Taktikpad: Angriffsabschluss. Das Spiel der Eintracht im letzten Drittel

Hallo Löwen,

es ist Zeit, unsere Taktikpad-Serie fortzusetzen. Heute nehmen wir das Angriffsspiel der Eintracht unter die Lupe. Unser spezieller Fokus hier liegt im Abschluss und wie die Eintracht in die entsprechenden Positionen kommen möchte. Wir erinnern uns: Grundsätzlich muss man in der Aufbauphase drei verschiedene Abschnitte unterscheiden: Spielaufbau, Spielfortsetzung und Angriffsabschluss/Spiel im letzten Drittel.

Bild: Robin Burek

Wir erinnern uns auch: Eintracht kommt weitgehend über Tempo zu Chancen. Es gilt, Dynamik zu kreieren, um dadurch einen Vorteil für sich zu schaffen. Dreiviertel der Eintracht-Torabschlüsse erfolgen in höchstens 10 Sekunden nach einem Ballgewinn. Dies ist aktuell der Schlüssel zum Spiel und jede Angriffsstatistik sollte man vor diesem Hintergrund betrachten. Anders ausgedrückt: Offensivaktionen, die mit einem Schuss enden, werden bei der Eintracht fast immer mit Tempo gespielt. Bei Eintracht bleibt kaum Zeit für Extra-Kreativität: Das Spiel soll direkt und schnell sein. Gelegentlich sollen z.B. auch Überzahlsituationen forciert bzw. erspielt und ausgenutzt werden. Bei sich ergebenden Möglichkeiten soll dann auch die individuelle Überlegenheit besser eingesetzt werden.

Schlechte xG-Werte!

Eintracht kommt im Vergleich zu den anderen Teams in der Liga nicht sehr häufig zum Abschluss. Mit 11,41 Schüssen pro Spiel bei einem Ligadurchschnitt von 11,72 befindet man sich im unteren Mittelfeld. Auch die Qualität der Schüsse lässt etwas zu wünschen übrig. Eintracht hat den sechst-schlechtesten xG-Wert pro Schuss: 0,105 xG.

Die Schüsse aufs Tor in den letzten 5 Ligaspielen (Wyscout)

Das heißt auf gut Deutsch, dass die Schüsse aus einer unvorteilhaften Position abgegeben werden, was ihre Torwahrscheinlichkeit mindert. Immerhin liegen unsere Löwen bei den Schüssen aufs Tor etwas über dem Ligadurchschnitt: 37,9 % gehen direkt aufs gegnerische Gehäuse, bei einem Ligadurchschnitt von 36,4 %. Hier ist außerdem anzumerken, dass Eintracht im Schnitt ca. zwei Schüsse mehr pro Spiel abgibt als der jeweilige Gegner.

Die Schusspositionen in den letzten fünf Ligaspielen (Wyscout): Lauberbach liegt in der xG-Statistik vorn. Insgesamt werden viele Schüsse aus weiter Entfernung oder aus einem sehr spitzen Winkel abgegeben.

Statistische Auswertung

Eintracht hat im Schnitt 13,71 Ballkontakte pro Spiel im gegnerischen Strafraum (Gegner: 13) und verzeichnet ca. 22 Eintritte in den gegnerischen Sechzehner (Gegner: 18,6). Gerade bei diesen Eintritten gibt es noch Verbesserungspotenzial, damit vielversprechende Aktionen auch mit einem Torschuss enden. Das spiegelt auch die Schlüsselpassstatistik wider, bei denen Eintracht im unteren Bereich der Liga rangiert. Es gibt zwar viele Versuche, doch nur wenig Ertrag. Insgesamt hat der BTSV im Vergleich zur Ligaspitze einfach zu wenig Ballkontakte im gegnerischen Strafraum. Auffällig ist jedoch, dass unsere Jungs in den eigenen Spielen hier statistisch besser als der jeweilige Gegner abschneiden. Sie schaffen es vergleichsweise gut, den Gegner vom eigenen Strafraum fernzuhalten: Die 13 gegnerischen Ballkontakte im eigenen Sechzehner liegen deutlich unter dem Ligadurchschnitt von 16,89.

Die Schlüsselpässe in den letzten fünf Ligaspielen (Wyscout).

Eintracht ist keine besonders flankenfreudige Mannschaft, aber kann auch nicht „flankenfaul“ bezeichnet werden. Bei einem Ligadurchschnitt von 14,4 Flanken pro Spiel verzeichnet die Eintracht im Schnitt knapp eine Flanke weniger pro Spiel. Dafür ist die Genauigkeit bei den Löwen mit 35 % etwas besser als der Ligadurchschnitt (34,04 %). Pro Spiel kommen im Schnitt 4,57 Flanken im Strafraum an – etwa eine mehr als beim Gegner.

Die Flanken in den letzten fünf Ligaspielen (Wyscout)

In 1 vs. 1-Situationen muss sich die Eintracht auch weiterhin steigern, was Trainer Michael Schiele bereits selbst gefordert hat. Nur knapp 21 Mal pro Spiel suchen die Löwen im Angriff das direkte Zweikampfduell. Bei einem Ligadurchschnittswert von fast 27 ist das zu wenig. Allerdings ist auch hier die Erfolgsquote erneut auf unserer Seite: mit 53,3 % liegt man über dem Ligadurchschnitt von 52,23 %. Überhaupt würde es helfen, wenn wir mehr offensive Zweikämpfe für uns entscheiden würden: Von ca. 70 Offensivduellen gewinnen wir durchschnittlich 37,5 % und der Gegner 41,3 %.

Dribbelkönig Multhaup in den letzten fünf Ligaspielen (Wyscout).

Es sind dynamische Situationen, die Eintracht erzwingen will. Oft wird der Gegner im Angriffsdrittel unter Druck gesetzt – oder die Mannschaft geht ins Gegenpressing über. So konnten schon etliche Tore erzielt werden. Ganz entscheidend ist hier, dass die Restverteidigung in der Regel stimmt, wenn es zu einem kritischen Ballverlust kommt. Bisher lösen unsere Löwen das sehr souverän. Später folgen dazu noch ein paar konkrete Beispiele.

Die Balleroberungen im letzten Drittel in den letzten fünf Ligaspielen (Wyscout).

Videonalyse: Starke Strafraumbesetzung!

In der letzten Saison hatte Eintracht im Angriff oft das Problem, dass die gefährlichen Zonen nicht besetzt waren. Man sah oft einen 2- oder 3+1-Modus, in dem ein Spieler den Ball passte und zwei bis drei Teammitglieder versuchten, den ankommenden Ball im Tor unterzubringen. Dabei orientierte sich ein Spieler am Strafraumrand, um zweite Bälle zu gewinnen. Oft positionierte dieser sich allerdings etwas zu weit weg vom Sechzehner. Die beiden Pfosten blieben unbesetzt, den Raum am Elfmeterpunkt ließ man ebenfalls frei und ermöglichte keine zweite Agriffswelle.

Dies hat sich in dieser Saison klar verändert! Fünf bis sieben Spieler schalten sich sehr aktiv in die Offensive ein. Die gefährlichen Räume werden nach einem Ballgewinn sehr schnell besetzt. Das 1:2 gegen Wehen Wiesbaden ist ein gutes Beispiel: Die Flanke von Martin Kobylanski erreichte Lion Lauberbach im Zentrum. Neben Lauberbach laufen zwei seiner Mitspieler auf den kurzen und langen Pfosten zu. Im TV-Bild ist im Hintergrund kurz zu sehen, wie der Strafraumrand von ein bis zwei Spielern besetzt wird, um auf einen möglichen zweiten Ball zu lauern.

Das 3:0-Tor gegen den TSV Havelse ist fast ein Musterbeispiel aus dem Lehrbuch. Nachdem Jomaine Consbruch auf den rechten Flügel geschickt wird und sich an der Strafraumecke im 1 vs. 1 durchsetzen kann, spielt er den perfekten Cut-Back-Pass zu Robin Krauße. Doch er hätte auch andere Optionen gehabt: Beide Pfosten sind besetzt, ebenso Zentrum plus Elfmeterpunkt – ganz im Sinne des 3+1-Modus. Dazu lauert im Hintergrund ein Teammitglied am Strafraumrand. Perfekte Strafraumbesetzung!

Screenshot: Wyscout.

Das gelungene Positionsspiel der Braunschweiger im Angriff wird natürlich, wie angesprochen, von dynamischen Bewegen unterstützt. Dies geschieht zum Beispiel durch Positionswechsel, Pass- und Klatsch-Kombinationen und dem Hinter- bzw. Vorderlaufen. Man möchte den Gegner ins Pressing oder in Zweikämpfe locken, um dann die unorganisierte (vs. organisierte) Abwehr zu umspielen.

In unserem Paradebeispiel zum 3:0 in Havelse zieht Danilo Wiebe den gegnerischen Außenverteidiger auf sich und erschafft dadurch Platz für Consbruch. Der nun außenstehende Spieler in der Abwehrkette muss sich entscheiden: Soll er ins Pressing gehen oder sich nach hinten fallen lassen? Schließlich rückt er zurück und sichert die Tiefe ab – doch Consbruch kann die 1 vs. 1 -Situation für sich entscheiden. Es ist schön zu beobachten, wie schnell und zielorientiert sich die Braunschweiger in dieser Situation in Richtung gegnerisches Tor bewegen.

Screenshot: Wyscout.

Andere Musterbeispiele

Nicht nur die Strafraumbesetzung funktioniert bei der Eintracht inzwischen gut. Ein Geheimnis ist auch das „Wandspielen“ im höheren Mittelfeld – zum Beispiel mit Lauberbach, der oft mehrere Gegenspieler auf sich zieht und somit freien Raum für seine Mitspieler schafft. Diese Situationen konnte Eintracht schon das eine oder andere Mal für einen Steckpass nutzen, um schnell vor das gegnerische Tor zu gelangen.

Ein schönes Beispiel ist das 1:1 gegen den VfL Osnabrück. Lauberbach zieht zwei Gegenspieler auf sich. Der Abwehrspieler rückt aus der Viererkette raus. Es entsteht eine 3+1-Situation: Ein Fehler des Gegners, denn der vorgerückte Abwehrspieler reißt eine Lücke in die Kette. Er rückt zu weit vor und ist nur nicht mehr Teil der geordneten Linie. Ideal wäre hier eine sogenannte 3-1-Situation, wo der Abwehrspieler mit seinem Schatten den freien Raum deckt, während seine Mitspieler die Tiefe sichern und den freien Raum schließen. In der beschriebenen Situation kann Eintracht den Ball jedoch behaupten und mit einem Steckpass Multhaup im freien Raum erreichen, in den er gestartet ist. Das Resultat ist ein verdientes 1:1.

Screenshot: Wyscout.

Das hohe Angriffspressing des BTSV bereitet Gegnern oft Probleme und zwingt deren Abwehr zu Fehlern. Ein gutes Beispiel ist das 1:1 gegen den 1.FC Saarbrücken. Henning setzt den Torwart unter Druck, der dann einen unsauberen Pass zu seinem Nebenmann spielt. Es entsteht eine 2 vs. 1 -Situation für die Eintracht im gegnerischen Strafraum. Das 1:1 ist die logische Folge. Auch das 1:0 gegen BVB II ist ein gutes Beispiel, in dem aggressives Anlaufen die Abwehr zu Fehlern zwingt.

Screenshot: Wyscout.

Fazit

Eintracht beherrscht es sehr gut, den Gegner unter das eigene Niveau zu drücken. Unser Team kreiert zwar wenige Chancen und weist nicht immer die qualitativ hochwertigsten Schüsse auf, kann aber durch eine solide Abwehrleistung und dynamisches Bewegen, Zweikämpfe oder Pressing den Gegner zu Fehlern zwingen. Diese nutzen unsere Löwen dann sehr effizient! Die Strafraumbesetzung ist unter Michael Schiele deutlich risikoreicher als unter seinem Vorgänger Daniel Meyer und dadurch auch oft zurecht erfolgreich.

Taktikpad: BTSV-Fortsetzungsspiel

Moin Löwen!

Neulich haben wir das organisierte Aufbauspiel der Löwen unter die Lupe genommen. Wir erinnern uns: Grundsätzlich muss man in der Aufbauphase drei verschiedene Abschnitte unterscheiden: Spielaufbau, Spielfortsetzung und Angriffsabschluss/Spiel im letzten Drittel, je nachdem wie hoch eine Abwehrlinie steht.

Nun ist es Zeit, das Fortsetzungsspiel der Herrenmannschaft unserer Braunschweiger Eintracht etwas genauer zu analysieren.

Raubtier-Tempo!

Bild: Robin Burek

Eintracht hat unter Michael Schiele einen besonderen, direkten Fußball-Stil. Die Mannschaft spielt sehr bewusst gradlinig Richtung gegnerisches Tor. Bei Schiele stehen Intensität und Mentalität im Vordergrund, die Kreativität tritt dagegen in den Hintergrund. Deswegen kann man in der BTSV-Vorwärtsbewegung grob zwischen zwei unterschiedlichen Situationen unterscheiden: Das Spiel mit Tempo und Raum und das Spiel ohne Tempo und ohne Raum.

Wir werden später anhand der Statistiken sehen, wie wichtig Tempo für die Löwen ist. Im Forsetzungsspiel merkt man schnell, dass sich ohne Tempo in der Regel auch wenig Raum erschaffen lässt. Hier fehlt es beispielsweise an der besonderen Kreativität. Daraus resultiert, dass Tempo im Spiel der Löwen eine Art Grundvoraussetzung ist. Situationen, in denen man nicht umschalten kann, sondern einen organisierten Angriff zu Ende führen muss, sind bei der Eintracht meist eine Herausforderung und führen eher selten zu Chancen. Ist kein Tempo im Spiel, stockt es. Deswegen versucht man bewusst diese Ohne-Tempo-Konstellationen zu vermeiden und in Mit-Tempo-Situationen umzuwandeln.

Laut Global Soccer Network ist Eintracht hier übrigens Ligaspitze: 74 Ballbesitzphasen mit Torabschluss in der gegnerische Hälfte bei einem Ligadurschnitt von 70,65 Torabschlüssen. Wenn Eintracht den Ball hat, sucht das Team sehr schnell den Abschluss. Im Schnitt sind es ca. 8 Sekunden. Rang eins in der 3. Liga!

Quelle: GSN

Anders ausgedrückt: Offensivaktionen, die mit einem Schuss enden, werden bei der Eintracht fast immer mit Tempo gespielt. 48 % der Aktionen dauern unter 5 Sekunden. 27 % zwischen 5 und 10 Sekunden. Somit steht fest, dass Dreiviertel der Eintracht-Torabschlüsse in höchstens 10 Sekunden erfolgen. Dafür sind Umschaltsituationen sehr wichtig. Bei Eintracht bleibt kaum Zeit für extra Kreativität: Das Spiel soll direkt und schnell sein.

Dies spiegelt auch die Wyscout-Statistik wider. Eintracht hat mit einem Matchtempo („Number of team passes per minute of pure ball possession“) von 16,01 das viertschnellste Tempo in der Liga bei einem Ligadurchschnitt von 15,6. Der Ball muss schnell nach vorne. Überhaupt gehen die Löwen vom Aufbauspiel oft sehr schnell ins Fortsetzungsspiel über. Das Mittelfeld wird schnell überbrückt, da man dem Gegner nicht die Chance lassen möchte, sich in der Abwehr zu organisieren.

Lösungen, um ins Tempo zu kommen

Da Tempo bei der Eintracht im Vordergrund steht, versucht das Team den Gegner in Situationen zu locken, in dem es das Tempo ausnutzen kann. Doch wie bekommt man das nötige Tempo ins Spiel? Nun: Tempo kann zum Beispiel dadurch erzeugt werden, indem man den Gegner unter Druck setzt und so zu Fehlern zwingt. Der daraus resultierende Ballgewinn kann durch schnelle, tiefe Pässe und Läufe genutzt werden, weil die gegnerische Abwehr noch unorganisiert ist. Die Arbeit gegen den Ball mit Druck und intensivem Anlaufen ist eine beliebte Methode und besonders sichtbar bei Spielern wie Bryan Henning.

Wyscout: Balleroberungen im Angriffsdrittel in den letzten 5. Spielen

Aber es gibt auch noch weitere Methoden. Schnelle „Pass und Klatsch“-Kombinationen sind bei der Eintracht nicht unüblich, selbst wenn der Gegner tief steht. Robin Krauße macht das aus meiner Sicht meisterhaft. Er spielt im Schnitt 38,43 kurze und mittlere Pässe, die eine Erfolgsquote von fast 90 % aufweisen. Positionswechsel der Offensivspieler sollen zudem für Dynamik sorgen. Die Außenstürmer wechseln regelmäßig ihre Positionen, während sich zeitgleich 5-6 Teammitglieder im Offensivspiel einschalten. Der gegnerischen Abwehr bereitet das viel Arbeit. Gleichzeitig erhalten die Löwen Anspielstationen und Kombinationsmöglichkeiten in der Offensive im 4-2-3-1-System.

Wyscout: Die realen Positionen der Spieler im Spiel gegen Saarbrücken.

Dennoch bietet Eintracht auch gemischte, ausgeglichene Lösungen an. Der BTSV ist das fünft-meistgefoulte Team in der Liga. Freistöße bieten außerdem immer eine gute Möglichkeit, um für Torgefahr zu sorgen, das Spiel neuzugestalten oder Tempo anzuziehen. Dazu kommt, dass Eintracht eine sehr gute Einwurfmannschaft ist. Die Erfolgsquote mit 91,2 % ist die zweithöchste in der Liga (87,33 %). Eintracht hat pro Spiel 21,72 erfolgreiche Einwürfe (Liga: 20,52). Sie bieten eine gute Gelegenheit, um den Gegner zu überraschen oder zu überwinden. Wir erinnern uns zum Beispiel gerne an das Tor gegen den HSV im Pokal nach einen Einwurf.

Auch direkte Duelle schaffen Räume und bieten Möglichkeiten zum Umschalten. Ein beliebtes Muster ist, einen langen Pass auf den Zielspieler oder Außenstürmer zu spielen, der dann Teile der gegnerischen Hintermannschaft auf sich zieht und freie Räume erzeugt. Luc Ihorst (1.) und Lion Lauberbach (5.) bestreiten die meisten Duelle in der 3. Liga und erschaffen somit sehr viel Raum für das Fortsetzungsspiel der Löwen.

Grundsätzlich ist das Eintracht-Fortsetzungspiel von Risiko geprägt. Der Ball muss schnell nach vorne gespielt werden. Demnach passt die Mannschaft oftmals einen tiefen Ball in Richtung des gegnerischen Tors. Unsere Eintracht kommt dabei ligaweit auf die fünftmeisten langen Bälle. Doch bei der Erfolgsquote liegen wir nur auf Platz 15. Bei den progressiven Pässen landet man ebenfalls nur auf dem 12. Platz. Brian Behrendt spielt bei uns die meisten progressiven Pässe und langen Bälle. Auch Niko Kijewski sucht oft den Pass nach vorne, während sein Mitstreiter Lasse Schlüter auf der Linksverteidigerposition eher den Lauf in die Tiefe bevorzugt.

Ein Ballverlust ist meist kein Problem, denn im direkten Gegenpressing oder im Kampf um den zweiten Ball wird die Kugel zurückerobert. Die nachrückenden Spieler aus dem Mittelfeld können für Dynamik sorgen, wenn sie mit mit Geschwindigkeit aus der Tiefe nachrücken, um den zweiten Ball mit Tempo zu gewinnen.

Auch das 1-zu-1-Dribbling ist bei der Eintracht eine gern gewählte Methode, um Tempo zu machen und freie Räume zu schaffen. Eine außergewöhnlich andribbelfreudige Mannschaft ist die Eintracht in der Liga allerdings nicht. Ihorst ist dabei der aktivste Dribbler im Team. Die Wyscout-Statistiken der letzten fünf Spiele zeigen immerhin, dass man bei den Steilpässen in den gegnerischen Strafraum besser als der Ligadurchschnitt ist.

Wyscout: Dribbling und Steilpässe die letzten 5. Spiele

Progressive Läufe, also längere Läufe mit dem Ball in Richtung des gegnerischen Tores, sind bei der Eintracht im Ligavergleich eher eine Seltenheit: Im Schnitt sind es mit insgesamt zehn Läufen ca. zwei weniger pro Spiel. Dennoch ist auch diese Art von Raumgewinn für das Braunschweiger Spiel wichtig. Insbesondere Schlüter wählt diesen Weg relativ häufig. Und auch Ihorst wird hier immer wieder aktiv.

Ohne Tempo

In Situationen, in denen der Gegner tief in seiner eigenen Hälfte steht, kann Eintracht das Tempospiel nicht immer sinnvoll einsetzen. Im Fortsetzungsspiel ist das größte Hinderniss genau diese Phase im Spiel, in der sich das Tempospiel nicht entfalten kann.

Hier liegt die Achillesferse der Eintracht. Sehr oft wird bei diesen Positionsangriffen der Ballbesitz verschwendet. Eintracht hat laut Wyscout im Schnitt 27,64 Positionsangriffe pro Spiel bei einem Ligadurschnitt von 28,98. Davon führen nur 5,55 Positionsangriffe zu Schüssen (Ligadurschschnitt 6,62). Somit enden fast 4/5 der Positionsangriffe ohne einen einzigen Schuss – das sind 22,09 Angriffe (Liga: 22,36). Hier liegt Eintracht nur auf dem 15. Platz in der Liga.

In dieser Saison verzeichnete unsere Eintracht in nur 2 von 74 Ballbesitzphasen in der gegnerischen Hälfte, die über 30 Sekunden dauerten, einen Schuss. Das entspricht 2,7 % der Ballbesitzphasen mit einem Schuss bei einen Ligadurchschnitt von 7,43 %. Kein Wunder also, dass die Löwen so aktiv versuchen, ins Tempo zu kommen. Es gibt Teams, wie den 1. FC Magdeburg, die bei ganzen 16 % dieser Ballbesitzphasen Schüsse abgeben. Das spiegeln auch die Statistiken zur Kreativität wider. Hier fehlt es den Braunschweigern deutlich an Kreativaktionen!

Fazit

Eintrachts Fortsetzungspiel kann man mit einem einzigen Wort definieren: Tempo! Das schnelle Spiel ist die größte Stärke der Löwen, das langsame Spiel hingegen die größte Schwäche. Am Ende stellt sich das direkte Spiel als schön und intensiv, doch auch anstrengend und manchmal zu einfach dar. Mehr Variabilität würde uns hier sicher gut zu Gesicht stehen.

Taktikpad: BTSV-Aufbau in der Analyse

Moin ihr Löwen,

heute schauen wir uns mal das Braunschweiger Aufbauspiel (organisierte Offensive) genauer an. Mit einer Passquote von 79,7 % liegt die Eintracht im Mittelfeld der Liga. Dagegen sind wir mit nur 46,2 % Ballbesitz einer der Mannschaften, die den Ball gerne erstmal dem Gegner überlässt und auf eine Umschaltsituation wartet. Nun werfen wir einen Blick auf genau die Momente, in denen Eintracht den Ball hat und das Spiel aufbauen kann oder „muss“.

Bild: Robin Burek

Die Phase des Spielaufbaus (organisierte Offensive)

Grundsätzlich muss man in der Aufbauphase drei verschiedene Abschnitte unterscheiden: Spielaufbau, Spielfortsetzung und Angriffsabschluss/Spiel im letzten Drittel, je nachdem wie hoch eine Abwehrlinie steht. Ob der Gegner hoch oder tief steht, ist entscheidend dafür, wie Eintracht den Spielaufbau gestaltet. Grundsätzlich kann man bei unserem Team unter Michael Schiele eine „Konservative“ 4-2-3-1-Formation beobachten. Das bedeutet, dass es wenig unkonventionelle oder kreative Verschiebungen gibt.

Spielt der Gegner kein aggressives Angriffspressing, benutzt man im Aufbau aus der Defensive eine pendelnde Viererkette, in der sich der ballferne Außenverteidiger nach vorne schiebt. Kommt der Innenverteidiger auf seiner Seite in Ballbesitz, zieht sich der nun ballnahe Außenverteidiger zurück und bietet sich als Anspielstation an. Diese Bewegung gibt dem nun ballfernen Außenverteidiger die Möglichkeit vorzurücken. So lässt sich auch das Spiel verlagern, wenn optimal gespielt wird.

Eine pendelnde Viererkette

Auch die Doppelsechs setzt sich jetzt in Bewegung. Während der ballferne Sechser nach vorne rückt, zieht sich der ballnahe Sechser zurück, um eine Anspielstation zu bieten. Doch mehr ins Detail gehen wir gleich noch. Schauen wir uns nun das Aufbauspiel der Braunschweiger genauer an.

Torwartspiel mit dem Ball

Jasmin Fejzic ist nicht bekannt für seine Künste mit dem Ball. Dennoch hat er mit 70 % eine ordentliche Langpassquote und mit 98,6% eine exzellente Kurzpassquote in Pflichtspielen. Bei Torwart-Abstößen, die es in dieser Saison im Schnitt 7,79 Mal pro Spiel gibt, spielt Eintracht im Schnitt 4,7 kurz und 3,09 lang. Ob man dieser Wyscout-Statistik aber voll und ganz trauen kann, ist nicht abschließend zu klären, da die TV-Bilder sehr oft den Torwart-Abstoß nicht zeigen.

Sollte der Gegner sehr hoch stehen bei einem Torwart-Abstoß, versucht die Eintracht das Spiel meistens mit einem Kurzpassspiel aufzubauen. Die zwei Innenverteidiger postieren sich direkt neben dem Torwart, die Außenverteidiger dagegen etwas höher und diagonal. Einer der Sechser bietet sich in der Mitte an, damit er anspielbar ist, wenn der Innenverteidiger den Ball bekommt. Gelegentlich benutzt Eintracht beim hohen Pressing des Gegners auch einen lange Abstoß-Variante.

Kurzer Abstoß – Gegner im Angriffspressing

Beim direkten Anlaufen des Gegners spielt Jasi oft den langen Ball direkt nach vorne oder sucht die Außenspieler. Hier kommt es zu den meisten Fehlpässen. Trotzdem ist unser Keeper mit 46 erfolgreichen Distanz-Pässen der beste Langpassspieler im Team. Mit 39,23 m kommt er auch auf die längste durchschnittliche Passlänge bei der Eintracht.

Aufbauspiel Innenverteidiger

Haben die Innenverteidiger Brian Behrendt oder Michael Schultz den Ball, so können wir bei ihnen verschiedene Muster beobachten, wie sie mit dem Ball umgehen. Beide sind Rechtsfüßer. Schultz ist dabei der IV, der mit seinen Pässen die wenigsten Risiken eingeht. In seinen 599 Minuten in der 3. Liga spielte Schultz den Ball meistens eher kurz. Mit 184 erfolgreichen von 199 kurzen und mittleren Pässen ist er der zweitbeste im Team. Einen Ball in die Tiefe sucht er nur selten. In der 3. Liga spielte er im Aufbau 48 Pässe, von denen 39 ankamen.

Aufbau der IVs (Quelle: Wyscout)

Da beobachten wir bei seinem Nebenmann Behrendt ein anderes Vorgehen. Im Vergleich sucht er öfter die Tiefe und scheut sich auch nicht, mal einen risikoreichen Pass zu spielen. Mit einer Langpassquote von 59 % und eine Progressivpassquote von 80 % ist Behrendt einer der besten „Tiefspieler“ im Team. Im Schnitt spielt er die zweitmeisten progressiven Pässe nach vorne: 11,25 pro 90 Minuten. In der 3. Liga kommt er im Aufbau auf 64 Pässe, von denen 48 ankamen. Behrendt ist auch der Innenverteidiger, der bei uns die meisten Bälle in das letzte Drittel spielt.

Beide Innenverteidiger sind vom Typ her keine mitspielenden IV. Somit hat Eintracht hier im Aufbau nicht immer die besten Karten in Sachen Kreativität. Bei schnellen Balleroberungen (Umschalten) oder beim Anlaufen des Gegners werden oft unsaubere Pässe gespielt. Einen Gegenspieler dribbelt man nur selten an. Wenn es aber jemand tut, ist es normalerweise Behrendt, der auch die meisten Vorstöße (progressive Läufe) von den beiden macht. Im Schnitt suchen seine Mitspieler ihn 26,84 Mal pro Spiel, bei Schultz liegt dieser Wert bei 20,82.

Aufbauspiel Außenverteidiger

Die beiden Außenverteidiger Niko Kijewski und Danilo Wiebe haben im Aufbauspiel der Braunschweiger eine wichtige Rolle. Die pendelnde Viererkette, wie oben beschrieben, ist von den beiden abhängig. Dabei schiebt sich einer der beiden im Wechsel nach vorne und ist damit in der Spielfortsetzung anspielbar. Im Aufbau haben beide eine eher schlechte Passquote von 66 % bzw. 68 %. Das liegt daran, dass unsere AV sehr oft bewusst die Tiefe im Spiel suchen. Die meisten Pässe sind direkt an die Offensivspieler adressiert, oft auf der Außenbahn entlang oder in die Halbräume hinein. Zusammen spielen die beiden im Schnitt 17 erfolgreiche progressive Pässe nach vorne pro Spiel, wobei Kijewski diese Pässe etwas öfter und präziser spielt als Wiebe.

Aufbauspiel der Außenverteidiger (Wyscout)

Beide laufen selten mit dem Ball in die Tiefe. Wenn es dazu kommt, ist es meist eher Wiebe. Er versucht sich auch häufiger an Steilpässen, doch meistens fehlt ihm dabei die Präzision. Allerdings gehört diese Analyse eher zum Teil Fortsetzungsspiel, dem wir uns ein anderes mal widmen werden.

Aufbauspiel defensives Mittelfeld

Unsere beiden Sechser Jannis Nikolaou und Robin Krauße sind beide im Aufbauspiel sehr unterschiedlich, auch wegen der Rollenverteilung. Nikolaou spielt mehr lange Bälle und progressive Pässe als Krauße, wobei unser Robin diese sehr viel präziser spielt als Jannis. Dafür spielt Krauße mehr kurze Pässe direkt an seinen Nebenmann. Beide haben im Aufbau eine ordentliche Passquote zwischen 78 % und 80 %. Nur Krauße greift ab und an auf das Dribbling zum Spielaufbau zurück. Er macht auch mehr progressive Läufe.

Unsere Sechser im Aufbauspiel (Wyscout)

Da die beiden sehr oft im Spiel angespielt werden – im Schnitt sind es zusammen über 43 Mal pro Spiel – sind sie der Motor im Mittelfeld und eng miteinander verbunden. In den durchschnittlichen Positionsauswertungen stehen sie meistens auf „einem Fleck“. Sie tauschen ihre Rollen regelmäßig, wechseln die Positionen, beteiligen sich aktiv am Aufbauspiel und bieten Anspielstationen für ihre Mitspieler.

Hier ein gutes Beispiel vom Muster im Aufbauspiel. Erkennbar sind das Pendeln des ballfernen Außenverteidigers, der Positionswechsel von Nikolaou und Krauße sowie die Bewegungen von den beiden beim Passspiel.
Die Sechser auf einen „Fleck“ im Passspiel gegen 1860 (Wyscout).

Der Rest der Mannschaft im Aufbauspiel

Wir haben jetzt den Torwart, die Innenverteidiger, Außenverteidiger und Sechser im Aufbauspiel analysiert. Doch was ist mit dem Rest der Mannschaft? Das ist ehrlich gesagt nicht immer ganz leicht auf den TV-Bildern zu erkennen. Klar ist, dass die Außenstürmer Enrique Peña Zauner und Maurice Multhaup sehr oft die Positionen wechseln. Außerdem sind die beiden zentralen Offensivspieler anspielbar und auch dort finden Positionswechsel statt. Besonders die Außenverteidiger spielen oft im Aufbauspiel die Offensivspieler an und sind damit ein wichtiger Bestandteil im Fortsetzungsspiel. Doch auch die Innenverteidiger und Jasmin Fejzic suchen immer wieder direkt die Offensivkräfte im Aufbauspiel.

Die Außenverteidiger neigen dazu die Außenstürmer anzuspielen, während die zentrale Defensive eher die zentralen Spieler sucht. Hier könnte man etwas häufiger auch mal die Seiten wechseln und somit das Spiel verlagern. Doch dazu werden wir in einem folgenden Beitrag ausführlicher zu Sprechen kommen. Klar ist, dass die Eintracht oft versucht, das Spieltempo auszunutzen, die schnellen Außenstürmer zu schicken, mit einem Doppelpass die Offensivspieler ins Spiel zu bringen oder die zweiten Bälle im letzten Drittel zu gewinnen, um umzuschalten.

Fazit

Das Aufbauspiel der Braunschweiger ist meistens schnell und auch nicht ohne Risiko. Hier fehlt teilweise die Präzision und Pressingresistenz, um das direkte Anlaufen des Gegners besser zu überspielen. Die Mannschaft ist eingespielt und wirkt in diesem Bereich ziemlich sicher. Wir sollten uns aber ruhig auch mal in 1-vs-1-Dribbelaktionen trauen und das Spiel vermehrt verlagern.

Quellen: Wyscout, sechzger.de.