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Mission: Die Eintracht-DNA verinnerlichen!

Ein Beitrag von Jussi-Pekka Rode und Rabona95.

Hallo Löwen,

Menschen definieren sich auch heutzutage noch in großem Maße über den Ort, an dem sie geboren sind, wo sie aufgewachsen sind, wo sie leben und arbeiten, mit dem sie sich verbunden fühlen. In Braunschweig, ehemals Hauptstadt des Herzogtums Sachsen bzw. des Freistaates Braunschweig, ist man stolz auf seine langen Traditionen als Sitz der Welfenherzöge und als Hansestadt. Durch den Welfen-Herzog Heinrich ist der Löwe seit dem 12. Jahrhundert das Wahrzeichen der Stadt. Im Herzen bleiben wir Löwen, auch wenn uns das Leben tausende Kilometer weit weggeworfen hat.

Braunschweiger schätzen hartes Arbeiten, sind unheimlich loyal und sie sind stolz auf ihre Stadt. Kunst, Kultur und Wissenschaften spielen eine sehr wichtige Rolle. Charakteristisch für die Einwohner der Stadt Braunschweig ist eine Mischung aus „bürgerlichen“ und „Working-Class“-Elementen. Norddeutsch kühl im Äußeren, Schoduvel-Feierlaune im Inneren, in der Sprache das reinste Hochdeutsch genauso wie das braunschweigische Platt.

Braunschweig ist Tradition.

Wir sind liebenswürdig und voller Leidenschaften. Unsere größten Schwächen liegen darin, dass wir es hinterher immer schon vorher gewusst haben und im Meckern unsere Stärke haben, worauf wir andererseits nicht gerne hingewiesen werden. Wir befinden uns in Braunschweig in verschiedenen Spannungsverhältnissen, beispielsweise was Vergangenheit und Tradition auf der einen Seite, Zukunft, Wissenschaft, Forschung und Innovation auf der anderen Seite betrifft. Braunschweig ist daher schon immer davon geprägt, Gegensätze zu vereinigen, deswegen hat es hier Tradition, Neues zu wagen.

In Braunschweig sind wir seit jeher offen für Neues und dies gilt auch für den Fußball, bei dem wir für wesentliche Innovationen gesorgt haben: Hier ist durch die Lehrer Konrad Koch und August Hermann der Fußball nach Deutschland gebracht worden. Hier wurde der Fußball als Sport für die Öffentlichkeit durch den Besuch des Herzogs 1908 geadelt. Meistertrainer Johannsen war einer der ersten, der mit Jürgen Moll einen offensiven Außenverteidiger aufgestellt hat. Branko Zebec hat zehn Jahre später die Raumdeckung in Deutschland eingeführt.

Der Fußball und die Eintracht sind seit inzwischen 125 Jahren einer der wichtigsten Elemente braunschweigischer Identität. Im Corona-Jahr 2020 haben der Verein, seine Mitglieder und seine Fans durch viele Aktionen bewiesen, dass Zusammenhalt in Braunschweig gelebt wird. Der Name Eintracht ist, das zeigt schon das Wappen, in dem das Rot-Weiß der Stadt vereint ist mit dem Blau-Gelb des Umlandes, also kein Zufall, sondern Programm. Wir leben Eintracht, egal wo wir sind.

Unser Fußball

So wie wir im Alltag leben, wollen wir auch unseren Fußball leben. Die Fans möchten ein Rudel junger Löwen sehen, die sich für sie zerreißen, die sich mit der Stadt, dem Verein und den Fans identifizieren. Wir erwarten von der Mannschaft Beständigkeit, Zusammenhalt und Einsatz. Wir wollen auf dem Platz Kampf, Laufbereitschaft, Biss und Spielfreunde sehen.

Wenn man Jonathan Wilson Glauben schenkt, dann sorgen „Working-Class“-Elemente (so wie bei Boca Juniors in Buenos Aires oder Feyenoord in Rotterdam) mehr für einen kampfbetonten und ergebnisorientierten Balleroberungsfußball, „bürgerliche“ Elemente (so wie bei River Plate in Buenos Aires oder Ajax in Amsterdam) haben eher einen Spielstil zur Folge, der sich am Jogo Bonito orientiert. Der Braunschweiger Fußball ist für uns im Kern „Boca-Style“ mit einem guten Schuss von Ajax.

Schmidt und Bäse wären ohne Ulsaß nicht Meister geworden, umgekehrt genauso wenig. Daher können wir die Braunschweiger Fußball-DNA in vier Kernelemente aufteilen:

  • Arbeiter-Fußball: Laufleistung, Teamarbeit, Arbeit mit dem Ball oder gegen den Ball
  • Feuer-Fußball: körperbetonte, harte Zweikämpfe und defensive Rettungstaten
  • Raubkatzen-Fußball: Tempo, Effizienz, Dominanz oder Cleverness (je nach Gegner)
  • Fußball für das Auge: Spielfreude, Dribblings, schöne Pässe, großartige Kombinationen und Tore, auch Standardtore

Diese verschiedenen Kriterien muss die Mannschaft auf den Platz bringen, um Erfolg zu haben, um uns als Fans wirklich mitzureißen.

Wir wollen im Folgenden überprüfen, wie die jetzige Löwen-Elf die Eintracht-DNA bisher  widerspiegelt. Viele Eigenschaften in den jeweiligen Kriterien sind statistisch messbar.

Arbeit (mit dem Ball und gegen den Ball)

Wenn nichts Anderes gut läuft, dann wollen wir Fans, dass die Mannschaft „wenigstens“ arbeitet. Mit dem Ball, oder oft auch ohne. Am Ende des Spieles wollen wir, dass die Spieler alles gegeben haben. Hier können wir z. B. die Laufleistung der  Zweitligamannschaften vergleichen. Eintracht ist in drei Spielen 320,57 km gelaufen, was der schlechteste Wert in der Liga ist –  rechnet man die Teams, die nur zwei Spiele auf dem Buckel haben, heraus.

In Braunschweig will man die Spieler Schwitzen sehen!

Wie sieht es mit der Arbeit gegen den Ball aus? Hier können wir das Pressing der Braunschweiger Eintracht betrachten, welches man mit dem PPDA-Wert (Pro Abwehraktionen ermöglichte Pässe) messen kann. Eintracht ist in diesem Bereich in der Liga im Mittelfeld und knapp unter den Durchschnitt mit einem PPDA-Wert von 10,51. Anders ausgedrückt, die Eintracht presst ungefähr so wie die Liga im Durchschnitt.

Fazit: Eintracht presst zwar den Gegner, ist aber in der Laufleistung das Schlusslicht der Liga. Nicht wirklich das, was wir von der Mannschaft als Fans erwarten.

Feuer-Fußball –  die Hütte soll brennen!

Geht ein Spiel mal nicht in die gewollte Richtung, beurteilen wir Fans dann meistens die kämpferische Leistung der Mannschaft. Haben die Löwen sich mit allen Mitteln gewehrt? War Feuer in ihren Augen? So hat die Eintracht in den letzten drei Ligaspielen nur einen Punkt geholt. Doch haben sich die Spieler nach Kräften gewehrt?

Die Hütte soll brennen!

In diesem Fall können wir mehrere Statistiken betrachten. Wir können z. B. nachsehen, wie viele Fouls oder gelbe Karten die Löwen bisher bekommen haben. Hier liegt Eintracht in der 2. Liga unter dem Durchschnitt. Eintracht hat in drei Spielen 30-mal den Gegner gefoult. Der Ligadurchschnitt liegt laut Wyscout bei 39,28. Eintracht foult den Gegner nur 9,64-mal pro 90 Minuten, das ist der „schlechteste“ Wert in der ganzen Liga. Eintracht bekommt auch wenige gelbe Karten: Fünf bisher bei einem Ligadurchschnitt von 6,33.

Auch die defensive kämpferische Teamarbeit, die Eintracht-Fans eigentlich von ihrem Team erwarten, sieht man in den Statistiken nach drei Spieltagen nicht unbedingt. Eine Statistik, die wir beobachten können, ist die Herausforderungsintensität: Duelle, Tackling und Ballabfangen pro Minute des gegnerischen Ballbesitzes. Hier liegt Eintracht mit 6,0 unter dem 2. Ligadurchschnitt von 6,84. Es ist der drittniedrigste Wert in Liga.

Und was zeigt die Zweikampfstatistik? 45,1 % gewonnene Zweikämpfe. Der Gegner hat allerdings 48,3 % der Zweikämpfe gewonnen. Auch hier müssen sich die Löwen geschlagen geben.

Fazit: die Löwen wehren sich bis dato nicht genug und spiegeln somit nicht wider, was wir unter Eintracht verstehen.

Raubkatzen -Fußball

Eintracht soll schnell und effizient spielen. Diese Eigenschaften muss das Team besonders in der 2. Liga als Underdog zeigen. Weil man selten gegen einen Gegner wirklich der dominante Teil ist, erwarten die Fans Cleverness und Effizienz.

Unter Marco Antwerpen haben wir Predator -Fußball gesehen.

Sehen wir uns zunächst die Schnelligkeit an. Eintracht ist in den drei Ligaspielen bisher nur einmal mehr Sprints gelaufen als der Gegner. Im Heimspiel gegen Kiel hatten die Löwen 10 Sprints mehr als Kiel: 211 – 201. In beiden Auswärtsspielen verloren die Löwen in der Sprintstatistik deutlich: 166 – 200 und 170 – 235.

Auch im direkten Vergleich zwischen den schnellsten Spielern der beiden Mannschaften war Eintrachts schnellster Spieler immer knapp langsamer als sein direkter Konkurrent:

  • 1. Spieltag, Heidenheim – Braunschweig: Sessa 33,3 vs. 33,2 (km/h) Kaufmann
  • 2. Spieltag Braunschweig – Kiel: Klass 32,7 vs. 33,5 (km/h) Bartels
  • 3. Spieltag Hannover – Braunschweig: Maina 34,2 vs. 33,8 (km/h) Bär

Wie steht es mit der Cleverness und der Effizienz? In den vier Pflichtspielen hat Eintracht bisher im Schnitt die schlechtere Bilanz bei den erwarteten Toren als die Gegner: 1,23 – 1,72 xG. Diese Werte werden allerdings besonders von dem Hannover-Spiel gedrückt. Von Eintrachts Schüssen sind 35,7 % aufs Tor gegangen und beim Gegner war es bei 32,4 % der Schüsse der Fall. Im 2. Liga- -Vergleich fällt dieser Wert bei der Eintracht allerdings auf 25 % und ist damit der zweitschlechteste Wert in der ganzen Liga. Das gleiche gilt für die erwarteten Tore: Hier ist Eintracht mit 2,79 xG im Ranking die schlechteste Mannschaft.

Und wie ist es mit Balleroberungen? Schließlich sind schnelle Balleroberungen ein klares Merkmal für raubkatzenartiges Angreifen. 71 vs. 75,67 für den Gegner. Das gleiche gilt für das Abseits. Eintracht stand pro Spiel im Schnitt 2,33-mal im Abseits. Der Gegner dagegen nur 0,67-mal. Nicht besonders clever. Dazu kommt noch, dass die Schussentfernung mit 20,01 m im Durchschnitt viel länger ist als beim Gegner mit 16,51 Meter. So ist es schwierig, effizient zu sein.

Fazit: Eintracht spielt momentan keinen Raubkatzen-Fußball. Die Mannschaft ist zu langsam und ineffizient, das ist noch nicht löwenwürdig.

Was für´s Auge

Weil Eintracht-Fans zusätzlich von ihrer Mannschaft erwarten, dass sie außer Kampf und Leidenschaft auch fußballerisch etwas bietet, haben wir in der Eintracht-DNA das Kriterium „Was für das Auge.“ Wir wollen, dass die Spieler dribbeln, Zuckerpässe spielen und geile Tore schießen. Auch schöne Standardtore kommen bei uns gut an.

Löwen brauchen auch Futter für die Augen!

Schauen wir uns die 1 vs.1 -Dribbelaktionen an. Eintracht-Spieler dribbeln im Schnitt 19,61 je 90 Minuten. Das ist im Vergleich zu den anderen Teams sehr wenig und wir liegen damit auf dem 15. Platz. Allerdings waren unsere Dribbelaktionen oft erfolgreich mit 59 % –  der drittbeste Wert in der Liga.

Auch Pässe können schön sein. Besondere Bälle, die den Gegner überraschen, gefallen uns sehr. Hier gibt es ebenfalls eine Statistik, die wir betrachten können: Die intelligenten oder geschickteren Pässe. Solche Pässe spielt Eintracht nur 2,25 pro 90 Minuten, was deutlich unter dem Ligadurchschnittwert von 4,8 liegt. Damit sind wir auf dem zweitletzten Platz in der Liga. Bei den Schlüsselpässen sieht es etwas besser aus: 3,86 Pässe im Schnitt je 90 Minuten. Das ist besser als der Ligadurchschnitt von 3,43 Pässe pro 90 Minuten.

Fazit: Momentan ist dies die stärkste Eigenschaft der Meyer-Elf. Spielfreude ist bei der Mannschaft erkennbar, besonders im Passspiel. Hier zeigt sich bereits die Handschrift des Trainers. Die Torchancen müssen allerdings noch hochprozentiger werden.

Die fehlende Eintracht-DNA bei der Meyer-Elf?

Zusammengefasst müssen wir leider zugeben, dass die Meyer-Elf momentan noch nicht die Eintracht-DNA widerspiegelt. Sollte sich daran nichts Fundamentales ändern und der Erfolg damit ausbleiben, wird es die Mannschaft schwer haben, die Herzen und Köpfe der Fans zu erreichen. Das sieht man vor allem an einem Spieler wie Suleiman Abdullahi, der beispielsweise mit seiner Laufleistung von 9,01 km / 90min der schlechteste Feldspieler ist.

Sollte es Taktik sein, scheint es die falsche Taktik aus Sicht der Eintracht-Fans zu sein und sollte auch kritisiert werden dürfen. Da Manni auch die anderen Kriterien nicht erfüllt, steht er mit Recht in der Kritik. Doch sollte es von Daniel Meyer so gewollt sein, dass seine Spieler weniger laufen, sollte dies kommuniziert werden, damit die Spieler nicht zu Unrecht in der Kritik stehen.

Alles in allem können die Spieler das ihnen vor der Saison attestierte Potential noch nicht als Mannschaft in der nötigen Art und Weise abrufen, was, da sie neu zusammengestellt worden ist, zwar kein Wunder ist, was aber auf Grund der Umstände schnellstmöglich verändert werden muss. Die Zeit, die man dafür eigentlich bräuchte, gibt es im Grunde nicht.

Cheftrainer Meyer und sein Team stehen also vor der riesengroßen Herausforderung in den nächsten Wochen und Monaten, die Eintracht-DNA  so schnell und intensiv wie nur möglich zu verinnerlichen und in Punkte und Siege umzumünzen. Dazu muss man offensichtlich neue Wege gehen, was zum Beispiel Teambuilding oder mentale Aspekte angeht. Wenn nicht hier, wo sonst? Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wir Fans sollten auf der anderen Seite das größtmögliche Maß an Geduld aufbringen, denn mit Daniel Meyer haben wir einen Trainer, der grundsätzlich alles dafür mitbringt, die Herausforderung zu meistern, diese Quadratur des Kreises hinzubekommen.

Kijewski. Der Unersetzbare.

Hallo Löwen,

mit Niko Kijewski verlieren wir nicht nur einen großartigen Außenverteidiger. Nein, auch offensiv war Niko als Spieler auf der linken Außenbahn eigentlich unersetzbar. Er konnte sich offensiv einschalten, ohne dabei defensiv schlecht auszusehen. Eigentlich hätten wir ihn zweimal gebrauchen können, denn auch in der 3er Kette-Innenverteidigung wäre er bestimmt eine gute Option gewesen. Nun haben wir auf der linken Seite eine große Lücke.

Welche Optionen hat Daniel Meyer? Als erstes kann er auf der linken Seite Lasse Schlüter bringen, der der einzige Eins zu Eins -Ersatz für Niko Kijewski ist. Schlüter kann alles das, was Niko kann, nur leider nicht so gut. Er ist eine Größe zu klein für die 2. Liga. Als Spieler muss er schnell in die Fußspuren von Kijewski rein finden, sollte er langfristig ihn ersetzen wollen. Laut dem GSN-Index vom September ist er von einem Zweitligaformat weit entfernt, hat aber das Potential ein Zweitligaspieler zu werden. Er wird nie so gut sein wie Kiwi, aber immerhin habe ich bei ihm noch Hoffnung. Hat Lasse Schlüter auf eine große Chance gewartet, dies ist sie.

Im Eins zu Eins -Vergleich zwischen Kijewski und Schlüter sehen wir, dass Lasse in vielen Bereichen entgegen über Kiwi unterlegen ist. Sollte er in einem 3-4-1-2 -System Kiwi ersetzen, verliert Eintracht an Passsicherheit und im Angriff Gefährlichkeit, gewinnt aber Zweikampfstärke dazu. Dennoch ist Kijewski in so vielen Bereichen besser als Schlüter, dass seine Verletzung Eintracht wirklich hart trifft.

Was ist mit Putaro oder Schwenk?

In einem 3-4-1-2 -System hat Meyer auch die Option Spieler wie Leandro Putaro oder Manuel Schwenk einzusetzen, wobei ich bei Schwenk eher glaube, dass er auf der Zehnerposition Koby ab und zu erlösen soll. Putaro hat in den Testspielen auf der linken Außenbahn gespielt, hat aber nicht die Qualität, um auf dieser Position das zu verwirklichen, was Meyer in einem System mit nur zwei Außenbahnspieler vorhat. Beide, Schwenk und Putaro, sind meiner Meinung nach nur Optionen, sollte die Option Schlüter überhaupt nicht in diesem System funktionieren.

Im Vergleich mit Kijewski sehen wir, dass Putaro wirklich nicht der Außenbahnspieler ist, den Daniel Meyer braucht. Er erobert wenig die Bälle und seine Passsicherheit ist eher ein Fragezeigen. Er ist aber Zweikampf- und Dribbelstark. Da unterscheidet er sich von Schlüter, der nur wenig Offensivpower mit sich bringt. Dennoch sollte Putaro, als einziger Außenbahnspieler, schon Bälle abfangen und erobern können. Daher denke ich, dass Putaro nicht die erste Option ist Kijewski zu ersetzen.

Chance für Nico Klaß?

Auf der Pressekonferenz hat DM darauf hingedeutet, dass der Taktikwechsel auf eine Viererkette länger bestand haben könnte. Daniel Meyer sagte, dass Eintracht „unterschiedliche Ansätze“ hat und fügte hinzu: „Wenn wir mit einem klassischen Linksverteidiger spielen, haben wir eine Lösung.“ Wir haben schon gegen Holstein Kiel eine Viererkette gesehen, wo wir, nach der Verletzung von Kiwi, auf der linken Außenposition Nico Klaß gesehen haben. In der Tat scheint die Viererkette auf dem ersten Blick eine gute Lösung zu sein, denn es versteckt die Geschwindigkeitsnachteile, die Nico hat.

Nico Klaß hat also jetzt die Chance den Durchbruch in der 2. Liga zu schaffen. Schon im Juli schrieb Rabona95 hier in einem Gastbeitrag über Klaß so: „Klaß ist 1,87 groß und 23 Jahre alt, ausgebildet wurde er beim MSV. Sein Trainer Terranova beschreibt ihn als ungemein zweikampf- und kopfballstark. Klaß antizipiere gut und spiele mittlerweile auch einen feinen Pass im Spielaufbau. Dazu sei er sehr ehrgeizig und lernwillig. Auch Davari, in der abgelaufenen Saison sein Teamkollege, lobt ihn und hebt seine Zweikampfstärke her.

Bei Reviersport stand er in der Elf der Hinrunde, er sei so etwas wie der Shootingstar der letzten Saison gewesen. Bemerkenswerter Weise spielte er – obwohl Linksfuß – oft als rechter Innenverteidiger, was daran lag, dass der Mannschaftskapitän von RWO, Jannik Löhden, den Part des linken Innenverteidigers übernahm. Neben Löhden, 2,01 Meter groß, sieht man mit 1,87 etwas schmächtig aus. Ein anderer kritischer Punkt sei laut einem RWO-Fan die mangelnde Geschwindigkeit. Von den Daten her fällt auf, dass Klaß relativ wenig am Spiel teilgenommen hat, was aber auch mit der Spielanlage RW Oberhausens zu tun haben mag.“

Fazit

Laut Daniel Meyer ist Kijewski „„Eins-zu-Eins ist nicht zu ersetzen“. Er bleibt somit der Unersetzbare, bevor man sich auf dem Transfermarkt vielleicht umschaut. Dennoch hat Eintracht Braunschweig einige Optionen. Dazu kommt noch die Möglichkeit auf eine Überraschung auf dieser Position von Kijewski, man weiss es ja nie. Wer es immer nun sein mag, er muss im Derby von der ersten Minute an hellwachsein und erstmal froh seien spielen zu dürfen. Denn ohne den Kreuzbandriss würde auf der Position der Unersetzbare Niko Kijewski spielen. Wünschen wir ihn eine sehr schnelle Genesung.

Transferfazit September 2020

Ein Gastbeitrag von Rabona95.

Edit: Jussi-Pekka Rode. Dino-Bilder: Julian.

Hallo Löwen!

Die diesjährige Transferperiode ist fast abgelaufen, Zeit also für ein vorläufiges Fazit:

Allgemeines

Spätestens mit der Verpflichtung von Felix Kroos darf man behaupten, dass Peter Vollmann, inzwischen zum Geschäftsführer Sport befördert, und der neue Trainer Daniel Meyer gute Arbeit geleistet haben und den klaren Worten nach dem Aufstieg entsprechende Taten folgen ließen. Offensichtlich konnte Vollmann sein Netzwerk gut nutzen und war zusammen mit Meyer in der Lage, einige Spieler zu überzeugen, von denen man es nicht unbedingt annehmen konnte, dass sie zu Eintracht zu gehen. (Der Wunschsturm Polter und Kyereh ist allerdings nicht dabei.)

Eine kleinere Baustelle hat man aufgemacht mit einer Äußerung im Sommer, man brauche unbedingt einen robusten, großen Stoßstürmer. Dieses Vorhaben ließ sich bislang nicht realisieren, sodass man sich gezwungen sah, zu improvisieren, indem man Kaufmann, der eigentlich für die rechte Außenbahn vorgesehen war, in die Spitze versetzt hat. Deshalb muss rechts vorläufig der auf dieser Position ungelernte Wiebe spielen, was gerade gegen Offensivspieler wie die von Hertha im Pokalspiel nicht immer funktionieren konnte.

Von einer ganzen Reihe von Spielern hat man sich verabschieden können. Prinzipiell waren alle Entscheidungen nachvollziehbar, über die Art und Weise gibt es unterschiedliche Auffassungen. Dennoch ist der Kader aktuell ziemlich groß – sechs Vereine haben im Moment einen größeren Kader – , doch gerade in Hinblick darauf, dass es quasi keine Winterpause geben wird, scheint das auf Dauer kein Nachteil zu sein.

Vollmann zufolge habe man von einigen Transfers Abstand genommen, weil noch nicht jeder Spieler und Berater zur Erkenntnis gekommen sei, dass Verträge unter Corona anders aussehen. Möglicherweise ist damit unter anderem Polter gemeint, der offenbar ein Angebot bekommen hat, sich dann aber anders entschieden hat, weil es seinen Gehaltsvorstellungen nicht entsprach.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass man durch die umfangreichen Umbaumaßnahmen am Kader konkurrenzfähig für die neue Liga aufgestellt ist. Dem GSN-Index für Mannschaften und dem SPI von fivethirtyeight.com zufolge befinden wir uns jedoch am unteren Ende der Skala, was das Spielerpotential betrifft. Der Prognose von Goalimpact nach würden wir hingegen auf dem zweiten Platz landen.

Die Kaderübersicht von Global Soccer Network. Stand 4.9.2020

Grundsätzlich ist jede Position doppelt besetzt, der Kader wirkt – trotz der vielen zentralen Mittelfeldspieler – recht ausgewogen, auch was die Altersstruktur betrifft. In der Mannschaft ist genügend Zweitliga-Erfahrung vorhanden.

Wenn, dann besteht höchstens auf der rechten Außenbahn und im Sturmzentrum Handlungsbedarf. Das Spiel in Heidenheim hat gezeigt, dass man bis zum Ende nach einem irgendwie bezahlbaren Wandspieler, der hundertprozentige Chancen verwandelt, Ausschau halten sollte. Wenn Quaner keinen Verein in England mehr findet und seine Gehaltsvorstellungen an deutsche Zweitliga-Verhältnisse anpasst, sollte man parat stehen. Meyer ist indes zuzutrauen, Spieler aus dem aktuellen Kader mittelfristig so zu entwickeln, dass sie diese Positionen besetzen können, sollten keine Neuverpflichtungen mehr möglich sein.

Davon unabhängig fehlte gegen Heidenheim ein „aggressive Leader“. Daher ist zu hoffen, dass Kessel noch einige gute Spiele im Tank hat, um diese Rolle, am besten zusammen mit Ben Balla, Nikolaou und Kroos, zu übernehmen. Außerdem gilt es zu betonen, dass ein derart radikaler Team-Umbau einige Risiken birgt und dass man im Moment nur schwer einschätzen kann, inwieweit sich die vielen neuen Spieler schnell zu einem echten Team zusammenfinden werden.

Die neuen Spieler im Einzelnen

Die Verpflichtung zweier linksfüßiger Spieler (Nikolaou und Klass) für die Defensive ist sehr zu begrüßen. Klass traut man die Liga nicht sofort zu, Ziegele war gegen Heidenheim im Spielaufbau als Rechtsfuß ein Schwachpunkt. Auf Dauer wird Nikolaou auf der Position des linken Innenverteidigers erste Wahl sein. Gegen Hertha und Heidenheim hat er auch im zentralen Mittelfeld eine sehr gute Leistung abgeliefert.

Wydra hat in den ersten beiden Spielen die Erwartungen im Großen und Ganzen erfüllt, die man an ihn als Libero 2.0 gestellt hat. Auf  Felix Kroos wurde in diesem Blog schon umfassend eingegangen, er ist der offensichtliche Königstransfer, der jedoch noch etwas Zeit braucht, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Ben Balla ist, zumindest wenn man das Pokalspiel zugrunde legt, so etwas wie der heimliche Königstransfer. Derartig komplette Spieler wie ihn oder Nikolaou hat man sich schon seit Jahren gewünscht.

Schultz geht ähnlich wie beispielsweise Bär in seine erste Zweitliga-Saison, den beiden ist aber genauso wie Kaufmann, der schon Zweitliga-Spiele in seiner Vita aufweist, zuzutrauen, sich schnell zu akklimatisieren. Wie manch anderer Spieler im Kader werden sie darauf brennen, sich und allen zu beweisen, dass sie auf diesem Niveau dauerhaft mithalten können. Das Potential dafür besitzt jeder der neuverpflichteten Spieler.

Iba May bringt mit seiner Athletik einen weiteren Faktor mit, rechter Außenbahnspieler müsste aber auch er auf dem zweiten Bildungsweg lernen. Abdullahi kann auf jeden Fall ein Unterschiedsspieler sein, doch dafür muss er sein Phlegma abgelegen.

Für die Position des Torwarts wäre jemand wie Lindner sicherlich interessanter gewesen. Dornebusch ist im Vergleich kein klares Upgrade gegenüber seinen Konkurrenten, er verkörpert jedoch mehr den Typ des mitspielenden Torwarts und wird sicher moderate Gehaltsvorstellungen gehabt haben, zudem kennt Co-Trainer Stickroth ihn aus seiner Zeit beim FCN. Die Entscheidung pro Dornebusch und contra Fejzic erinnert etwas an die Lehmann-Kahn-Diskussion vor der WM 2006.

Heiland, der ohne Corona an ein amerikanisches College gegangen wäre, scheint ein sehr interessanter Nachwuchsspieler zu sein, hatte allerdings das Pech, wegen einer Muskelverletzung den Großteil der Vorbereitung verpasst zu haben. Kupusovic ist für alle der große X-Faktor – außer für den Trainer, der ihn aus Aue kennt.

Die Systemfrage

Die neuen Spieler scheinen  – soweit man dies jetzt schon sagen kann – ausnahmslos in die Mannschaft, zur neuen Spielanlage, die auf Ballbesitz ausgerichtet ist, und in Meyers 3-5-2-System zu passen. Der Fokus bei den Verpflichtungen lag ganz offensichtlich auf dem Zentrum, was wegen des Systems absolut nachvollziehbar ist – ganz abgesehen davon, dass gute und bezahlbare Außenverteidiger, gerade für die linke Seite, fast so schwer zu finden sind wie Stürmer mit „Torgarantie“.

Die potentiellen Schwächen des Systems  – Räume hinter den Außenspielern – haben die Hertha-Stürmer im Pokalspiel schnell offenlegen können, die Stärken konnte man aber auch sofort erkennen. Das Aufbauspiel wirkt schon sehr ansehnlich. Wenn die Abstimmung und die Laufbereitschaft passen, bietet dieses System alles in allem mehr Vor- als Nachteile.

Kijewski trauen viele nicht zu, ein solider Linksverteidiger in der Zweiten Liga zu werden, manche sehen das anders. Gewisse Nachteile hat er höchstens in puncto Geschwindigkeit, sonst ist er dem GSN-Index zufolge jemand, der auf jeden Fall das Potential für diese Liga besitzt. Am Ende gegen Heidenheim wurde Marcel Bär, bisher als Joker für die Offensive vorgesehen, auf der rechten Schiene zum Einsatz gebracht, das könnte man gerne auch mal von Beginn an versuchen. Ansonsten wäre mit Niklas Kreuzer eine sinnvolle Alternative auf dem Markt.

Nach der ersten Niederlage in der Liga sofort die Systemfrage zu stellen, erscheint übertrieben und unnötig. Dreier- oder Viererkette, Ballbesitz- oder Balleroberungsfußball – damit alleine ist noch keiner auf- oder abgestiegen. Ein 4-4-2 mit Raute beispielsweise ist genauso anfällig gegenüber Angriffen über die Flügel, ein 4-3-3 kann ebenfalls sehr löchrig sein.

Die im Wortsinne zentrale Rolle in (fast) jedem System ist die des Sechsers. Bei einer Dreierkette ist der Mittelmann im Grunde nichts Anderes als ein größtenteils zurückgezogener Sechser, beziehungsweise eigentlich müsste man es anders herum sehen, die beiden Innenverteidiger (und die beiden Außenverteidiger) rücken eine Linie auf, wodurch die ganze Formation kompakter wird.

Die Dreierkette wird nicht nur von absoluten Topteams wie Borussia Dortmund sehr erfolgreich praktiziert, sondern auch von Mannschaften wie Atalanta Bergamo, Wolverhampton Wanderers oder Sheffield United, die mit eher überschaubaren finanziellen Mitteln einen erstaunlich großen Erfolg in den letzten Jahren erreichen konnten.

Gasperini hat vier seiner ersten fünf Ligaspiele mit Atalanta verloren, mittlerweile hat er von 187 Spielen 98 gewonnen und liegt bei einem Punkteschnitt von 1,81. Wolverhampton und Sheffield erreichten jeweils als Aufsteiger auf Anhieb einen einstelligen Tabellenplatz in der Premier League.

Das Problem der fehlenden Scouting-Abteilung

Im Moment gibt es keine Scouting-Abteilung, man fährt also auf Sicht, das Netzwerk-Scouting funktioniert, mutmaßlich wurde nur Klass häufiger direkt unter die Lupe genommen. 500 Bewerbungen im Sommer hat man dagegen quasi ungesehen zu Akten gelegt. Unter Corona-Bedingungen ist das nachvollziehbar, Auslandsreisen waren nicht möglich, der Spielbetrieb ruhte fast überall.

Vollmanns Aussagen in der BZ vom 17.9. zufolge wird sich zumindest kurzfristig daran nichts ändern. Zitat: „Die Situation im Bereich Scouting werden wir vorläufig so beibehalten. (…) Mit Spielern aus dem Ausland beschäftigen wir uns momentan überhaupt nicht. Das ist nicht unser Markt. Ich will aber nicht ausschließen, dass wir das wieder intensivieren.“

Eintracht Braunschweig ist im Bereich Scouting ein Dino und noch nicht modern genug.

Unter Umständen sollte man diese Spieler trotzdem nochmals sichten, schauen, wer noch vereinslos ist, und für die rechte Seite, das offensive Mittelfeld und die Sturmmitte jeweils zwei Kandidaten für ein Probetraining einladen.

Kandidaten für einen Last-Minute-Transfer wären wie erwähnt Niklas Kreuzer (vereinslos) für die rechte Außenbahn, Donis Avdijaj (ebenfalls vereinslos) oder Besar Halimi (soll Sandhausen verlassen) für das offensive Mittelfeld – vorausgesetzt,  Kobylanskis Vater und Berater erhalten kurz vor Ende der Transferperiode ein Angebot, was sie nicht ablehnen können, zum Beispiel aus Düsseldorf – sowie der schon angesprochene Collin Quaner als großer Stoßstürmer.

Bei vereinslosen Spielern hätte man im Übrigen länger Zeit als bis zum Ende der Transferperiode am 5. Oktober. Bedingung wäre dafür andererseits eigentlich, noch den einen oder anderen Spieler verabschieden zu können, was jedoch auf Grund der Umstände schwer ist und schwer bleiben wird.

Auf Dauer kann man sich dieses auf Sicht Fahren beim Scouting nicht leisten und muss, um konkurrenzfähig in dieser extrem engen Liga zu bleiben, Spieler suchen, welche mehr Qualität mitbringen und weniger Gehalt kosten als die meisten Spieler aus deutschen Ligen. Solche Spieler findet man vor allem in Skandinavien und auf dem Balkan.

Dafür bräuchte man einen hauptamtlichen Scout. Wer höchstwahrscheinlich sofort zur Verfügung stehen würde, wäre Frank Eulberg, der auf dem Gebiet genügend Erfahrungen mitbringt. Eine Kooperation mit einem Anbieter für datenbasierte Analyse wie Global Soccer Network ist ebenso zwingend notwendig. Mittel- und langfristig sind dies Investitionen, die sich auf jeden Fall auszahlen werden. Dass der SV Sandhausen zuletzt beispielsweise mit Zhirov und Fraisl in Osteuropa Spieler gefunden hat, die kein anderer auf dem Schirm hatte, ist sicher kein Zufall.

Ausblick in die Zukunft

Auf lange Sicht könnte es bei allem Risiko, was man dabei eingehen muss, zudem lohnend sein, buchstäblich global zu denken und dabei die Möglichkeiten, soll heißen die Beziehungen, die man hat, zu nutzen.

Zum einen käme dafür Kingsley Onuegbu in Frage, der nach Beendigung seiner Karriere eine Fußballschule in Kaduna (Nigeria) eröffnen wird. Wenn man ihn dabei unterstützen würde, hätte man im besten Fall die Chance, in fünf bis acht Jahren talentierte Nachwuchsspieler aus Nigeria direkt nach Braunschweig zu transferieren.

Emefie Aneke Atta, der Berater von Abdullahi, welcher übrigens ebenfalls aus Kaduna stammt, scoutet seit Jahren Spieler in seiner Heimat und bringt sie dann als erstes nach Norwegen, das viele als Sprungbrett in die größeren Ligen Europas nutzen.

Eintracht sollte eventuell auf dem Transfermarkt nochmal zuschlagen.

Eine andere Option wäre Daniel Teixeira in Belo Horizonte (Brasilien), der als Spielerberater tätig ist und einige Jahre bei seinem Heimatverein Cruzeiro im Vorstand zuständig war für internationale  Beziehungen. Er strebt – einem Interview aus dem Frühjahr zufolge –  Kooperationen mit deutschen Vereinen an und könnte in Belo Horizonte als Türöffner und Vermittler für Eintracht auftreten.

Zusammenfassung

Alles in allem ist also in dieser Saison mit dem Kader, wie er bis jetzt zusammengestellt worden ist, der Klassenerhalt ein realistisches Ziel, vereinzelte Nachjustierungen könnten trotzdem durchaus noch sinnvoll sein. Mittel- und langfristig muss man sich allerdings anders aufstellen beim Scouting, wenn man konkurrenzfähig bleiben will.

Quellen: