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Gegnercheck: St. Pauli in der Analyse!

Ein Gastbeitrag von Tim Ecksteen, Millernton.

Aufbauspiel

In der Hinrunde hat der FC St. Pauli verschiedene Prinzipien im Aufbauspiel versucht. Funktioniert haben allesamt nicht so richtig. Seit Anfang 2021 wurde der Fokus dann klar verschoben auf eine vornehmlich defensive Spielorientierung. Aus dieser heraus hat der FCSP dann den meisten Druck in offensiven Umschaltmomenten entwickeln können. Eine Spielweise, die aufgrund enormer individueller Qualität in der Offensive (Burgstaller, Marmoush, Kyereh, Becker, Zalazar) sehr erfolgreich war.

Bild: Robin Burek.

Zuletzt im Spiel gegen den VfL Osnabrück war dann fast zum ersten Mal in dieser Saison ein funktionierendes Offensiv-Konzept bei längeren eigenen Ballbesitzphasen zu erkennen. Hierbei formiert sich der FCSP in einer Art 2-3-3-2 und versucht über die Außenverteidiger das Spiel zu eröffnen. Ziel ist die Erschaffung von Überzahl-Situationen auf den Außenbahnen oder in den Halbräumen. Hierzu verschieben Kyereh, aber auch Marmoush häufig auf die entsprechende Außenbahn, unterstützt von den Außenverteidigern und den beiden Spielern auf den Halbpositionen.

Das Spiel gegen Osnabrück hat aber auch gezeigt, dass eine zu starke Fokussierung des Gegners auf den Aufbau über die Außenverteidiger eine andere Option möglich macht: Innenverteidiger James Lawrence verfügt über ein starkes Passspiel und kann auch immer wieder durch Andribbeln teilweise tief in die Hälfte des Gegners eindringen.

Pressing und Verteidigung

Wenn der FCSP nicht gerade dabei ist, den Gegner konsequent hoch anzulaufen (was ich persönlich gegen Braunschweig erwarte), formiert er sich defensiv in einer Art 4-3-1-2. Daniel-Kofi Kyereh arbeitet hinter den beiden Spitzen sehr mannorientiert auf den spielstarken Sechser des Gegners. Die beiden Stürmer lenken das Spiel mittels moderatem Anlaufverhalten auf die gewünschte Seite. Die Außenverteidiger des Gegners wurden bisher meist von den Spielern auf der Halbposition im Mittelfeld angelaufen, es zeigte sich aber auch vermehrt (vor allem links durch Paqarada), dass der FCSP den gegnerischen Außenverteidiger auch direkt mit dem eigenen Außenverteidiger unter Druck setzen möchte.


Diese Art der Verteidigung funktionierte im Saisonverlauf immer besser. Entsprechend haben sich auch die Ergebnisse verbessert. Allerdings kann die Defensive des FCSP (erst drei Saisonspiel zu Null – dritthöchster gegnerischer xG (einige Teams haben aber noch Nachholspiele)) bei weitem nicht mit der eigenen Offensive mithalten. Und das ist für die Gegner eine ganz schlechte Nachricht.

Angriff

Das Angriffsspiel des FC St. Pauli zeichnet sich vor allem durch enormes Tempo aus. Als wäre das nicht genug sind vor allem Spieler wie Marmoush, Kyereh und Zalazar immer wieder mit tiefen Dribblings erfolgreich. Besonders Zalazar kann mit seinen Dribblings von der Halbposition aus teils enorme Räume öffnen. Daniel-Kofi Kyereh kommt im Saisonverlauf immer besser zurecht, arbeitet, wenn er nicht gerade erfolgreich dribbelt, immer mit sehr wenigen Kontakten und kurzen Ballhaltezeiten. Guido Burgstaller ist so ziemlich das, was sich viele unter einem klassischen Strafraumstürmer vorstellen und hat mit 9 Toren in den letzten 11 Spielen nachgewiesen, dass er einer der besten Torjäger der Liga ist. Ein besonderes Augenmerk möchte ich auf Finn Ole Becker legen, der weit weniger spektakulär spielt als seine Offensiv-Kollegen, dabei aber durch sein starkes Passspiel (vor allem in Bezug auf das Überspielen gegnerischer Ketten) eines der wichtigsten Verbindungs-Elemente im Aufbauspiel des FCSP ist.

Durch die hohe individuelle Qualität und die immer besser werdende Abstimmung, muss man inzwischen festhalten, dass der FC St. Pauli immer und bei jedem Spiel zu klaren Torchancen kommt. So hat sich das Team inzwischen nach xG zur besten Offensive der Liga vorgearbeitet (knapp vor dem HSV). Aus Sicht der FCSP-Anhänger*innen ist das eine großartige Entwicklung, die das Team unter der Leitung von Timo Schultz genommen hat.

Auf wen sollte Eintracht aufpassen und wo liegen die möglichen Schwächen?

Ein Problem, was der FCSP im Saisonverlauf zwar immer besser in den Griff bekam (vor allem als Eric Smith auf dem Feld war – der gegen Braunschweig fehlen wird) sind die defensiven Umschaltmomente.

Auch hatte der FCSP lange Zeit in der Saison mit physischen Gegnern Probleme, hat aber inzwischen vor allem die Schwäche bei gegnerischen Standards etwas besser in den Griff bekommen.

Wie bereits beim Aufbauspiel erwähnt, hat der FCSP in der Innenverteidigung zwei gänzlich unterschiedliche Spielertypen – Lawrence eher als aktiven Part im Aufbau, Ziereis eher der „Querpasser“ – die entsprechend unterschiedlich im Pressing bearbeitet werden müssen. Zuletzt ist der FC St. Pauli aber auch sehr gut mit einem hohen Anlaufen der Gegner zurechtgekommen, zumal sich dadurch weiter vorne für die starke Offensive Räume ergeben, die sie aus Gegner-Sicht lieber nicht bekommen sollten.

Grundsätzlich gibt es im Spiel des FCSP ein leichtes Ungleichgewicht: Ganz generell ist die linke Seite mit Leart Paqarada und James Lawrence als LIV die aktivere Seite im Aufbauspiel. Weiter vorne ist mit Finn Ole Becker auf der rechten Seite im Mittelfeld aber auch einen Spieler, der enorm viel entwickeln kann und noch weiter vorne ist es Omar Marmoush, der vornehmlich Bewegungen auf die rechte Offensiv-Seite zeigt. Hierdurch wird Zalazar auf links und dem deutlich offensiveren Paqarada (verglichen mit Ohlsson auf rechts) mehr Tiefe gegeben. Im Spiel gegen Braunschweig wird Ohlsson jedoch verletzt fehlen.

Aufstellung

Gründe für größere Veränderungen in der Startelf wird es nicht geben. Einzig die Verletzung von Sebastian Ohlsson wird im Vergleich zum Spiel gegen Osnabrück einen Wechsel mit sich bringen. Als Ersatz dürfte, wenn nicht gleich die gesamte Formation umgestellt wird, Luca Zander auflaufen. Aber auch Adam Dzwigala oder Jannes Wieckhoff sind Optionen.

Die mögliche Aufstellung von St. Pauli


Auf der Sechserposition fehlt bereits seit längerer Zeit der richtig starke Eric Smith. Bevor er zum FCSP wechselte war es der passstarke, aber physisch und tempomäßig eher mittelmäßige Rico Benatelli, der diese Position einnahm (und es auch zuletzt immer tat). Denkbar ist aber auch, dass der junge Afeez Aremu startet, der sich im Saisonverlauf nach anfangs großen Problemen im Stellungs- und Passspiel zu einer echten Alternative entwickelt hat.


In der Innenverteidigung hatte zuletzt Philipp Ziereis die Nase vor Winter-Neuzugang Tore Reginiussen vorn. Es ist aber durchaus möglich, dass dies nun wieder andersrum gehandhabt wird, da mit Proschwitz ein klarer Zielspieler bei Braunschweig vorhanden ist. James Lawrence ist unangefochtener Stammspieler.


In der Offensive wird es, wenn nicht aufgrund von Verletzungen, keine Wechsel geben. Als Back-Ups für die starke Offensive stehen Lukas Daschner im Mittelfeld und Igor Matanovic als Stürmer zur Verfügung. Auch Maximilian Dittgen (Torschütze im Hinspiel) hat zuletzt im Test als Ersatz für Marmoush im Sturm gespielt. Gerade Dittgen kann durch sein hohes Tempo und seine Robustheit nach einer Einwechslung noch einmal richtig was bewegen.

Der MillernTon ist ein Blog & Podcast rund um den FC St. Pauli. Den Podcast gibt es seit 2013. Zum Start der Saison 18/19 wurde die Webseite MillernTon.de ins Leben gerufen, auf der regelmäßig Artikel im Blog erscheinen. Seit Anfang 2020 wird in der „Lage am Millerntor“ nahezu täglich zum FC St. Pauli berichtet. Inzwischen versucht der MillernTon sich auch finanziell (mittels Spenden und eigens gewählten Anzeige-Partner*innen) zu einem professionellem Medium der FCSP-Berichterstattung zu entwickeln. Das klappt bis hierhin ziemlich gut und womöglich wird der MillernTon zum Start der Saison 21/22 teilweise auch für relevantes Einkommen bei einigen Redakteur*innen sorgen. Einer davon ist Tim, der den FC St. Pauli vor allem aus sportlicher Sicht und mittels ganz viel Statistik und Taktik-Analysen beleuchtet.

Von einer Baustelle zum Defensiv-Monster! Die Eintracht-Abwehr in der Analyse.

Moin Löwen,

in der Hinrunde war die Defensive der Löwen eher noch eine Lachnummer, als eine Garantie für Erfolg. Doch seit der Rückrunde, und besonders in den letzten vier Zu-Null-Spielen, scheint sich die Eintracht-Defensive gefunden zu haben. Und eigentlich sogar noch mehr: es ist der mögliche Schlüssel zum Klassenerhalt. Deswegen lohnt es sich auch, die Abwehr der Eintracht mal genauer zu betrachten. Ich bin mir aber bewusst, dass die Abwehrleistung bei Nick Proschwitz anfängt und bei Jasmin Fejzic endet. In diesem Beitrag konzentriere ich mich aber ausschließlich auf die Leistung der Viererkette, zusammen mit dem Torhüter.

Die Leistung in den letzten vier Spielen

Schauen wir uns erstmal die Leistung aus den letzten Spielen in der Analyse an. In der Viererkette haben wir Nico Klaß (LV), Oumar Diakhite (IV), Brian Behrendt (IV) und Danilo Wiebe (RV). Zusammen mit dem Torhüter Fejzic bilden sie unseren Abwehrbolzen. In der Leistungsanalyse der letzten vier Spiele merken wir, dass die Leistung schon Zweitligaformat hat. In der unteren Grafik von Global Soccer Network wird dargestellt, inwieweit die Spieler in den letzten vier Spielen besser oder schlechter waren, im Vergleich zu den Partien davor. Laut dem Performance-Index zeigt die Abwehr ein durchschnittliches Zweitligaformat zwischen 45 und 55. Umso näher es gegen 55 geht, wird es leicht überdurchschnittlich, was besonders die Leistung von Jasmin Fejzic momentan auszeichnet.

Die defensive Performance der Löwen laut Global Soccer Network in den letzten vier Spielen.

Durchschnittliches Zweitligaformat haut einen jetzt nicht direkt vom Hocker, aber es ist schon sehr gut, dass man sich hier in diesem Bereich im Mittelfeld der Liga bewegt, statt am unterem Ende. In vielen Bereichen ist Eintracht weiterhin ein Kellerkind, doch es ist die Leistung die in nächsten Spielen zählt und die Leistungskurve zeigte definitiv nach oben!

Behrendt

Die Leistung von Behrendt zeigt als einziger von den Jungs etwas nach unten und er ist damit vielleicht ein kleines Sorgenkind. Laut GSN spielt er in den letzten vier Spielen weniger Pässe, von denen auch weniger ankommen. Er hat keine Schlüsselpässe (key passes), er verliert mehr Bälle in der eigenen Hälfte als zuvor und er gewinnt weniger Bälle in der gegnerischen Hälfte. Auch bei den, für unser Spiel, so wichtigen Kopfballduellen gewinnt er weniger und er fängt weniger Bälle ab. Ebenso gewinnt er weniger Defensivzweikämpfe. Die erwarteten Gegentore (xG against) sind bei ihm jetzt höher, von 0.09 auf 0.12. Er lässt also bessere Torchancen für den Gegner zu. In Summe sind das alles keine Riesenfehler, aber es macht sich am Ende in den Statistiken bemerkbar.

Klaß

Was man aus dieser Grafik auch erkennen kann und sollte, ist die Rolle von Nico Klaß. Auch hier auf BGD haben wir die Diskussion zwischen Klaß und Lasse Schlüter vorangetrieben. Klaß ist in der offensive nicht unbedingt die beste Lösung für die Eintracht, doch seine Rolle, Falscher Außenverteidiger, bedeutet, dass er eher der Typ Spieler ist, der auch mal nach innen zieht. Er versucht also auch mal über kurze Pässe das Kombinationsspiel zu spielen und nicht standardmäßig eine Flanke nach der anderen zu schlagen. Noch bemerkenswerter finde ich, dass er den Sprung aus der Regionalliga in die Zweite Liga geschafft hat – in einem halben Jahr. Dennoch muss man sein Offensivspiel ein wenig kritisieren. Zum Beispiel hat er, laut Wyscout, keine Torchance eröffnende Pässe. An seinem Angriffsspiel muss er noch arbeiten. Defensiv hat er aber Zweitliga- Format.

Wiebe

Es gibt viele Gründe dafür, dass man am Anfang ein wenig skeptisch war, Danilo Wiebe auf der rechten Außenverteidiger-Position spielen zu lassen. In der 5er -Kette sah er oft nicht besonders glücklich aus. Doch seit Daniel Meyer auf die Viererkette umgestellt hat und Wiebe wieder fit geworden ist, spielt er auch sehr gut. Er ist, anders als Klaß, offensiv sehr gefährlich. Geht es nach den Torchancen eröffnenden Pässe pro 90 Minuten, ist er sogar unser gefährlichster Spieler. Zusammen mit Fabio Kaufmann ist er auf dem rechten Flügel ein Garant und Benjamin Kessel, gelernter rechter Außenverteidiger, wird ihm in dieser Saison wohl nicht aus der Startelf verdrängen können. Besonders bemerkenswert ist, dass Wiebe es schafft offensiv gefährlich zu sein, aber dann auch in der Defensive zur stelle zu sein: er hat die meisten erfolgreichen Defensivaktionen pro 90 Minuten.

Diakhite

Oumar Diakhite ist momentan unser bester Innenverteidiger, der kleinen Formtiefe von Behrendt geschuldet. Er gewinnt die meisten Luftzweikämpfe der Feldspieler: 59 %. Er blockt auch die meisten Schüsse im Team, 0,73 pro 90 Minuten. Zusammen mit Behrendt hat er aber das Problem, dass beide vom Spielertyp her Ballgewinnende Innverteidiger sind. Das heißt, sie sind nicht besonders dafür geeignet, das Spiel zu gestalten, was das Aufbauspiel der Eintracht ein wenig Handicapt. Diakhite hat aber mit 81 % eine exzellente Passquote und spielt auch weniger lange Bälle als zum Beispiel Behrendt. Doch seine Stärken sind, wie die von Behrendt, nicht im Aufbauspiel, sondern in der Balleroberung und Verteidigung.

Fejzic

Last but not least, Jasmin Fejzic ist in einer super Verfassung. Hatte er noch in der Hinrunde das Problem, den ein oder anderen vielleicht auch haltbaren Ball rein zulassen (dennoch absolut nicht vergleichbar mit der schlechten Form von Felix Dornebusch), zeigt er in den letzten Spielen eine super Leistung, die von GSN als überdurchschnittlich bezeichnet wird. Mittlerweile hat er schon mehr Bälle gehalten, als von den erwarteten Gegentoren her zu rechnen war. Dazu hat er die beste Langpassquote und beste Passquote der Mannschaft. Er ist in dem Sinne kein Mitspielender Torwart, wie Daniel Meyer sich gewünscht hat, doch seine Passquoten zeigen, dass er durchaus auch mit dem Fuß den Ball gut spielen kann. In dieser Hinsicht war der Einkauf von Dornebusch total unnötig.

Bild: Robin Burek

Fazit

Die 1+4 -Abwehr der Eintracht ist Zweitligatauglich und vielleicht der Schlüssel zum Klassenerhalt. Ihre größte Stärken sind in der Abwehrleistung, ihre größten Defizite im Aufbau- und Angriffsspiel. Je länger die Eintracht im Spiel die Null halten kann, desto mehr kann sich auch das Offensivspiel entfalten und für Gefährlichkeit sorgen. Es ist zu erwarten, dass die Abwehr sich weiterhin stabilisieren und auch ihre Defizite verbessern wird.

Quellen: Global Soccer Network, Wyscout.

Datenanalyse: Ist der KSC zu knacken?

Moin Löwen,

vor dem letzten Spiel gegen den Karlsruher SC sagte ich bereits, dass es ein schwieriges Spiel werden wird und wir den KSC nicht als direkten Konkurrenten bezeichnen sollten. Vor der 1:3 -Heimniederlage war nämlich anhand der expected Points (xPts) -Tabelle deutlich zu erkennen, dass der KSC mit mehr Spielglück diese Saison nicht um den Abstieg spielt, sondern um den Aufstieg. Diese Prognose hat sich bewahrheitet. Aktuell hat der Sport- Club 40 Punkte auf dem Konto bei einem xPts -Wert von 38. In den letzten drei Spielen holten sie 4 Punkte. Bester Torschütze ist mit 9 Treffern (expected Goals, xG: 11,27) Ex-Löwe Philipp Hofmann

Vorraussichtliche Startformationen (beide 4-2-3-1)

Aufbauspiel

Karlsruhe verfolgt einen ziemlich ähnlichen Spielstil wie Eintracht. Sie agieren oft in einem 4-1-4-1 oder 4-2-3-1 -System, in dem Hofmann als Zielspieler agiert. Hinter dem VfL Bochum und Eintracht Braunschweig spielen die Karlsruher am drittmeisten den langen Ball im Aufbauspiel: 60,42 -mal je 90 Minuten. Bei Eintracht liegt dieser Wert bei 60,94 -mal pro 90 Minuten. Ähnlich wie beim BTSV ist ihre Passrate, Pässe pro Minute des Ballbesitzes, mit 12,2 im Ligavergleich (2. Ligadurchschnitt 13,07) eher langsam. Genau so ist es bei der Eintracht mit 11,9. Anders als die Braunschweiger bringen sie Bälle aber etwas häufiger mit progressiven Läufen nach vorne. Jedoch auch hier liegen die Statistiken der beiden Mannschaften unter dem Ligadurchschnitt. Die Steilpässe, bzw. progressiven Pässe der Mannschaften verraten aber, dass der KSC vermutlich mehr vom Spiel haben wird und auch oft versuchen wird nach vorne zu spielen. Somit sind die Rollen wohl vorher schon ziemlich klar verteilt.

Pressing und Verteidigung

Ein großer Unterschied zwischen den beiden Mannschaften, wenn man auf die Saisonstatistiken schaut, ist das Pressingverhalten. Karlsruhe ist die viertstärkste Pressingmannschaft der Liga:
9,43 PPDA, pro Abwehraktion ermöglichte Pässe. Außerdem liegt ihre Herausforderungsintensität (Duelle, Tackling und Ballabfangen pro Minute des gegnerischen Ballbesitzes) mit 6,6 knapp über dem Ligadurchschnitt (6,53). Außerdem steht der KSC in der Laufstatistik, Sprints, Laufdistanz und intensive Läufe, höher als Braunschweig. Der Ball wird oft hoch im gegnerischen Drittel zurückerobert. Da der BTSV in dieser Saison oft Probleme hatte, wenn der Gegner hoch angelaufen ist und somit das Aufbauspiel früh gestört hat, ist es zu erwarten, dass der KSC dies auch am Sonntag versuchen wird. 

Da die Eintracht aber in den letzten Spielen eine viel aggressivere Herangehensweise gezeigt hat, ist es zu erwarten, dass beide Mannschaften viele Zweikämpfe bestreiten und hoch pressen werden, wodurch aus den Abwehrreihen vermutlich viele lange Bälle gespielt werden. Es wird ein ähnliches Bild sein, wie in den letzten Spielen gegen den 1. FC Nürnberg und dem SV Sandhausen – auf beiden Seiten.

Die Fouls der Liga, beide eng beieinander.(Wyscout)

In der Defensive sind sich beide Mannschaften überraschend ähnlich. Viele Kopfballduelle, kein großer Unterschied bei den erwarteten Gegentoren, ähnlich viele Fouls, beide haben viele Ballverluste (beide erleiden auch viel Fouls) usw. Es ist zu erwarten, dass wir ein sehr robustes Zweitligaspiel mit vielen Fouls und Zweikämpfe sehen werden.

Angriff

Hier ist es ein Spiel der Gegensätze. Eintracht hat die schwächste Offensive in der Liga, mit 22,40 expected Goals (Osnabrück ist schwächer, hat aber einen Spiel weniger). Karlsruhe ist nicht das stärkste Team in der Offensive, gehört aber zu den Top-Teams. Sie haben die meisten Ballberührungen im gegnerischen Strafraum: 19,76 pro 90 Minuten. In dieser Statistik ist Eintracht zweitletzter mit einem Schnitt von 11,55 Ballberührungen. Mit 17,11 Meter haben sie eine sehr geringe Schussdistanz bei den Schüssen, anders als die Schüsse von der Eintracht: 20,36 m. 

Sie schlagen die meisten Flanken der Liga 19,48 pro 90 Minuten und sind dabei auch sehr Präzise mit einer Flankenquote von über 35 % (Ligadurchschnitt: 14,83; 31,3 %). Deswegen haben sie auch die zweitmeisten Torschüsse durch Kopfbälle in der Liga. Bei den 1 vs. 1 -Situationen sind sie im Offensivspiel nicht so effizient wie die Eintracht, jedoch sind sie auch hier ein bisschen aktiver, was daran liegt, dass sie mehr vom Spiel in der Offensive haben. Die eigentliche besondere Stärke sind jedoch die offensiven Standards. Die meisten Tore, 12, haben sie schon nach Standards erzielt. 

Auf wen sollte Eintracht aufpassen und wo liegen die möglichen Schwächen?

Die individuelle Stärken fangen schon im Tor mit Marius Gersbeck an, der schon einen erwarteten Gegentore -Wert von 31,08 zu verteidigen hatte, nur 30 Tore aber zugelassen hat. Seine Daten sind nicht überragend – er ist aber auch keine Schwachstelle. Die meisten Torchancen eröffnende Pässe (bei Spielern mit mehr als 500 Minuten) spielt der offensive Außenspieler Marc Lorenz: 0,81 pro 90 Minuten. Auch seine expected Assists sind mit 0,31 xA / 90 Minuten die besten in der Mannschaft. Ihn gilt es, zusammen mit dem Zielspieler Hofmann, auszuschalten.

Karlsruhe erzielt, dafür dass sie mit langen Bällen und vielen Flanken agieren, überraschend wenig Kopfballtore. Ex-Löwe Hofmann erzielt seine Treffer meistens per Fuss. Die meisten Kopfballtore, drei, hat der Innenverteidiger Robin Bormuth nach Standards erzielt. Die Löwen müssen also auf Flache hereingaben achten. Ein Spieler mit drei Treffern, Jérôme Gondorf, fällt zum Glück wegen seiner 10. gelben Karte in diesem Spiel aus. Jedoch ist die Torschützenliste der Karlsruher bemerkenswert und sehr breit – auch dank der Standards.

Wirkliche große Schwächen zeigt der KSC nicht. Schaut man sich jedoch die einzelne gefährlichen Situationen der letzten Spiele an, merkt man zum Beispiel, dass die KSC- Innenverteidiger ihre Probleme haben, wenn sie sich schnell zurück bewegen müssen oder wenn sie unter Druck gesetzt werden. Es wird wichtig sein im Zentrum die Bälle zu behaupten und die möglichen zweiten Bälle zu gewinnen. Dazu muss Eintracht sich in puncto Standards weiterhin steigern können.

Bild: Robin Burek

Fazit und eine Prognose

Es wird ein ähnliches Spiel werden, wie wir es schon in den letzten Spielen gesehen haben: viele Zweikämpfe, Grätschen, Fouls, lange Bälle und vor allem ein enges Spiel. Kann die Eintracht das Offensivspiel der Karlsruher ausschalten, müsste ein Punkt und mit etwas Glück auch drei Punkte möglich sein.

Mein Tipp: 0:1 für Eintracht.

Auf geht`s, Löwen!

Quellen: Wyscout, Bundesliga, Kicker, Whoscored.