Eintracht 2.1 – über den Tellerrand geschaut, zweiter Teil

Die digitale Fußballrevolution – aus der Mitte Jütlands nach Europa

In unserem zweiten Teil der Serie „Eintracht 2.1 – über den Tellerrand geschaut“ geht es um den FC Midtjylland, der 1999 gegründet wurde als Zusammenschluss der Vereine Herning Fremand und Ikast FS.

Er ist einer der interessantesten Clubs ganz Europas, sozusagen der Tesla unter den Fußballvereinen. Das Grünheide des Fußballs befindet sich in der tiefsten dänischen Provinz in Herning.

Basis des Erfolgs ist wie beim FC Brentford die Zusammenarbeit von Matthew Benham und Rasmus Ankersen, der in Herning geboren wurde.

Die Zweifel, ob ihr Experiment funktionieren würde, waren (und sind) groß, ihr großer Erfolg mit beiden Vereinen gibt ihnen jedoch mehr als Recht.

Daher lohnt es sich auch hier, sehr genau hinzuschauen, auf welche Weise dieses Experiment so erfolgreich durchgeführt worden ist, um am Schluss zu ergründen, welche Elemente wir bei Eintracht übernehmen könnten.

Die Städte und ihr Verein:

Ikast und Herning liegen – wie es der Vereinsname vermuten lässt – in der Mitte Jütlands.

Die 50 000-Einwohnerstadt Herning ist das Zentrum der dänischen Textilindustrie. Ein Museum für moderne Kunst, ein großer Messekomplex und die größte Veranstaltungshalle Dänemarks sind sichtbare Zeichen für den innovativen Geist, der in der Stadt herrscht.

So unscheinbar der Ort an sich sein mag, so sehr ist er für seine Mannschaften und Sportler berühmt: Viele erfolgreiche dänische Radfahrer stammen aus Herning, der Eishockey-Club ist Rekordmeister in Dänemark, in den letzten acht Jahren schafften es fünf Spieler in die NHL.

In Ikast, zwölf Kilometer östlich von Herning, leben 15 000 Einwohner.

buchstäblich die Mitte Jütlands

Der Zusammenschluss der ehemaligen Lokalrivalen war nicht einfach, aus finanziellen Schwierigkeiten heraus aber die einzige Chance, um zu überleben. Viborg FF, gerade wieder in die Superligaen aufgestiegen, ist der große Derby-Gegner.

Die Spielstätte, genannt Messe-Center-Herning-Arena, befindet sich in Herning und bietet Platz für 11 500 Zuschauer.

Die Städte und ihr Verein:

Die Farben des Vereins sind Rot und Schwarz, die Fans nennen sich die „Schwarzen Wölfe“.

Zehn Jahre nach dem Zusammenschluss der beiden Vereine gelang der Aufstieg in die erste dänische Liga, die Superligaen.

2015 konnte man das erste Mal den dänischen Meister-Pokal in Empfang nehmen, sodass man letztlich an der EuropaLeague teilnahm, wo nach der Gruppenphase gegen Manchester United Schluss war.

Das Vereinsemblem

Drei Jahre später errang der Verein den nächsten Meister-Titel, ein Jahr darauf wurde man zum ersten Mal Pokalsieger.

Letztes Jahr folgte die dritte Meisterschaft, anschließend konnte sich der FC Midtjylland für die Gruppenphase der Champions League qualifizieren, in der man immerhin dem FC Liverpool zuhause ein Unentschieden abringen konnte. Die Niederlagen in den Spielen davor gegen Atalanta Bergamo, Ajax und Liverpool waren so schmerzhaft wie lehrreich.

Im Herbst 2021 steht man wieder vor der Konkurrenz aus den deutlich größeren Städten Kopenhagen, Aalborg oder Odense an der Tabellenspitze der Superligaen.

Die Verantwortlichen haben es in Herning und Fremand geschafft, in relativ kurzer Zeit Verein und Mannschaft vom Nobody zum Titelaspiranten zu entwickeln, der FC Midtjylland ist zum dänischen David geworden, der schon jede Menge in- und ausländischer Goliaths überwunden hat.

jütländische Begeisterung in der MCH-Arena

Auf hiesige Verhältnisse übertragen wäre es so, als ob sich der MTV Wolfenbüttel und Viktoria Königslutter zusammengeschlossen hätten, um in die Bundesliga – oder zumindest in die Dritte Liga – aufzusteigen.

Die Rolle von Benham und Ankersen:

Nachdem sich die beiden 2012 in London kennengelernt hatten und Benham beim FC Brentford eingestiegen war, übernahm Benham auf den Ratschlag von Ankersen 2014 für etwas mehr als sechs Millionen 75 % der Anteile des FC Midtjylland.

Ankersen hatte ein Spiel als Profi für seinen Heimatverein absolviert und arbeitete anschließend eine Zeit als Co-Trainer der U19. Seit der Übernahme fungiert er als Vorsitzender des Verwaltungsrates.

Von Anfang an war allen Beteiligten klar, dass der FC Midtjylland nicht irgendein Provinzverein sein soll, sondern ein sehr moderner und innovativer Verein mit äußerst ambitionierten Zielen.

Zwischen dem FC Brentford und dem FC Midtjylland gibt es eine enge Beziehung, modern formuliert hat man vom Start weg Synergieeffekte genutzt. Der dänische Verein diente in gewisser Weise als Experimentierfeld für den englischen, wovon letztlich beide profitiert haben.

Moneyball – die Bedeutung datenbasierten Scoutings und datenbasierter Spielanalyse:

Trotz Champions League-Teilnahmen und Transferüberschüssen – grundsätzlich muss der FC Midtjylland mit dem Etat eines deutschen Zweitligisten zurechtkommen.

Die Daten aus Benhams Firma SmartOdds helfen den Verantwortlichen nicht nur beim Scouting, sondern auch bei der Entwicklung des Spielstils. Die KPIs (Key Performance Indicators) kennen wir schon vom FC Brentford. Mit diesen zentralen Werten will man die tatsächliche Leistung eines Spielers präziser bemessen und geht dabei weit über die üblichen Statistiken wie Passsicherheit und Zweikampfquote hinaus. Immer wichtiger werden dabei die über Tracking zu ermittelten Positionsdaten.

Auf diesem Weg findet man völlig unterbewertete und daher preiswerte Spieler.

Das bekannteste Beispiel für die erfolgreiche Scouting-Strategie ist Tim Sparv, ein finnischer Mittelfeldspieler, der 2014 vom damaligen Zweitligisten Greuther Fürth verpflichtet worden ist. Den Analysen der Daten nach passte er zum einen perfekt in die Mannschaft und in das System, zum anderen war er deutlich preiswerter als ein vergleichbarer Spieler von einem großen skandinavischen Verein.

Bis letzten Sommer war er Kopf und Herz der Mannschaft. Seine größte Stärke ist Ankersen zufolge sein Spielverständnis.

Bei den Transferaktivitäten ist das Plus nicht ganz so beeindruckend wie beim FC Brentford, aber mit ca. 30 Millionen immer noch sehr beachtlich.

(Die Expected-Goals-Metrik, die ähnliche Erkenntnisse wie Benhams Firma nutzt, hat Jussi auf der Blaugelben Datenwelt vor einiger Zeit genauer erläutert. Äußerst aufschlussreich sind zudem die Interviews mit Dustin Böttger von Global Soccer Network und den Experten von CreateFootball.)

Hier ein hilfreiches Schaubild für systematisches und datenbasiertes Scouting:

Konzeptarbeit „Datengetriebenes Scouting im Fußball“
https://millernton.de/2020/07/03/konzeptarbeit-datengetriebenes-scouting-im-fussball/

Eine hundertprozentige Trefferquote gibt es nicht, beispielsweise hatte man Luca Pfeiffer sehr intensiv gescoutet in seiner Zeit bei den Würzburger Kickers, nach zwei wenig erfolgreichen Jahren wurde er dieses Jahr zu Darmstadt 98 ausgeliehen. Dort ist er jedoch im Moment so erfolgreich, dass eine Rückkehr durchaus möglich erscheint.

Wichtige Impulse gab es auch von Lars O.D. Christensen, der Neurophysiologie in Oxford studiert hat. Er ist bzw. war unter anderem zuständig für Datenanalyse, kognitive Diagnostik und Trainingsmethoden. Ihm zufolge werden Daten auf einer Vielzahl von Ebenen verwendet, wie er in einem Interview mit dem Sportwissenschaftler Daniel Memmert erläutert: Physisches Training, Spielauswertung, Entwicklung neuer taktischer Elemente, Optimierung des individuellen Techniktrainings u.ä..

In diese Prozesse werden alle Trainer permanent und intensiv eingebunden, um das Training stetig zu verbessern. (Memmert und Raabe, S. 79f.)

Mit den Daten und deren Aufbereitung können die Trainer während und nach Training und Spiel den Spielern die Erkenntnisse visualisiert vermitteln und quasi in Echtzeit Korrekturen vornehmen.

Der DFB lobt auf seiner Seite DFB-Akademie.de die Tiefenläufe, das Umschaltspiel und nicht zuletzt die Standardorientierung des FC Midtjylland als vorbildlich.

Standards und Einwürfe:

Vor allem auf der Grundlage von Benhams Erkenntnissen hat sich der FC Midtjylland zum Standardkönig Europas gekrönt.

In manchen Spielzeiten wurde fast die Hälfte der Tore über Standards erzielt. Der ehemalige Standardtrainer Mads Buttgereit ist in dieser Funktion inzwischen bei der deutschen Nationalmannschaft tätig,

Die Fokussierung auf Standards ist unter anderem auf Ted Knutson, einen der Pioniere der datenbasierten Analyse, zurückzuführen. Er hat in den ersten Jahren sowohl für den FC Brentford als auch den FC Midtjylland gearbeitet, bevor er sich mit seiner Firma Statsbomb selbstständig gemacht hat. Mit seinem Produkt Statsbomb360 arbeitet er inzwischen unter anderem für den FC Liverpool.

Im Schnitt fallen 30 Prozent aller Tore nach Standards, kaum ein Trainer auf der Welt aber käme auf die Idee, 30 Prozent des Trainings in Freistöße und Ecken investieren. Ganz so eklatant ist das Verhältnis beim FCM nicht, doch man verwendet viel Zeit dafür und beschäftigt sich in „Special Teams“ intensiv mit allen Facetten von Ecken und Freistößen. Zwanzig bis fünfundzwanzig Varianten hat die Mannschaft daher inzwischen in ihrem Playbook.

Gleiches gilt für Einwürfe:

Einwurftrainer Thomas Grönnemark arbeitet seit ein paar Jahren als gefragter Spezialist in ganz Europa, unter anderem für Jürgen Klopp beim FC Liverpool. Mit Grönnemarks Hilfe war der FC Midtjylland einer der ersten Vereine, der Einwürfe systematisch trainieren ließ. Seitdem hat man einen weiteren Pfeil im Köcher.

Andreas Poulsen aus Ikast, der inzwischen bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag steht und aktuell an den FC Ingolstadt ausgeliehen ist, hat sich bei seinen Einwürfen von 25 auf 38 Meter gesteigert, Joe Gomez vom FC Liverpool, der mit einem seiner weiten Einwürfe das entscheidende Tor Englands in der Qualifikation für die letzte EM vorbereitete, auf 37 Meter.

Darüber hinaus leistet man sich einen Coach, der nur für die Schusstechnik zuständig ist.

Die Vereinsphilosophie:

Der für die revolutionären Sicht- und Herangehensweisen nötige Kulturwandel im Verein lief halbwegs ruhig ab. Dass Ankersen ein Kind des Vereins ist und dass man so schnell Erfolg hatte, half dabei sicherlich.

Zur innovativen und progressiven Vorgehensweise gehört auch eine fortschrittliche Fehlerkultur: Wenn einzelne Elemente dieses Fußball-Experiments nicht funktionieren, wird dies entsprechend ausgewertet und der Prozess verändert.

Der FC Midtjylland sei ein datengesteuerter Familienclub, wie es Sportdirektor Graversen in einem Sportschau-Bericht definiert, die Verantwortlichen wollen also modernste Methoden in Einklang bringen mit der familiären Atmosphäre eines Kleinstadtvereins.

„Wir haben immer schon neue Wege bestritten, das ist Teil der DNA unseres Klubs“, ergänzt Claus Steinlein, der Vereinspräsident bei 11Freunde.

„Ich vergleiche es gerne mit einer Differentialgleichung. Wenn man sich diese Aufgaben das erste Mal anschaut, denkt man sofort ans Aufgeben. Man scheint überfordert zu sein, aber es gibt Leute, die diese Gleichungen gelöst haben und es gibt Formeln, die man lernen kann und die einem helfen, um an das Ziel zu kommen. Diesen Weg zu gehen erfordert Geduld, Beharrlichkeit und Disziplin und irgendwann kann man die Differentialgleichungen lösen.

Ähnlich ist es im Fußball: Die Überforderung wirkt sich nur über einen bestimmten Zeitraum aus. Wenn ich bereit bin, an meinem Mindset zu arbeiten, sehe ich die positiven Aspekte und begreife sie als weitere Chance, mich als Spieler zu verbessern, und konzentriere mich nicht auf die negativen Aspekte wie eine mögliche Überforderung.“

Mit diesem Vergleich erläutert Buttgereit auf transfermarkt.de Henrik Statnischenko gegenüber die allgemeine Vorgehensweise und beschreibt damit perfekt, dass man nur außerhalb der Komfortzone vorankommen und Lernerfolge erzielen kann, und zwar durch aktives Lernen, wie es Daniel Coyle nennt (Daniel Coyle, S. 19ff.). Andere geläufige Begriffe in der Wissenschaft sind differentielles Lernen und deep and deliberate practice.

Aus dem gleichen Interview mit Buttgereit stammt das folgende Zitat, welches unterstreicht, dass Vereine nur dann konzeptionell arbeiten können, wenn es eine überpersonale Kontinuität gibt:

„Eines der größten Probleme ist derzeit die fehlende Kontinuität auf den Trainerpositionen. Wenn ein Trainer nach vier Niederlagen in Folge bereits um seinen Job zittern muss, wird nur von Tag zu Tag, von Spiel zu Spiel gedacht. Wir müssen dahin kommen, dass die Vereine ein Fundament legen, das unabhängig vom Trainer und den Spielern ist. Eine Art Vereinsphilosophie. Das heißt, wenn ein Trainer entlassen wird oder den Verein freiwillig verlässt, stellt es kein Problem dar, weil der eingeschlagene Weg weitergegangen und nicht alles durch einen neuen Trainer über den Haufen geworfen wird.“

Derartige Wechsel im Personal hat es beim FC Midtjylland ähnlich wie beim FC Brentford immer wieder gegeben, in den letzten zwölf Jahren hatte der Verein sieben Cheftrainer. Dem Erfolg hat es jedoch keinen Abbruch getan.

Claus Steinlein, seit dem Jahr 2000 im Verein, ist seit 2012 Präsident und Leiter der Fußballabteilung, er verkörpert – zusammen mit Ankersen – die von Buttgereit geforderte Kontinuität.

Ansonsten hat man zwar grundsätzlich nur das Budget eines Zweitligisten, in Köpfe und Kompetenzen wird dennoch investiert. Hier zeigt sich, dass ein solcher Erfolg nur möglich ist, wenn genügend Personal hinter dem Personal zur Verfügung steht. Allein im sportlichen Bereich sind dies zehn Personen in den oberen Ebenen – und da sind die Trainer nicht einmal mitgezählt.

Auch im sozialen Bereich wird eine Menge unternommen, gerade was die Förderung benachteiligter junger Menschen betrifft, um den Begriff „Familienverein“ mit Leben zu füllen. Zu diesem Zweck arbeiten drei „Potentialtrainer“ beim Verein.

Die Nachwuchsarbeit:

Kein Verein hat schon jetzt mehr Spieler, die im eigenen Verein groß geworden sind, im Kader für die Spiele der aktuellen EuropaLeague als der FC Midtjylland, nämlich sechzehn.

Seit 2011 konnte man über fünfzig Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die Profi-Mannschaft integrieren.

Einer der bekanntesten Spieler, die beim FC Midtjylland groß geworden sind, ist Simon Kjaer, aktuell beim AC Mailand unter Vertrag und Kapitän der dänischen Nationalmannschaft. Sein Vater ist bis heute Zeugwart im Verein.

Datenanalyse wird auch in der Jugendarbeit genutzt, vor allem im Bereich Monitoring, also in der Trainingsplanung und -steuerung.

Für ein gezieltes Scouting im Jugendbereich kooperiert man mit hundertfünfundvierzig Vereinen im westlichen Teil Jütlands – also quasi mit jedem.

Auch bei der Nachwuchsarbeit greift der Verein auf Ankersens Expertise zurück: Nachdem die U19 in den letzten Jahren zweimal das Viertelfinale der Europa Youth League erreicht hat, wurde 2020 eine Jugendakademie eröffnet mit dem Namen „Goldmine“. In ein paar Jahren will man dort bis zu 200 Kinder und Jugendliche so gut wie nur möglich ausbilden, damit im Jahr 2030 ein Ballon d´Or-Gewinner aus Herning bzw. Ikast kommen wird – wahrlich ein ambitioniertes Ziel.

Doch wer es aus der Mitte Jütlands in die Champions League geschafft hat, wird womöglich auch diesen Traum Wirklichkeit werden lassen….

Sich große Ziele zu setzen ist genauso Teil eines klares Konzeptes wie die intensive Integration von Spielern der Profi-Mannschaft in die Ausbildung und das Training der Nachwuchskicker. Damit setzt man in der „Goldmine“ Ankersens Erkenntnis um, dass Vorbilder, die ständig sichtbar sind, einen enormen Einfluss auf die positive Entwicklung eines jungen Menschen haben.

Daniel Coyle hat diese permanente Initialzündung in „The Talent Code. Greatness ins´t born, it´s grown“ (Coyle, S. 95ff.) als einen der wichtigsten Faktoren für Erfolg identifiziert.

Aber auch die Spieler der ersten Mannschaft sollen davon profitieren, da es sie daran erinnere, woher sie kommen.

Die Kooperation mit dem nigerianischen Verein FC Ebedei:

Eine weitere wichtige Säule der erfolgreichen Nachwuchsarbeit ist eine langjährige Kooperation mit dem nigerianischen Verein FC Ebedei.

Der Verein wird von Churchill Oliseh gemanagt, dem älteren Bruder von Sunday Oliseh. Er wurde von ihm als Akademie-Verein gegründet und spielt durchgängig in der dritten Liga Nigerias, aufzusteigen ist nicht das primäre Ziel. Stattdessen hat er dafür gesorgt, dass viele seiner Spieler in Europa Fuß fassen können und dort bestenfalls zu Nationalspielern heranreifen. Sein Verein – und er selbst als Agent – profitieren davon erheblich. Steinlein ist an diesem Projekt fast von Beginn an beteiligt gewesen.

Paul Onuachu, ein großer Stoßstürmer, den Werder Bremen gerne vor ein paar Jahren verpflichtet hätte und der inzwischen einen Marktwert von 22 Millionen hat, ist zuerst in die U19 des FC Midtjylland gewechselt und schaffte dann den Sprung in die Profi-Mannschaft. Neben ihm sind in den letzten zwanzig Jahren über dreißig Spieler transfermarkt.de zufolge diesen Weg gegangen, unter anderem Frank Onyeka, inzwischen beim FC Brentford, und David Akintola (Adana Demirspor).

Da diese Spieler aber teilweise minderjährig gewesen sind, als sie nach Dänemark kamen, wurde 2007 die FIFA aktiv und erteilte „strong warnings“ an den Verein und den dänischen Fußballverband, geändert hat sich an der Vorgehensweise jedoch anschließend offenbar nicht viel. Der Verein macht für sich geltend, die Spieler nicht nur fußballerisch auszubilden, sondern auch für Unterkunft und Schulbildung zu sorgen.

Dieses System funktioniert nun schon eine lange Zeit, weil sehr viele Beteiligte davon in der einen oder anderen Weise profitieren. Man kann es aber sicherlich sehr kritisch betrachten.

(Der FC Nordjaelland, der dritte Verein in unserer Serie, arbeitet im Übrigen in ähnlicher Weise, dort ist die „Right-to-Dream-“Akademie in Ghana das afrikanische Nachwuchsreservoir.)

Teambuilding:

Auch das Teambuilding ist beim FC Midtjylland ein sehr wichtiger Aspekt. Das Motto dabei lautet: Wenn Du die Menschen wirklich sehr gut kennst, mit denen Du zusammenarbeitest, und ihnen immer vertraust, kannst Du Deine volle Konzentration auf die gemeinsame Aufgabe legen.“

Unter der Leitung von Bjarne Slot Christiansen, einem Mentaltrainer und früheren Special-Forces-Offizier, der inzwischen fest zum Trainerstab gehört, hat die Mannschaft in der Vorbereitung auf diese Saison eine Art Survivaltraining auf einer kleinen dänischen Insel inklusive Segeltörn, Standup- Paddeln, Zelten am Strand und Orientierungslauf durchgeführt.

Ein anderes Teambuilding-Element ist, wie man im Guardian nachlesen kann, die Aufteilung der Spieler in vier Farbkategorien. Jeder Spielertyp – kreativ, sozial, diszipliniert, erfolgsorientiert – bekommt eine Farbe zugeteilt, zum Beispiel rot für erfolgsorientiert. Anschließend soll jedes Teammitglied allen Mitspieler jeweils eine farbige Karte zuordnen. So wird die Teamstruktur in einer völlig neuen Weise visualisiert.

(Flüthmann (und Schubert) haben ein ähnliches System verwendet, um in der Winterpause der Saison 2018/2019 unseren Kader zu analysieren. Auf Basis der Ergebnisse dieser Analyse wurden anschließend Spieler wie Fejzic, Kessel, Nehrig und Bär verpflichtet, wodurch der Abstieg in die Regionalliga gerade so vermieden werden konnte.)

SCHLUSSFOLGERUNGEN FÜR EINTRACHT:

Solche kreativen Methoden, wie sie eben beschrieben worden sind, lohnen sich immer, sowohl für die Analyse als auch für das Teambuilding, was insbesondere dann besonders wichtig ist, wenn man sportlich eher begrenzte Möglichkeiten hat wie beispielsweise in der letzten Saison.

Die enorme Bedeutung datenbasierter Spielanalyse und datenbasierten Scoutings kann gar nicht oft genug betont werden. Das Daten-Doping ist nicht der einzige Baustein, aber einer der wichtigsten beim FC Midtjylland.

Für die Dritte Liga scheinen die Scouting- und Tranfer-Bemühungen des BTSV im Sommer erfolgreich gewesen zu sein, spätestens für die Zweite Liga wird es aber höchstwahrscheinlich nicht reichen, wenn man sich wie bisher einzig und allein auf Netzwerk-Scouting verlässt. Dennis Kruppke beginnt offenbar das notwendige Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass sich Eintracht in diesem wichtigen Segment dringend modernisieren muss.

Hätte man die Wichtigkeit von Standards und Einwürfen bereits vor zwei oder drei Jahren erkannt und angemessen ins Training integriert, hätte man sich in diesem Bereich einen kleinen Vorsprung erarbeitet.

Inzwischen haben sich selbst Spieler wie Schnatterer, der nicht zu den absoluten Riesen zählt, zu Einwurfspezialisten entwickelt. Daher muss man zusehen, hier nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Co-Trainer Thomas Lust hat die Mannschaft bei Standards immerhin schon einen Schritt nach vorne gebracht. Zumindest Kijewski hat weite Einwürfe in seinem Repertoire, allerdings finden sie bisher kaum Abnehmer.

Exotisch, um nicht zu sagen riskant, doch auch sehr reizvoll wäre eine Kooperation mit dem ehemaligen Eintracht-Spieler Kingsley Onuegbu, der zur Zeit noch in der zweiten chinesischen Liga auf Torejagd geht, aber nach seiner Karriere eine Fußballschule in seiner Heimatstadt Kaduna eröffnen möchte. Als Vorbereitung hat er dafür ein Sportmanagement-Studium in Deutschland absolviert.

Wenn ihm der Verein dabei helfen könnte, diese Idee in die Tat umzusetzen, könnte man möglicherweise in fünf bis zehn Jahren ähnlich wie der FC Midtjylland regelmäßig aus Nigeria Nachwuchsspieler rekrutieren, müsste dabei jedoch sehr genau auf die Einhaltung aller relevanten Bestimmungen achten.

Bei der Regionalisierung der Jugendarbeit hat man erste Schritte bereits unternommen. Auf hundertfünfundvierzig Kooperationsvereine muss man nicht kommen. Wenn aus den dreien, die es im Moment sind, in den nächsten Jahre zehn bis fünfzehn werden würden, wäre man schon einen großen Schritt weiter.

Grundsätzlich wären eine klare Vision und eine durchdachte Strategie gerade für Eintracht dringend von Nöten. Dafür braucht man nicht unbedingt jede Menge Geld, sondern vor allem jede Menge Gestaltungswillen und Kreativität, um Wettbewerbsnachteile gegenüber Vereinen aus größeren Städten auszugleichen.

Die wichtigste Erkenntnis der genauen Betrachtung des FC Midtjylland ist nämlich die, dass Erfolg buchstäblich überall machbar ist, dass Erfolg sogar planbar ist – wenn man den richtigen Plan hat und den Mut und den Willen, ihn konsequent umzusetzen. Dies wird nicht nur von Ankersen, sondern auch von Coyle an verschiedensten Beispielen nachgewiesen.

Dafür muss man so wie Benham, Ankersen, Steinlein und Graversen zwar die ausgetretenen Pfade, die alle benutzen, verlassen. Auf die Ideen, die diesem Plan zugrunde liegen, muss man jedoch nicht einmal selbst kommen, sie gibt es bereits.

Sie haben mehrfach – und das an Orten, wo man es wirklich nicht erwarten konnte, wie mitten in Jütland – den Realitätscheck bestanden. Man muss sie „nur“ finden und so umgestalten, dass sie hier bei uns funktionieren. Das radikale Experiment der digitalen Revolution im Fußball hat funktioniert und wird weiter funktionieren.

Warum also nicht auch hier, warum nicht in Braunschweig, der Stadt der Wissenschaft, in der es seit den Zeiten Heinrichs des Löwen Tradition hat, Neues zu wagen – warum also nicht bei Eintracht?

Was vorläufig dazu vor allem fehlt, und zwar weniger bei Spielern und Trainern, sondern mehr bei Verantwortlichen und Funktionären, ist das von Buttgereit angesprochene dynamische Mindset.

Es ist wirklich nicht so, dass bei Eintracht weniger oder schlechter gearbeitet wird als in anderen Vereinen, aber bei Eintracht muss mehr, muss besser und vor allem kreativer gearbeitet werden, bei Eintracht muss man mehr geben – zumindest wenn man Erfolg haben will, der über die Dritte Liga hinausgeht.

Garantien gibt es keine – wenn man die will, muss man sich bekanntermaßen einen Toaster kaufen – doch die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg wird enorm erhöht.

Einer der ersten konkreten Schritte könnte darin bestehen, dass Mitarbeiter des NLZ Vereine wie den FC Midtjylland oder den FC Brentford besuchen, um dort zu hospitieren. Benjamin Kessel und Matthias Henn, beides ambitionierte Ex-Löwen, wären dafür perfekt geeignet.

Darüber hinaus braucht Dennis Kruppke im NLZ und beim Aufbau der Scouting-Abteilung für den Profi-Bereich jede Art von Bestätigung und Unterstützung dafür, innovative und zeitgemäße Ideen im Verein zu etablieren.

Abschließend ist zu betonen, dass auch im Fall des FC Midtjylland nicht alles blind kopiert werden kann und darf. So fruchtbar beispielsweise die enge Verbindung mit dem FC Brentford auch sein mag und so unwahrscheinlich ein Zusammentreffen in einem europäischen Wettbewerb bisher gewesen ist, so sehr ist es aus prinzipiellen Gründen abzulehnen, dass einem Eigentümer zwei Vereine gehören, bei denen nicht absolut ausgeschlossen ist, dass sie irgendwann gegeneinander antreten müssen.

Jens

Im dritten Teil unser Reihe „Eintracht 2.1 – über den Tellerrand geschaut“ wird es um den FC Nordsjaelland gehen, der in manchen Dingen dem FC Midtjylland ähnelt, aber auch eigene Schwerpunkte setzt.

Teil 1: FC Brentford

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Literatur sowie Links zu Texten und Filmen:

Rasmus Ankersen: The Goldmine Effect (2012) Hunger in Paradise (2016)

Daniel Coyle: The Talent Code. Greatness isn´t born, it´s grown 2009, auf Deutsch Erfolg braucht kein Talent. Der Schlüssel zu Höchstleistungen in jedem Bereich (2019) (Der Titel der deutschen Übersetzung ist etwas zu reißerisch.)

Daniel Memmert und Dominik Raabe: Revolution im Profifußball. Mit Big Data zur Spielanalyse 4.0 (2. Auflage 2019)

https://www.fcm.dk/klubben/administration/

https://www.fcmklubsamarbejdet.dk/

https://www.fcm.dk/fcm-samfund/

https://www.fcm.dk/guldminen/

https://en.wikipedia.org/wiki/FC_Midtjylland

https://de.wikipedia.org/wiki/FC_Midtjylland

https://www.transfermarkt.de/fc-midtjylland/startseite/verein/865/saison_id/2021

https://11freunde.de/artikel/moneyball-im-niemandsland/503836

https://www.transfermarkt.de/wissen-ist-macht-fc-brentford-mit-moneyball-beim-3-versuch-in-die-premier-league/view/news/381060

https://www.theguardian.com/football/blog/2015/feb/22/brentford-mathematical-modelling-denmark

https://www.theguardian.com/football/2015/jul/27/how-fc-midtjylland-analytical-route-champions-league-brentford-matthew-benham

https://www.theguardian.com/football/2020/oct/25/what-we-do-isnt-rocket-science-how-fc-midtjylland-started-footballs-data-revolution?CMP=share_btn_tw

https://www.goal.com/de/news/3643/exklusiv/2016/01/27/17933202/moneyball-im-fu%C3%9Fball-die-utopie-der-grenzenlosigkeit

https://thecorrespondent.com/2607/how-data-not-people-call-the-shots-in-denmark/230219386155-d2948861

https://www.dfb-akademie.de/fc-midtjylland-die-senkrechtstarter/-/id-11009330

https://www.ndr.de/sport/fussball/Datenspezialist-Boettger-Der-Fussball-wird-noch-glaeserner-werden,gsn102.html

https://fussballtraining.com/artikel/ft-12-2020-datenanalyse-im-fussball/

https://www.transfermarkt.de/ehemaliger-standard-trainer-buttgereit-bdquo-viele-vereine-sehen-die-moglichkeiten-nicht-ldquo-/view/news/362037

https://www.t-online.de/sport/fussball/champions-league/id_85706788/fc-liverpool-gegen-barca-spezialtrainer-groennemark-erklaert-reds-strategie.html

https://statsbomb.com/2017/02/changing-how-the-world-thinks-about-set-pieces/

https://www.skysports.com/football/news/12040/12248621/liverpool-sign-up-for-statsbomb-360-ted-knutson-explains-why-this-stats-revolution-will-change-the-game

https://theathletic.com/2242089/2020/12/06/midtjylland-gold-mine-school/

https://insidefutbol.com/2021/10/26/fc-midtjylland-celebrate-being-ahead-of-celtic-on-youth-list/534623/

https://fifpro.org/en/rights/legal-cases/legal-case-fc-midtjylland-and-nigerian-minors

https://cheeronnigeria.blogspot.com/2019/07/fc-ebedei-model-what-can-team-managers.html

https://en.wikipedia.org/wiki/F.C._Ebedei

https://www.eintracht.com/teams/nachwuchs/nlz/loewenpartner

Sportschau-Bericht im Rahmen einer längeren Sendung über die Verwendung von Daten im Fußball: https://www.sportschau.de/fussball/video-fc-mydtjylland—der-daten-club-aus-daenemark-102.html

Reportage der UEFA über den Verein: https://www.youtube.com/watch?v=p0qLf1ouK20

sehr sehenswerte Doku von Copa 90 über den FCM und über Brentford: https://www.youtube.com/watch?v=s6UcNGzE8sU

Die Entwicklung von Brentford und Midtjylland: https://www.youtube.com/watch?v=mrwwVoD1RQQ

Einwürfe: https://www.youtube.com/watch?v=pdQHWp2OpGs https://www.youtube.com/watch?v=eCViZrU_eck&t=399s

Teambuilding beim FC Midtjylland: https://www.youtube.com/watch?v=cEmxds2i9Lw

Die Goldminen-Schule: https://www.dr.dk/sporten/fodbold/pokalturneringen/store-ambitioner-paa-fcms-guldmine-maalet-er-udvikle-verdens-bedste#!/

the Numbers Game, Reportage über die Bedeutung von Daten im Fußball von Four-Four-Two https://www.youtube.com/watch?v=lLcXH_4rwr4

kritische Reportage zur Vorhersagbarkeit von Spielen am Beispiel der letzten Europameisterschaft (die aber am Kern etwas vorbeigeht): https://www.youtube.com/watch?v=EcP2lb0LLbg

Eintracht 2.1: Der FC BRENTFORD

Warum es die Bees geschafft haben, innerhalb von elf Jahren von der dritten englischen Liga in die Premier League zu fliegen

„Über den Tellerrand geschaut“

In unserer neuen Serie „Über den Tellerrand geschaut“ geht es um Vereine in Europa, die als Underdog äußerst bemerkenswerte Erfolge erzielen und dafür neue Wege gehen.

Den Anfang macht der FC Brentford.

Einführung

Sommer 2007 – der FC Brentford steigt wieder einmal in die Second Division ab, also in die dritte beziehungsweise vierte Liga in England.

Sommer 2021 – der FC Brentford schafft den Aufstieg in die Premier League und dies wenig überraschend, ein Jahr zuvor war man noch in letzter Sekunde in den Play-Offs gescheitert. Gegen den FC Arsenal (Gesamtmarktwert des Kaders 548 Millionen Euro) gelingt Mitte August in der Premier League ein 2:0-Sieg, gegen den FC Liverpool (Gesamtmarktwert knapp 880 Millionen Euro) Ende September ein viel beachtetes Drei zu Drei.

Eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte, die aber relativ wenig mit Zufall und Glück zu tun hat, sondern sehr viel mit einer neuen Sichtweise, innovativen und kreativen Ideen, einem neuen Konzept und einer klaren Strategie.

Zu Stadt und Verein

Brentford  liegt im äußeren Westen Greater Londons, es leben dort knapp 15 000 Einwohner. Ein „Big-City-Club“ ist der FC Brentford demnach nicht gerade, er ist eher vergleichbar mit Unterhaching oder Altglienicke als mit Union oder 1860.

Brentford  FC wurde am 9. Oktober 1889 gegründet, die Biene wurde eher durch ein Missverständnis zum Wappentier. Die Vereinsfarben sind rot, weiß und schwarz. 1935 stieg der Verein das erste Mal in die erste englische Liga auf, damals First Division genannt.  Nach dem Abstieg 1947 aus der höchsten Spielklasse fand sich Brentford zwischen den Fünfziger und Neunziger Jahren meist in der dritten und vierten Liga wieder. Bis 2007 kam man nicht über die League One hinaus. Der FC Brentford ist zwar ein Traditionsverein, aber ein Traditionsverein ohne Erfolgs- und Titel-Tradition.

2007 bis 2009 spielte man in der Second Division, dann bis 2014 in der League One (jeweils dritte Liga, das Liga-System wurde zu der Zeit in England umstrukturiert), 2014 stieg man in die Championship auf, dieses Jahr schließlich in die Premier League.

Die aktuelle Situation des Vereins

Um so bemerkenswerter bei dieser zwar langen, jedoch relativ „dünnen“ Historie und den sehr bescheidenen Voraussetzungen ist der große Erfolg der letzten gut zehn Jahre.

Die wichtigste Grundlage dafür ist, dass sich die Verantwortlichen von Anfang an absolut im Klaren darüber gewesen sind, dass man nicht den gleichen Erfolg erzielen kann, wenn man die Vorgehensweise der großen Vereine einfach kopieren würde, sondern dass man als Underdog andere Wege gehen muss, dass man finanzielle und strukturelle Nachteile nur mit neuen Ideen ausgleichen kann.

Kurz gesagt ist es eine perfekte David-gegen-Goliath-Geschichte. Malcolm Gladwell hat eine Reihe solcher Geschichten in seinem Buch „David und Goliath. Die Kunst, Übermächtige zu bezwingen“ unter die Lupe genommen. Der FC Brentford erzählt seine eigene:

Tranfermarkt.de zufolge beträgt der aktuelle Marktwert des Teams 166 Millionen, damit hat man in der Premier League für die Saison 2021/2022 nur den drittschwächsten Kader zur Verfügung. In der Tabelle jedoch befindet man sich im Moment (Anfang/Mitte Oktober) auf dem siebten Platz (7. Spieltag).

Trainer und Co-Trainer sind Dänen (seit 2018 Thomas Frank, vorher bei Bröndby und Dänemarks U-Nationalmannschaften tätig, und Brian Riemer), Sportdirektor ist mit Rasmus Ankersen ebenfalls eine Däne.

Aktuell stehen unter anderem ein Deutscher (Janelt), ein Norweger, ein Finne, ein Schwede und sieben Dänen unter Vertrag, was ebenfalls kein Zufall ist –  dazu später mehr.

Seit 2020 spielen die Bees im neuen Brentford Community Stadium (Fassungsvermögen 18.250 Zuschauer). Den altehrwürdigen Griffin Park, in dessen unmittelbarer Umgebung es an jeder Straßenecke einen Pub gibt, hat man dafür verlassen.

In den sechs Jahren der Zugehörigkeit zur Championship konnte der FC Brentford ein Tranferplus von fast 116 Millionen Euro erwirtschaften, war also nicht nur sportlich, sondern auch finanziell sehr erfolgreich beziehungsweise konnte das sportliche Vorankommen finanzieren mit einer äußerst klugen Transferpolitik. Spieler mit viel Potential, die bis dahin von anderen Vereinen übersehen worden sind, über datenbasiertes Scouting zu finden, sie auszubilden, um sie dann für viel Geld zu verkaufen ist ein wesentlicher Bestandteil der neuen DNA des Vereins.

Für die erste Saison in der Premier League ist man allerdings zum ersten Mal mit 37 Millionen Transferinvestitionen ins Minus gegangen und konnte dafür von dem Polster profitieren, welches man sich die vergangenen Jahre erarbeitet hat.

Die Protagonisten – Matthew Benham und Rasmus Ankersen

Die Väter des Erfolges sind Matthew Benham als Eigentümer und Rasmus Ankersen als Sportdirektor.

Matthew Benham hat Physik in Oxford studiert, arbeitete dann für die Bank of America zuletzt im Vorstand, entwickelte erst mathematische Modelle für die Berechnung von Aktienkursen und schließlich von Fußballspielen. Mit seiner Firma Smart Odds wurde er über Fußball-Wetten, die auf diesen Modellen basieren, zum Multi-Millionär.

Als Naturwissenschaftler ist er über die Jahre zu einer Art neuen Fußballwissenschaftler geworden, dem es immer besser gelingt, den Zufall so weit wie möglich zu minimieren.

Zusammen mit Rasmus Ankersen hat er viele „ewige“ Weisheiten des Fußballs über Bord geworfen und viele heilige Kühe geschlachtet. Innovationen kommen meist von außen. „Thinking outside the box“ fällt leichter, wenn man sich nicht in der Box befindet. Ein Insider hätte dafür nicht den Mut aufgebracht. Benham ist ein absoluter Außenseiter. 2012 übernahm er seinen Jugendverein als Eigentümer.

Rasmus Ankersen, geboren 1982 in Herning, Dänemark, musste seine Fußball-Karriere beim FC Midtylland nach seinem ersten Profi-Spiel wegen einer Knieverletzung beenden. Nach ersten Jahren im Trainerteam seines Vereins bereiste er die Welt und verfasste auf Basis seiner Erfahrungen einige sehr erfolgreiche Bücher wie „Hunger in Paradise“ und „The Goldmine Effect“, in dem er beispielsweise entschlüsselt,warum die meisten erfolgreichen Sprinter der Welt aus einem Verein in Kingston, Jamaika (z.B. Usain Bolt) oder die allermeisten erfolgreichen Langstreckenläufer der Welt aus einem Dorf in Kenia stammen. Fast immer ist ein einziger Trainer, der ebenfalls als „Outsider“ zu seinem jeweiligen Sport gekommen ist, einer der entscheidendsten Faktoren.

Andere wichtige Erkenntnisse sind beispielsweise der „Outcome Bias“ (der Irrtum, Entscheidungen ausschließlich nach Ergebnissen zu bewerten, während man das Zustandekommen ignoriert),  „Was Du siehst, ist nicht immer, was Du bekommst“, „Überschätze nie Zertifikate, unterschätze nie den Charakter“, „Großes Talent bedeutet nicht zwangsläufig das richtige Talent“,  „Unterscheide immer Potential und Performance“ oder „Die wichtigste Grundlage für Erfolg ist die richtige Denkweise.“

Die absolut faszinierende Pointe an seiner Geschichte ist, dass er erst vor ein paar Jahren eher zufällig erfahren hat, dass ausgerechnet sein kleiner Heimatort ein riesiges Reservoir für erfolgreiche Eishockey-Spieler geworden ist. Fast die Hälfte der dänischen Nationalmannschaft kommt aus Herning, vor allem aber haben es in den letzten neun Jahren fünf Spieler, die in Herning geboren sind, in die NHL geschafft haben. In der Wissenschaft nennt man dieses Phänomen inzwischen Birthplace Effect.

Auch als Redner ist Ankersen ein gefragter Mann.

Nachdem er Matthew Benham kennengelernt hatte, wurde er Sportdirektor beim FC Brentford und beim FC Midtylland.

Das Erfolgsmodell – datenbasiertes Scouting

Die Analyse der eigenen Möglichkeiten ergab wie gesagt, dass man mit herkömmlichen Methoden und weniger Geld nicht erfolgreich sein kann.

Es ist also nochmals zu betonen: „Wenn David Goliath besiegen will, kann man das nicht mit den gleichen Waffen tun“, so Rasmus Ankersen, gegenüber der englischen Seite Talksport.

Daher entwickelte man auf Basis von Benhams Wett-Modellen ein Scouting-Modell und sucht vornehmlich in Ligen mit einem deutlich geringeren Gehaltsniveau nach neuen Spielern.

Dafür versucht man, quasi global Mannschaften und Spieler vergleichbar zu machen, um Spieler zu finden, die sich auf einem etwas höherem Niveau zu finden, die aber auf Grund der „unwichtigeren“ Liga einen deutlich geringeren Marktwert und dementsprechend niedrigere Gehaltsvorstellungen haben. Dass man dafür vor allem in Skandinavien scoutet, ist kein Zufall, schon wegen Ankersens Herkunft. Darüber hinaus ist man der Auffassung, dass Spieler aus diesen Ländern generell anpassungsfähiger und disziplinierter sind.

Daten sind ein großer Teil des Rekrutierungsprozesses“, erklärt Ankersen bei Bleacher Report. „Es gibt keinen Spieler, den ich jemals in Brentford rekrutiert habe, ohne dass Daten zu Wort gekommen wären, aber auch keinen Spieler, der ohne die traditionelle Methode rekrutiert worden wäre.“  „Man sucht Spieler, die Potenzial haben und analysiert den Kontext: Warum haben sie ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft?“

Ein weiteres wesentliches Element für das Scouting ist die Entwicklung von Key Performance Indikatoren (KPI) wie zum Beispiel „gefährliche Pässe“, mit denen man nicht nur Spieler und Trainer bewertet, sondern auch Profile für Positionen erstellt, was das Scouting wesentlich effizienter macht.

Außer in Skandinavien scoutet der FC  Brentford aber beispielsweise auch in der zweiten französischen Liga sowie in den unteren Ligen Englands. Ein Beispiel ist Ollie Watkins, ein fünfundzwanzigjähriger Mittelstürmer, den man 2017 für 7,2 Millionen von Exeter verpflichtete, um ihn 2020 für 32 Millionen an Aston Villa zu transferieren. Seit diesem Jahr ist er englischer Nationalspieler.

Ein andere Entdeckung ist Vitaly Janelt, ein zweikampfstarker und sehr ballsicherer linksfüßiger Sechser, den man 2020 für 600 000 vom VfL Bochum verpflichtete. Inzwischen ist er Stammspieler in der PremierLeague, U21-Europameister und steht im Notizbuch von Hansi Flick, sein Marktwert liegt mittlerweile bei sieben Millionen.

Mit Oliver Heil (als Spieler früher bei Mainz 05 II und Darmstadt 98) ist einer der vier Scouts ein Deutscher. Vorher hat er als Analyst für den FC Midtylland gearbeitet.

Benham und Ankersen haben für den Fußball – ähnlich wie vorher Billy Beane (Mister Moneyball) für den Baseball – Pionierarbeit geleistet, was das datenbasierte Scouting betrifft und damit eine neue Sichtweise auf den Fußball entwickelt, eine wissenschaftlich-ökonomische, die ungleich rationaler und objektiver ist und zumindest auf den ersten Blick weniger traditionell und emotional wirkt.

Das generelle Ziel dabei ist es, den Zufall, der im Fußball im Vergleich zu vielen anderen Mannschaftssportarten eine größere Rolle spielt, so weit es geht zu minimieren.

Ihre Maxime „Die Tabelle lügt immer, der subjektive Eindruck häufig, die Zahlen jedoch nie“ klingt erst einmal sehr provokativ, trifft aber offensichtlich zu und ist die Grundlage ihres beeindruckenden Erfolges.

Zahlen alleine reichen Ankersen jedoch nicht, unter anderem durchforstet man für das Scouting die Foren von Vereinen nach Informationen über interessante Spieler, um so ein breiteres Bild zu bekommen.

Der Blick über den Tellerrand ist ihnen darüber hinaus für ihre Arbeit sehr wichtig, sie orientieren sich an anderen Sportarten und an ökonomischen Kreisläufen und Parametern und holen sich dort vielfältige Impulse und Anregungen. Auf diese Weise soll die Professionalisierung auf allen Ebenen vorangetrieben werden.

Die „Uhr-Struktur“

Ein ganz wesentlicher Faktor ist zudem die neue Vereinsstruktur, die Ankersen mit einer Uhr vergleicht:

Der Cheftrainer sei sozusagen der Sekundenzeiger, also für die tägliche Strategie verantwortlich, die Direktoren des Fußballs – Ankersen und Phil Giles – seien der Minutenzeiger, also verantwortlich für die mittelfristige Strategie, konzentriert auf Transfers und Kaderplanung, und der Vorstand einschließlich Benham der Stundenzeiger, verantwortlich für langfristige Strategie und Ziele. Es gibt also nicht mehr –  wie sonst in England – einen Manager, der alleine für alles verantwortlich ist.

Die häufigen Trainerwechsel in den letzten Jahren zeugen zum einen davon, dass nicht jeder Trainer mit dieser Struktur für längere Zeit zurechtkommt. Die Erfolge zeigen jedoch zum anderen, dass selbst eine größere Fluktuation auf dieser Position nicht zwangsläufig negativ sein muss. Thomas Frank, der Aufstiegstrainer, ist im Übrigen schon seit 2018 im Amt. Von seinen ersten zehn Spielen gingen acht verloren, mit ihm hat man demnach von Beginn an Geduld gehabt. Sein Gesamtschnitt beträgt inzwischen 1,72 Punkte/Spiel.

Universelle Entwicklung der Spieler

Ein anderes sehr wichtiges Element ist die Entwicklung und Verbesserung der Spieler in allen Bereichen und auf allen Ebenen.

Ankersen erläutert dies in einem Interview folgendermaßen: „Unser Modell der Spielerentwicklung ist genauso wichtig wie die Rekrutierung. Die jungen Spieler, die wir mitbringen, sind sehr selten das fertige Paket (…) und wir geben eine Menge Ressourcen und Geld aus, um diese Spieler zu entwickeln, sobald sie das Gebäude betreten.“ Für diese Entwicklung hat man extra einen Koordinator für Talentförderung unter Vertrag.

Außerdem beschäftigt der FC Brentford unter anderem einen Neurobiologen und eine beachtliche medizinische Abteilung, um Verletzungen auf ein absolutes Mindestmaß zu begrenzen.

Andere wichtige Bereiche sind Ernährung und Schlaf, seit 2016 arbeitet der Verein mit einer Schlafexpertin zusammen. Man will auf diese Weise dafür sorgen, dass die Spieler permanent das Maximum an Energie investieren können, um ihr Potential möglichst vollständig auf den Platz bringen zu können.

Brentford braucht daher mehr als jede andere Verein junge, hungrige Spieler, die sich weiterentwickeln wollen, denn sie sind permanent gefragt, professionell, verantwortungsbewusst und eigenständig all das umzusetzen, was der Verein ihnen an Möglichkeiten zur Verfügung stellt.

Wie sieht das ganze nun auf dem Platz aus? Vitaly Janelt lobt in einem Interview auf Transfermarkt.de den großen Teamspirit und den attraktiven ballorientierten Spielstil seiner Mannschaft. Der Sieg gegen Arsenal und das 3:3 gegen den FC Liverpool passen da gut ins Bild.

Keine Nachwuchs-Akademie mehr, dafür eine B-Mannschaft

Eine extrem radikale Konsequenz aus der Analyse der sehr begrenzten eigenen Möglichkeiten, die der FC Brentford als Kleinstadt-Verein in der Londoner Peripherie zur Verfügung hat, ist die Abschaffung der Jugendarbeit. Nachdem immer wieder die besten Nachwuchsspieler aus der eigenen Akademie von den übermächtigen Konkurrenten weggefischt worden sind, hat der Verein sein NLZ geschlossen.

Stattdessen „gründete“ man eine B-Mannschaft und hat so das herkömmliche Modell quasi umgedreht: Nun verpflichtet man interessante U19-Spieler von großen Vereinen, die den Sprung in deren Profi-Kader nicht geschafft haben.

Exemplarisch für dieses Modell steht Chris Mepham, der bei Chelsea ausgebildet worden ist, erst in Brentfords B-Mannschaft und dann in der ersten Mannschaft zum Einsatz kam. 2019 ging er für 13,60 Millionen zum AFC Bournemouth.

Besonders wichtig ist dabei Ankersens Aussagen zufolge, dass die Spieler der B-Mannschaft so nah wie möglich am Profi-Team sind, damit die Spieler der ersten Mannschaft für sie greifbare Vorbilder darstellen.

Die Reaktion der Fans

Für die Fans des FC Brentford ist es nie einfach, Spieler, die sie in ihre Herzen geschlossen haben, schnell wieder gehen sehen zu müssen, gegen das neue Wappen und das neue Stadion rebelliert die Fan-Seele ebenfalls.

Andererseits kann man hier erkennen, dass der häufige Weggang von Schlüsselspielern und Identifikationsfiguren kein großes Problem sein muss – wenn durch ein klares Konzept die Trefferquote beim Scouting so hoch ist wie bei Brentford.

Der enorme Erfolg ihres Vereins sorgt insgesamt dafür, dass die Zweifel nicht überhandnehmen.

So wissenschaftlich und ökonomisch Benhams und Ankersens neue Sicht-, Denk- und Handlungsweisen auch sein mögen, sie konzentrieren sich ausschließlich auf alle Belange um die neunzig Minuten auf dem Platz herum, damit die Spieler gemeinsam ihr Potential so häufig & so vollständig wie möglich abrufen können. 

Die Wahrscheinlichkeit für Tore, Siege und Aufstiege, also für all das, was uns emotional explodieren lässt als Fans, haben Benham und Ankersen auf diese Weise für ihren kleinen Londoner Vorstadtverein extrem erhöht, um sich nun mit Liverpool, Chelsea, Manchester City und co. zu messen.

Zusammenfassung

Insgesamt ähnelt der FC Brentford einem E-Bike, das unter lauter Drahteseln fährt (beziehungsweise gefahren ist in der Championship, die Ausnahme war dort vor allem Marcelo Bielsas Leeds United), das jedes Jahr seinen alten Motor teuer verkauft und jedes Mal mit einem neuen und preiswerten, der dann nach allen Regeln der Kunst getunt wird, einen weiteren Schritt nach oben macht.

Dieses E-Bike muss nun aber in der Premier League – um im Bild zu bleiben – mit Motorrädern konkurrieren und kann dafür immerhin mit sehr üppigen Fernsehgeldern (zum Vergleich: Der FC Bayern bekam für die letzte Saison etwas mehr als 90 Millionen Euro aus dem nationalen Topf, der letztjährige Tabellenletzte der Premier League 101 Millionen Euro) weiter aufgerüstet und modernisiert werden. Ob das auf Dauer funktioniert, wird interessant sein zu beobachten.

Unabhängig davon haben Benham und Ankersen das Spiel so verändert, wie Malcolm Gladwell es beschreibt: Sie spielen es als David nach ihren Regeln und Gesetzmäßigkeiten, sie haben die Nachteile ihres Vereins in Vorteile verwandelt.

So merkwürdig ihr Vorgehen vor fünfzehn Jahren den meisten vorgekommen ist und vielen vielleicht noch heute vorkommt, so sehr gibt ihnen der große Erfolg recht.

Schlussfolgerungen für Eintracht

Komplett kopieren kann man dieses Konzept wohl kaum – das muss auch nicht sein, beziehungsweise darf es zum Teil nicht, zumindest was eine mögliche Auflösung des NLZ angeht.

Als Vorbild und Inspiration kann der FC Brentford allerdings sehr gut dienen, gerade was das Mindset des Underdogs, das Denken außerhalb von althergebrachten Konventionen, die „Uhr-Struktur“, das datenbasierte Scouting inklusive KPI und das permanente Bestreben, seine Spieler in allen Belangen zu verbessern, betrifft.

Ein Multi-Millionär im Hintergrund wäre dafür sehr hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Wenn es seitens der Verantwortlichen bei Eintracht heißt: „Wir haben kein Geld, also können wir uns keine Philosophie leisten“, dann ist das grundfalsch. Man müsste es umdrehen und selbstbewusst verkünden: „Wenig Geld zu haben, gehört zu unserer Philosophie, dafür sind wir viel einfallsreicher.“ Es kommt nur auf die Einfälle an ….

                                                                                                                                        Jens

In der nächsten Folge wird Brentfords dänischer Cousin FC Midtjylland unter die Lupe genommen.

LITERATUR UND QUELLEN:

Rasmus Ankersen: The Goldmine Effect (2012) Hunger in Paradise (2016)
Malcolm Gladwell: Die Überflieger (2010), David und Goliath. Die Kunst, Übermächtige zu besiegen (2013)

Brentford

FC Brentford

Transfermarkt – Verein

Transfermarkt – Moneyball

Goal.com

Cavanisfriseur.de

11Freunde.de

Talksport.com

Beesunited.org.uk

Bleacherreport

Trainingsguru

Offthepitch

Ran.de

„A Pub on every Corner“, eine Doku von Copa90

Rasmus Ankersen: „The Goldmine Effect 1″

The Goldmine Effect 2

The Goldmine Effect 3

Rasmus Ankersen: „Hunger in Paradise“

Rasmus Ankersen: Vortrag in Manchester

Malcolm Gladwell: David vs. Goliath

„Diese Werte sind gerade so beängstigend“

Moin Löwen,

Jussi hat mir die Möglichkeit gegeben, mich hier kurz vorzustellen und ein wenig zu unserem neuen Video zu sagen. Dieses Angebot nehme ich natürlich gerne wahr.

Über mich

Ich heiße Lennard und bin 16 Jahre alt. In meiner Freizeit beschäftige ich mich vor allem mit der Foto- und Videobearbeitung. Über besonders Vorwissen verfüge ich dabei nicht. Ich lerne schlichtweg mit jedem Projekt neue Dinge dazu und versuche diese dann auch in nachfolgende Arbeiten einzubringen. Wann ich zur Eintracht gefunden habe, weiß ich selber gar nicht genau. Es muss aber rund um den Bundesligaaufstieg 2013 gewesen sein, als ich regelmäßig mit einem Freund die Spiele verfolgte.

Bild: Robin Burek

Über infos_btsv

Das Projekt „infos_btsv“ war ursprünglich als reine News-Seite auf Instagram geplant, woher auch der, angesichts des aktuellen Contents, eher willkürlich wirkende Name stammt. Nach einer zweijährigen Pause und einigen unregelmäßigen Posts, folgten dort von Ende 2019 bis Mitte 2020 erst ein- dann zweimal wöchentlich Sticker-Designs, Rätsel und Wallpapers. In dieser Zeit lud ich auch meinen ersten Beitrag auf YouTube hoch. Das Best of der Hinrunde 2019/20 blieb jedoch vorerst bei 100 Aufrufen. Elektrisiert vom Aufstieg 2020 legte ich eine vierminütige Zusammenstellung der Ereignisse nach Beginn der Corona-Pandemie hinterher, welche mit ca. 11500 Aufrufen bis heute mit Abstand der erfolgreichste Beitrag auf meinem Kanal ist. Um dem guten Feedback gerecht zu werden, erstellte ich innerhalb weniger Wochen neun Highlightvideos von Neuzugängen und Aufstiegsspielern. Da die Rechteinhaber des Bildmaterials aus Liga eins und zwei konsequenter gegen Verstöße vorgehen, als es in der dritten Liga der Fall ist, musste ich für weitere Videos nach einer Alternative suchen.

Auf eine Community-Umfrage hin wurde der Vorschlag geäußert, künftig Statistikvideos zu posten. Da mir die Idee gefiel und mir Jussi und seine Seite blaugelbedatenwelt.com bereits durch Twitter und den Podcast „Eintracht Lebenslang“ ein Begriff waren, schilderte ich ihm die Situation und fragte, ob er die benötigten Daten bereitstellen würde. Seine Antwort ist in Form von nunmehr sechs Statistikvideos auf YouTube zu sehen. Auch hier wird das eingangs erwähnte stetige Lernen und Verbessern deutlich: Die Dauer der Videos in Kooperation mit Jussi änderte sich vom ersten bis zum aktuellen (von 1:38 auf 4:24) um 2:46min (+169%). Der zusätzliche Inhalt besteht unter anderem aus selbst erstellten Animationen. Abgesehen von den Statistikvideos poste ich auf YouTube auch Data Visualization und Beiträge zu besonderen Anlässen.

Das neuste Statistikvideo

Im aktuellen Statistikvideo haben wir Eintracht mit den direkten Kontrahenten Würzburg, Sandhausen, Osnabrück, Darmstadt, Regensburg und St. Pauli verglichen. Dabei wurden die Daten der Konkurrenz in einem Durchschnitt zusammengefasst. Auffällig ist, dass der BTSV in diesem Vergleich in fast allen Belangen unterlegen ist. Meist nur gering (ca. fünf gewonnene Zweikämpfe weniger), gerade im offensiven Bereich aber weitaus deutlicher. So geben die Löwen pro Spiel nur 2,9 Torschüsse (1,3 weniger als die Konkurrenz) ab, aus denen ein xG-Wert von 0,9 (0,5 weniger als die Konkurrenz) resultiert. Diese Werte sind gerade so beängstigend, weil sie selbst im Vergleich mit dem unteren Drittel der Liga die fehlende Wettbewerbsfähigkeit aufzeigen.

Was Hoffnung macht, ist jedoch die vergleichsweise solide Defensive. Die Eindrücke der letzten Spiele trügen nicht, denn die Eintracht kann insgesamt einen um 0,19 geringeren xGA-Wert aufweisen. Auf diese Konstante der letzten Spiele und abermals den Kampfgeist wird es in den finalen Partien der Saison ankommen.