERANALYSE SEPTEMBER 2021

(aktualisiert 11:05)

Hallo Löwen!

Nach den ersten Spielen und dem Ende der ereignisreichen Transferphase  ist es Zeit für eine Kaderanalyse. Im ersten Teil werden die neuen Spieler vorgestellt, dazu nutzen wir unter anderem  Informationen von Global Soccer Network. Im zweiten wird der Kader als Ganzes unter die Lupe genommen.

1) Die Neuverpflichtungen

Insgesamt wurden elf neue Spieler verpflichtet bzw. dreizehn, wenn man Stumpe und Schulze-Kökelsum mitzählt. Wieder einmal gibt es einen Umbruch, wieder einmal gibt es eine zu großen Teilen neue Mannschaft, die sich erst finden muss.

Bild: Robin Burek.

Lion Lauberbach (23 Jahre, 1,94) kam als einer der letzten neuen Spieler. Er absolvierte bis dato dreiundsechzig Spiele mit fünf Toren und drei Torvorlagen in der Dritten Liga, 24-3-2 ist seine Quote in der Zweiten Bundesliga. Das sind für einen Stoßstürmer keine überragenden Werte, in Kiel hat er allerdings kaum in der Startelf gestanden, sondern kam nur zu Kurzeinsätzen

  • Erklärung zum GSN-Index-Wert:
    • 40 – 45 = unteres Drittliganiveau
    • 45 – 48 = Drittliganiveau
    • 48 – 53 = oberes Drittliganiveau

Global Soccer Network beschreibt ihn folgendermaßen:

„Typ Zielspieler, bringt sofort Zweitligaformat mit (aktueller GSN-Index 52/ zu erwartender Index 56,8, starkes Kopfballspiel, ordentlicher Abschluss mit links, gutes Spiel ohne Ball, aggressiv gegen den Ball. Schwächen beim ersten Kontakt und im Passspiel, muss, um in der Luft noch konkurrenzfähiger zu werden, an Physis zulegen, zudem ist das Positionsspiel verbesserungswürdig.“

In der letzten Rückrunde war er von Holstein nach Rostock ausgeliehen. Er konnte dort die Erwartungen nicht erfüllen, vor allem weil er häufiger als Linksaußen eingesetzt wurde.

Benjamin Girth (29 J, 1,81, 52-28-2, vor allem in der Dritten Liga) ist ein weiterer Mittelstürmer, aber ein anderer Typ. Er hat laut Whoscored.com Stärken bei Kopfballtoren, Schwächen beim Kopfballspiel, bei der Defensivarbeit und beim Passen.

Von GSN gibt es über ihn folgende Auskünfte, die sich damit grundsätzlich decken:

„Interessanter Spieler, bringt vieles mit. Gute Physis (mit Ausnahme vom Tempo), gutes Kopfballspiel, guter erster Kontakt, gute Antizipation. Derzeitiger GSN Index bei 57,11, möglicher GSN Index bei 59,93. Muss sich offensiv aber steigern. In den letzten beiden Jahren, bei 39 Partien 0,42 Expected goals pro 90 Minuten. Daraus resultieren allerdings nur 0,15 Tore pro 90 Minuten. Der Schritt in Liga 3 ist vielleicht richtig, um ordentlich in Schwung zu kommen.“

Der dritte neue Spieler für das Sturmzentrum ist Luc Ihorst (21 Jahre, 1,90, beidfüßig). Er besitzt einen Vertrag bis 2023 bei Werder Bremen und ist nun – so wie letzte Saison an den VfL Osnabrück – an Eintracht für ein Jahr ausgeliehen. Für Osnabrück gelangen ihm in achtzehn Spielen zwei Tore und ein Assist. Die Mischung aus Größe, Athletik und hohem Tempo (34 km/h) macht ihn sehr interessant, GSN stuft ihn daher ziemlich hoch ein mit einem aktuellen Index von 60,9 und einem zu erwartenden von 64,86. Er bringe „schon viel mit, was den hohen Index rechtfertigt. Seine Treffsicherheit beziehungsweise seine Effektivität vorm Tor sei jedoch noch ausbaufähig: Da hängt vieles mit der offensiven Entscheidungsfindung zusammen, die nicht zu seinen Stärken zählt. Pro 90 Minuten kommt er auf 1,83 Torschüsse, allerdings kommen nur 0,77 wirklich aufs Tor (42%). Er wirkt oft überhastet oder unkonzentriert im Abschluss und müsste dazu noch mehr in die wirklich gefährlichen Zonen.“

Ergänzen könnte man noch aus Sicht von Bremer Fans (worum.org), dass er über eine gutes Kopfballspiel verfügt und daher auch als Wandspieler seine Qualitäten hat. Auf Grund seiner Schnelligkeit kann er aber auch als Flügelspieler eingesetzt werden. Insgesamt ist er also ein sehr talentierter Allrounder für den Sturm. Neben der ausbaufähigen Effektivität ist allerdings eine gewisse Verletzungsanfälligkeit zu bedenken.

Sebastian Müller (20 Jahre, 1,80), für ein Jahr ausgeliehen von Arminia Bielefeld, ist Mittelstürmer und Rechtsaußen. Zehn Spiele in der Zweiten Liga und zwei Einsätze in der Bundesliga stehen bisher bei ihm zu Buche. Er hatte noch beim 1. FC Köln eine sehr gute Quote in der U19-Bundesliga und konnte 8 U-Länderspiele absolvieren. Auch er hat laut GSN einiges zu bieten: „Starkes Dribbling, starker erster Kontakt, gute Technik, auch beim Torschuss, aggressiv. Sein Index liegt aktuell bei 58,83 (2. Liga) und geht auf 72,68 (internationale Klasse).“

Maurice Multhaup (24 Jahre, 1,73, 75-4-3, größtenteils in der Zweiten Liga) ist ein klassischer Rechtsaußen, Whoscored zufolge mit Stärken beim Ballblocken und Schwächen bei Flanken, Kopfballduellen und der Ballbehauptung.

Sein derzeitiger GSN-Index liegt bei 54,61, der mögliche GSN-Index bei 57,57. Bei ihm ist das Problem bisher ebenfalls die Effektivität. 

Wie Multhaup wurde Enrique Peňa Zauner (21 Jahre, 1,77, beidfüßig)  fest verpflichtet. Er ist eigentlich in erster Linie im offensiven Mittelfeld zuhause, kann jedoch auch auf den Flügeln eingesetzt werden. Er war mit elf Toren und zehn Vorlagen (davon einige Standards) maßgeblich daran beteiligt, dass Borussia Dortmunds U19 2019 Deutscher Meister wurde.

GSN zufolge ist er ein ordentlicher Drittligaspieler mit gutem Passspiel und guter Technik, (46,47/49,56), Schwächen im Positionsspiel und im Spiel ohne Ball. Er hat im Bereich Physis durchaus zugelegt, bringt viel Tempo mit und traut sich einiges zu im Eins gegen Eins.

Nach den neuen Stürmern kommen wir nun zu den Neuverpflichtungen für das Mittelfeld:

Jomaine Consbruch (ZM/DM/OM 19 J, 1,74, 8 U-Länderspiele) wurde gleichfalls von Arminia Bielefeld für ein Jahr ausgeliehen. Im Herrenbereich ist er bisher kaum eingesetzt worden. Er verfügt über gutes Tempo, ein gutes Zweikampfverhalten, und eine gute defensive Entscheidungsfindung. Passspiel und Spiel ohne Ball seien dagegen GSN zufolge noch verbesserungswürdig. (GSN-Index: 49,80 aktuell, Potential 57,62). Von einigen Bielefelder Fans werden allerdings seine Übersicht und seine klugen Pässe gelobt.

Ein der wichtigsten Verpflichtungen war die von Bryan Henning (ZM, 26 Jahre, 1,72; 53-2-4/35-5-3 (II./III. Liga). Er ist ein Box-to-Boxspieler, ein typischer Achter.

Im Hansa-Forum auf Tm.de findet man über ihn unter anderem folgendes:

„Henning ist ein richtiger Giftzwerg, der seinen Gegenspielern ununterbrochen auf die Nerven geht und sehr zweikampfstark ist. Ein Spieler, wie man ihn sehen will, wenn man im Stadion ist.
Bei uns führte die Spielweise zu Beginn seiner Hansazeit zu vielen gelben Karten, aber das hat er dann immer besser in den Griff bekommen. Er ist kein Thiago, der Bälle über das ganze Spielfeld verteilt, aber fußballerisch auf keinen Fall schlecht. Neben seiner Spielweise, die einfach Spaß macht, ist besonders sein Charakter hervorzuheben. Er hat sich immer mit vollem Einsatz reingehauen und ist einfach ein Typ, der jeder Mannschaft gut tut.“

Whoscored.com bestätigt das und sieht seine Stärken in den Bereichen Ballbehauptung, Flanken, Defensivarbeit, Tackling und die Schwächen bei Kopfballduellen und bei der Disziplin. Verbesserungsbedarf gibt es bei ihm wie bei manch anderem bei der Effektivität vorm gegnerischen Tor.

„Auch hier ein ordentlicher Transfer mit einem aktuellen GSN-Index von 57,04 von möglichen 57,84“, meint GSN zu ihm.

Robin Krauße (27 Jahre, 1,79  DM, 194-6-10 in Dritter und Zweiter Liga) hat bei Whoscored bezogen auf seine Zweitliga-Spiele Stärken beim Tackling und der Balleroberung.

GSN sagt über ihn: „Guter Transfer. Der momentane Index von Krauße liegt bei 55,75, möglich sind 57,37. Solides Niveau für die 2.Liga. Was ihm ein bisschen fehlt auf der Position im defensiven Mittelfeld ist die Physis (Größe/Gewicht). Typ Balleroberer, aggressiv, Schwächen mit Ball.“

In den bisherigen Spielen ist Krauße Herz und Kopf der Mannschaft, Motivator und Führungsspieler, Ballwinning-Midfielder und Box-to-Box-Midfielder in einem gewesen. Beim Basketball würde man sagen, er ist der Floor General.

Zum Schluss wollen wir kurz die neuen Ergänzungsspieler für die Defensive vorstellen:

Luis Görlich (RV 21 J, 1,81, 59-2-4 in der Regionalliga Südwest) soll die Alternative für Wiebe sein. Er ist ein schneller, athletischer und zweikampfstarker Spieler, „bringt direkt oberes 3.Liganiveau mit sich und hat das Potential ein guter Zweitligaspieler zu werden: GSN-Index 51,26 – 58,43“.

Als letztes wurde Philipp Strompf  (23 Jahre, 1,94) als Backup für die Innenverteidigung verpflichtet. Er kam genauso wie Görlich von der zweiten Mannschaft der TSG Hoffenheim. In seiner Vita finden sich neunundachtzig Spiele in der Regionalliga mit drei Toren und drei Torvorbereitungen.

„Philipp bringt gute Maße mit, besitzt einen linken Fuß und agiert auf dem Platz auch mal unkonventionell“, freut sich Eintracht-Trainer Michael Schiele über den 23-Jährigen, den er bereits seit längerem kennt: „Ich habe seine Entwicklung schon seit seiner Zeit in Walldorf verfolgt, er hat noch einen Schritt nach vorne gemacht.“ (Neue Braunschweiger vom 4.9.21)

Über unsere letzte Neuverpflichtung sagt GSN: „Vom Spielertyp eher der defensivere Typ Innenverteidiger, der auf Ballgewinn aus ist. Aktueller Index bei 47,44, hat also 3.Liga-Qualität. Möglicher Index bei 52,86, die 2.Liga wäre demnach drin. Stärken im 1 vs. 1 defensiv, im Kopfballspiel, im defensiven Positionsspiel sowie in der defensiven Entscheidungsfindung. Schwächen im Tempo und in der Stabilität, da muss er trotz 194 cm und 91 kg zulegen. Passspiel und Technik müssen besser werden, um ernsthafte Alternative zu sein.“

Was die drei Eigengewächse Stumpe, Kleeberg und Schulze-Kökelsum angeht, fällt eine Einschätzung schwer. Bei den Testspielen fielen sie nicht sichtbar ab, Stumpe konnte gegen 1860 sein Debüt feiern. Doch ob sie wirklich schon kurzfristig echte Alternativen darstellen, lässt sich bezweifeln. Vorläufig werden sie in erster Linie bei der Zweiten in der Landesliga zum Einsatz kommen.

2) Die Mannschaft als Ganzes:

Der komplette Kader umfasst also zweiundzwanzig Feldspieler und drei Torhüter:

                    Ihorst (LA)/Girth/Lauberbach

Peňa Zauner                  Multhaup/Müller (MS)  Stumpe

                         Henning                                          Kobylanski  Otto

          Nikolaou (lf, IV)       Krauße                        Consbruch May

Kijewski                                     Wiebe (ZM)          Schlüter (LA) Görlich Kleeberg 

                 Schultz      Behrendt                                Strompf (lf)

                              Fejzic                                          Bangsow          Schulze-Kök.

Wir haben neun U-23-Spieler (unterstrichen, davon 3 Leihspieler (kursiv)) im Kader sowie einen  Ü-30-Spieler; Das Durchschnittsalter beträgt vierundzwanzig Jahre, damit sind wir absolut im Ligaschnitt. Es steckt demzufolge genug Entwicklungsfähigkeit im Kader. Mit Behrendt und Krauße gibt es andererseits genügend routinierte Spieler, die als Führungsspieler agieren können.

Die meisten neuen Spieler, die fest verpflichtet worden sind, haben einen Vertrag über zwei Jahre abgeschlossen, was dem Zweijahresplan der sportlichen Leitung entspricht, spätestens nächstes Jahr den Aufstieg in Angriff zu nehmen. Kontinuität wird mit anderen Worten zumindest angestrebt.

Bei denen, die den Verein verlassen wollten bzw. mussten (insgesamt neunzehn), sind vor allem die Abgänge von Diakhité, Kaufmann, Bär und Ben Balla zu bedauern.

Bild: Robin Burek

Es konnten aber auch einige wichtige Spieler wie Behrendt und Nikolaou gehalten werden. Insgesamt sieht es im Moment danach aus, dass die Fehler, die nach dem letzten Abstieg begangen worden sind, nicht wiederholt werden.

Die Daten von GSN unterstützen dies, denn jeder der neu verpflichteten Spieler hat mindestens Drittliga-Niveau, viele besitzen die Qualität für die Zweite Liga.

Bis auf einige der jungen Neuzugänge bringt fast jeder Spieler Zweitligaerfahrung mit, war also schon einmal dort, wohin wir alle zurückkehren wollen.

Laut Transfermarkt.de besitzt Eintracht (Stand 1.9.) insgesamt den fünftwertvollsten Kader der Dritten Liga, beim durchschnittlichen Marktwert befindet man sich sogar auf Platz 2 hinter BVB II.

Nur Zwickau hat einen kleineren Kader. Weniger Spieler sollten es für die lange und kräfteraubende Saison somit wirklich nicht sein.

Viele Spieler sind  allerdings – wie man das im heutigen Fußball-Deutsch sagt – polyvalent, können also auf mehren Positionen eingesetzt werden. Die geringe Größe des Kaders wird demnach durch die Variabilität etwas ausgeglichen.

Jede Position ist daher quasi doppelt besetzt.

Andererseits sieht man in der Übersicht zum bestmöglichen Kader, dass einige Spieler wie zum Beispiel Wiebe nicht auf der Position eingesetzt werden von Schiele, die sie „gelernt“ haben. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass sie auf dieser „neuen“ Position nicht gut zurechtkommen.

Auffällig ist die routinierte Defensive mit Spielern, die mindestens schon seit der letzten Saison bei Eintracht unter Vertrag stehen. Dagegen besteht die Offensive bis auf Kobylanski und Otto komplett aus neuen Spielern. Diese neuen sind – abgesehen von Girth –  jung bzw. sehr jung, Multhaup ist da mit vierundzwanzig Jahren der älteste.

Kaum Gegentore (abgesehen vom Spiel gegen Viktoria Berlin) und einige Abstimmungsprobleme in der Offensive lassen sich durch diese unterschiedlichen Zusammensetzungen erklären.

Flügelspieler mit viel Tempo, die gut im 1 gegen 1 sind, gibt es mit Multaup und Peňa Zauner nominell zwei, Müller, Ihorst sowie Stumpe sind als Alternativen bzw. Backups vorhanden. Schlüter und Görlich könnten darüber hinaus genauso weiter vorne eingesetzt werden.

Die Position des Mittelstürmers ist als einzige dreifach besetzt, allerdings mit unterschiedlichen Typen: Ihorst ist ein dynamischer und athletischer Wandspieler, der auch über die Flügel kommen kann. Lauberbach ist ebenfalls groß, dazu technisch versiert, er kann auch hängende Spitze spielen. Girth dagegen ist ein etwas kleinerer Abschlussspieler in der Box. Müller ist zumindest als zweite Spitze einzusetzen. Es gibt auf dieser Position viel Konkurrenz und ausreichend Alternativen, wenn alle fit sind.

In der Offensive sind also viele Varianten und Optionen vorhanden, was Spieler-Kombinationen und Systeme betrifft, z.B. ein 4-4-2 mit Lauberbach und Girth, ein 4-4-2 mit Raute mit Lauberbach/Kobylanski, Girth und Ihorst oder aktuell ein 4-2-3-1 mit Peňa Zauner, Lauberbach und Multhaup.

Ganz entscheidend wird sein, inwieweit die neuen Offensivkräfte, vor allem Lauberbach, Ihorst und Multhaup, effektiver vor dem Tor werden als bei ihren bisherigen Vereinen. Die Ausnahme ist Girth, zumindest was seine Zeit  in der Dritten Liga in Meppen beziehungsweise in Osnabrück angeht, wo er jeweils sehr solide geknipst hat. Bisher zumindest scheint die Torausbeute aber kein Problem zu sein.

Kobylanski, der dem Verein erhalten bleibt, ist dagegen bisher in der Dritten Liga ein sehr zuverlässiger Scorer gewesen. In das laufintensive Spiel von Schiele passt er jedoch nur bedingt, sodass wohl wie gegen 1860 bis auf weiteres nur die Jokerrolle für ihn übrig bleiben wird. Sollte Schiele dennoch irgendeinen Weg finden, ihn häufiger und besser einzubinden, würde das unsere Erfolgsaussichten deutlich erhöhen.

In den anderen Mannschaftsteilen ist es hingegen grundsätzlich so, dass es einen etablierten Stammspieler und einen jungen Herausforderer gibt (Kijewski – Kleeberg, Krauße – Consbruch, Nikolaou – May, Wiebe – Görlich, Schultz/Behrendt – Strompf, Fejzic – Bangsow).

Aus finanziellen Gründen, wegen der  U23-Regelung und auf Grund einer grundsätzlichen Verjüngung des Kaders ist das nicht anders möglich gewesen.

In der Zentrale ist das Duo Nikolaou (kopfballstark, Linksfuß) und Krauße auf den ersten Blick gut aufeinander abgestimmt. Da Krauße sich aber im Aufbauspiel oft als Sechser zurückfallen lässt und Nikolaou seine Stärken nicht unbedingt im Spiel nach vorne hat, ist das Zentrum nicht perfekt ausbalanciert.

In der Dritten Liga zählen vor allem Robustheit, Einsatz, Laufbereitschaft, es geht viel über hohe beziehungsweise zweite Bälle. Dafür scheint der Kader ziemlich gut geeignet. Noch etwas mehr Physis und Kopfballstärke wären jedoch nicht schlecht gewesen.

Moderner Fußball ist unter anderem davon abhängig, wie technisch stark und schnell Innenverteidiger sind, damit sie passsicher und pressingresistent sind im eigenen Aufbauspiel und damit die Mannschaft möglichst hoch stehen kann für aggressives Pressing und kurze Wege zum gegnerischen Tor. Das kann man unseren Abwehrspielern nicht unbedingt attestieren. An dieser Stelle sind unserem Kader mit anderen Worten gewisse Grenzen gesetzt.

Mit Peňa Zauner, Multhaup oder Kobylanski hat man einige Spieler in der Offensive, die durch ihre speziellen Qualitäten den sprichwörtlichen Unterschied ausmachen können – wenn sie einen guten Tag erwischen und nicht zu eigensinnig sind.

Was kreative Pässe angeht, kann man noch Wiebe und Krauße (so wie gegen Verl) dazunehmen, ansonsten aber ist hier ein weiterer kleiner Schwachpunkt des Kaders zu finden.

Standardspezialisten gibt es mit PeňaZauner, Kobylanski, Kijewski, Schlüter oder Krauße im Grunde genug. Die Effektivität in diesen Bereich müsste man allerdings durch zusätzliches Spezialtraining steigern, selbst wenn es schon zwei Tore nach Ecken der jeweils eingewechselten Schlüter und Kobylanski gab.

Manche hätten sich noch einen weiteren Außenverteidiger gewünscht. Hemmerich, der auch offensiver eingesetzt werden könnte, wegen einer Verletzung das Probetraining jedoch nicht „bestanden“ hat und inzwischen bei Preußen Münster in der Regionalliga West untergekommen ist, wäre dafür eine gute Option gewesen.

Für das laufintensive Pressing wäre außerdem ein weiterer echter Außenspieler wie Feigenspan oder Drinkuth, der Peňa Zauner und Multhaup zwischendurch entlasten könnte, sinnvoll.

Ein zusätzlicher großer und kopfballstarker Nachwuchsmann für die Defensive wäre ebenso noch denkbar gewesen.

Die Ausfälle in der Offensive konnte man bisher gut kompensieren, ob dies bei längeren Verletzungspausen in der Defensive ähnlich laufen würde, ist allerdings zu bezweifeln. Das gilt vor allem für die Führungsspieler Behrendt und Fejzic. (Behrendts Ausfall während des Paderborn-Spiels war in der letzten Saison einer der entscheidenden Gründe für den Abstieg.)

Unsere aktuelle Startelf mit GSN-Index und GSN-Spielerrollen (11.9)

3) Fazit:

Insgesamt scheinen Vollmann, Kruppke und Schiele bei den Neuverpflichtungen beziehungsweise der Kaderzusammenstellung ein gutes Händchen gehabt zu haben.

Bei den Neuverpflichtungen wollten sie vor allem auf Charakter, Mentalität und Identifikation achten. Die Reaktion der Mannschaft nach der krachenden Niederlage gegen Viktoria Berlin lässt darauf schließen, dass dies gelungen sein könnte. Krauße und Henning sind dafür die besten Beispiele.

Der Start in die neue Saison ist jedenfalls gelungen, der Mitabsteiger Würzburger Kickers hat bisher deutlich mehr Schwierigkeiten gehabt. Gleiches gilt für Traditionsvereine wie Duisburg und Kaiserslautern.

Potential hat die neue Mannschaft offenbar genug, um ganz oben mitzuspielen. Am Ende wird es bei dem kleinen Kader wohl in erster Linie eine Frage der Substanz sein, ob man in dieser langen Saison beim Rennen um die Aufstiegsplätze dabeibleiben kann.

Gerade die vielfältigen Möglichkeiten im Angriff machen neugierig auf die nächsten Wochen und Monate. Maßgeblich wird aber sein, dass sich über die gesamte Spielzeit zwei bis drei zuverlässige Scorer herauskristallisieren.

Euer Jens                                                           

Quellen:

Global Soccer Networks (Herzlichen Dank für die vielfältigen Informationen!)

Wyscout

Transfermarkt.de

worum.org

Neue Braunschweiger

Taktikpad: BTSV-Aufbau in der Analyse

Moin ihr Löwen,

heute schauen wir uns mal das Braunschweiger Aufbauspiel (organisierte Offensive) genauer an. Mit einer Passquote von 79,7 % liegt die Eintracht im Mittelfeld der Liga. Dagegen sind wir mit nur 46,2 % Ballbesitz einer der Mannschaften, die den Ball gerne erstmal dem Gegner überlässt und auf eine Umschaltsituation wartet. Nun werfen wir einen Blick auf genau die Momente, in denen Eintracht den Ball hat und das Spiel aufbauen kann oder „muss“.

Bild: Robin Burek

Die Phase des Spielaufbaus (organisierte Offensive)

Grundsätzlich muss man in der Aufbauphase drei verschiedene Abschnitte unterscheiden: Spielaufbau, Spielfortsetzung und Angriffsabschluss/Spiel im letzten Drittel, je nachdem wie hoch eine Abwehrlinie steht. Ob der Gegner hoch oder tief steht, ist entscheidend dafür, wie Eintracht den Spielaufbau gestaltet. Grundsätzlich kann man bei unserem Team unter Michael Schiele eine „Konservative“ 4-2-3-1-Formation beobachten. Das bedeutet, dass es wenig unkonventionelle oder kreative Verschiebungen gibt.

Spielt der Gegner kein aggressives Angriffspressing, benutzt man im Aufbau aus der Defensive eine pendelnde Viererkette, in der sich der ballferne Außenverteidiger nach vorne schiebt. Kommt der Innenverteidiger auf seiner Seite in Ballbesitz, zieht sich der nun ballnahe Außenverteidiger zurück und bietet sich als Anspielstation an. Diese Bewegung gibt dem nun ballfernen Außenverteidiger die Möglichkeit vorzurücken. So lässt sich auch das Spiel verlagern, wenn optimal gespielt wird.

Eine pendelnde Viererkette

Auch die Doppelsechs setzt sich jetzt in Bewegung. Während der ballferne Sechser nach vorne rückt, zieht sich der ballnahe Sechser zurück, um eine Anspielstation zu bieten. Doch mehr ins Detail gehen wir gleich noch. Schauen wir uns nun das Aufbauspiel der Braunschweiger genauer an.

Torwartspiel mit dem Ball

Jasmin Fejzic ist nicht bekannt für seine Künste mit dem Ball. Dennoch hat er mit 70 % eine ordentliche Langpassquote und mit 98,6% eine exzellente Kurzpassquote in Pflichtspielen. Bei Torwart-Abstößen, die es in dieser Saison im Schnitt 7,79 Mal pro Spiel gibt, spielt Eintracht im Schnitt 4,7 kurz und 3,09 lang. Ob man dieser Wyscout-Statistik aber voll und ganz trauen kann, ist nicht abschließend zu klären, da die TV-Bilder sehr oft den Torwart-Abstoß nicht zeigen.

Sollte der Gegner sehr hoch stehen bei einem Torwart-Abstoß, versucht die Eintracht das Spiel meistens mit einem Kurzpassspiel aufzubauen. Die zwei Innenverteidiger postieren sich direkt neben dem Torwart, die Außenverteidiger dagegen etwas höher und diagonal. Einer der Sechser bietet sich in der Mitte an, damit er anspielbar ist, wenn der Innenverteidiger den Ball bekommt. Gelegentlich benutzt Eintracht beim hohen Pressing des Gegners auch einen lange Abstoß-Variante.

Kurzer Abstoß – Gegner im Angriffspressing

Beim direkten Anlaufen des Gegners spielt Jasi oft den langen Ball direkt nach vorne oder sucht die Außenspieler. Hier kommt es zu den meisten Fehlpässen. Trotzdem ist unser Keeper mit 46 erfolgreichen Distanz-Pässen der beste Langpassspieler im Team. Mit 39,23 m kommt er auch auf die längste durchschnittliche Passlänge bei der Eintracht.

Aufbauspiel Innenverteidiger

Haben die Innenverteidiger Brian Behrendt oder Michael Schultz den Ball, so können wir bei ihnen verschiedene Muster beobachten, wie sie mit dem Ball umgehen. Beide sind Rechtsfüßer. Schultz ist dabei der IV, der mit seinen Pässen die wenigsten Risiken eingeht. In seinen 599 Minuten in der 3. Liga spielte Schultz den Ball meistens eher kurz. Mit 184 erfolgreichen von 199 kurzen und mittleren Pässen ist er der zweitbeste im Team. Einen Ball in die Tiefe sucht er nur selten. In der 3. Liga spielte er im Aufbau 48 Pässe, von denen 39 ankamen.

Aufbau der IVs (Quelle: Wyscout)

Da beobachten wir bei seinem Nebenmann Behrendt ein anderes Vorgehen. Im Vergleich sucht er öfter die Tiefe und scheut sich auch nicht, mal einen risikoreichen Pass zu spielen. Mit einer Langpassquote von 59 % und eine Progressivpassquote von 80 % ist Behrendt einer der besten „Tiefspieler“ im Team. Im Schnitt spielt er die zweitmeisten progressiven Pässe nach vorne: 11,25 pro 90 Minuten. In der 3. Liga kommt er im Aufbau auf 64 Pässe, von denen 48 ankamen. Behrendt ist auch der Innenverteidiger, der bei uns die meisten Bälle in das letzte Drittel spielt.

Beide Innenverteidiger sind vom Typ her keine mitspielenden IV. Somit hat Eintracht hier im Aufbau nicht immer die besten Karten in Sachen Kreativität. Bei schnellen Balleroberungen (Umschalten) oder beim Anlaufen des Gegners werden oft unsaubere Pässe gespielt. Einen Gegenspieler dribbelt man nur selten an. Wenn es aber jemand tut, ist es normalerweise Behrendt, der auch die meisten Vorstöße (progressive Läufe) von den beiden macht. Im Schnitt suchen seine Mitspieler ihn 26,84 Mal pro Spiel, bei Schultz liegt dieser Wert bei 20,82.

Aufbauspiel Außenverteidiger

Die beiden Außenverteidiger Niko Kijewski und Danilo Wiebe haben im Aufbauspiel der Braunschweiger eine wichtige Rolle. Die pendelnde Viererkette, wie oben beschrieben, ist von den beiden abhängig. Dabei schiebt sich einer der beiden im Wechsel nach vorne und ist damit in der Spielfortsetzung anspielbar. Im Aufbau haben beide eine eher schlechte Passquote von 66 % bzw. 68 %. Das liegt daran, dass unsere AV sehr oft bewusst die Tiefe im Spiel suchen. Die meisten Pässe sind direkt an die Offensivspieler adressiert, oft auf der Außenbahn entlang oder in die Halbräume hinein. Zusammen spielen die beiden im Schnitt 17 erfolgreiche progressive Pässe nach vorne pro Spiel, wobei Kijewski diese Pässe etwas öfter und präziser spielt als Wiebe.

Aufbauspiel der Außenverteidiger (Wyscout)

Beide laufen selten mit dem Ball in die Tiefe. Wenn es dazu kommt, ist es meist eher Wiebe. Er versucht sich auch häufiger an Steilpässen, doch meistens fehlt ihm dabei die Präzision. Allerdings gehört diese Analyse eher zum Teil Fortsetzungsspiel, dem wir uns ein anderes mal widmen werden.

Aufbauspiel defensives Mittelfeld

Unsere beiden Sechser Jannis Nikolaou und Robin Krauße sind beide im Aufbauspiel sehr unterschiedlich, auch wegen der Rollenverteilung. Nikolaou spielt mehr lange Bälle und progressive Pässe als Krauße, wobei unser Robin diese sehr viel präziser spielt als Jannis. Dafür spielt Krauße mehr kurze Pässe direkt an seinen Nebenmann. Beide haben im Aufbau eine ordentliche Passquote zwischen 78 % und 80 %. Nur Krauße greift ab und an auf das Dribbling zum Spielaufbau zurück. Er macht auch mehr progressive Läufe.

Unsere Sechser im Aufbauspiel (Wyscout)

Da die beiden sehr oft im Spiel angespielt werden – im Schnitt sind es zusammen über 43 Mal pro Spiel – sind sie der Motor im Mittelfeld und eng miteinander verbunden. In den durchschnittlichen Positionsauswertungen stehen sie meistens auf „einem Fleck“. Sie tauschen ihre Rollen regelmäßig, wechseln die Positionen, beteiligen sich aktiv am Aufbauspiel und bieten Anspielstationen für ihre Mitspieler.

Hier ein gutes Beispiel vom Muster im Aufbauspiel. Erkennbar sind das Pendeln des ballfernen Außenverteidigers, der Positionswechsel von Nikolaou und Krauße sowie die Bewegungen von den beiden beim Passspiel.
Die Sechser auf einen „Fleck“ im Passspiel gegen 1860 (Wyscout).

Der Rest der Mannschaft im Aufbauspiel

Wir haben jetzt den Torwart, die Innenverteidiger, Außenverteidiger und Sechser im Aufbauspiel analysiert. Doch was ist mit dem Rest der Mannschaft? Das ist ehrlich gesagt nicht immer ganz leicht auf den TV-Bildern zu erkennen. Klar ist, dass die Außenstürmer Enrique Peña Zauner und Maurice Multhaup sehr oft die Positionen wechseln. Außerdem sind die beiden zentralen Offensivspieler anspielbar und auch dort finden Positionswechsel statt. Besonders die Außenverteidiger spielen oft im Aufbauspiel die Offensivspieler an und sind damit ein wichtiger Bestandteil im Fortsetzungsspiel. Doch auch die Innenverteidiger und Jasmin Fejzic suchen immer wieder direkt die Offensivkräfte im Aufbauspiel.

Die Außenverteidiger neigen dazu die Außenstürmer anzuspielen, während die zentrale Defensive eher die zentralen Spieler sucht. Hier könnte man etwas häufiger auch mal die Seiten wechseln und somit das Spiel verlagern. Doch dazu werden wir in einem folgenden Beitrag ausführlicher zu Sprechen kommen. Klar ist, dass die Eintracht oft versucht, das Spieltempo auszunutzen, die schnellen Außenstürmer zu schicken, mit einem Doppelpass die Offensivspieler ins Spiel zu bringen oder die zweiten Bälle im letzten Drittel zu gewinnen, um umzuschalten.

Fazit

Das Aufbauspiel der Braunschweiger ist meistens schnell und auch nicht ohne Risiko. Hier fehlt teilweise die Präzision und Pressingresistenz, um das direkte Anlaufen des Gegners besser zu überspielen. Die Mannschaft ist eingespielt und wirkt in diesem Bereich ziemlich sicher. Wir sollten uns aber ruhig auch mal in 1-vs-1-Dribbelaktionen trauen und das Spiel vermehrt verlagern.

Quellen: Wyscout, sechzger.de.